RSS-Feed

Schlagwort-Archive: hartz iv

Nazis und Austauschstudenten

Veröffentlicht am

Ich war schon immer der Meinung, dass die Vergangenheitsbewältigung in punkto Nationalsozialismus nicht so gut geklappt hat. Aber selten war es so deutlich wie in der vorletzten Sitzung des Seminars „Eichmann in Jerusalem“. Eugen Steimle, ranghoher Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und verantwortlich für Massenmorde in der Sowjetunion, wurde zuerst zum Tode und dann zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, wovon er sechs Jahre absaß. Nach der Freilassung arbeitete er als Gymnasiallehrer für Deutsch (!) und Geschichte (!!). Werner Heyde, einer der Hauptorganisatoren der Euthanasiemorde, konnte nach dem Krieg als Arzt praktizieren. Das gehört zu den Gründen, aus denen ich mir immer an den Kopf fasse, wenn mal wieder irgendjemand behauptet, man solle die Nazizeit doch langsam mal vergessen. Wie kann man so was nur vergessen?

Derselbe Dozent, der das Eichmann-Seminar gibt, ist auch für das Seminar „Integration oder Assimilation?“ verantwortlich. Vor kurzem beschäftigten wir uns ja mit Sarrazin. Der Dozent überlegte, was er in der letzten Sitzung mit uns anstellt, meinte aber, dass wir uns Sarrazin als Gast wohl nicht leisten könnten, denn der nehme 15000 Euro. 15000 Euro für so einen Müll. Wow. Wir alle wissen ja, dass es Fremdenfeindlichkeit nicht nur in Deutschland gibt. In der Schweiz (dem Land, aus dem unser Dozent kommt) gibt es eine von der SVP ausgehende Initiative gegen die „Masseneinwanderung“ der Deutschen. Am 9. Februar soll es sogar einen Volksentscheid darüber geben. Und so, wie’s aussieht, liegen die Antideutschen vorn.

Bevor mein Dozent in der Schweiz lebte, kam er aus Griechenland. Auch die Familie seiner Frau stammt daher. Sein Schwiegervater war mal Austauschstudent in Österreich und lebte dort bei einer alten Nazitante, die die ganze Zeit Nazilieder vor sich hersang. Unwissend, was das alles bedeutete, nahm der damals junge Mann die Lieder in sich auf. Zig Jahre später trifft dieser mittlerweile alt gewordene Mann auf den Freund seiner Enkelin. Er bekommt mit, dass dieser Deutscher ist. Und um sich mit ihm gut zu stellen, singt der alte Mann eins der Lieder aus seiner Untermieter-Zeit. Das kam nicht so gut an.

Heute hatte ich nun wieder eine Sitzung „Eichmann in Jerusalem“. Diesmal ging es u.a. um die Kollaboration in Frankreich. Und ich war eine von ganzen zwei Studenten, die sich schon vor dem Referat mit diesem Thema beschäftigt haben. Eine Studentin, die in Basel zur Schule gegangen ist, erklärte sogar, dass das Ganze bei ihr im Unterricht niemals thematisiert wurde. Schockierend.

Es gibt natürlich auch lustige Momente in meinem Studium. In einem meiner Seminare gibt es einen Erasmus-Studenten aus Spanien. Mit Vornamen heißt er Jesús, was immer wieder Anlass für verschiedene Witze ist. Beispiel: Er fehlte in der letzten Sitzung vor Weihnachten und meine Dozentin äußerte sich folgendermaßen:

Jetzt ist bald Weihnachten und ausgerechnet heute ist Jesús nicht da.

Die Dozentin hat in der letzten Sitzung aber auch eine furchtbare Geschichte erzählt: Sie hat mal (in Gedenken an ihre Mutter, die sich selbst vorwarf, nicht genug für die Rettung der Sinti und Roma getan zu haben) Stolpersteine verlegen lassen. Als sie sah, dass diese dreckig geworden waren, putzte sie die Steine. Es kamen Leute an und haben sie gefragt: „Müssen Sie das machen? Sind Sie Hartz IV?“

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Deutsches Blut und italienische Musik

Veröffentlicht am

Im Rahmen meines Seminars “Integration oder Assimilation?” beschäftigten wir uns in den letzten beiden Sitzungen mit den Kapiteln 8 und 9 aus Thilo Sarrazins Werk “Deutschland schafft sich ab”. Und ich kann jetzt sehr gut verstehen, warum sich viele über das Buch so aufgeregt haben.

Der Untertitel des achten Kapitels lautet “Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist”. Und er meint das tatsächlich ernst. Sozialleistungen sollten in Zukunft nur noch Gebildeten zugute kommen. Das ganze Kapitel basiert auf so vielen Fehlannahmen. Die UN sowie die eine Wissenschaftlerin, die er zitiert, als es um das Thema IQ geht, haben bereits moniert, dass er ihre Thesen total aus dem Zusammenhang reißt. Davon mal ab möchte ich zwei Sachen feststellen:

1.) Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass wenig gebildete Menschen immer so bleiben.

2.) Hätten nicht gerade die Leute die Sozialleistungen verdient, die kaum Bildung haben? Bildung ist hierzulande immer noch eine Sache des Geldes.

Im neunten Kapitel schießt er den Vogel dann vollends ab, indem er zwei mögliche Zukunftsszenarien entwirft – ein seiner Meinung nach gutes und ein seiner Meinung nach schlechtes. Das schlechte besteht daraus, dass Deutschland irgendwann von (muslimischen) Migranten überschwemmt wird und unsere Kultur deswegen verfällt. Das gute besteht für ihn u.a. daraus, dass es hier kaum noch Migranten gibt. Mein Dozent zeigte sich überrascht davon, dass ein seiner Meinung nach derart rassistisches Werk hier veröffentlicht werden darf.

Freitags habe ich keine Vorlesungen. Ich nutzte die Zeit, um zur Blutspendeaktion in einem evangelischen Gemeindeheim zu gehen. Meine Werte waren gut und ich wurde zunächst zugelassen. Allerdings nahm ich mir etwas Zeit, um noch etwas zu essen. Mein Freund bemerkte, meine Hände seien ganz kalt, und ich fühlte mich auch etwas komisch. Als mich die Ärztin so sah, stellte sie mich dann doch zurück.

Ich war ziemlich traurig, denn es spendet ja kaum jemand Blut. Wegen meiner Petition (tinyurl.com/p6w37xr) habe ich mir die Zahlen angesehen – es müssten ungefähr doppelt so viele Deutsche Blut spenden. Ich habe mir dann aber überlegt, dass ich vielleicht auch auf andere Weise Gutes tun kann, wenn ich schon dauernd bei der Blutspende zurückgestellt werde. Ich werde jetzt schauen, dass ich als Brötchenschmiererin oder Betreuerin bei einem Spendetermin mithelfen kann. Außerdem habe ich morgen einen Termin bei einem Seniorenzentrum. Die können immer Leute gebrauchen, die helfen.

Jeder Mensch hat Träume in seinem Leben. Auch ich habe ein paar. Einen davon werde ich mir im April erfüllen: Ich werde ein Konzert von Ennio Morricone besuchen, meinem absoluten Lieblingskomponisten. Seine Werke sind ziemlich beeindruckend. Aber in der Kölner Lanxess-Arena wird es wohl atemberaubend sein. Für das Ticket und den Versand habe ich knapp 60 Euro bezahlt. Eigentlich ein ziemlich günstiger Lebenstraum.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 24

Veröffentlicht am

https://www.youtube.com/watch?v=WRUaT0uAoNw

Ich finde es einfach unglaublich, dass man Menschen, die arbeiten wollen, Steine in den Weg legt. Dass es von Seiten der Politik keinen Bedarf gibt, das zu ändern. Wenn mir das nächste Mal jemand erzählt, dass Hartz-IV-Empfänger sowieso alle zu faul zum Arbeiten sind, zeige ich ihm den Bericht hier.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nach dem Rechten sehen

Veröffentlicht am

Wahlen sind eine der wenigen Möglichkeiten, die man als Bürger hierzulande noch hat, wenn es darum geht, mitzugestalten, und ich nehme diese Möglichkeit gerne wahr. Deswegen habe ich heute per Brief gewählt. Als ich den Umschlag mit den angeforderten Unterlagen öffnete, war ich erst mal total überfordert. So viele bunte Zettel und Umschläge! Aber als ich die Anleitung gefunden hatte, ging alles ganz leicht. Zusätzlich zum Bundestag durfte ich auch einen Landrat wählen. Da ich keine Ahnung hatte, dass diese Wahl angesetzt war, wusste ich auch zunächst nicht, wen ich wählen sollte, und habe erst mal alle Kandidaten gegoogelt. Bei den meisten habe ich nicht mal herausfinden können, wofür sie eigentlich stehen. Aber ich habe dann doch jemanden gefunden.

Wählen ist bekanntlich wie Zähneputzen: Wenn man’s nicht macht, wird’s braun. Leider gibt es Leute, bei denen es quasi so oder so braun wird. Und sie hängen fleißig Wahlplakate auf. Ich möchte mich am liebsten übergeben, wenn ich diese menschenverachtenden NPD-Wahlplakate sehe. (Unverständlich auch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel, dass die Teile nicht den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen: http://www.publikative.org/2013/09/15/kz-gedenkstaette-erstattet-anzeige-gegen-npd/) Ich freue mich immer, wenn sie verschwinden. Vor der Grundschule, in die mein Freund vor Ewigkeiten mal gegangen ist, hingen zwei Teile, die sind jetzt weg. Ich freue mich auch sehr über kreative Aktionen gegen NPD-Wahlplakate. Eine besonders schöne Idee findet man hier:

http://www.kaputtmutterfischwerk.de/?p=4157

In der Stadt meines besten Freundes gab es diese tolle Aktion:

http://www.ruhrbarone.de/giessen-meine-oma-mag-auch-sinti-und-roma/

Wo ich gerade von meinem besten Freund sprach: Übernächstes Wochenende werde ich es zum ersten Mal seit seinem Umzug schaffen, ihn zu besuchen. (Bin gespannt, wie es sein wird. Ich war noch nie in Hessen.) Ich werde sieben Stunden lang mit Bummelzug dorthin unterwegs sein, weil mein Geld etwas zu knapp für den Fernzug war. Den werde ich dann nutzen, wenn ich mich am Tag der deutschen Einheit Richtung Großeltern aufmache. Der Tag der deutschen Einheit ist sehr wichtig für mich, weil ich ohne Wiedervereinigung vermutlich nie in Westdeutschland gelebt hätte. Ich bin schon unzählige Male über die ehemalige innerdeutsche Grenze gefahren. Wenn man die A20 nimmt, erkennt man immerhin noch an einem Schild, dass man die Grenze überquert. An der Bahnstrecke Hamburg-Rostock weist nichts darauf hin. Man erkennt nur allmählich an den verlassenen LPG-Gebäuden und den Plattenbauten, dass man bereits im Osten angekommen ist. Neulich gab es im NDR einen interessanten Bericht über den Bahn-Grenzverkehr auf der Strecke, die ich schon öfters befahren habe:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/media/nordmagazin18881.html

Auf langen Fahrten ist Musik besonders gut. Heute kam das neue Album einer meiner Lieblingsbands heraus. Früher hat mein bester Freund immer für mich Musik geladen, weil er schon ein musicload-Konto hatte. Ich habe die Musik jetzt über Amazon geladen. Ging schnell und gut. Das neue Album von Placebo gefällt mir. Ich denke, dass man beim mittlerweile fast 41jährigen Brian Molko von einer in Würde gealterten Stimme sprechen kann. “Rob the bank” mochte ich wegen des etwas abgedrehten Textes nicht so sehr, aber insgesamt bereue ich es nicht, die 9,89 Euro ausgegeben zu haben.

Morgen wird es hier wieder einen neuen Kurzgeschichtenteil geben. Bis dahin:

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Post aus Berlin – Nachschlag

Veröffentlicht am

Auf Wunsch hier der bisherige E-Mail-Wechsel zwischen mir und dem Bundestagspräsidenten (bzw. irgendwelchen Bundestagsmitarbeitern).

E-Mail 1

E-Mail 2

Antwortschreiben

E-Mail 3

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Post aus Berlin

Veröffentlicht am

Aufmerksame Leser meines Blogs werden sich daran erinnern, dass ich vor dreieinhalb Wochen eine E-Mail an den Bundestagspräsidenten verfasst habe, weil ich wütend über die Leiharbeiter im Bundestag war (und über die unbezahlten Praktika). Ich habe heute eine Antwort bekommen. Dass mir Dr. Lammert persönlich antwortet, war wohl nicht zu erwarten, schließlich ist er der protokollarisch zweitwichtigste Mann in der BRD. Dass der Absender der E-Mail und der Unterzeichner des Antwortschreibens an sich, das als Word-Anhang beigefügt wurde, zwei verschiedene Personen sind, fand ich aber schon merkwürdig.

Das Schreiben hat mich nicht wirklich überzeugt. Meine E-Mail war zwar teilweise falsch formuliert, da sie nahe legte, dass alle Schreibkräfte im Bundestag als Leiharbeiter ausgebeutet werden. Das stimmt natürlich nicht. Trotzdem gibt es immer mehr Fälle – und im tagesschau.de-Artikel, auf den ich u.a. in der E-Mail verwies, stand das auch so. Und es entschuldigt nicht, dass es – auch wenn es nicht alle sind – Leute gibt, die aufgrund von Leiharbeiterschaft so mies bezahlt werden, dass sie aufstocken müssen.

Außerdem informierte mich der Mitarbeiter des Deutschen Bundestages darüber, dass Praktikanten ausschließlich als studentische Pflichtpraktikanten oder Schülerpraktikanten beschäftigt würden und sie deswegen keine Vergütung erhielten. Bei Schülerpraktikanten kann ich das eventuell noch verstehen, aber dass Studenten dort so ausgebeutet werden, finde ich immer noch eine Sauerei. Nur dass sie im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum machen müssen, kann kein Grund für Nichtbezahlung sein.

Tut mir Leid, Herr Dr. Lammert, aber Sie bzw. Ihre Mitarbeiter haben mich nicht überzeugt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nachtrag vom 25. Dezember 2012: Unter folgendem Link kann man den E-Mail-Wechsel einsehen: https://kitschautorin.wordpress.com/2012/12/25/post-aus-berlin-nachschlag/

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 17

Veröffentlicht am

http://www.tagesschau.de/inland/aufstocker-bundestag100.html

Wenn Leute irgendwo als Leiharbeiter angestellt sind und so wenig verdienen, dass sie dazu noch Geld vom Staat erhalten müssen, ist das bitter. Wenn diese Leute im Bundestag arbeiten, ist das echt arschig. Es geht eindeutig zu weit, dass der Staat, der Gesetze macht, diese unterläuft und den im Artikel erwähnten Leuten nicht genügend Geld zum Leben bezahlt. Ich habe gerade eine E-Mail an Herrn Dr. Lammert, den Bundestagspräsidenten, geschrieben, weil so etwas einfach nicht sein darf.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Bücherorgie Teil 2

Veröffentlicht am

Jeffrey Eugenides – Middlesex

Das ist das Buch, das ich gegen den Euro Spende mitgenommen habe. Aus einem Einkaufswagen im Jobcenter. Ich habe es während der Wartezeit zur Hälfte durchlesen können. Und das Buch ist dick. Ich hatte ja immer schon ein Faible für Familiendramen und dieses hier ist wirklich spannend geschrieben. Eine packende Geschichte über eine Einwandererfamilie aus den USA, in der nichts so ist, wie es scheint.

Susan Black – You bitch! You bastard!

Diese Ansammlung von Pöbeleien berühmter Stars aus der Musikwelt ist sehr unterhaltsam und ein Geschenk für jeden, der Zitate mag.

Wo zum Teufel liegt dieses Land? Wer reist freiwillig 16 Stunden, um dorthin zu kommen? (Britney Spears)

Einige Glanzstücke werde ich sicher in meine Sammlung aufnehmen. Wer sich für Musik interessiert, wird dieses Buch mögen.

Carrie Fisher – Prinzessin Leia schlägt zurück

Neugierig geworden durch eine Rezension eines Freundes (Klopfer *hust*), beschloss ich, mir dieses Buch zu kaufen. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Der Frau ist im Leben großer Mist passiert und sie kann es unglaublich amüsant beschreiben.

Jörg Nießen – Schauen Sie sich mal diese Sauerei an

Ein Rettungsassistent und Feuerwehrmann hat 20 wahre Geschichten über seinen Arbeitsalltag geschrieben. Und ich sage es gleich: Dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete. Jeder, der diesbezüglich weicher veranlagt ist als ich, sollte die Finger davon lassen. (Besonders die Geschichte, die dem Buch seinen Namen gab, ist hammermäßig.) Alle anderen können sich über die Geschichtensammlung bestens amüsieren, da der Autor seine Stories mit einer großen Portion Komik erzählt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Familie

Veröffentlicht am

Da ich gestern wieder auf die Familie meines Freundes traf, gibt es heute Zitate zum Thema Familie.

Mit der Axt spaltet man Holz. Mit der Zunge eine ganze Familie. (Peter Amendt)

Familie ist quasi der genetische Zusammenschluß von Menschen, die sonst vielleicht gute Feinde geworden wären. (Frank-Markus Barwasser)

Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. (Bibel)

Jeder Autor schreibt immer auch ein Stück über sich selbst. Aber viele Teile in diesem Roman sind erfunden und haben nichts mit meiner Familie zu tun und dabei soll es auch bleiben. Der Leser soll und muss nicht wissen – das macht die Qualität eines Romans nicht aus – was autobiografisch ist und was nicht. Es ist ein Roman. (Michel Friedman)

Die Schwachen unserer Gesellschaft brauchen kein Geld, sondern Joghurt, Äpfel, Blumenkohl und weitere Lebensmittel, die Supermärkte sonst in den Müll schmeißen. Das scheint zumindest Familienministerin Kristina Schröder zu glauben. Die Tochter eines Oberamtsanwalts und einer Immobilienhändlern lächelt gütig, wenn sie als Schirmherrin der „Tafel“ Essensreste an Bedürftige verschenkt. Wenn sich Schröder dann aber bei Twitter einloggt, beweist sie, dass sie nicht nur moderne Technik, sondern auch die aktuelle Hassideologie beherrscht: „Eine Familie in Hartz IV, 2 Kinder, erhält inkl. Elterngeld 1885 € vom Staat. Netto! Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?“, fragt Schröder. Der überzeugten Perlenohrringträgerin gefällt es jedenfalls, Hartz-IV-Empfängern das Elterngeld zu streichen, sobald sie das erste von zwei geplanten Kindern in die Welt setzen. (Kathrin Hartmann)

So wie es dazu gehört, sich zu freuen, wenn ein Kind geboren wird, so selbstverständlich muss auch der Tod am Ende eines erfüllten Lebens für die Menschen stehen. Dass dies sowohl in den Familien mit ambulanter Unterstützung oder eben in den entsprechenden Hospizen möglich ist, ist mir ein ganz großes Anliegen. (Regine Hildebrandt)

Es ist für eine Frau zwischen 14 und 44 Jahren auf dieser Welt wahrscheinlicher, dass sie durch ihre eigene Familie ermordet wird, als dass sie an Malaria, an Krebs, im Krieg oder bei einem Autounfall umkommt. (Ayaan Hirsi Ali)

Die Deutschen romantisieren die Großfamilie ebenso wie sie früher den Harem romantisiert haben. Als ob dies eine heile Welt wäre, in der alle Generationen unter einem Dach leben, alle glücklich sind und sich gegenseitig respektieren. In Wahrheit sind die Strukturen völlig anders. (Necla Kelek)

Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern, damit die Menschen ihrem Willen zum Kind folgen können. Dazu gehört es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser zu organisieren. Das heißt mehr Unterstützung bei der Erziehung und Rückkehrgarantien zum Arbeitsplatz. (Paul Kirchhof)

Eine Gesellschaft, in der die Familien mit Kindern Gefahr laufen, unter die Armutsgrenze zu rutschen, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. (Franz König)

Familienbeziehungen gehören einer Sphäre an, in der die sonst üblichen Regeln des Urteils und des Handelns außer Kraft gesetzt sind. Sie sind ein Labyrinth von Spannungen, Streitereien und Versöhnungen, deren Logik widerspruchsvoll ist und deren Wertmaßstäbe´ und Kriterien oft so verborgen sind, wie der gekrümmte Raum eines in sich geschlossenen Universums. (Arthur Koestler)

Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben. (Karl Kraus)

Ich ärgere mich natürlich mehr über die Privaten, in dem Sinne, dass es schon noch das schlimmere Fernsehen ist. Was dort in Zusammenhang mit den ganzen Doku-Soaps geschieht, ist erschreckend. Einer Familie, die bei „Frauentausch“ mitgemacht hat, wurde die Wohnung vom Fernsehteam gezielt verdreckt, damit die Familie asozialer wirkt als sie in Wahrheit war. Und das vor den Augen dieser Familie. Wenn die Protagonisten etwas dagegen sagen, wird mit Vertragsstrafe gedroht. Mit dieser Form von Nötigung wird mittlerweile gearbeitet. Oder die ganzen schamlosen Call-In-Abzockereien bei Neun Live oder dem „Masterquiz“ auf SuperRTL, die für mich komplett abgeschafft gehören. Das sind alles Phänomene der Privatsender, wo es fast schon ins Kriminelle abgleitet. So schlimm sind die Öffentlich-Rechtlichen noch nicht, weil sie es noch nicht dürfen. Es gibt ja klare Vorschriften. Da ich für die Öffentlich-Rechtlichen Geld bezahle, habe ich aber auch einen ganz anderen Anspruch an das Programm. (Holger Kreymeier)

Wenn man über genügend Mittel verfügt, um ein verhältnismäßig angenehmes Leben zu führen, wie das bei mir zumindest im Moment der Fall ist, wäre es kokett zu sagen, ich mache mir nichts aus Geld. Ich bin froh, dass meine wirtschaftliche Lage so ist, wie sie ist. Ich bin allerdings nicht böse oder traurig, dass ich nicht noch mehr Geld habe und tausend Leibwächter und Hubschrauber und Learjets und den ganzen Kram. Andererseits möchte ich auch nicht in der Situation sein, eine Familie zu haben und nicht zu wissen, wie ich sie ernähren soll. Heutzutage kann man ja froh sein, wenn man Arbeit hat, egal, wie die aussieht. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. Auch, wenn man mal meckert über seinen Beruf. Das ist schon eine privilegierte Sache, dass man überhaupt etwas zu tun hat. (Heiner Lauterbach)

Sie konnten so viel in meinen Kopf reinhämmern, wie sie wollten, ich habe nie ihre Erwartungen erfüllt: heiraten, Kinder in die Welt setzen, einen netten Job machen. Allein der Gedanke daran machte mich krank. Ich sagte nur: „Fuck you, ihr wollt, dass ich jemand bin, der ich nicht sein will. Ich finde selbst meine Identität. Ich will sein, wie ich will.“ Ich bin das Schwarze Schaf der Familie. Bei meinem Bruder hatten sie mehr Erfolg. Er ist im Finanzbusiness. (Brian Molko)

Die ganze Familienideologie ist ein sehr regressives Konzept. Die großen Werke der Weltliteratur handeln nicht von Familienglück, sondern von Familienhorror. (Jack Nicholson)

Was ich für mich aus dem ganzen Rummel Positives ziehen kann, das sind die immer besseren Rollenangebote. Was die Bewunderung durch Fans angeht – da habe ich nicht viel von. Klar ist es schön, wenn andere dich fotografieren und Autogramme haben wollen. Aber ich kann nicht verstehen, wie manche Schauspieler das Blitzlichtgewitter richtig in sich aufsaugen. Das habe ich nie verstanden. Ich erfahre doch Liebe und Akzeptanz zu Hause, von meiner Familie, Menschen die mir nahe stehen – das ist mir wichtig. (John C. Reilly)

Das Weib wirkt in der Familie, für die Familie; es bringt ihr sein Bestes ganz zum Opfer dar; es erzieht die Kinder, es lebt das Lebens des Mannes mit; die Gütergemeinschaft der Ehe erstreckt sich auch auf die geistigen Besitztümer, aber vor der Welt kommen die eigensten Gedanken, die eigensten sittlichen Taten des Weibes meist nur dem Manne zu gut; auf seinem Namen häufen sich die Ehren, während man gar bald die Gattin vergißt, die ihm diese Ehren hat mitgewinnen helfen. (Wilhelm Heinrich Riehl)

Deutschland ist so lange kein kinderfreundliches Land, so lange junge Frauen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie versuchen, Familie und Beruf miteinander zu verbinden. (Jürgen Rüttgers)

An einer piefigen kleinen Strandbar tummeln sich allerlei Typen, die einige Wochen lang vor jedem Rasierer geflüchtet sind, und trinken Elefantenpipi aus einer Bierpulle, wobei sie von aufgekratzten Tussis begrabbelt werden. Soll einen das etwa davon überzeugen, dass man für ein paar Monate abseits von Körperhygiene und sexuellen Hemmungen doch gern eine Bierwampe in Kauf nimmt, die man dann wieder in einigen Jahren abtrainieren muss, um bei den Mädels anzukommen, die Alkoholatem für anziehend halten und davon rattig werden?
Das ist fast so große Augenwischerei wie bei Krombacher, wo jeder verkaufte Kasten Gerstensaft einen(!) Quadratmeter Regenwald retten soll und somit im letzten Jahr eine Fläche in der Größe eines mickrigen Dorfes als Lebensraum für einige Waldameisen sicherte. Dem gegenüber stand eine Werbekampagne, die jeden in der Illusion bestärkte, deutscher Alkoholismus würde die ökologische Katastrophe verhindern.
Noch berüchtigter ist ja schon die Kaffee-Werbung, in der ein Vater seiner missratenen Lendenfrucht alles verzeiht und sämtliche Erziehungsgrundsätze über Bord wirft, sobald ihm der Sohn fehlerfrei die Ursprungsländer seiner frisch aufgebrühten Kolonialware herbetet. Fast schon automatisch fragt man sich, ob die Mutter nun wegen ihrem koffeinsüchtigen Mann abgehauen ist oder ob sie sich voller Scham von der Autobahnbrücke stürzte, weil ihr Sohn noch dussliger ist als der Hund, welcher auch immer mal wieder durch die Kulisse streift und die hässlichen Möbel anpieselt.
Dabei ist doch glückliches Familienleben so einfach, wenn man den Werbespots von Knorr und anderen Büchsenfabrikanten glauben darf. Die Mutter sitzt den ganzen Tag zu Hause, und wenn Mann und Kinder nach Hause kommen, bereitet sie gekonnt eine extravagante Schlemmerei aus der Weißblechtrommel. Zärtlich säuselt dann der Mann seiner Angetrauten ins Ohr, dass seine Sekretärin zwar viel besser im Bett sei, aber die kleine Schlampe niemals in der Lage wäre, derart liebevoll eine Nudelsuppe aufzuwärmen. (Christian Schmidt)

Im Leben eines Mannes gibt es gewisse Dinge, die er unbedingt tun sollte. Ein Haus bauen, eine Familie gründen und einen Baum pflanzen. Bisher habe ich noch nichts davon geschafft. Bei manchen Leuten wünscht man sich aber, dass sie den Teil mit der Familie nie realisiert hätten. Um es mal unverblümt zu sagen: Viele Eltern haben eine gehörige Klatsche. (Christian Schmidt)

Meiner Meinung nach sind Stolz und Ehre allerdings wie Selbstbefriedigung und Stuhlgang. Man muss selbst damit klarkommen, ohne dass man Gerichte, Anwälte, Brüder oder Hieb- und Stichwaffen zu Hilfe ruft. Im besten Fall kann man einfach entscheiden, dass das Gegenüber nur niederes Gewürm ist und gar nicht die Relevanz hat, um das Selbstwertgefühl merklich anzukratzen. Ansonsten kann man einfach zurück beleidigen, dafür gibt’s sogar einen entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch. Und wenn das nicht hilft, bleiben von einem Tanzduell bis zu einer zünftigen Prügelei immer noch genügend Alternativen. Flennend zum Anwalt (oder seiner Familie) zu rennen und um Rache zu betteln, ist dagegen einfach nur peinlich und würdelos. Und da hätten wir doch noch einen Angriff auf die Menschenwürde gefunden – allerdings einen, der nicht verboten ist. (Christian Schmidt)

Und so schaue ich fassungslos die zahllosen Fernsehdokumentationen, in denen irgendwelche Familien ihre Sachen packen und in die Ferne ziehen, ohne Sprachkenntnisse und fundiertes Wissen über Kultur und Rechtslage des beglückten Gastlandes. Viele scheinen nicht einmal zu ahnen, dass es auch außerhalb Deutschlands so etwas wie Einwanderungsregelungen gibt und es keine Bombenidee ist, mit einem Touristenvisum und (höchstens) 3000 Euro in bar eine neue Existenz aufzubauen, insbesondere wenn man nicht mal einen Job in Aussicht hat. Und auch der Plan, mit einem gebrauchten Transporter problemlos eine florierende Speditionsfirma aufzubauen, wirkt längst nicht mehr so clever, sobald die grausame Realität ihre hässlichen Krallen ausfährt und zeigt, dass die einheimischen Spediteure nicht sonderlich scharf drauf sind, von deutschen Scheinasylanten und Wirtschaftsflüchtlingen Konkurrenz zu bekommen. (Christian Schmidt)

Warum machen Verwandte sowas? Warum sagen sie jüngeren Familienmitgliedern einfach plump ins Gesicht, was sie keinem Fremden sagen würden und was sie selbst nicht hören wollen? (Christian Schmidt)

Wenn man als Frau und Mutter auch heute, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, immer noch in der beruflichen Entwicklung gehandicapt ist, dann ist die Familienpolitik in diesem Land gründlich gescheitert. (Heidi Schüller)

Ich träume von einer Stadt, in der Kinder willkommen sind, in der sie faire Chancen haben und in der Familien und deren Kinder auch als Mieter und als Nutzer öffentlicher Plätze gerne gesehen sind. Ich träume von einer Stadt, in der man akzeptiert, dass Kinder Freiräume brauchen. (Wolfgang Schuster)

Ich bin sowieso der Meinung, dass Freundschaftsbeziehungen viel intensiver sein können als Familienbeziehungen. (Jaecki Schwarz)

Wir wollen nicht mehr nur wählen können zwischen der DDR als Unrechtsstaat und einer schalen Ostalgie. Gerade wir, die dritte Generation Ost, haben die Verantwortung, uns ein eigenes Bild von der Vergangenheit zu machen. Dazu brauchen wir die Erfahrungen unserer Eltern. Wir wollen wissen, was die DDR, die Mauer, mit uns und unseren Familien zu tun hat. […] Wir müssen einzeln und gemeinsam unsere Eltern, Lehrer und Politiker fragen, wie es war. Wir müssen auch die Stasiunterlagen-Behörde fragen, was in den Akten steht. […] Nur so können wir endlich verstehen, wie hoch der Preis war, sich in der Unfreiheit einzurichten. […] Und dann kann es gelingen, den größeren Diskurs über die deutsche Vergangenheit gerecht und gemeinsam zu führen. (Johannes Staemmler)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ferien!

Veröffentlicht am

Heute ist Montag. Das heißt, in drei Tagen ist Donnerstag. Und was heißt das? Ich muss, genauso wie viele andere Heranwachsende, wieder zur Schule. Und was heißt das? Zurück zur Langeweile, zurück zum verzweifelten Versuch, in Englisch-Korrespondenz nicht einzuschlafen. Aber auch zurück zu einem geregelten Leben.

In den Ferien gammele ich. Und zwar nicht zu knapp. Bin ich sonst ein richtiger Frühaufsteher, schlafe ich in den Ferien gerne mal bis zwölf Uhr mittags. Von der Körperpflege wollen wir gar nicht erst reden. All dem konnte nur die örtliche Uni ein Ende setzen. Mein Freund musste in den „Semesterferien“ ein Praktikum ableisten, sodass ich montags bis freitags immer um sieben geweckt wurde. Spitze.

Und das war nur eine der dummen Sachen, die sich in den letzten fünfeinhalb Wochen ereigneten und mich dazu verleiten zu denken, dass die Ferien eigentlich kacke waren. Ich möchte an dieser Stelle mal eine kurze Aufstellung machen:

– Ich hab fürs Schwimmen für drei Stunden mein Lippenpiercing entfernt, woraufhin das Loch zuwuchs

– Ich hatte einen Ausbeuterjob im Supermarkt, in dem ich es bereits nach zwei Einsatztagen nicht mehr aushielt

– Dieser Job war einer der Gründe dafür, dass ich auf meiner eigenen Geburtstagsparty fast einnickte vor Müdigkeit

– Das Paket meiner Oma kam aufgrund total unfähiger Postangestellter nicht bei mir zu Hause an

– Ich wurde operiert

Und noch viel mehr. Aber es war ja trotzdem ganz witzig. Ich hab mehrere Ausflüge gemacht, unter anderem nach Hamburg. Wirklich schöne Stadt. Obwohl wir kreuz und quer durch die Stadt fahren mussten, um vom Hauptbahnhof zu den Landungsbrücken zu kommen.

Kurz, bevor die Sommerferien zu Ende sind, überlege ich mir immer, wie es sein wird, wenn ich zurückkomme.  Wahrscheinlich ist leider der Status Quo. Ich hoffe, dass das Unterrichtsthema nach den Ferien im mündlichen Unterricht nicht mehr Arbeitslosigkeit ist. Ich würde sonst an die Decke gehen.

Der Begriff Unterschichtenfernsehen ist sicher vielen Menschen bekannt. Menschen mit einem furchtbaren Soziolekt („Isch fick disch, Alta!“) präsentieren ihr ätzendes Leben, sind stolz darauf, einen Job abzulehnen, weil sie lieber von Hartz IV leben und so weiter. Ist natürlich nicht real. Aber leider gibt es einige in meiner Klasse, die denken, alle Arbeitslosen sind so.

Mal schauen, wie sich der Unterricht nach den Ferien gestaltet. Bis dahin fülle ich meine letzten Stunden in Freiheit mit viel Schlaf, massenweise ungesundem Essen, noch mehr Internet und DVDs als Pausenfüller aus. Viva la feria.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin