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Schlagwort-Archive: Gummibärchen-Tütchen

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 38

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Am 10. August gab es in der Neuen Osnabrücker Zeitung ein Interview mit Manuela Rosenberger, der Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Es ging um Pläne zu einer Fett- und Zuckersteuer. Frau Rosenberger fand diese Steuer diskriminierend und erklärte auch, warum:

So eine Steuer trifft natürlich besonders Geringverdiener, und das impliziert, dass sich besonders diese schlecht ernähren.

Wenn ihr etwas darüber nachdenkt, kommt ihr vielleicht auch darauf, warum ich diesen Satz sehr witzig finde.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Krümelmonster, Teil 19

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„Dreh dich mal unauffällig um“, raunte Anna. Da entdeckte ich den Grund ihres unerwarteten Fluchausbruchs. Er hatte orangefarbene Stoppeln und nannte sich Frederik. Abgekürzt: Freddy. Ich hoffte aus irgendeinem Grund inständig, dass er uns nicht entdeckte. Leider tat er es doch.
„Wir müssen es ihm irgendwie sagen, was jetzt?“, rief Anna.
„Keine Ahnung… hey, wo willst du denn hin?“ Anna haute einfach ab, ich glaubte es ja nicht! Jetzt überließ sie mir die heikle Arbeit, ihn an einen Ohrt einzuladen, an den er unter Garantie nicht wollte. Doch ich versuchte, mir meine Anspannung und meinen Ärger nicht anmerken zu lassen, und lächelte ihn an. „Hey, Freddy, lange nicht gesehen! Wie, äh, geht’s dir?“
Er brummte bloß herum. „Dumme Frage! Mit Aurélie läuft zurzeit alles schief. Ich verstehe das Weib einfach nicht mehr! Liebt sie mich überhaupt noch? Sie macht mich einfach fertig! Erst kann sie gar nicht mehr genug von mir kriegen, dann macht sie solche Spielchen mit mir und jetzt will sie mich gar nicht mehr sehen!“
Oh Mann. Ich atmete tief durch. Das schien mein Vorhaben ja sehr zu erschweren. Ich sah ihn mir an. Er hatte Augenringe, roch nach Rauch – ein deutliches Anzeichen für Stress – und wirkte insgesamt irgendwie, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen.
„Weißt du, was du brauchst?“
„Nein, was brauche ich denn?“
„Du brauchst… mal Ablenkung von deinen Problemen! Dann siehst du alles irgendwann etwas klarer“, behauptete ich und fand das, was ich da zusammenbrabbelte, ziemlich bescheuert. Doch es schien zu wirken. Zumindest hellte sich sein Gesicht ein klein wenig auf. „Ablenkung, klar, aber wie denn?“
„Hast du Lust, heute Abend mit Anna und mir ein paar DVDs zu gucken?“
„Gerne, wann denn?“ Bis jetzt lief das ja ganz gut…
„Wie wäre es heute Abend um sieben?“
„Hm, weiß nicht… ich wollte noch für die Uni arbeiten…“
Mein Gesicht stürzte in sich zusammen. Oh, er musste heute kommen, sonst –
„Aber eigentlich kann ich das auch noch morgen machen“, verkündete Freddy. Boah, war ich erleichtert. Bis jetzt hatte ich alle Hindernisse überwunden. Blieb noch ein letzter Punkt…
„Wo soll das Ganze denn stattfinden?“, fragte Freddy interessiert.
Oh Hilfe…
„Bei Anna in der WG…“, flüsterte ich und ging innerlich in Deckung.
„In der WG? Vergiss es, da komm ich nicht hin“, rief Freddy und wollte sich davonmachen. Ich konnte ihn gerade noch aufhalten. „Aurélie wird nicht da sein! Die… hat jetzt abends noch so einen Französischkurs von der Uni und kommt erst ganz spät wieder zurück. Dann bist du schon gar nicht mehr da!“
„Meinst du wirklich?“ Freddy war skeptisch. Zu Recht…
„Aber na klar! Du wirst ihr heute Abend auf keinen Fall begegnen“, versicherte ich ihm. Schließlich willigte er ein und ich konnte endlich beruhigt zu meinem Essen zurückkehren. Das ich aus Protest gegen Annas unerwartete Flucht schweigend einnahm.

Abends war es dann so weit. Die Aktion konnte losgehen. Ich hatte ein paar DVDs mitgebracht und Anna hatte auch einige besorgt. Nachdem wir alles noch ein letztes Mal besprochen hatten, saßen Aurélie, Anna und ich im WG-Wohnzimmer zwischen Flipsschüsseln und Gummibärchenpackungen (nicht für mich natürlich). Anna und ich waren so nervös, als müssten wir James Bond bei einem seiner hochgefährlichen Einsätze vertreten. Aber natürlich durften wir das, genauso wie der Geheimagent, nicht zeigen.
„Oh, ich freue mich ja so, dass ich endlich mal einen Abend ohne Freddy und ohne Sorgen verbringen darf. Endlich mal ein Abend in Ruhe und Frieden, nur mit meinen besten Freundinnen. Freut ihr euch auch?“
Ich zuckte zusammen, während Anna nur total trocken ein Ja brummte. Gegen sieben wollten wir dann die erste DVD einschieben. „Ich bin dafür, dass wir zuerst die Amélie gucken“, äußerte sich Aurélie. „Wo liegt der Film denn?“
In diesem Augenblick klingelte es an der Haustür. Anna und ich sahen uns an.
„Verflixt“, rief Anna geistesgegenwärtig. „Den hab ich im Zimmer vergessen! Komm, Aurélie, wir suchen ihn eben. Sara, gehst du bitte mal an die Tür?“
„Na sicher!“, rief ich sofort, sprang auf, rannte zur Haustür, natürlich nicht, ohne vorher die Wohnzimmertür dezent anzulehnen.
Wie erwartet war der Mensch, der geklingelt hatte, Freddy. Ich begrüßte ihn, hängte seine Jacke an den Haken und sah im Hintergrund, wie Anna den Zettel aus der Küche holte.
„Gehst du schon mal ins Wohnzimmer? Du weißt ja, wo es ist“, forderte ich ihn höflich auf. Er tat mir den Gefallen.
Mein Herz klopfte ziemlich stark. Eigentlich lächerlich, oder? Ich konnte es nicht genau sagen. Anna jedenfalls wirkte ziemlich cool, aber ich wusste aus über zehn Jahren Freundschaft mit ihr, dass das nicht stimmen musste. Zusammen stellten wir uns neben den Wohnzimmereingang und warteten, bis Aurélie ihr Zimmer verließ und in die Stube stürmte.
„Hey, Anna, der Film ist gar nicht… Was machst du denn hier???“ Wie angewurzelt blieb unsere gute Freundin ein paar Schritte hinter der Türschwelle stehen.
„Das Gleiche könnte ich dich fragen… ich dachte, du bist in der Uni?“
Das war der Punkt, an dem Anna und ich langsam die Tür zuzogen und abschlossen.
Das sollten die mal schön unter sich ausmachen. Zuerst schienen sich die beiden tierisch zu streiten. Nach einer Weile bummerte Aurélie an die Tür. „Lasst mich sofort raus, verdammt noch mal, das ist Freiheitsberaubung, los jetzt, oder ich rufe die Polizei!“
Anna schob den Zettel unter der Tür durch, dann zogen wir unsere Jacken an und gingen ins Café.
An dieser Stelle will ich erzählen, was auf dem Zettel stand, den wir den beiden unter der Tür durchgeschoben haben:
Wir sind im Café und lassen euch in ein paar Stunden wieder raus, vorausgesetzt, ihr habt euch bis dahin wieder eingekriegt. So, wie ihr euch verhaltet, hält das ja keiner mehr aus. Mit diesem Kindertheater muss Schluss sein!
Freundliche Grüße
Anna und Sara

Schon wieder Einführungswoche

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Ich bin zwar jetzt schon im 3. Semester, aber weil man bei der Uni-Einführungsveranstaltung so viel Gratiszeugs abstauben kann, bin ich trotzdem hingegangen. Folgendes habe ich gekriegt:

– einen Block

– sechs Kulis

– sechs Postkarten (davon eine mit Wollfaden, die vom Studiengang “Textiles Gestalten” ausgegeben wurde und einen Witz zum Thema ‘rumspinnen’ enthielt)

– die aktuelle Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung plus Beilage “akademisches Viertel”

– zwei Bonbons

– siebzehn Tütchen mit Gummibärchen

– zwei Päckchen mit Klebezetteln

– einen Jackass-Einkaufschip

– eine Ausgabe des Magazins “Kino & Co.”

– diverse Flyer, Gutscheine und Infomaterialien

– fünf Luftballons

– zwei kleine Tuben Zahncreme

– zehn Aufkleber

– einen Schlüsselanhänger

– ein Minibuch “Meine Grundrechte in der Europäischen Union”

– ein Exemplar des Grundgesetzes

– einen Sattelschutz fürs Fahrrad

– einen biegsamen Bleistift

– ein Magazin namens “Coming out”

– eine Ausgabe des Magazins “OS.Nah”

– einen Stundenplan

– einen Studienplaner, der mir noch zugesandt wird, weil die AOK keine mehr am Stand hatte

– ein Taschenlämpchen

– drei Anstecker

– drei Stoffbeutel

– einen Keks

– einen Lolli

– ein Käppi

– eine winzige Tafel Schokolade

– einen Gratis-Sehtest (meine Dioptrienwerte haben sich nicht verändert, leider ist eine Hornhautverkrümmung dazugekommen)

– ein Smartphone-Reinigungsteil

– das Buch “Glaube im Kreuzverhör” von Lee Strobel

– ein Spielzeugauto aus Gummi

– ein Gratis-Rätsel auf einer Postkarte

– ein Päckchen Traubenzucker

– ein Lesezeichen

– ein Frisbee

– am Allerwichtigsten: ein Kondom Smiley mit geöffnetem Mund

Eines der Gummibärchen-Tütchen wurde mir vom Kerl in die Hand gedrückt, der euch bereits aus meinem Artikel “Demokratietheorien” bekannt sein dürfte (https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/09/demokratietheorien/). Ich begrüßte ihn mit “Na, was machstn hier Schönes?”. Er antwortete: “Gummibärchen verteilen.” Schon hatte ich noch ein Tütchen. Mir fiel auf, dass er mir keinen Junge-Union-Infozettel dazugegeben hatte. Offenbar weiß er, wo ich politisch stehe.

Später traf ich dann noch einen Freund, der Werbung für seinen Rollenspiel-Verein (http://www.rubicon-osnabrueck.de/) machte. Hier ein Auszug aus unserem Gespräch:

– Du bist aber kein Erstsemester!

– Na und? Warst du letztes Jahr doch auch nicht!

– *Denkpause* Äääähm, ich hab aber nen neuen Studiengang angefangen.

Nachdem ich dieses ganze Gratiszeug abgestaubt hatte, staubte ich ordentlich zu, und zwar, als ich zusammen mit meinen Mitbewohnern unseren Kellerraum ausräumte. Von den aktuellen WG-Bewohnern stand kaum was drin, dafür haben Vorbewohner, die ich teilweise noch nicht einmal kennen gelernt habe, uns schön viel Arbeit gemacht mit dem ganzen Zeug, das sie da gelassen haben. Das Zeug fiel in zwei Kategorien:

– der letzte Müll (bspw. Abfall von McDonald’s)

– Sachen, die noch voll in Ordnung sind und wo einfach jemand zu faul war, es mitzunehmen

Aus der letzten Kategorie habe ich mir so einige Schätze gesichert. Ich frage mich aber immer noch, wie ein Buch zum Thema “Fruchtbarkeit der Frau für eine Schwangerschaft erhöhen” (oder so ähnlich) in diesen Kellerraum kam. Bis ich dort eingezogen bin, lebten nämlich nur Männer in der WG – und die dürften das nicht unbedingt bei ihren Partnerinnen angewandt haben.

Heute kommt noch ein Blogeintrag, der sich mit LGBT-Rechten beschäftigen wird. Und es wird ein ganz besonderer: er wird nämlich dreisprachig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin