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Abtreibung

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English version below.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag schreiben soll. Es geht um ein verdammt schwieriges Thema. Aber als ich neulich auf Twitter den xten Account verkünden sah, Abtreibung sei Mord und die Umstände seien egal, wusste ich: Es muss sein.

Ich habe nie abgetrieben, ich werde es wohl auch nie. Aber spätestens seit ich selbst schwanger war, weiß ich: Man kann keiner Frau die Entscheidung darüber aufzwingen. Als Schwangere macht man einen Riesen-Nervenzirkus durch (das ist auch das Problem daran, wenn in die Diskussion eingebracht wird, frau könne ein Kind doch zur Adoption freigeben, statt es abzutreiben). Was frau in der Situation nicht brauchen kann: selbstgerechte Leute, die sie als Mörderin hinstellen, wenn sie das Kind im Bauch nicht wollen.

Sagte ich „selbstgerecht“? Ja, denn es ist so. Die Abtreibungsgegner wissen nichts darüber, unter welchen Umständen die Frau schwanger geworden ist oder in was für einem Leben sie gerade steckt. Ihnen ist egal, ob die Frau vergewaltigt wurde, alleinerziehend wäre, kein Geld hat, um ein eventuelles Kind großzuziehen, krank ist. Das Interesse am Lebensschutz geht immer nur soweit, bis das Kind geboren ist, und dann werden die Frauen, die nicht wie ich mit einem großartigen Ehemann und ausreichend Geld ihr Wunschkind aufziehen, meist allein gelassen und noch mit blöden Sprüchen bedacht.

Ich bin weder Biologin noch Ärztin noch Juristin. Die Fragen, inwiefern ein im Uterus heranwachsender Organismus Leben darstellt oder ob es jetzt Mord bedeutet, wenn man diesen entfernt bzw. entfernen lässt, sollen andere beurteilen. Ich nehme es aber keiner Frau übel, wenn sie abtreibt. Das kann ich einfach nicht. Nicht, seit ich weiß, was eine Schwangerschaft bedeutet.

Und abtreiben werden Frauen so oder so, es wird nie aufhören. Man kann aber zumindest verhindern, dass sie mit heimlichen Abtreibungen bei Pfuschern ihr Leben riskieren.

Wer zu dem Thema noch weiterlesen möchte: Die Juramama hat einen wunderbaren Artikel darüber geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin


I thought long and hard about whether I should write that article or not. It’s on a very difficult matter. But when I recently read the umpteenth account on Twitter proclaiming abortion is murder and the circumstances don’t matter, I knew I had to do it.

I never had an abortion, I most likely never will. But since I was pregnant myself at the latest, I know: One can’t force this decision on any woman. As a pregnant woman, one goes through a huge movement of feelings (this is also the problem when someone asks to consider giving a child up for adoption instead of having an abortion). What women don’t need at all in that situation: self-righteous people making these women out to be murderers if they don’t want the children in their bodies.

Did I say „self-righteous“? Yes because it’s like that. Abortion opponents don’t know anything about the situation in which these women got pregnant or which lives they are having. They don’t care if these women were raped, don’t have the money to raise eventual children or are ill. The interest in life protection just covers the period of time until the children are born and then, the women who, unlike me, don’t raise their planned child with a wonderful husband and a sufficient amount of money are most likely left alone and getting chatted up in an insulting manner.

I’m no biologist or doctor or lawyer. The questions on how an organism in utero represents life and if it’s murder to remove it or have it removed, I leave them for others to judge. But I do not resent any woman having an abortion. I just can’t. Not since I know what a pregnancy means.

And women will have abortions anyway, it will never stop. But one can at least keep them from having abortions in secret and risking their lives because of sloppy jobs.

For any further reading: Juramama wrote a great article (German) on that subject.

Best wishes

The kitsch author

Neulich auf Twitter

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Auf Twitter landete ein Artikel des Domradios in meiner Timeline, der thematisierte, dass Papst Franziskus Internetkonzerne für den Kampf gegen Kindesmissbrauch in die Pflicht genommen hat. Ich kommentierte dazu: „Erst mal an die eigene Nase fassen.“ Daraufhin bekam ich Folgendes zu hören:

Hatte ich, und genau das hatte ich auch geantwortet, betreffende Nutzerin wünschte sich trotzdem von mir, etwas reflektierter zu argumentieren. Das will ich an dieser Stelle gerne versuchen: Papst Franziskus tut nicht genug, um den unzähligen Fällen von Missbrauch in seiner Kirche beizukommen. Eine Weitergabe von Informationen oder Verdachtsfällen an staatliche Stellen ist nicht vorgesehen. Im Vatikan herrscht ein Klima des Schweigens. Daran sollte Papst Franziskus arbeiten, bevor er Schuld an Internetkonzerne abschieben will. Oft genug kamen missbrauchende Geistliche ungeschoren oder mit lächerlichen Strafen davon. Die ganze Sache stinkt zum Himmel. Um nicht zu sagen: Der Gestank hat Substanz.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Warum ich ein Problem damit habe, wenn jemand sagt, der Osten habe ein Naziproblem

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Vorab: Nein, es geht mir nicht darum, dass da jemand fiese Sachen über die Region Deutschlands äußert, in der ich mein erstes Lebensjahr verbracht habe und in dem meine Familie immer noch wohnt. Ich leugne auch nicht, dass im Osten haufenweise Nazis rumlaufen.

Ich will nur erklären, warum ich ein Problem damit habe, wenn jemand sagt, der Osten habe ein Naziproblem. Zweifellos hat er das, aber das hat der Westen auch. Mein alter Politiklehrer erzählte von Kneipen, in denen die Jalousien heruntergelassen und danach NS-Kampflieder gesungen werden. In dem Ort, in dem ich wohne, hat man 2015 versucht, die Unterkunft meiner damaligen Deutschschüler anzuzünden. Und seit neuestem wohnt überm Babysachen-Laden jemand, der die Reichskriegsflagge auf dem Balkon hat. Ich frage mich, ob es damit zusammenhängt, dass man hier im Ort seit neuestem außerdem ständig irgendwelche Naziaufkleber auf Laternenmasten und Derartigem sieht.

Wenn man sagt, im Osten sind doch lauter Nazis, ignoriert man, dass das im Westen auch so ist. Auch hier kriegt die AfD viel zu viele Stimmen. Auch hier wird das gesellschaftliche Klima immer ekliger. Auch hier passieren fremdenfeindliche Straftaten. All das wird mit so einer Aussage herabgespielt. Und man kümmert sich nicht um das, was hinter der ganzen Fremdenfeindlichkeit steht. Deswegen ist das so gefährlich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Freie Zeit, Ferien und foll wichtige Entscheidungen

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Tagesordnungspunkt 1: Freie Zeit

Als ich in der zehnten Klasse war, bekam ich mit, dass meine Mitschüler unheimlich gerne Neon lasen. Allein das hat damals schon dafür ausgereicht, dass ich es unbedingt auch wollte. Aber die Zeitschrift war auch einfach gut. Themen für junge Leute, aber nicht so hirnlos wie Bravo und Konsorten. Jahrelang war ich Abonnentin.

Bis ich irgendwann mitbekam, dass die Zeitschrift nicht für Leute für mich gemacht war. Nicht mehr. Man könnte auch sagen, ich war herausgewachsen. Ich lebe auf dem Land, in einer stabilen Beziehung, mit meinem ersten Freund, wir haben nicht mal zwischendrin Schluss gemacht. Und das schienen Sachen zu sein, die in der Neon-Welt nicht vorkamen. Ich habe die Zeitschrift irgendwann kaum noch gekauft, und anscheinend war ich da nicht die Einzige, denn die Zeitschrift wurde eingestellt.

Ich bedauere das schon ein wenig, wenn das auch mehr die Art von Bedauern ist, die man (das vermute ich jedenfalls) nach dem Beenden einer früher so schönen Beziehung hat. Die Neon hat mich über zehn Jahre begleitet, ich habe über neon.de einen sehr lieben Freund kennen gelernt (falls du das liest: Ja, ich meine dich. :P), und jetzt ist es vorbei. Mal sehen, ob es in Zukunft eine neue Zeitschrift geben wird, mit der ich liebäugeln kann. (Nein, ich meine weder den Playboy noch die Tattoo Erotica.)

Tagesordnungspunkt 2: Ferien

Die Ferien sind nun schon zur Hälfte rum, und ich finde es toll, dass ich sie habe. Meine Hoffnungen darauf, die Tabletten nie wieder nehmen zu müssen, haben sich leider zerschlagen, aber man kann nicht alles haben. Ich nutze auf jeden Fall die Zeit, die ich habe, für familiäre und freundschaftliche Treffen.

Tagesordnungspunkt 3: Foll wichtige Entscheidungen

In meinem Beruf habe ich sehr viel Menschenkontakt. Außerdem kenne ich Leute, deren Immunsystem fast nicht vorhanden ist. Grund genug, mich impfen zu lassen. Meinen Impfausweis hatte ich leider verloren, jetzt habe ich einen neuen. Am Montag ließ ich mich gegen FSME impfen. Der Hausarzt sagte zwar, dass Norddeutschland kein Risikogebiet ist, allerdings zählen andere Teile von Deutschland dazu, in denen ich Freunde habe… und die skandinavischen Länder.

Bis ich bei meinen Eltern auszog, bin ich immer gegen alles geimpft worden, und 2012 gab es noch mal den Vierfachshot. Bei einer Sache konnte ich allerdings nicht zuverlässig sagen, ob ich dagegen geimpft wurde, und das ist Hepatitis B. Ich möchte an dieser Stelle einmal sagen, was das Prozedere in solchen Fällen ist: Der Arzt nimmt dem Patienten Blut ab und bestimmt den Titer, ergo den Antikörperstatus im Blut. Das Labor braucht einige Tage und kann dann sagen, ob der Impfstatus ausreicht oder nicht. Bei mir waren zwar noch Antikörper vorhanden, aber nur wenige. Also musste ich heute noch mal ran.

Zufällig habe ich erfahren, dass meine kleine Kusine heute auch geimpft wurde, und es war für uns beide aufgrund der großen Nadeln (uah) sehr unangenehm. Viel schlimmer fand ich aber die so genannten „Impfkritiker“, die mir dann weismachen wollten, dass Impfungen nur schaden und so weiter. Ich könnte jetzt aufzählen, aus wie vielen Gründen solche Menschen nur Affenscheiße reden, aber ich verweise da einfach mal auf den von mir sehr geschätzten Kinderdok. Und auf John Oliver.

Impfmäßig bin ich jetzt wieder voll dabei. In zwei bis drei Monaten werde ich allerdings die Grippeimpfung hinterherschieben. Weil, wie bereits erwähnt: Viel Menschenkontakt. Und außerdem will ich niemanden anstecken, dessen Immunsystem das nicht verkraften kann.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Verspahnt

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Man möge mir das schlechte Wortspiel im Titel verzeihen, aber ich las diesen Ausdruck neulich auf Twitter und da ich an Skoliose leide, fand ich es ganz passend.

Ich möchte mir hier im Blog ein bisschen gesammelte Wut von der Seele schreiben, teilweise habe ich das auch schon auf Twitter getan, aber es gehört auch in den Blog, finde ich. Heute sah ich auf Twitter also das hier:

Ich entgegnete daraufhin, dass ich nun auch so einen Tweet schreiben muss, und es ist tatsächlich so. Einer meiner Freunde ist mit 26 an einem Herzinfarkt gestorben, weil er sich die Frage auch gestellt und abschlägig beschieden hat.

Es tauchten nun also immer mehr Tweets, die über unser aller Gesundheitsminister gingen, in meiner Timeline auf. Richtig wütend wurde ich dann, als ich den hier, retweetet von der lieben Johanna (@hanna_unterwegs), auffand:

Nicht nur Herr Spahn hat äußerst realitätsfremde Ansichten, auch Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der meinte, die Zweiklassenbehandlung beim Arzt sei eine gefühlte und lediglich ein „Komfortproblem“ wegen der Wartezeiten. Ich frage mich, ob er schon mal zwei Monate mit starken Rückenschmerzen auf einen Arzttermin warten musste. Oder mit einer mittelschweren Depression ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz. Bei akuten Problemen wird man eben nicht immer drangenommen. Oder man wird enorm schnell abgekanzelt, so wie ich vor knapp zwei Jahren mit meiner angeblichen Grippe. Hätte Herr Gassen mit seinen Ansichten Recht, würde ich mich jetzt wahrscheinlich nicht ständig mit Atemproblemen herumschlagen.

Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler, Apotheker und Uniprofessor, sieht die Lage schon ganz richtig, wenn er bemängelt, wie schlecht es mit Ärzten auf dem Land aussieht. Dass ich für Facharztbesuche teilweise 70 Kilometer fahren muss, ist jedenfalls nicht normal. Daran sollte man vielleicht mal drehen.

Den absoluten Vogel hat Herr Spahn abgeschossen, als er sagte, man könne doch auch mal stolz sein auf unser Gesundheitssystem. Wie soll man auf so was denn bitte stolz sein? Lange Wartezeiten für Kassenpatienten, schnelle Abfertigung, kaum Ärzte außer in Großstädten? Krankenhaus- und Pflegepersonal, das am Limit arbeitet? Und einen Minister, der es für eine tolle Idee hält, einfach zu sagen, man könne sich ja überlegen, ob Arzttermine wirklich nötig sind, anstatt mal echte Lösungsansätze aufzufahren? Er braucht dringend mal einen Realitätscheck. Und das nicht nur wegen seiner Äußerungen zum Gesundheitssystem. Aber das ist eine andere Geschichte…

Mit wütenden Grüßen

Die Kitschautorin

Bahn, Bibel und bunte Heftchen

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Tagesordnungspunkt 1: Die Bahn

Montag, 10 h 41: Ich sollte eigentlich unterwegs Richtung Kreisstadt sein, da ich dort etwas Wichtiges erledigen muss. Ich sitze aber immer noch am Bahnhof meines Wohnortes, da es auf der Strecke eine Stellwerksstörung gibt. Auf der Bahnhofsanzeige und in der Durchsage heißt es nur: „Aufgrund einer Stellwerksstörung verzögern sich alle Züge auf unbestimmte Zeit. Wir informieren Sie über Anschlussmöglichkeiten.“ Der Bus in die Kreisstadt ist da schon weg.

11 h 00: Der Zug fährt, ohne dass man uns irgendwie informiert hat.

11 h 30: Bin bei der wichtigen Erledigung angekommen. Werde dort angemeckert, weil ich nicht früher gekommen bin, muss deswegen Mittwoch noch mal wiederkommen.

12 h 00: Ich habe noch einige andere Dinge erledigt und möchte den Rückweg antreten. Laut DB-Navigator fährt der nächste Zug zwar eigentlich schon um 12 h 14, was etwas zu knapp ist, allerdings verspäte sich der Zug um 15 Minuten wegen der Stellwerksstörung. Das wäre dann okay, ich gehe also zum Bahnhof.

12 h 15: Der Zug fährt mir vor der Nase weg.

12 h 50: Ich sehe, dass der Gegenzug beträchtliche Verspätung aufgrund der Stellwerksstörung hat. Für meine Verbindung – 13 h 14 – wird nichts angezeigt.

13 h 30: Der Zug taucht nicht auf. Informationen über den Verbleib bekommen wir keine, weder per Durchsage noch per Anzeige. Aber immerhin ist der DB-Informationsmitarbeiter von seiner Mittagspause zurückgekehrt. Ich gehe also, mit ein paar anderen zusammen, hin.

13 h 35: Der DB-Mitarbeiter hat absolut keine Ahnung, wann überhaupt wieder Züge fahren werden. An den u.a. durch den DB-Navigator angekündigen Schienenersatzverkehr glaubt er nicht. Ich habe genug und kaufe mir bei ihm ein Linienbusticket. Dann gehe ich zum Busplatz.

13 h 45: Der Schienenersatzverkehrsbus taucht auf. Da nur drei Leute am Busplatz sitzen, geht der Busfahrer zum Gleis, an dem eigentlich mein Zug hätte fahren sollen, und holt die Reisenden.

13 h 53: Die Reisenden, die noch am Bahnsteig waren, wurden anscheinend nicht durch Durchsage oder Anzeige darüber informiert, dass der SEV-Bus da ist.

13 h 55: Der Bus fahrt los.

14 h 35: Bin zu Hause angekommen und stinkwütend. Wenigstens besitze ich seit letztem Jahr den Führerschein Klasse B, sonst wäre ich noch häufiger auf diesen Sauverein angewiesen…

(Puh, das ist doch etwas länger geworden als geplant. Egal.)

Tagesordnungspunkt 2: Die Bibel

Ich antwortete auf Twitter auf diesen Tweet von Birgit Kelle, der durch einen mir bekannten Twitterer in meine Timeline geraten war:

Meine Meinung zu gleichgeschlechtlicher Liebe ist hinreichend bekannt. Folgerichtig antwortete ich auf den obigen Tweet mit „Mit Verlaub, das ist Blödsinn“. In Folge kam es zwischen mir und verschiedenen anderen Twitterern zu einer großen Diskussion, in der mir u.a. Relativismus vorgeworfen wurde, weil ich eine nicht homophobe Bibelauslegung bevorzuge. (Wer mehr darüber lesen will, hier steht was Interessantes dazu.)

Unabhängig davon, wie man zu gleichgeschlechtlicher Liebe steht oder nicht: Dass ich Relativismus in Bezug auf die Bibel betreibe, ist Blödsinn. Es ist eine mögliche Bibelauslegung. Im Übrigen selektieren diejenigen, die mir Relativismus vorgeworfen haben, genauso. Keiner kann alle Gesetze aus der Bibel befolgen. Ich berichtete ja schon einmal darüber, dass A. J. Jacobs das ein Jahr lang versucht hat, und er wurde halb verrückt dabei.

Aber wenn es wenigstens nur das gewesen wäre. Einer der Diskutanten verlinkte eine Rezension zum Buch „Streitfall Liebe“ von Valeria Hinck, in dem sich gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen gewandt wird. Der Rezensent gab zu verstehen, dass er Homosexualität für eine Krankheit hält. Ich habe die Diskussion mit diesem Menschen daraufhin eingestellt.

Und es ging noch weiter: Derselbe Twitter-User verlinkte einen Blogartikel, in dem Homosexualität als Sünde dargestellt wurde. Ich hatte dazu einige Anmerkungen:

Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass im dritten Buch Mose nur Geschlechtsverkehr unter Männern erwähnt wird. Was aber ist mit Geschlechtsverkehr unter Frauen? Außerdem liegt bei 1. Korinther 6,9 der Fokus eher auf Verkehr mit Minderjährigen / Prostituierten und nicht unter gleichgestellten Partnern, die sich freiwillig und auf Augenhöhe aneinander binden. Darüber hinaus möchte ich noch anmerken, dass die Neues-Leben-Bibelübersetzung nicht immer ganz genau ist, sondern zu Vereinfachungen und zur Emphase neigt.

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüße

Ich bekam auch postwendend eine Antwort. Der Blogartikel-Autor warf mir vor, ich wolle Gottes Wort aus der Welt schaffen und legte indirekt nahe, dass es mit meiner Nächstenliebe nicht gut bestellt sei, weil ich mich sicher nicht trauen würde, die iranische Botschaft zu diesem Thema anzumailen. Ich antwortete, dass ich eine andere Bibelinterpretation (also eine nicht homophobe) für möglich halte, und verbat mir irgendwelche Mutmaßungen zu meiner Nächstenliebe. In der nächsten Antwort wurde der Relativismusvorwurf seinerseits dann auf die Spitze getrieben, indem gesagt wurde, dass die Nazis ja auch derart gearbeitet hätten. Da stellte ich die Diskussion meinerseits dann ein. Der Blogartikel-Autor hat mir danach noch drei E-Mails geschrieben, in denen er mich indirekt als scheinheilig bezeichnete, sagte, ich sei auf dem falschen Weg, das mit der Nächstenliebe wiederholte und mir vorwarf, ich sei

vom Ich-zentrierten Stolz verführt.

Ich bin gespannt, ob noch weitere E-Mails kommen, beantworten werde ich sie nicht.

Tagesordnungspunkt 3: Bunte Heftchen

Eine sehr liebe Person hat mir aus Schottland ein deutschsprachiges christliches buntes Heftchen mitgebracht, auf das ich hier eingehen möchte. John Blanchard – „Von größter Bedeutung“. Nun denn.

Ich muss sagen, dass ich gegen das Heftchen nicht unbedingt was habe. Der Autor hat zwar zu vielen Themen eine andere Meinung als ich, aber das kann ich akzeptieren. Nur zwei Sachen will ich anmerken: Auf Seite 4 werden Evolution und Gottglaube entgegengesetzt. Ich glaube nicht, dass sich das widersprechen muss, ich bspw. bin gläubig und halte die Evolution für wahr.

Darüber hinaus findet sich auf Seite 7 Folgendes:

In 2000 Jahren konnte kein Experte auf irgendeinem Gebiet auch nur eine Aussage der Bibel widerlegen.

Nun ja…

So, das war’s mit Bloggen für heute. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, und Respekt an jeden, der das alles hier gelesen hat.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Träume

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Ich freue mich ja schon, wenn das nächtliche Kopfkino mal keine Albträume abspielt. Was in den letzten beiden Nächten bei mir abging, ist aber schon ein klein wenig abgedreht.

Meine Lieblingsserie – oder eine davon – ist ja nun „In aller Freundschaft“. Der Großteil meiner Leser guckt diese Serie vermutlich nicht, also sei hier nur kurz erwähnt, dass es in dieser Serie eine Figur gibt, die Sarah heißt und die nicht-immer-sehr-beliebte Verwaltungsdirektorin der Klinik ist. In der Nacht zu gestern träumte ich also, dass Sarah als Praktikantin im Klinikbetrieb mitmacht, weil sie diesen näher kennen lernen will. Währenddessen bekommt sie den Hass aller Angestellten ab, weil in der Klinik (in meinem Traum) unglaublich viel schiefläuft. Irgendwann bekommt Sarah dann mit, dass über sie verbreitet wird, sie habe das Kind von Achim abgetrieben. (In Wirklichkeit hat sie es verloren.) Sie rächt sich dann an den Leuten, indem sie sie gegen eine sich schließende Aufzugtür laufen lässt.

Letzte Nacht hatte ich dann folgenden Traum: Eine Klassenkameradin vom Gymnasium hat mich gemobbt. Der Lehrer, welcher zufällig TomSka war, wollte schlichten, als ich mich prügelnderweise verteidigen wollte. (Nebenbei bemerkt haben wir mit ihm Englisch gesprochen, weil er nur Englisch versteht. Ob das im echten Leben so ist, weiß ich nicht.) Irgendwann waren er und ich dann alleine und haben versucht, miteinander zu schlafen, wobei ich aufgrund meines Beziehungsstatus große Bedenken hatte.

Manchmal ist mein Kopf echt merkwürdig. Für manche Dinge gibt es keine Erklärung, auch wenn man vorm Zubettgehen „In aller Freundschaft“ schaut. Oder TomSka.

Mit freundlichen Grüßen und schlaft nächste Nacht gut

Die Kitschautorin

Buntwäsche

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Neulich lag die Zeitschrift „Bunte“ im Zug herum und ich las aus Langeweile darin. (Glaubt es oder auch nicht.) Nun kann es sehr gut sein, dass es müßig ist, all das zu beklagen, was darin steht, aber einige Stellen möchte ich dennoch kommentieren.

Der Irrsinn beginnt schon auf dem Titelblatt.

„Tatort“-Star Adele Neuhauser – In einem Jahr verlor sie ihre ganze Familie“

Man stelle sich mal vor, den Bunte-Redakteuren würde dasselbe passieren. Wie glücklich wären sie dann wohl, wenn man es ihnen mit Hilfe eines etablierten Mediums unter die Nase reiben würde?

Neue Krebs-Therapien – Ärzte sprechen von einer „Revolution“

Ich wollte erst ausflippen, aber dann fiel mir ein, dass das Wort Revolution hier in Anführungszeichen steht. Der Gestalter des Titelblatts scheint hier also zuzugeben, dass es sich nicht um eine echte medizinische Revolution handelt.

Blättern wir also weiter. Auf Seite 7 nutzt Chefredakteur Robert Pölzer die Zeilen für seine Gedanken zu Corinna Schumacher. Er schreibt darüber, wie viel sie wohl durchmachen muss und dass sie, wenn vielleicht nicht immer physisch, doch auf jeden Fall in Gedanken bei ihm ist. Fällt euch was auf?

http://meedia.de/2016/09/16/fuer-bunte-koennte-es-teuer-werden-wegen-falscher-schumacher-berichterstattung-droht-100-000-euro-schadenersatz/

http://www.bildblog.de/56149/zeitschrift-mit-verfallsdatum/

http://www.bildblog.de/76660/wie-gemein-wer-setzt-solche-geruechte-in-die-welt/

http://www.tagesspiegel.de/medien/wie-geht-es-michael-schumacher-medien-bericht-veraergert-schumachers-managerin/12754792.html

Auf Seite 8 werden irgendwelche Mutmaßungen über den Raubüberfall bei Kim Kardashian angestellt. Das ist schon bescheuert, aber auf Seite 24 ff. findet man einen Artikel über Corinna Schumachers Zuhause in Texas. Mit dem Hinweis „Hier hat sie ihre Ruhe“. Wie viel Ruhe kann sie denn da haben, wenn Bunte-Mitarbeiter ihr dauernd nachstellen?

Auf Seite 28 geht es dann damit weiter, dass Amal Clooney eine Zwillingsschwangerschaft unterstellt wird, mit allen Tricks (das berühmte „geheimnisvolle Bäuchlein“ und eine Suggestivfrage als Artikel-Titel). Auch Prinz Harry wird nicht in Ruhe gelassen. Der Halbbruder seiner Freundin soll jemanden mit einer Waffe bedroht haben und das wird jetzt benutzt, um Leute in den Dreck zu ziehen. In den letzten beiden Sätzen des auf Seite 32 stehenden Artikels wird etwas über einen angeblichen Urlaub in der Schweiz geschrieben, der „hoffentlich nicht von immer neuen Skandalen überschattet wird“. Liebe Bunte: Der einzige Skandal ist die Berichterstattung der Yellow Press.

Moment!, werden jetzt vielleicht einige Leser dieses Blogartikels sagen, die Bunte hat auch gute Artikel. Welche denn?, kann ich da nur zurückfragen. Der Artikel über Flüchtlingsfrauen, den die Bunte und Nina Ruge benutzen dürfen, um Werbung für sich zu machen, oder die Umfrage über Donald Trump – also, über seine Frisur?

Was bleibt sonst noch zu sagen? Eine Doppelseite Witwenschütteln, weil Roman Herzog am 10. Januar gestorben ist.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Geschützt: Das Beste von letzter Woche bis jetze

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Valerie und der Priester

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Neulich bin ich auf ein interessantes Projekt gestoßen. Die atheistische Berliner Journalistin Valerie Schönian begleitet ein Jahr lang den Priester Franziskus von Boeselager. Und lernt enorm viel über ihn und seinen Glauben. Zu einigen Artikeln möchte ich jetzt meine Gedanken niederschreiben.

Zu Hause bei Franziskus im Sauerland

Valerie schreibt darüber, dass in Franziskus‘ Familie der christliche Glaube ganz selbstverständlich präsent war, anders als bei ihr. Das erinnerte mich an etwas, das mein Vater neulich gesagt hat. „Wir sind halt nicht damit aufgewachsen. Sonst wären wir vielleicht auch Christen geworden.“

Ich bin ja nun auch nicht damit aufgewachsen und habe mich trotzdem irgendwann taufen lassen, dachte ich gerade. Aber so ganz stimmt das ja auch nicht. In meiner Welt, anders als bei meinen Eltern, war der christliche Glaube ja durch Schule und Freunde durchaus präsent. Andererseits war die Mehrheit in meiner Heimat ja nicht evangelisch, sondern katholisch. Und ich habe immer gesagt, dass die Schulzeit mich dem Glauben nicht gerade näher gebracht hat. Hm.

Ich glaube, wer hier aufwächst, hat immer einen Bezug zu Gott. Man kann sich vielleicht gegen ihn entscheiden, aber ignorieren kann man die Idee von ihm nicht.

Das schreibt Valerie über Franziskus‘ Heimat, und ich glaube, bei mir in meiner kleinen Heimat nördlich der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens war das genauso. Man konnte Gott und das Christentum da gar nicht ignorieren.

Franziskus‘ Eltern sagen, dass sie ihren Kindern den katholischen Glauben schon mitgeben wollten, nur weniger streng. Irgendwann werden mein Mann und ich sicher auch Kinder haben, und wir reden jetzt schon gelegentlich darüber, wie wir das mit dem Glauben genau machen wollen. Werden sie getauft? Beten wir mit ihnen? Gehen wir mit ihnen in die Kirche und wenn ja, in welche? Kommt an Weihnachten das Christkind oder der Weihnachtsmann? Alles noch ungeklärte, aber wichtige Fragen.

Valerie schreibt darüber, dass Franziskus vor dem Essen betet und dass sie vorher niemanden kannte, der das tut. Ich kannte auch nur eine Person und selbst die tut das nicht immer. Dann war ich drei Tage im Kloster. Die Schwester, mit der ich Kontakt hatte, betet grundsätzlich vorm Essen, egal, zu welcher Tageszeit oder wer mit ihr isst. Ich finde das gewöhnungsbedürftig und ich tue es selbst auch nicht. Aber falsch finde ich das nicht unbedingt. Für die Speisen, die man hat, sollte man schon dankbar sein.

In dem Text geht es auch darum, wie ein Unfall von Franziskus‘ Schwester die Eltern wieder näher zum Glauben führte. Ich finde es toll, dass die das geschafft haben. Ich meine, ich zweifle heute noch oft genug an Gott. Gerade, wenn mir irgendwas Schlimmes passiert.

Wandmomente: Unsere Gespräche über Homosexualität stecken fest

Wenn zwei so unterschiedliche Menschen wie Valerie und Franziskus aufeinandertreffen, bleibt es ja nicht aus, dass es manchmal hakt. Ein wichtiger Punkt ist da Homosexualität. Für Valerie wie für mich, sozusagen. Ich habe lange gezögert, mich einer christlichen Kirche anzuschließen, weil ich spürte, dass da für manche Menschen eben nicht alle gleich sind.

Franziskus sagt, dass nach dem Verständnis der katholischen Kirche eine Ehe darauf ausgerichtet ist, Kinder zu bekommen. Aber es gibt ja auch Paare, die keine bekommen können oder wollen. Was ist mit denen? Die dürfen heiraten. Gleichgeschlechtliche Paare können ja auch miteinander Kinder haben, Stiefkinder oder adoptierte Kinder zum Beispiel. Warum sollen die das nicht haben dürfen?

Franziskus sagt, dass er damit niemanden oder diskriminieren will. Ich sehe das ein bisschen anders.

Er ist genauso Christ wie ich. Aber es gibt da trotzdem einen Punkt, bei dem man nicht zusammenkommen kann. Ein Wandmoment halt, wie Valerie sagt.

Vorweihnachtszeit mit einem Priester

Ich muss ja sagen, Weihnachten ähnelt bei mir eher dem Weihnachten von Valerie – mit Weihnachtsmärkten, Plätzen, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, geliebte Menschen treffen und so. Aber ein bisschen hat mich schon gestört, dass Weihnachten bei mir vergleichsweise wenig mit dem Christentum zu tun hatte die letzten Jahre. Obwohl ich ja Christin bin. Und seit 2013 Weihnachten jedes Jahr in der Kirche war. Letztes Heiligabend waren Monsieur und ich also im 23-Uhr-Gottesdienst. Und ich habe sogar aus meiner brandneuen Lutherbibel die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Monsieur hätte nicht unbedingt auf einem Kirchbesuch bestanden. Naja, er war auch lange Jahre Lektor und in seinem Leben wahrscheinlich öfter in der Kirche, als ich es je sein werde.

Als ich den Abschnitt über die Austeilung des Abendmahls las, wurde ich wieder wütend. Mich macht immer noch total krank, dass offiziell kein gemeinsames Abendmahl möglich ist. Und dass ich das vermutlich nicht mehr erleben werde.

Drei Gottesdienste und eine heilige Nacht

Weiter oben schrieb ich, dass ich es etwas schade finde, wenn Weihnachten wenig mit dem Christentum an sich zu tun hat. Nichtsdestotrotz denke ich, dass auch Nichtchristen das Weihnachtsfest feiern können. Valerie schreibt, dass es ihr um die Familie geht, und das finde ich auch gut.

Sie schreibt außerdem, dass sie beim dritten Gottesdienst verwirrt darüber ist, wann was gesungen und gemacht wird (beim letzten Gottesdienst war das ja noch ganz anders). Das Gefühl kenne ich gut. Selbst wenn ich in einen ganz normalen evangelischen Gottesdienst gehe, kenne ich einige Teile der Liturgie nicht. Und als ich im Kloster mitgebetet habe, meine Güte…

Ihr Glaube ist fast anfassbar.

Das ist, was bei mir mehr ankommt als die Worte, und das so viele Menschen an Weihnachten in die Kirche treibt, auch wenn sie sonst nie kommen.

Ich glaube, das war lange Jahre mein Problem. Glaube war für mich nie anfassbar quasi, und dann habe ich irgendwann Menschen getroffen, bei denen das anders war. Hätte ich diese Menschen nicht getroffen, wäre ich wohl keine Christin geworden.

tl;dr: Das Projekt „Valerie und der Priester“ ist sehr interessant. Es gibt viele wichtige Einsichten und ich denke, dass man viel lernen kann, wenn man Menschen kennen lernt, die ganz anders sind als man selbst. Offenheit natürlich vorausgesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nachtrag vom 8. Dezember 2020: Vor einigen Jahren – ich weiß nicht mehr, wann genau – habe ich Franziskus von Boeselager sogar zufällig persönlich getroffen. Er war sehr freundlich.