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Schlagwort-Archive: Großeltern

Lebenszeichen

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Ich habe jetzt sehr lange nichts mehr gebloggt. Seit ich von meinen Großeltern wieder zurück bin, ist nicht viel passiert. Ich kämpfte mich bis letzten Montag durch drei Hausarbeiten, von denen ich zwei erst zwei Wochen vorher beginnen konnte, weil der Dozent nicht früher Zeit für mich hatte. Und vorhin habe ich entdeckt, dass mein Frühlingsgedicht von Zeit Online übernommen wurde (http://t.co/5dsOtnYuLT – das unterste auf der ersten Seite). Naja, mein Leben wird sicher besser, wenn die Uni wieder anfängt und ich mit dem ganzen Trubel rund um die Taufe durch bin.

Eigentlich wollte ich mir in einer Woche einen Lebenstraum erfüllen, was dadurch verhindert wurde, dass Ennio Morricone wegen einer Rücken-OP keine Konzerte geben kann. Es sind auch noch ein paar andere doofe Sachen passiert. Ich würde sie gern aufschreiben oder in einer Geschichte verarbeiten, Worte würden dem aber nicht gerecht werden, daher füge ich hier jetzt ein Youtubevideo ein, das es viel besser kann:

https://www.youtube.com/watch?v=RCObXuAwCIA

Ich wünschte, ich könnte so tolle Geschichten schreiben wie dieses Lied.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Und sonst, Kitschi?

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(inspiriert hiervon: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/ich-ueber-mich/ich-ueber-mich-gregor-gysi-und-sonst-herr-gysi-12787872.html)

Ein guter Arbeitstag beginnt mit Gebäck und etwas Lustigem.

Mein erstes Geld verdient habe ich bei meinem Opa, der stellvertretender Leiter einer DSV-Versuchsstation war, sprich: auf dem Feld.

Wenn ich mir im Flugzeug einen Sitznachbarn wünschen könnte, wäre es mein Freund.

Die Zeit vergesse ich im Internet.

Ich habe schon immer das Gefühl gehabt, ich sei ein Alien.

Ich habe noch nie geraucht.

Es bringt mich auf die Palme, wenn Leute fremden- oder frauenfeindliche Äußerungen von sich geben.

Ich bringe andere auf die Palme, wenn ich auf etwas reagiere, das ich als der letzten Frage zugehörig empfinde.

Ich verreise nie ohne ein Buch. Genau wie Herr Gysi, haha!

Mit 18 wollte ich ausziehen.

Heimat bedeutet für mich die viertgrößte Stadt Niedersachsens.

In meinem Lebenslauf steht nicht, dass ich fleißig war.

Mein Weg führt mich hoffentlich mal ins Ausland.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nachtrag vom 8. November 2020: Ein guter Arbeitstag, das weiß ich inzwischen, kann auch mit dem Lächeln von Kollegen beginnen. Und Heimat ist für mich auch eher so dort, wo Menschen sind, die mir nahe stehen.

Geschützt: Libanesen, die Sowjetunion und Schwule

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Geschützt: Existierende und ehemalige Staaten

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Geschützt: Religionsfeinde bitte weitergehen

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Krümelmonster, Teil 17

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Am nächsten Morgen wurde ich wieder von der Sonne im Auge geweckt. Doch diesmal war es keine stechende Sonne, sondern eine freundliche Sonne. Vorsichtig zog ich die Jalousien hoch. Hinter mir drehte sich Lea grunzend im Bett um. Ich setzte mich auf die Fensterbank und beobachtete die Sonne. Sie ging gerade auf und war schön orange gefärbt. Ich beobachtete gern Sonnenaufgänge. Wann hatte ich mir das letzte Mal Zeit dafür genommen? Ich war zu beschäftigt gewesen.
Jetzt starrte ich in die orangefarbene Sonne und dachte nach. Hannes hatte gesagt, er hatte nicht gewusst, wie er sich entscheiden sollte. Wusste ich das? Nein, wusste ich nicht. Was sollte ich tun?
Plötzlich zuckte ich zusammen, denn hinter mir ertönte ein lautes Gähnen. Es war eindeutig weiblich gefärbt. Als ich mich umsah, bemerkte ich, dass es meiner großen Schwester gehörte. Wem auch sonst? Ich wurde langsam paranoid, nach dieser CD-Geschichte. Ich spürte einen Stich im Herzen.
Diese Kati verteidigte ihren Hannes wirklich mit allen Mitteln, sie schreckte vor nichts zurück. Und das, obwohl er ein Schürzenjäger war, dieses Wort benutzte Oma manchmal für solche Männer. Er schaute allem hinterher, was Brüste hatte. Anna hatte ja mal erwähnt, dass er sogar einige Dozentinnen verführt hatte. Und da wollte Kati ihn wirklich noch haben? Das konnte ich, genauer betrachtet, nicht verstehen. Und wieso dachte ich überhaupt noch über ihn nach? Gut, er sah unheimlich gut aus, war wahnsinnig charmant, hatte einen tollen Humor –
„Guten Morgen! Na, wie geht’s dir?“, fragte Lea und schwang ihre Beine aus dem Bett.
„Dumme Frage. Gehen wir jetzt zur Uni?“
„Das bezog sich eigentlich eher auf dein körperliches Wohlbefinden.“ Lea suchte ihre Klamotten zusammen.
„Seit wann drückst du dich so verschwurbelt aus? Mir geht’s super, danke.“
Lea streifte das Top ab, in dem sie geschlafen hatte, und wusch sich am Becken. Nebenbei unterhielten wir uns.
„Jetzt sag mal, wer war eigentlich dieser Typ, der dich gestern entführt hat?“, fragte sie ungeniert nach. Ich zuckte zusammen. „Nun sag schon, wer ist das?“
„Hannes. Er wohnt im Zimmer neben mir.“
„Ach wirklich? Darauf wäre ich ja nicht gekommen“, versetzte Lea und lehnte sich dabei auf den Beckenrand.
„Mehr gibt es auch nicht über ihn zu sagen.“
„Wirklich nicht?“
„Nein, wirklich nicht!“, antwortete ich gereizt.
„Ja, sicher“, antwortete Lea. Ihr war anzusehen, dass sie mir nicht glaubte. Sie begann, sich ihr nach Parfüm stinkendes Zeug wieder abzuwaschen. „Also, wer ist Hannes?“
Manchmal hasste ich ihre Neugier einfach. „Also gut, er hat mich angequatscht, wir haben uns im Duschraum wiedergetroffen und miteinander geschlafen und ich hab mich in ihn verknallt, obwohl er ein verdammter Casanova ist und nichts von mir wissen will! So, bist du jetzt glücklich?“
Erschrocken ließ Lea ihr Deo fallen. Mit einem Ausbruch meinerseits hatte sie wohl nicht gerechnet. „Was? Und das hast du mir nicht erzählt?“
„Nein, du hattest doch viel schlimmere Probleme. Übrigens solltest du dich abtrocknen, sonst erkältest du dich noch.“
„So ein Quark!“, wies sie meinen Einwand beiseite, trocknete sich aber dennoch schnell ab und zog sich an. Dann setzte sie sich neben mich auf die Fensterbank.
„Du hast wirklich mit einem Jungen geschlafen, den du kaum kannst? Aber das war doch dein erstes Mal!“
Trübsinnig antwortete ich: „Das hat mich auch nicht davon abgehalten, mit ihm in die Kiste zu steigen.“
„Habt ihr denn wenigstens verhütet?“
„Ja, haben wir. Sogar zweifach.“
„Das hätten Gero und ich auch machen sollen“, seufzte Lea. „Dann würde ich jetzt kein Baby in mir tragen. Ich bereue es mittlerweile auch, dass ich einfach so mit ihm geschlafen habe. Obwohl wir ja schon so lange zusammen sind.“
„Wirklich?“
„Ja. Ich weiß noch überhaupt nicht, wie ich mich entscheiden soll, alles stürzt auf mich ein. Und das lag nur daran, dass wir irgendwie nicht vernünftig aufgepasst haben. Na ja, worüber haben wir gerade gesprochen? Ich kann dir jedenfalls nur raten, aufzupassen, mit wem du schläfst und wann du das tust.“
„Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Ich komme mir jedenfalls unheimlich idiotisch vor“, rief ich.
„Das kann ich mir vorstellen. Aber solltest du nicht auch langsam ins Bad gehen? Sonst verpasst du schon wieder eine Vorlesung.“
„Ich habe dieses Semester erst zwei verpasst“, entgegnete ich, verzog mich aber dennoch zur Körperhygiene.
Unterwegs redeten wir weiter. Wir redeten über vieles, über unsere Familie, über Hannes und Kati, über Leas Baby. Aber eines hatte ich noch nicht herausgefunden.
Ich fragte sie: „Wo bist du eigentlich gewesen? Du bist ja gestern Abend erst ziemlich spät bei mir angekommen.“
„Ach… Ich bin gestern Abend zu Fuß durch die ganze Stadt gelaufen und habe auf irgendein Zeichen gewartet, das mir zeigt, ob ich das Baby behalten soll oder nicht.“
„Und, hast du ein Zeichen bekommen?“
„Nein, irgendwie nicht. Das Komische war, ich bin irgendwann einfach vor Geros Wohnung gelandet. Ich wollte nicht mit ihm reden, ich hab mich nicht getraut… und bin dann einfach wieder weggegangen.“ Traurig schaute sie aus dem Fenster des Busses.
Ich legte den Arm um sie. „Es ist ganz natürlich, dass du Angst vor einem Gespräch hast. Aber irgendwann musst du mit ihm sprechen. Es ist auch sein Kind!“
„Und mein Körper!“
„Die Entscheidung liegt definitiv bei euch beiden. Und ich würde besonders dir raten, nichts zu überstürzen.“ Verzweifelt suchte ich nach irgendetwas, das ich meiner großen Schwester raten konnte. Mir fiel nur eins ein. „Kannst du dich an Oma erinnern?“
„Ja, ganz toll.“ Lea schnaubte. „Als sie erfahren hat, dass ich schwanger bin, ist sie ausgerastet. Die fiesesten Sachen hat sie mir an den Kopf geworfen.“
„Ja, aber sie hatte auch einen Grund dafür!“
„Und welcher wäre das, bitte?“
„Sie ist selber mit 17 schwanger geworden!“
„Wie?“ Überrascht schaute Lea mich an. „Mit 17?“
„Na, als sie Tante Marie erwartet hat!“
„Na klar, wieso ist mir das nie aufgefallen? Darüber habe ich eigentlich nie nachgedacht. Das muss ja hart für sie gewesen sein.“
„Ja, genau. Sie musste ein Kind mit einem Mann aufziehen, den sie gerade mal ein paar Monate kannte. Es war bestimmt nicht einfach, aber es hat geklappt.“
Wir kamen an der Uni an. An der Mensa trennten sich unsere Wege. Sie musste nach rechts, ich nach links.
Bevor wir uns trennten, sagte ich noch zu ihr: „Besprech das mit ihm. Bei Oma hat es funktioniert. Ihr müsst gemeinsam herausfinden, ob ihr das auch schaffen könnt.“

Krümelmonster, Teil 14

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„Na, wenn du meinst…“ Oma sah mich mehr als skeptisch an. „Warum bist du denn so plötzlich hergekommen? Ist irgendetwas passiert? Brauchst du Geld von uns? Wie viel?“

„Nein“, wehrte ich ab, „finanzmäßig ist alles in Ordnung.“

„Was ist es denn? Ist es wegen Lea?“

Ruckartig hob ich mein Gesicht. Einen Augenblick lang musste ich selbst überlegen. War es wegen Lea? War es wegen Hannes? War es wegen Aurélie? Wirkte nicht alles irgendwie zusammen? Und was sollte ich ihnen davon erzählen? Ich wollte meiner Mutter und meiner trotz aller Entwicklungen doch noch relativ strengen Oma nicht von einem One-Night-Stand erzählen. Und ich wusste auch nicht, was Lea ihnen bereits über ihre Schwangerschaft gesagt hatte. Ob sie überhaupt schon davon wussten. Wie bereits erwähnt war ich mir nicht wirklich sicher, ob Lea sie informiert hatte oder bloß so getan hatte. Und wenn ich ihnen von Aurélie erzählte, wollten Mama und Oma sicher gleich den ganzen Rest wissen.

Schließlich ließ ich mich zu einem lahmen „Ach, ist nicht so wichtig“ hinreißen. Das hätte mir nicht mal ein Taubblinder abgenommen.

Oma wollte bereits etwas erwidern, doch da klingelte bereits das in der Küche deponierte Telefon. „Oh, das ist bestimmt Martin, der mir sagen will, wann ich ihn abholen soll!“, rief Mama und rannte aus dem Wohnzimmer.

Die Tür fiel zu.

„Mama muss Papa abholen?“, fragte ich.

„Ja, das eine Auto ist in der Werkstatt und dein Vater ist mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Also, was ist mit dir los? Ich sehe doch, dass du irgendetwas hast.“

Ich drehte und wand mich. „Eigentlich weiß ich nicht, ob ich es dir erzählen möchte“, gestand ich nach ein paar Sekunden.

„Na gut, musst du ja nicht. Soll ich dir einen Tee aus der Küche holen?“, bot Oma mir an.

„Ja, bitte.“

Oma ging aus dem Zimmer. Ich schaute aus dem Fenster auf den großen Garten, in dem wir als Kinder oft gespielt hatten. Lea und ich hatten Äpfel aus dem Garten gesammelt, im Baumhaus gehockt, geschaukelt und später auch Paul gezeigt, wie man Sandburgen baute. Ja, das waren noch Zeiten, wo wir einfach spielen konnten, ohne uns um irgendetwas Wichtigeres als das Einmaleins kümmern zu müssen. Wo wir uns noch nicht um solche Sachen wie Liebe kümmern mussten. Wo Freunde nach einem „Blöde Kuh!“ kapiert hatten, was Sache war, und wieder zur Räson kamen. Wo man nicht fürchten musste, plötzlich schwanger und dann noch vom Langzeitfreund verlassen zu werden. Ich seufzte.

„Hier ist dein Tee. Ich hoffe, er schmeckt dir noch. Er ist etwas kalt geworden, fürchte ich.“ Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Oma wieder im Raum war. Sie setzte sich in den großen Sessel, in dem normalerweise mein Vater saß und Zeitungen las.

„Ich kann einfach nicht mehr“, seufzte ich und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Lea liegt da im Krankenhaus und ihr ganzes Leben ist total verändert. Ich weiß nicht, wie sie sich entscheiden will! Will sie das Baby behalten oder nicht? Bleibt Gero bei ihr oder nicht? Ich habe Angst! Und all das versteht Aurélie nicht. Die stürmt heute zu mir ins Café und brüllt mich vor versammelter Mannschaft an, warum ich ihr denn nicht bei ihren bescheuerten Liebesproblemen helfe. Die hat sie doch nicht mehr alle!“ Ich stöhnte. Ich konnte auch nicht glauben, dass ich meiner alten Großmutter das alles gesagt hatte.

„Wer war noch mal Aurélie?“, fragte Oma stirnrunzelnd.

„Die eine von meinen Freundinnen. So groß wie Mama, braune Haare, braune Augen.“

„Ach so.“

„Die hatte ein paar Probleme mit ihrem Freund und das nur, weil sie nicht einsieht, dass sie einige Dinge grundfalsch gemacht hat. Aber das wäre nicht so schlimm, wenn sie nicht behauptet hätte, dass ich total egoistisch wäre und ihr nicht helfen würde, weil ich ja mein dämliches Handy nicht angemacht hätte. So ein Mist!“ Ich haute aufs Sofakissen.

„Das hat sie bestimmt nicht böse gemeint. Weiß sie denn überhaupt, dass du bei deiner Schwester im Krankenhaus warst?“

„Nein. Woher sollte sie auch? Ich hab sie ja schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Und mein Handy hatte ich ja nicht angemacht! Das war doch verboten im Krankenhaus.“

„Ich bin mir sicher, dass deine Freundin nicht so sauer reagiert hätte, wenn sie gewusst hätte, dass du bei Lea warst.“

„Ja, vielleicht.“ Ich sah an die Decke. „Aber was machen wir mit Lea? Sie ist da ja in einen ganz großen Mist hineingeraten…“

„Das kannst du wohl sagen“, antwortete Oma. „Ich hab ja gleich gesagt, dass die beiden nicht einen Moment aufpassen können. Ich hab Lea ja gesagt, dass sie zu deiner Mutter gehen soll, als sie diesen Durchfall hatte. Da kann das ja nichts werden.“

„Moment mal, was meinst du damit?“ Ich war etwas unorientiert.

„Du weißt doch noch, dass Lea vor ein paar Monaten immer Durchfall hatte? Das lag wohl daran, dass sie die Pille nicht vertragen hatte. Aber davon wollte deine Schwester nichts wissen. Warum auch immer.“

„Ach so…“

„Warum ist Lea jetzt genau in Ohnmacht gefallen? Das hab ich immer noch nicht so genau verstanden. Und wieso ist Lea nicht zu deiner Mutter gegangen, sondern zu irgend so einem komischen Arzt in Frankfurt? Sie wollte sich wohl die Moralpredigt ersparen. Schön ausgedacht!“

„Nein“, versuchte ich, Oma etwas zu bremsen, „Lea dachte, sie hätte Diabetes. Weil sie doch pausenlos essen und trinken musste und ihr immer so schwindlig war. Und sie ist nach Frankfurt gefahren, weil sie euch nicht damit verrückt machen wollte.“

„Diabetes?“ Oma schaute verwirrt drein. „Wie kommt sie denn darauf?“

„Weil du ihr doch erzählt hast, dass Opa damals daran gestorben ist und weil Geros Mutter gesagt hat, dass man Diabetes auch vererben kann.“

„Ach herrje.“ Jetzt war es Oma, die ihr Gesicht in den Händen vergrub und seufzte. „Was hab ich ihr da bloß wieder gesagt? Wir haben sie doch extra durchchecken lassen. Dich auch! Weil wir wissen wollten, ob es euch auch erwischt hat. Auch deinen kleinen Bruder haben wir extra untersuchen lassen. Und keiner von euch hat je Diabetes gekriegt.“ Oma schaute mich an. „Und nur deswegen ist überhaupt rausgekommen, dass Lea ein Kind erwartet?“

In diesem Moment hielt Mama ihren Kopf in die Zimmertür. „Ich fahre jetzt los und hole Martin ab.“

„In Ordnung.“

Und weg war Mama wieder.

„Ich hoffe nur, dass deine Schwester sich richtig entscheidet“, sagte Oma und stand auf. Unruhig wanderte sie im Zimmer auf und ab.

„Ich weiß noch überhaupt nicht, wie sie sich entscheiden will. Davon hat sie mir noch nichts gesagt. Ist vielleicht auch etwas früh…“

„Guck mal“, rief Oma auf einmal hatte ein altes Fotoalbum herausgekramt. Sie zeigte auf ein altes Bild, das noch in Schwarzweiß gehalten war. Darauf waren eine junge Frau und ein kleines Baby zu sehen. Neben dem Bild stand Marie und ich.

„Ist das eins von deinen Geschwistern?“ Oma hatte viele Geschwister gehabt, das hatte sie mir mal erzählt.

„Nein, das ist deine Tante Marie.“

„Papas Schwester?“, fragte ich ungläubig. Tante Marie war Papas ältere Schwester und schon Ende fünfzig.

„Bei ihrer Geburt war ich gerade mal achtzehn Jahre alt. Ich war damals ein junges, lebhaftes Ding, genauso wie deine Schwester.“

Natürlich, aber warum war mir das nie aufgefallen? Ich wusste doch, dass Oma und Opa sehr früh geheiratet hatten und ein paar Monate später meine Tante zur Welt gekommen war.

„Man hat damals sehr früh Kinder gekriegt“, erzählte Oma, „aber ich wollte eigentlich noch gar keins.“ Sie stellte das Fotoalbum zurück ins Regal. „Ich musste mich auch ziemlich früh entscheiden, ob ich das Kind bekommen wollte oder nicht. Ich wollte Marie haben und habe das auch nie bereut. Aber es war ein ganz schön harter Kampf, das kann ich dir sagen. Denk ja nicht, dass es leicht ist, in dem Alter ein Kind zu erziehen!“

„Das hätte ich auch nie gedacht“, entgegnete ich.

„Wir wollen nur hoffen, dass deine Schwester und ihr Freund die richtige Entscheidung treffen“, gab Oma zu bedenken.

„Davon bin ich überzeugt“, entgegnete ich.

„Jaja, aber wird Gero Lea auch dann behalten wollen, wenn sie das Baby behält? Das weiß man bei diesen jungen Männern doch nie.“

„Ja, aber Opa ist doch auch bei dir geblieben. Und Gero machte nicht eben den Anschein, als wollte er Lea verlassen. Ich habe mit ihm gesprochen. Er liebt Lea sehr und stiehlt sich bestimmt nicht so einfach aus der Verantwortung.“

Die Tür ging auf und Papa kam rein. „Hallo, Sara! Das ist ja eine Überraschung!“ Er herzte mich und dann seine Mutter. „Was treibt dich denn hierher, Sara?“

„Ach, ich war gerade in der Gegend…“, antwortete ich.

„Soso!“ Er lachte. „Ich koche nachher Abendessen, was möchtet ihr haben?“ Oma schaute mich an.

„Ich hätte gerne Napoli“, sagte ich.

„In Ordnung“, entgegnete er und ging.

„Meinst du wirklich, Gero hat die nötige geistige Reife?“, fragte Oma.

„Auf jeden Fall. Nicht alle sind so drauf wie Hannes“, sagte ich und bereute es gleich darauf.

„Hannes?“, fragte Oma und wusste von nichts. Das sollte auch so bleiben, aber ich wusste, dass ich bereits zu viel verraten hatte. „Wer ist das?“, erkundigte sie sich neugierig. „Hast du dich etwa auch mit einem Typen eingelassen?“

„Nein, wie denn?“, regte ich mich auf. „Es hat ja geendet, bevor es wirklich angefangen hat. Er wollte gar nichts mehr von mir wissen.“ Traurig schaute ich auf den Boden.

„Habt ihr euch miteinander getroffen?“

„Ja, und jetzt ignoriert er mich einfach… Dabei hätte ich es wissen müssen, er hatte schließlich eine Freundin und schaut dauernd anderen Mädchen hinterher… Ich komme mir so idiotisch vor!“ Und wieder haute ich mit meiner Hand aufs Sofakissen.

„Oh je.“ Oma setzte sich neben mich. „Die erste Liebe ist immer die schwierigste, was?“

„Ich bezweifle, dass es sich bei allen so schlimm anfühlt wie bei mir…“, murmelte ich.

„Nicht bei allen, aber bei den meisten. Es fühlt sich immer schlimm an, wenn der Traummann nichts mehr von einem wissen will.“ Das stimmte wohl. Ich kam mir vor wie eine blöde Dreizehnjährige, die noch gar keine Ahnung von der Liebe hatte. Die hatte Oma zweifellos, aber wollte ich mit ihr wirklich darüber reden? Ich wusste ja nicht mal, ob sie mich verstand oder mir irgendeinen Rat geben konnte.

„Es fühlt sich so an, als würde es nie vorbeigehen. Letztlich muss da jeder für sich herausfinden. Aber wenn ich dir einen Rat geben kann: Ignoriere diesen Hannes einfach. So ein Kerl hat es einfach nicht verdient, dass du dich mit ihm abgibst. Wenn du ihm lange genug aus dem Weg gehst, denkst du irgendwann von selbst nicht mehr an ihn.“

„Leichter gesagt als getan…“

Krümelmonster, Teil 10

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Eine halbe Ewigkeit später trat ein großer, älterer Mann im weißen Kittel aus der Tür. Gero sprang sofort auf und ließ mich damit fast auf den Nebenstuhl fallen. „Ist Lea wieder bei Bewusstsein? Wie geht es ihr? Nun sagen Sie schon!“

Ich spürte, wie mein Herz schlug. Der Arzt schüttelte ihn notdürftig ab und antwortete: „Die Patientin ist jetzt wieder bei Bewusstsein.“

„Geht es ihr gut? Was ist mit dem Baby?“, rief ich, nicht weniger alarmiert.

„Soweit wir das feststellen konnten, ist mit dem Kind alles in Ordnung. Es werden allerdings weitere Untersuchungen nötig sein“, erklärte der Arzt. „Sie dürfen jetzt zu ihr, allerdings bitte einzeln.“ Er ging davon.

Gero und ich sahen uns an.

„Möchtest du zuerst reingehen?“, fragte ich ihn.

„Ja, bitte.“

Ich wusste nicht, was ich denken sollte, als ich nun ohne Gero auf dem Flur saß. Ich winkelte meine Beine an und umschlang sie mit den Armen. Die Gedanken kamen und gingen im Halbsekundentakt, während irgendwelche namenlosen Ärzte und Krankenschwester über den Flur stratzten.

Heute Morgen war ich aufgekratzt gewesen vor Glück und jetzt war ich so niedergeschlagen, wie es nur ging. Die Angst um meine Schwester hatte mich krank gemacht, und der Umstand, dass plötzlich eine kleine Person aufgetaucht war, wirbelte die ganze Situation durcheinander. Und was würde unsere Familie nur sagen?

Mir lief es kalt den Rücken herunter. Die Familie! Sie würden nicht gerade vor Glück schreien, das war klar.

„Du bist doch selbst noch ein Kind!“

„Das war ja klar, dass du wieder nicht aufpassen konntest! Du und dein nichtsnutziger Freund!“

„Und woher wollt ihr das Geld dafür nehmen?“

So oder so ähnlich stellte ich mir die Reaktionen unserer Familie auf Leas Schwangerschaft vor. Wahrscheinlich würden unsere Eltern Lea aus dem Haus schmeißen und Oma würde sie enterben, sie würden ihr jegliche Unterstützung streichen, so malte ich es mir aus. Unsere Eltern wären nicht eben begeistert davon, mit Mitte 40 schon Großeltern zu werden, das wusste ich ganz genau.

Ich hasste dieses Warten, es machte mich krank! Immer wieder stierte ich zur verschlossenen Zimmertür. Was beredeten die da drin wohl gerade? Was dachte Lea gerade? Ich vermochte es nicht, es mir auszumalen.

Irgendwann ging die Tür auf und Gero kam heraus. „Lea möchte dich jetzt sprechen. Sag mir bitte Bescheid, wenn ihr fertig seid. Ich gehe mal in die Cafeteria.“ Und weg war er.

Auf wackligen Beinen ging ich ins Zimmer.

Meine große Schwester lag im Bett, mit ausgestrecktem linkem Arm, wegen der Infusion. Sie wirkte sehr blass und als ich neben dem Bett stand, merkte ich es: Sie weinte.

Wortlos nahm ich sie in den Arm und streichelte ihr den Rücken. Sie weinte wie ein Springbrunnen, bis das Licht orangefarben ins Zimmer scheinte.

Ich wusste gar nicht, was ich zuerst sagen sollte. Die ersten Worte, die mir dann über die Lippen kamen, waren: „Was hat er gesagt?“

„Wer?“, schniefte Lea.

„Dein Verlobter“, antwortete ich.

„Was meinst du?“, entgegnete Lea, zu Recht verwirrt.

„Er hat sich als dein Verlobter ausgegeben, damit er mitfahren durfte. Sonst hätten sie ihn doch nie im Leben mitkommen lassen.“

„Phh“, schnaubte Lea. „So verliebt hat er gerade aber nicht gewirkt. Die ganze Zeit rief er: ‚So ein Mist, was machen wir jetzt?‘ Und wollte nicht eine Sekunde wissen, was ich darüber denke. So ein Arsch!“ Wütend schmiss sie ihr Kissen mit dem unangezapften Arm an die Wand.

Wenn ich es bis jetzt noch nicht gewusst hätte, dann hätte ich spätestens jetzt gewusst, dass die Situation ernst war, denn nicht mal im schlimmsten Streit hatte Lea ihren Freund als Arsch bezeichnet.

„Was denkst du denn darüber?“, wollte ich von ihr wissen.

„Was ich darüber denke? Ich denke darüber, dass ich keine Ahnung habe, was ich machen soll, und ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll, dass ich nicht Diabetes habe, wie ich eigentlich dachte, oder ob ich mich ärgern soll, weil ich jetzt Mutter werde! So ein Mist, was machen wir jetzt? Ach, verdammt!“ Lea fing wieder an zu weinen.

Ich streichelte ihr über den Kopf.

„Und was werden erst Mama und Papa sagen? Die schmeißen mich doch aus dem Haus, wenn sie das erfahren!“, schluchzte sie.

„Das werden sie schon nicht tun. Das dürfen sie gar nicht!“, versuchte ich, sie zu trösten. „Als deine Eltern sind sie gesetzlich verpflichtet, dich zu unterstützen.“

„Selbst wenn…“ Lea wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Gero verlässt mich doch garantiert, solche Geschichten hört man doch immer wieder. Wieso sollte er denn jetzt noch bei mir bleiben? Er wirkte nicht gerade begeistert, als er gerade hier war.“

„Weil er dich liebt, zum Beispiel? So, wie er um dich besorgt war, gerade, wirkte er nicht, als wollte er dich fallen lassen. Also, wenn er dich nicht liebt, dann… weiß ich auch nicht. Denkst du wirklich, dass er dich wegen dieser Sache verlässt? Die fehlende Begeisterung kannst du ja wohl kaum zählen. Du weißt, dass die Situation ernst ist, und daran bist du ja wohl auch ein bisschen schuld.“

„Das weiß ich doch!“, fauchte Lea. „Es ist nur… Es kommt alles so schnell, von einer Sekunde auf die andere werden unsere Leben so schnell verändert und ich kann nichts dagegen tun…“

„Aber du kannst das Beste daraus machen“, fiel mir dazu nur ein. „Du und Gero, ihr werdet schon die richtige Entscheidung treffen.“

„Wenn du meinst… Du, bitte sei mir nicht böse, aber bitte geh jetzt, ich möchte irgendwie versuchen, es unseren Eltern beizubringen.“ Lea griff nach dem Hörer des Telefons, das neben dem Bett stand, ließ mich aber nicht aus den Augen.

„Na gut. Ich besuche dich morgen wieder.“ Ich umarmte meine große Schwester noch einmal kurz und schloss dann die Tür hinter mir.

Würde sie wirklich unsere Eltern anrufen oder nur in der Krankenschwesternstation anrufen und um ein Glas Wasser bitten? Ich wusste es nicht.

Auf dem Flur kam mir jemand entgegen. Es war Gero. Mir kam auf einmal diese Filmmusik in den Sinn, die Mundharmonika aus diesem einen Film, wie hieß der noch gleich? „Spiel mir das Lied vom Tod“, genau. Ich erinnerte mich an einen Augenblick vor ungefähr acht Jahren. Da musste ich elf oder zwölf gewesen sein, Opa hatte noch gelebt. Im Fernsehen hatte er sich diesen Film angesehen, und ich hatte währenddessen bei ihm auf dem Sofa gesessen und Hausaufgaben gemacht oder so. Der Film war erst ab sechzehn und als Mama das gemerkt hatte, wurde sie furchtbar böse. Ich schluckte.

„Du bist immer noch hier?“, sagte ich schließlich, als Gero und ich uns trafen.

„Ja. Wo sollte ich sonst auch hin? Wie geht es ihr jetzt?“

„So mittel“, antwortete ich. „Bitte sag mir Bescheid, ob sie unsere Eltern angerufen hat.“

„Mach ich, ich muss jetzt unbedingt zu ihr!“, rief er und eilte an mir vorbei.

Er hatte tatsächlich gewartet. Die ganzen Stunden, während Lea und ich im Zimmer gewesen waren, hatte er geduldig gewartet. Ich musste zugeben, dass mich das erstaunte. War das nun ein Zeichen seiner tiefen Liebe zu meiner Schwester? War das nun ein Zeichen dafür, dass er bei ihr bleiben und alle Widrigkeiten, die sie noch erwarteten, zusammen mit ihr durchstehen würde?

Ich verließ das riesige Krankenhaus.

Krümelmonster, Teil 4

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Unser Opa war vor knapp sieben Jahren gestorben. Damals hatte man uns nicht gesagt, warum. Keine Ahnung, wieso. Er lag, als wir eines Tages nach Hause kamen, einfach tot auf dem Küchenboden. Er war ein bisschen beleibter gewesen, aber das hatte uns nicht besonders interessiert.

Bis Lea neulich mit ihrem Freund darüber gesprochen hatte. Da war zufällig seine Mutter hereingekommen, die ebenfalls Ärztin ist, und hatte sie einige andere Sachen über Opa gefragt. Am Ende meinte sie, dass er wahrscheinlich Diabetes gehabt hätte und daran gestorben wäre. Wieder zu Hause hatte sie Oma danach gefragt und die hatte es ihr bestätigt. Es wurde damals wohl nicht diagnostiziert oder so etwas und dann wäre er an einem Schwächeanfall gestorben.

„Das ist eine ziemlich tragische Geschichte. Ja, das ist wirklich blöd gelaufen, aber warum bist du so traurig?“

„Nein, das ist es nicht.“ Lea schniefte. „Seine Mutter hat gesagt, dass man Diabetes auch erben kann. Und da wurde mir auf einmal alles klar: mein ewiger Durst, mein ungebändigter Appetit und warum ich mich neuerdings so schlapp fühle. Wahrscheinlich habe ich auch Diabetes! Und bestimmt sterbe ich daran, so wie Opa!“ Jetzt bekam sie einen erneuten Weinkrampf.

Ich nahm sie in den Arm. „Hey, das wird schon nicht passieren, keine Angst. Warst du damit überhaupt schon mal beim Arzt?“

„Nein, noch nicht.“

„Wenn du willst, können wir mal zusammen hingehen. Ich geh auch mit dir in den Untersuchungsraum, wenn du willst.“

Lea schnäuzte sich einmal kräftig und fragte mich dann: „Das würdest du machen?“

„Klar.“

Jetzt lächelte sie wieder ein bisschen. Zwar war ihr Gesicht noch wimperntuscheverschmiert, aber sie lächelte wieder.

„Okay, aber lass uns nicht zu Mama gehen, die macht sich nur wieder unnötig Sorgen.“

„Na gut.“

 

Irgendwann an diesem Wochenende war mein Handy leergegangen und leider hatte ich kein passendes Ladegerät dabeigehabt. Als ich also am Sonntagabend nach meiner Rückkehr ins Wohnheim das Handy endlich wieder anschalten konnte, bekam ich gleich zwei SMS und eine Mailboxnachricht. Alle waren von Freddy.

Die erste SMS war von Freitagabend, 20:37 Uhr.

Hey, Sara, sag mal, ist Aurélie bei dir? Wir wollten uns treffen, aber sie ist nicht zu Hause.

Die zweite SMS kam gut zwölf Stunden später.

Aurélie geht nicht mehr ans Telefon! Ich verstehe das Mädel einfach nicht.

Und die Mailboxnachricht gestern Abend lautete folgendermaßen:

Hey, Sara, hier ist Freddy, kannst du mich bitte dringend zurückrufen? Ich muss unbedingt mit dir sprechen. Auf Wiedersehen.

Es schien wirklich dringend zu sein. Also meldete ich mich bei ihm, sagte ihm, dass ich direkt nach der Uni bei ihm vorbeikäme und schaltete das Handy aus.

 

Freddy wohnte mittlerweile in einem winzig kleinen Studentenzimmer am anderen Ende der Stadt. Als ich um halb vier endlich dort war, saß er vorm Haupteingang auf einer Treppenstufe und rauchte.

Er rauchte?

„Wieso rauchst du denn hier?“, fragte ich ihn.

„Weil ich im Gebäude nicht rauchen darf, darum“, antwortete Freddy und atmete tief aus. Dabei stieß er eine Wolke Rauch mit aus.

„Nein, das meine ich nicht. Ich wusste ja gar nicht, dass du überhaupt rauchst!“

„Ich weiß auch nicht, wieso. Eigentlich hatte ich damit schon aufgehört, aber bei dem Stress, den ich zur Zeit habe…“ Er seufzte.

„Was ist denn los?“, wollte ich jetzt wissen.

„Dieses Mädel macht mich einfach fertig!“ Das letzte Wort schrie er schon fast.

Ich verstand nicht, was er damit meinte.

„Ich frage mich mittlerweile echt, was ich eigentlich an Aurélie finde. Die schafft mich noch! Die weiß einfach nicht, was sie will. Nervt mich dauernd, dass ich mehr Zeit mit ihr verbringen soll, aber wenn ich sie dann anrufe, weil ich mit ihr endlich ins Kino gehen will, zu diesem doofen französischen Film, dann heißt es, sie ist nicht zu Hause! Dabei weiß ich es ganz genau, dass sie da ist.“

„Wie meinst du das?“ Jetzt verstand ich gar nichts mehr.

„Im Hintergrund dudelte ganz laut Aurélies Lieblingsserie. Kannst du dir vorstellen, dass Anna Verbotene Liebe guckt?“

„Nein.“

„Siehst du. Und als ich Anna drauf angesprochen habe, stammelte sie nur etwas von ‚Ach, der neue Darsteller sieht so süß aus’. Das glaube ich einfach nicht!“ Freddy nahm eine tiefen, angestrengten Zug aus seiner Zigarette.

„Na ja…“ Ich versuchte erst einmal, mich zu sammeln. „Ich weiß nur, dass sie mir erzählt hat, dass ihr neulich in diesen Film mit Audrey Tautou gehen wolltet und du musstest urplötzlich noch zu deinen Kumpels.“

„Fängst du jetzt auch schon damit an? Wahrscheinlich hat sie dich bequatscht, damit du mir jetzt für sie ins Gewissen redest.“ Nun stieß er den Rauch wieder aus. Es erinnerte mich, besonders durch die kalte Luft, die es besonders sichtbar machte, an einen Stier.

„Nein, sie hat mich nicht bequatscht. Und außerdem habe ich keine Lust, mich schon wieder in alles reinziehen zu lassen. Es war schon schwer genug, euch überhaupt zusammenzubekommen. Den Rest müsst ihr jetzt allein schaffen.“

Freddy sah mich entschuldigend an. „Tut mir echt Leid, du hast ja Recht. Ich weiß einfach nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Aber immer, wenn ich Aurélie darauf anspreche, faucht sie immer irgendwas von wegen, dass ich sie nicht mehr liebe, und rauscht ab.“

„So lange seid ihr ja noch nicht zusammen, da ist es doch ganz normal, wenn sie so viel Zeit mit dir verbringen will. Das ist doch bei den meisten Mädels so.“

„Meinst du?“

„Na ja, persönlich kann ich es nicht sagen, aber das war jedenfalls bei den meisten Mädchen so, die ich kannte. Versuch einfach, so etwas wie die Sache mit dem Kino zu vermeiden und überleg dir vielleicht doch mal was Romantisches. Dann denkt sie sicher nicht mehr, dass du sie nicht mehr liebst.“

„Meinst du, das bringt’s?“

„Na sicher, auf Romantik steht Aurélie doch total. Das schaffst du schon.“

„Ich versuch’s…“