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Hör mal, wer da schreibt

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Hallo, liebe Leute! Ich lebe noch, bin nur derzeit sehr beschäftigt (womit, erzähle ich euch ein andermal. Vielleicht.).

Gelegentlich finde ich aber noch die Zeit, mich mit unsinnigen Themen zu beschäftigen, und so sende ich euch heute den mit Abstand am bestesten recherchierten Blogeintrag aller Zeiten – Geschlechterrollen in „Hör mal, wer da hämmert“. Kennt die Serie überhaupt noch irgendjemand von euch?

Naja, wie auch immer, es war über Jahre meine Lieblingsserie und da die ja im Grunde ein einziges Abfeiern des Männerseins ist, drängt sich das Geschlechterthema da förmlich auf. Meine konfusen Notizen zu acht Jahren dieser Sitcom möchte ich euch nun in halbwegs geordneter Aufmachung darbieten.

So sind Männer

– Ihnen gehört das Haus, also sind sie der Bestimmer.
– Wenn ihre Frau sich über die Doppelbelastung Arbeit – Familie aufregt, sagen sie „Du musst doch nicht arbeiten!“.
– Männer sind stark. (Deswegen gibt Tim zunächst nicht zu, dass er sich nach dem Schleppen einer schweren Truhe die Leiste gezerrt hat.)
– Sie sind die großen Verführer, was Tim in einige Probleme stürzt.
– Wenn Frauen von Menstruation erzählen, reagieren Männer megaempfindlich. (Außerdem haben sie keine Ahnung von Monatshygiene-Artikeln. Oder wie der weibliche Körper überhaupt funktioniert.)
– Laut dem Buch, das Tim in Folge 8/14 schreibt, stellen sich Männer ihren Ängsten. (Frauen tun das also nicht?)
– In einer Ausgabe von „Tool Time“ gibt es ein ’salute to men‘ (als wäre die Sendung nicht schon ein einziges^^). Männlich sind demnach beispielsweise Armee / Navy, Hunde-Mögen und Filme wie „True Grit“ und „Spartacus“.

So sind Männer nicht

– Sie wissen nicht, wie ein Geschirrspüler funktioniert. Zumindest musste Jill es Tim erklären. (Und als er es dann weiß, baut er ihn um, denn das Gerät ist ihm zu unmännlich. Immerhin ist Tim aber grundsätzlich dafür, dass Männer im Haushalt helfen, wenn er es auch oft Jill überlässt.)
– Der Nachbar Wilson weiß, dass man für unterschiedliche Anlässe unterschiedliche Schuhe braucht. Als er sein Wissen über unterschiedliche Formen der Fußbekleidung demonstriert, wird er von Tim schief angeguckt. Ähnliches passiert, als Al beweist, dass er mehr Farbtöne als der Klischee-Mann unterscheiden kann. (Bei Autofarben wäre das aber auf einmal akzeptiert…)
– Sie mögen kein Ballett. Zumindest ist Tim dieser Ansicht, und es gibt einen Riesenstreit, als er mit Mark zum Ballett gehen soll (der darauf durchaus Lust hatte), ihn dann aber lieber zum Basketball mitnimmt. Jill ist enttäuscht von Tim, da sie ihre Söhne nicht nur männertypischen Dingen aussetzen möchte, und Tim da nicht mitzieht. Als Randy für die Schülerzeitung über das Ballettteam seiner Schule schreibt, sagt Tim sinngemäß, dass es nicht normal sei, sollte Randy sich für Ballett interesssieren.
– Sie trauern nicht, jedenfalls nicht mit Tränen. Tim hält das für unmännlich. (Wobei er sich da später durchaus korrigiert.)
– Sie backen keine Cupcakes.
– Tims ältester Sohn Brad benutzt in Folge 4/26 Makeup, um seine Hautunreinheiten zu kaschieren. Tim ist dagegen, Brads Brüder Randy und Mark machen sich über Brad lustig.
– Männer interessieren sich nicht für Dinge wie Bücher oder Jazztanz.
– Als Tim mit einer seiner Nichten „Teeparty“ spielt, sagt er ihr, sie solle das nicht seinen Freunden im Werkzeugladen erzählen. Den Nachmittag mit ihr mochte er, was allerdings letztlich auch mit stereotypem Mädchen- / Jungenverhalten zu tun hat („Jungen wollen raufen, Mädchen tun mehr Dinge wie Geschichten erzählen“).

So sind Frauen

– Bei „Tool Time“ sind Mädels im Prinzip nur zum Präsentieren da. Dabei kann zumindest Heidi deutlich mehr, denn laut Tim ist diese Elektrikermeisterin. Fun fact: Wegen so einer Sache ist Pamela Anderson, die das vormalige Tool-Girl Lisa gespielt hatte, sogar aus der Serie ausgestiegen. Heidi bzw. Debbe Dunning bekam dann etwas mehr Raum, aber viel war es auch nicht.
– Es gibt aber auch starke Frauen bei „Hör mal, wer da hämmert“. Eine solche ist Jill, die ihrem Ehemann Tim so manches Mal Paroli bietet und ihren Kopf durchsetzt, schließlich sogar nach x Jahren Hausfrauendasein eine neue Karriere startet. Sie wird als Feministin dargestellt, als sie z.B. mit einschlägiger Literatur gesehen wird oder ihren Söhnen beibringt, dass Frauen auch Rechte haben. Ein anderes Beispiel für eine starke Frau in der Serie ist Jills Freundin Karen. Sie kebbelt sich des Öfteren mit Tim, weil die seiner Machowelt etwas entgegensetzt („Natürlich haben Männer viel geschaffen, sie haben ja auch alle Arbeitsplätze“). Sie kann zwar zuweilen etwas aggressiv klingen, wenn sie bspw. allen Männern aggressive Tendenzen unterstellt, aber oft genug ist sie einfach nur der Spiegel, der Tim vorgehalten wird.
– Frauen sind manierlich (während Männer sich ruhig danebenbenehmen dürfen).
– Sie teilen sich anders mit als Männer, nämlich subtiler (was so manches Mal zu Streit führt).
– Frauen, die sich durchsetzen, laufen schnell Gefahr, als Drachen gesehen zu werden. Beispiel: Wanda, Staffel 2, Folge 4.
– Frauen wollen alle Singles verkuppeln. Beispiel: Jill in derselben Folge. Aber sie tut das nicht nur da. Sie verkuppelt eine ihrer Dozentinnen mit Wilson, weil „so eine wundervolle Frau nicht allein sein sollte“. (Mit anderen Worten: Ihrer Meinung nach brauchen Frauen unbedingt einen Partner.)
– Frauen mögen die Farbe Pink (und Männer Schwarz).
– Sie wollen alles zu Tode diskutieren.
– Hat hier jemand mal von dem Begriff „maternal gatekeeping“ gehört? Nein? Na gut. Auf jeden Fall, Jill zeigt, dass sie auch dazu fähig ist. Sie ist beispielsweise der Ansicht, dass Mütter manche Dinge besser können als Väter aufgrund einer speziellen Bindung zum Kind.
– Oft wird von Frauen aber auch verlangt, dass sie Arbeit UND Familie wuppen. (Warum muss Jill kochen, wenn sie wegen ihres Studiums viel um die Ohren hat? Und warum schätzt ihre Familie ihr Essen dann nicht?) Als Tim sich dann doch mal erbarmt und ein paar Wochen mal mehr tut als sie, erwartet er dafür dann so ungefähr den Nobelpreis.^^ Den bekommt er verständlicherweise nicht von Jill, der Dank dafür ist, dass er in einer Tool-Time-Ausgabe alle Frauen inkl. seiner eigenen als Meckertanten darstellt, die man austricksen muss, um seine Ziele zu erreichen.
– Bügeln ist Frauensache, sagt Tim.
– Er sagt außerdem, dass sie ihre Partner dazu zwingen, sich emotional zu öffnen.
– Als Tim sich einmal mit Heidi streitet, regt er sich darüber auf, dass Frauen überemotional seien und man es ihnen nicht recht machen könne.

So sind Frauen nicht

– Sie verstehen Männer im Allgemeinen nicht.
– Sie haben keine Ahnung von Autos (was trotz zahlreicher Gegenbeispiele geglaubt wird).
– Sie können keine Häuser bauen (auch hier gibt es Gegenbeispiele, die nicht helfen).
– Sie können kein scharfes Essen ab. (Heidi rächt sich umgehend für diese falsche Annahme.)

Und sonst so?

– Tim verzapft viel Blödsinn (wer hätte das nach all diesen Anmerkungen gedacht?^^), zeigt sich aber häufig einsichtig. Oft geschieht dies nach einem Gespräch mit Wilson, der als so eine Art Mentor für Tim (und viele andere Figuren) fungiert.
– Wenn Männer und Frauen etwas miteinander unternehmen, wird immer davon ausgegangen, dass sie etwas miteinander haben.
– In unzähligen Ausgaben von „Tool Time“ lästert Tim über seine Frau bzw. Frauen im Allgemeinen. Ein Höhepunkt: Er schnappt sich zwei Zuschauer und zieht mit denen richtig ausführlich über Frauen her, nur weil die eben so sind, wie sie sind.
– Alle möglichen Gegenstände und Dinge müssen „für Männer“ produziert oder umgestaltet werden, weil die normalen zu doof sind. Dies gilt u.a. für Haushaltsreinigungsgeräte, Bade- und Schlafzimmer.
– In Folge 20 wird darüber debattiert, ob Frauen Smokings tragen dürfen, Jill will einen solchen zu einem Opernabend mit Tim tragen, er mokiert sich darüber. Schlussendlich trägt sie ihn aber doch und er ist überrascht davon, wie gut er ihr steht.
– In Folge 2/14 eröffnet Jill ein eigenes Konto, auf das ihr Gehalt als freie Journalistin eingeht. Tim gefällt das überhaupt nicht. Es entbrennt ein Streit darüber, wem was gehört und wer die Macht worüber hat, da Tim der Familienernährer ist, Jill nur ein kleines Gehalt verdient, aber auch gerne Mitspracherechte haben will.
– Die Rosa-Hellblau-Falle existiert (vermutlich wenig überraschend) auch bei „Hör mal, wer da hämmert“. In Folge 3/1 taucht eine rosa Decke auf, die Jill gehäkelt hatte, als sie mit Mark schwanger war. Sie hatte auf ein Mädchen gehofft. Als Tim das seinen beiden älteren Söhnen verrät, machen die sich über Mark lustig.
– Tim kann schlecht akzeptieren, wenn Frauen auf einem männertypischen Gebiet, bspw. als Vorarbeiter auf einer Baustelle, mehr Ahnung haben. Er haut dann Vorurteile raus („hat bestimmt keinen Respekt bei männlichen Kollegen“), sexistische Sprüche (z.B. übers Aussehen) und gaaaanz viele herablassende Kommentare („brauchen Sie die Hilfe von einem starken Mann?“).
– In Folge 5/15 begleitet Jill Tim zu einem Aufenthalt auf einer Militärbasis. Er findet, Frauen hätten da nichts zu suchen – und das, obwohl Jill die Tochter eines Colonels ist und an dem Aufenthalt sehr viel Freude hat, zumindest so lange, bis Tim es ihr vermiest. Ihr wird ermöglicht, einen Panzer zu fahren, und Tim macht ihr die Freude daran zunichte, weil sie es besser kann als er.
– Tim soll sich auf Wunsch von Jill vasektomieren lassen, er ist zunächst nicht sehr offen. Seine Freunde im Werkzeugladen denken, man ist dann kein Mann mehr. Tim lässt sich zu einem Besuch in einer urologischen Praxis überreden, und als er feststellt, dass es sich um eine Ärztin handelt, macht er sofort zu, denn eine Frau könne Männer ja nicht angemessen „da unten“ behandeln. Er ist Argumenten nicht zugänglich, fragt Jill, was sie denn von Schmerzen da unten verstehe, und als sie die Geburtsschmerzen der Kinder aufbringt, ist er genervt. Jill musste sich all die Jahre ihrer Beziehung allein um Verhütung kümmern und es sieht so aus, als würde das so weitergehen. Ironischerweise hilft ihm dann einer der Freunde aus dem Werkzeugladen, Tims Meinung zu ändern – Harry, der eine Vasektomie hatte, das in seinem Laden aber nicht zugeben wollte.
– Interessant wird dies, als Jill sich aus medizinischen Gründen einer Totalhysterektomie unterziehen muss: Sie fühlt sich danach nicht mehr als Frau. Tim macht ihr aber klar, dass zu einer Frau mehr gehört als Eierstöcke, Gebärmutter und die Möglichkeit, Kinder zu kriegen.
– In einer Folge gibt es einen Streit, als festgestellt wird, dass Brads damalige Freundin Angela alle Hausarbeiten für ihn erledigt. Tim macht weniger im Haushalt als Jill und das bisschen, was er macht, auch nur um des häuslichen Friedens willen. Er zeigt sich nicht besonders bereit, Brad klarzumachen, dass der sich falsch verhält, aber schlussendlich tut er es doch.
– In Folge 7/24 ist Jill zu Gast in einer Talkshow mit dem Thema „Erfolgreiche Frauen“. Tim und seine Freunde sehen die Talkshow im Werkzeugladen. Als eine der talkenden Frauen erzählt „Ich bekam ein Jobangebot und mein Mann interessierte sich nur dafür, wer dann kocht“, fragt Harry, was daran falsch sei. Jill versucht, das Verhalten der jeweiligen Ehemänner zu erklären. Tim erscheint in ihrer Darstellung zunächst verständnisvoll (unterstützte Jill grundsätzlich in ihrer Berufswahl), dann wie ein Idiot (verständnislose erste Reaktion auf Studienwahl, hält Psychologie im Allgemeinen für Schwindel, Midlife-Crisis und verletzlicher Zustand). Seine Freunde und die Besucher eines Fitnesscenters, in dem die Sendung lief, machen sich daraufhin über Tim lustig. Tim und Jill fetzen sich heftig. Daraufhin kommt zur Sprache, dass Tim sich in „Tool Time“ regelmäßig über Jill auslässt, was ja etwas gaaaanz anderes sei. Als Jill mit Wilson über die Geschehnisse redet, wird ihr klar, dass all das passiert ist, weil sie glaubte, sich vor den anderen Frauen mit ihrem Psychologie-Wissen und besseren Stories beweisen zu müssen.
– Vielleicht am interessantesten ist das Serienende. Tim kündigt bei Binford, gleichzeitig bekommt Jill ein Jobangebot als Familientherapeutin in einer Hunderte von Meilen entfernten Stadt. Logisch, dass da umgezogen werden müsste. Tim möchte das aber nicht und Jill ist darüber enttäuscht, zumal sie sich 20 Jahre lang immer nur nach seiner Karriere ausgerichtet hat. Letztlich willigt Tim aber doch ein.

Puh.

Fazit

Die Serie lief von 1991 bis 1999. Natürlich findet man da sehr häufig noch klassisches oder klischeehaftes Männer- / Frauenverhalten, stellenweise ist das so extrem, dass man sich darüber aufregen will. Ich muss aber sagen: Für eine Serie aus den Neunzigern finde ich „Hör mal, wer da hämmert“, was Geschlechterthemen anbelangt, ziemlich fortschrittlich. Immer wieder tauchen Figuren auf, die aus den klassischen Rollen ausbrechen. Immer wieder wird sich dafür ausgesprochen, dass Männer und Frauen ihre Differenzen beilegen. Jill darf ein Leben außerhalb der Familie haben (wenn da auch viel verbesserungswürdig ist, aber ich will nicht zu viel erwarten). Und ganz großartig ist natürlich das Serienende, in dem sich Tim karrieremäßig nach seiner Frau richtet.

Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder Kritik? Rein damit in die Kommentare (oder meinetwegen meinen Maileingang, auch wenn der mal wieder überquillt).

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Alltagsärgernis

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Ich muss mich derzeit durch diverse körperliche Malaisen kämpfen. In so einer Situation versucht man, wenn man dennoch etwas erledigen muss, möglichst kurze Wege zu haben. Gestern begab es sich also, dass ich in der örtlichen krankengymnastischen Praxis zu tun hatte. Und der nächste Einkaufsmarkt von dort war ein gewisser Discounter.

Ich benötigte verschiedene Artikel, darunter Intimwaschlotion. Schon leicht verärgert stellte ich fest, dass der Discounter diese nicht im Sortiment führte. Aber ich dachte: Gut, ich brauche die Lotion, also fahre ich jetzt extra deswegen zu einem weiteren Einkaufsmarkt. Und da passierte dann Folgendes:

Le me: „Guten Tag, wo haben Sie die Intimwaschlotion?“

Verkäuferin: „Die was?“

Le me: „Intimwaschlotion.“

Verkäuferin: „Die Einwegrasierer sind an der Kasse.“

Le me: „Ich will aber keine Rasierer, ich möchte Waschlotion!“

Verkäuferin: „Ja, also, das (Duschgelmarke) steht da hinten.“

Le me: „… danke. (sucht erst „da hinten“, dann an der Kasse nach Intimwaschlotion) Hier gibt es ja gar keine Intimwaschlotion!“

Verkäuferin: „Nee, also, so was haben wir nicht.“

Nicht mehr so leicht verärgert verließ ich den zweiten Discounter und machte mich danach auf in den Supermarkt (den ich sofort hätte ansteuern sollen…). Hier hatten sie nicht nur die Intimwaschlotion, nein, sie passten auch noch freundlicherweise auf meinen Korb auf, in dem sich meine Discounter-Einkäufe befanden und den ich wegen bereits erwähnter körperlicher Malaisen nicht selbst hätte schleppen können.

Zurück bleibt die Frage, warum ich in drei Märkte fahren muss, um ein wichtiges damenhygienisches Produkt zu erwerben. Hat bei den Discountern niemand jemals Intimwaschlotion gekauft oder woran liegt es, dass die das nicht im Sortiment haben?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ein paar voradventliche Gedanken

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Es gibt einen Sexshop, der einen Adventskalender anbietet und diesen zurzeit auch groß bewirbt, u.a. im Fernsehen. Auf Twitter begegnete ich nun einigen Menschen, die streng gegen die Inzusammenhangbringung dieses Kalenders und eines christlichen Festes sind. Eine von ihnen schrieb, der Kalender sei sexistisch, gotteslästernd und verstoße gegen Paragraf 166 des Strafgesetzbuches.

Ich verstehe nicht, was an dem Kalender sexistisch sein soll. Welches Geschlecht wird denn dadurch degradiert? Und dass der Kalender gotteslästernd sein soll, verstehe ich sowieso schon mal gar nicht. Einige haben mir später geschrieben, dass der Advent eine Art Fastenzeit ist und man da keine lasziven Geschenke geben sollte. Das immerhin konnte ich noch einigermaßen nachvollziehen, wenn ich auch finde, dass man dann auch gleich alle gewöhnlichen Adventskalender mit Schokolade verbieten wollen sollte.

Ich finde, dass Sexualität etwas Schönes, von Gott Gegebenes ist und man das ruhig genießen darf. Da gab man mir zwar Recht, allerdings solle man vor Gott eins werden und es nicht tun wie die Kaninchen, das sei zu billig. Aber was haben Sexspielzeuge mit „tun wie die Kaninchen“ zu tun? Was soll „tun wie die Kaninchen“ überhaupt genau bedeuten? Solche Spielzeuge, wie sie im Kalender angeboten werden, können doch auch eine Partnerschaft wiederbeleben.

In diesem Zusammenhang wurde mir auch das Buch „Die Liebe, die erfüllt“ von Christopher West nahegelegt.

Jene, die der Lehre von Papst Benedikt jene Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient, werden feststellen, dass die katholische Kirche eine Vision von Liebe und Sexualität hat, die um ein Vielfaches glorreicher und erfüllender ist, als alles, was uns Sigmund Freud, Hugh Hefner oder Britney Spears jemals angeboten haben.

Bei allem Respekt, aber wenn ich Fragen zu Liebe und Sexualität habe, wende ich mich ganz sicher nicht an die katholische Kirche. Es gab und gibt viel zu viele Menschen, die mit ihrer Lustfeindlichkeit anderen Menschen das Leben versaut haben. Zu den Zeiten will ich ganz sicher nicht wieder zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ich bin kein Model und ich seh doof aus

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Neulich las ich wieder einmal die Neue Osnabrücker Zeitung. Und so entdeckte ich eine Meldung, in der verkündet wurde, dass Céline Bethmann Deutschlands nächstes Topmodel geworden ist. Ich stutzte nicht nur darüber, dass sie auf dem Foto aussieht, als hätte ihr jemand verkündet, ihre Oma wäre gestorben. Besonders schön war auch die Bildunterschrift:

Mit dem Titel gewinnt die Schönheit […] die zweifelhafte Einsicht, dass sie trotz des Sieges nicht die tollste Persönlichkeit des Formats hatte. Denn auch für die vergab Klum im GNTM-Finale einen Preis. Er ging an eine von zwei Transgender-Kandidatinnen.

Das ist auf so vielen Ebenen abgedreht, dass ich es kaum formulieren kann. Eine Sendung, die wie keine andere auf Oberflächlichkeit setzt, kürt die beste Persönlichkeit?

Ein guter Freund meinte neulich, dass sich die Sendung in ihrer Machart eher so an 14jährige Mädels richte. Mir wird halbschlecht, wenn ich daran denke, dass die so eine Sendung sehen. Man muss die Oberflächlichkeit ja nicht noch weiter heranzüchten. Ein Alibi-Persönlichkeitspreis bringt’s da auch nicht wirklich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Geschützt: Manga Love Story

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Advocatus diaboli

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Neulich las ich, auf Empfehlung einer sehr netten Klosterschwester, das Buch „Wenn dir das Lachen vergeht“ von Willibert Pauels. Willibert Pauels ist Büttenredner im Kölner Karneval und katholischer Diakon. Und er hat jahrelang mit Depressionen gekämpft. Ich kann das Werk nur empfehlen. Jeder, der Informationen über diese psychische Krankheit sucht bzw. mehr darüber wissen will, ist damit gut beraten. Dennoch gab es da einige Stellen, die ich hier jetzt mal besprechen will.

Normalerweise sage ich ja immer etwas scherzhaft, dass ich Niedersächsin mit mecklenburgischem Migrationshintergrund bin. Genauso gut könnte ich jedoch sagen, ich bin Lutheranerin mit atheistischem Migrationshintergrund. Und das macht sich bei gewissen religiösen Texten immer bemerkbar.

Herr Pauels ist zum Beispiel der Meinung, dass eine atheistisch-materialistische Weltsicht, in der es keinen Geist gibt, sondern nur Materie, eine tiefe Trostlosigkeit zur Folge habe. Und da frage ich mich: Muss es das automatisch? Es gibt viele Atheisten, die mit sich und ihren Ansichten total zufrieden sind. Die eben nicht in eine große Sinnkrise geraten.

Oder kannst du deinem Kind in die Augen schauen und ihm erklären: Du, Kind, bist letztlich nichts anderes als ein Zellhaufen, der biochemisch reagiert. Und wenn ich dich lieb habe, Kind, ist auch das letztlich nichts anderes als eine biochemische Reaktion in meinem limbischen Gehirnlappen.

Man korrigiere mich, wenn ich falsch lege, aber ich interpretiere diese Stelle so, als würde er allen Atheisten unterstellen, sie könnten so etwas wie Liebe gar nicht empfinden, weil sie schließlich nicht an Gott glauben und deswegen keine Ahnung davon haben. Meine Eltern sind Atheisten und ich habe nie das Gefühl gehabt, sie würden mich oder meinen Bruder nicht lieben, nur weil ihnen laut ihrer Ansicht kein Gott Liebe ins Herz gepflanzt hat.

An einer anderen Stelle geht Herr Pauels auf die Bedeutung des Karnevals in der katholischen Welt ein. In diesem Zusammenhang schreibt er wie folgt:

Im Übrigen gehört die angebliche Leib- und Sinnenfeindlichkeit der Kirche zu den großen, aber unausrottbaren Irrtümern. Der ausgelassenste, der rauschhafteste Karneval wird in den katholischen Ländern Mittel- und Südamerikas gefeiert. Unvorstellbar etwa, dass der erotischste Tanz, der Tango, im nordamerikanischen Bible Belt erfunden worden wäre. Oder in Dschalalabad… Unvorstellbar.

Das erinnert mich daran, als ich sechs Jahre alt war. Meine Mutter hatte mir total verboten, von den Süßigkeiten im Küchenschrank zu naschen. Und genau deswegen habe ich es mit Freude getan. :3

Über Papst Benedikt schreibt er auch. Er sagt, dass die jungen Leute, die Benedikt beim Weltjugendtag zujubelten, verstanden hätten, dass es um „solche Fragen“ (gemeint sind die, naja, sehr traditionellen Positionen, die der emeritierte Papst vertritt) in der Religion nur am Rande geht. Und er zitiert sich selbst aus einer alten Zeitungskolumne:

Es war köstlich zu beobachten, mit welcher Verbissenheit kritische Medien immer wieder versuchten, die Themen Sexualmoral und Frauenpriestertum in den Mittelpunkt zu stellen, und von den Jugendlichen (die zum allergrößten Teil nicht die rigorose Sexualmoral der katholischen Kirche befolgen) ebenso regelmäßig als Antwort bekamen: Das ist mir doch egal…

Liebe Kritiker, kapiert doch endlich: All diese Punkte, die ihr mit empörter Aufgeregtheit, zum Teil auch berechtigt, thematisiert, sind aus der Perspektive einer gesunden Religiösität Randthemen.

Es ist also ein Randthema, wenn über die Hälfte der Weltbevölkerung diskriminiert wird? Wenn man gläubige Menschen nicht dazu zulässt, das Wort Gottes zu verkünden, nur weil ihnen nichts zwischen den Beinen baumelt? Wenn man junge Menschen davon abhält, ein gesundes Geschlechtsleben zu entwickeln, aufgrund total überkommener Moralvorstellungen? Wenn mein guter Freund seine große Liebe nicht heiraten darf, weil die ein Mann ist?

Da kann er noch so lange Papst Benedikt zitieren, dass jeder von Gott geliebt ist. Nach solchen Zitaten wie dem da oben glaubt man das auch nicht mehr unbedingt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Wenn Shoppen für Männer so wäre wie für Frauen

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Ich glaube, das wäre in etwa so:

„Tut mir leid, die Boxershorts haben wir nur in M…“

„Wieso führt dieser Laden nur Größen bis 44?“

Oder auch:

„In dieser 52 schwimme ich total… wtf, diese 54 ist viel zu klein! Würfeln die?“

Ich hoffe für alle männlichen Blogleser, dass sie so was nie erleben müssen.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin