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Krümelmonster, Teil 16

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As they drag me to my feet
I was filled with incoherence
Theories of conspiracy
The whole world wants my disappearance
I’ll go fighting nail and teeth
You’ve never seen such perseverance
Gonna make you scared of me
’cause haemoglobin is the key
Haemoglobin is the key
To a healthy heartbeat

Wo war ich? Ich lag an einem mir unbekannten Ort. Nachdem ich mühsam meine Augen geöffnet hatte, erkannte ich, dass mir eine Lampe ins Auge schien. Es war die Flurlampe vom Wohnheim. Ich lag neben der Zimmertür und über mir befanden sich einige Gesichter. Wer war das? Nach und nach erkannte ich drei Personen. Es waren Lea, Hannes und ein Mensch, den ich einfach nicht wiedererkennen wollte. Wahrscheinlich kannte ich ihn gar nicht. Ich fühlte mich total schwach und der Schweiß stand mir auf der Stirn. Als ich endlich einige Worte sagte, kamen sie wie ein Flüstern heraus:
„Hannes? Wer… wo bin ich? Was ist passiert?“
„Du bist einfach umgekippt“, berichtete Lea.
„Du hast wahrscheinlich seit ein paar Tagen nichts mehr getrunken“, informierte mich der unbekannte Mensch. Worauf Hannes rief: „Ich hab dich wiederbelebt.“ Der andere Typ schaute ihn an. Ziemlich lange, soweit ich das erkennen konnte.
„Was machst du denn für Sachen? Es reicht doch, wenn eine von uns in Ohnmacht fällt“, sagte Lea.
Da fiel es mir auf. Ich hatte tatsächlich vergessen, etwas zu trinken. Seit dem Mittagessen mit Anna in der Unimensa von vor zwei Tagen hatte ich nichts mehr getrunken. Omas Tee, den sie mir hingestellt hatte, hatte ich in der Aufregung nicht angerührt. Oh Mann. Dabei wusste ich doch, dass so etwas zweifellos zur Bewusstlosigkeit führte. Hatte ich das nicht sogar in der Bioprüfung beim Abi gehabt?
„Du brauchst jetzt auf jeden Fall Flüssigkeit, sonst wird es erst richtig gefährlich für dich“, erklärte der unbekannte Typ.
Ich nickte vorsichtig mit dem Kopf. Da stand Hannes auf. „Das übernehme ich. Kannst du aufstehen, Sara?“
„Aber…“, wollte Lea protestieren. „Wir sollten…“
„Ich glaube schon…“
Vorsichtig erhob ich mich und dabei nahm Hannes mich in seine starken Arme. Er nahm mich mit in sein Zimmer, in dem ich erst vor zwei Tagen zu Gast gewesen war. Ich wurde in sein Bett gelegt und Hannes bediente sich an einem kleinen Kühlschrank, der in der Ecke stand.
Nach und nach flößte er mir etwas zu trinken ein. Ich konnte nicht erkennen, was es genau war, aber eine Flasche Cola bekam ich auch.
Dabei hielt Hannes mich immer noch im Arm und ich fühlte mich total komisch. Nicht nur körperlich gesehen.
Was machte ich hier? Hatte ich mir nicht vorgenommen, den Menschen zu ignorieren? Er hatte sich wie ein komplettes Arschloch verhalten und mir damit voll weh getan. Und jetzt lagen wir hier und er sorgte dafür, dass ich wieder auf den Damm kam und ich wusste absolut nicht, was ich davon halten sollte.
„Wie kannst du einfach vergessen, zu trinken? So etwas passiert doch nicht einfach“, wunderte er sich.
„Doch, das passiert. Siehst du ja“, murmelte ich. „Verschiedene Leute haben mein Leben so durcheinandergewirbelt, dass ich einfach nicht mehr wusste, was ich tun sollte.“ Das klang jetzt irgendwie pathetisch, aber es stimmte ja doch.
Schuldbewusst musterte Hannes seine Schuhspitzen. War er wirklich schuldbewusst? Ich wusste es nicht.
„Wenn mich eine Frau so aus der Bahn wirft“, antwortete er schließlich, „kann so etwas vorkommen. Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte, ich bin schließlich noch in einer Beziehung.“
Wie schräg klang das denn? Noch in einer Beziehung. So nüchtern und kalt, Beamtendeutsch irgendwie. Das nahm ich ihm nicht ab. Ich ließ meine Augen durchs Zimmer wandern und entdeckte unter anderem zwei Paar Highheels.
„Wusste gar nicht, dass du Highheels trägst“, bemerkte ich trocken. Ich richtete mich auf. Es schien mir langsam wieder besser zu gehen.
„Ähm… Die gehören Kati…“, stammelte er.
„Wo ist sie?“
„Ähm, die ist noch einkaufen…“
Um elf Uhr abends? Na sicher doch. Welche Läden gab es denn hier in der Nähe, die so spät noch auf hatten? Ich kannte keine.
„Welcher Markt hat denn so spät noch geöffnet?“
„Sie ist zum Hauptbahnhof gefahren, da in der Nähe gibt’s einen, der bis Mitternacht auf hat…“ Hannes guckte überall im Raum herum.
„Ach was. Hannes, sei mir nicht böse, aber ich möchte jetzt gerne zu meiner Schwester gehen.“
„Ach, das war deine Schwester?“ Das hatte er nicht gemerkt? Armleuchter.
Ich richtete mich auf, doch er hielt mich zurück. „Nein, nein, du bleibst schön hier liegen.“
Jetzt nahm er meine Hand und schaute mir tief in die Augen. Mir wurde ja fast erneut schwindelig. Diese grünen Augen…
„Sara, es tut mir wirklich sehr Leid, wie ich mich verhalten habe. Ich weiß, ich war ein kompletter Idiot, und mir ist die ganze Sache nur passiert, weil mich das mit dir unheimlich nervös macht. Ich wusste einfach nicht, wie ich mich entscheiden sollte, aber jetzt weiß ich, dass ich nur mit dir zusammen sein möchte. Ich habe mich in dich verliebt.“
Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. Ich konnte es einfach nicht glauben. Soeben hatte ich die erste Liebeserklärung meines Lebens bekommen. Noch nie hatte jemand solche Worte zu mir gesagt. Und ich wusste nicht, ob ich das wirklich glauben konnte, denn sie kamen aus dem Mund des Mannes, mit dem ich erst geschlafen hatte und der mich danach komplett ignoriert hatte. Was ging denn hier ab? Hatten sich die himmlischen Drehbuchschreiber mal wieder einen Spaß mit meinem Leben erlaubt?
„Ich würde gerne wissen, wie du darüber denkst“, riss Hannes mich aus meinen Gedanken. „Natürlich musst du dich nicht sofort entscheiden.“
Ruckartig schwang ich mich aus dem Bett. „Ich brauche noch einige Zeit, um mir über meine Gefühle klar zu werden. Ich möchte jetzt zu meiner Schwester gehen. Gute Nacht.“ Und weg war ich.
Vor meiner Tür unterhielten sich Lea und der mir unbekannte Mensch immer noch. Als sie mich bemerkten, drehten sie sich ruckartig um.
„Gute Besserung“, sagte der Typ noch, lächelte mich an und verschwand dann um die Ecke.
„Wer war das denn?“, wunderte sich Lea und zeigte dabei auf die Tür von 215.
Ich gähnte. „Erzähl ich dir morgen früh, okay? Ich bin jetzt echt total müde.“ Ich schloss die Zimmertür auf, ließ mich auf mein Bett fallen und war innerhalb weniger Minuten eingeschlafen.

Wo kommen die Neuigkeiten her?

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In Zeiten des großen Zeitungssterbens frage wohl nicht nur ich mich, woher Leute von bestimmten Ereignissen als Erstes erfahren. Wenn man sich bewusst informieren möchte, konsultiert man doch heutzutage meist das Internet – zumindest als junger Mensch. Ein Gespräch mit den Chattern aus dem hauseigenen IRC-Channel bestätigte dies. Doch manchmal kommt es ja auch vor, dass man quasi nebenbei Sachen erfährt, wenn man gar nicht vorhatte, sich zu informieren. Ich habe mir zu diesem Thema einige Gedanken gemacht und eine kleine Liste aufgestellt, die einige Ereignisse enthält und wo ich davon erfahren habe. Ich habe versucht, das Ganze chronologisch aufzuziehen, ich kann aber nicht dafür garantieren, dass die Reihenfolge so stimmt.

– die Anschläge vom 11. September 2001: ich kam aus der Schule nach Haus und meine Mutter erzählte es mir, außerdem lief im Hintergrund der Fernseher

– Entlassung von Rudolf Scharping als Verteidigungsminister: öffentlich-rechtliches Fernsehen in Schweden

– Tod von Robert Enke: Bauchbinde im NDR

– Ingo Mocek hat sich für die Neon Interviews ausgedacht: ein Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung

– Tod von Lech Kaczynski: Wikipedia

– Tod von Hugo Chavez: Bauchbinde auf n-tv (der Sender lief auf dem Bildschirm im Warteraum des Hauptbahnhofs)

– die Türkische Kulturgemeinde will Lego verklagen: Klopfers Web

– der letzte Lebensmittelskandal: meine Arbeit bei osradio

– der neue Papst heißt Franziskus und kommt aus Argentinien: die Eltern meines Freundes haben ZDF geguckt, während ich grad da war

– Gruppenvergewaltigung einer Schweizerin in Indien: Twitter-Konto der frz. Zeitung “Le Monde”

– Udo Pastörs wird angeklagt aufgrund der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener: Internetseite des NDR

Ich habe bei dieser Liste versucht, möglichst viele verschiedene Quellen zu finden. Früher habe ich Sachen aus persönlichen Gesprächen oder im Fernsehen erfahren, heute finde ich Sachen im Internet raus oder beiläufig, wenn ich grad was anderes mache, wie z.B. auf den Zug zu warten oder in der Küche, die sich neben dem Raum mit dem Fernseher befindet, was zu kochen. Wie ist das bei euch? Wo erfahrt ihr als Erstes von Nachrichten? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Soundtrack of 2012

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Ich mag Jahresrückblicke und Musik. Daher jetzt dieser Artikel.

Januar: Farin Urlaub – Dusche

Grund: Mein Fernseher hat sich mit einem lauten Knall von mir verabschiedet.

Februar: Die Ärzte – Deine Schuld

Grund: Ich habe gleich zwei Demonstrationen besucht (die gegen ACTA).

März: Jean-Philippe Verdin – Dreamers

http://www.theost.com/2008/lol_laughing_out_loud.html

Grund: Mir wurde der Film “LOL” (die Version mit Sophie Marceau) geschenkt.

April: Farin Urlaub – Abschiedslied

http://www.myvideo.de/watch/4434860/Farin_Abschiedslied

Grund: Der Moment nahte, in dem so langsam klar werden sollte, was nach meiner schulischen Ausbildung geschehen sollte, und je näher dieser Moment kam, desto weniger wusste ich, wohin ich wollte.

Mai: Die Ärzte – Ist das noch Punkrock?

Grund: Der Vorhang der ÖVB-Arena ging auf, das Lied ertönte, und parallel dazu sah ich meine Götter, die ich, seit ich 7 bin, verehre, zum ersten Mal in echt.

Juni: Eduard Khil – Я очень рад, ведь я, наконец, возвращаюсь домой

Grund: Anfang dieses Monats ist der Sänger dieses Liedes, das unter dem Namen “Trololo-Song” bekannt ist, gestorben – eine Klassenkameradin spielte das Lied aus Versehen im Unterricht ab; das letzte Mal, dass ich im Unterricht was zu lachen hatte.

Juli: Ennio Morricone – Ecstasy of gold

Grund: Mündliche Übersetzer-Abschlussprüfung in Englisch.

August: Amsterdam Klezmer Band – Son

Grund: Ich war für zwei Wochen im französischen Baskenland, um einen jüdischen Friedhof zu pflegen.

September: Piero Umiliani – Mah nà mah nà

Grund: Ein sehr lustiges Erlebnis während meiner Praktikumszeit beim Radio.

Oktober: Die Ärzte – Studentenmädchen

Grund: Beginn meines Studiums.

November: Lykke Li – I follow rivers

Grund: Ich fuhr mit einer Freundin nach Berlin. Während der vier Stunden im Auto wurde mir dieselbe Auswahl von ungefähr 5 Liedern immer wieder vorgespielt. Das war das einzige dieser 5 Lieder, das mir gefiel.

Dezember: The Cardigans – Lovefool

Grund: Ein Lied, über das ich sehr viel nachdenken musste.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich kann hier kyrillische Buchstaben einfügen! Ist das nicht cool? Smiley mit geöffnetem Mund

Bücherorgie Teil 3

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Giles Foden – Der letzte König von Schottland

Der Roman ist fiktiv, basiert aber auf wahren Tatsachen. Es bleibt einem die Spucke weg angesichts der Gräueltaten, die im Buch beschrieben werden. Man wird hautnah in menschliche Abgründe mit hineingezogen. Ein tolles Buch – wenn man’s verdauen kann.

Ferdinand von Schirach – Schuld

Für die Kurzgeschichtensammlung gilt so ziemlich dasselbe wie für oben beschriebenen Roman. Der Autor ist ein auf Strafrecht spezialisierter Anwalt und hat viele seiner Erfahrungen in das Werk einfließen lassen. Niemand hat je die Frage nach Schuld und moralischer Verantwortung besser gestellt als in diesem Buch.

Oscar Wilde – Aphorismen

Selten habe ich bei einem Werk gleichzeitig so viel Zustimmung und so viel Ablehnung empfunden. Viele kleine kluge und unkluge Schnipsel sind in “Aphorismen” enthalten. Zwei Kostproben:

Vergnügen, Vergnügen! Was sonst sollte einen irgendwohin führen?

Frauen sollten mit Maßen denken, wie sie alles mit Maßen tun sollten.

Alles in allem habe ich das Teil aber gerne gelesen.

Ted Simon – Jupiters Träume

Das Buch habe ich mir für die Reise ins Baskenland aufgehoben. Und es eignet sich unheimlich gut als Reiselektüre. Das Buch macht Lust darauf, die Welt zu erkunden. Am besten auf einem Motorrad. Am Ende liest es sich zwar, als hätte Ted Simon irgendwann keine Lust mehr gehabt, aber das ist wohl nur verständlich. Ein tolles Buch.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin