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Fastentagebuch, Teil 1

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Ich habe keine Ahnung, ob es jemanden interessiert, möchte es aber trotzdem teilen, und daher gibt’s jetzt den ersten Teil meines Fastentagebuchs. Vorbemerkung: Ich verzichte derzeit auf Nudeln, Brot und Pizza, versuche, nur einmal am Tag warm zu essen, und außerdem drei Mal in der Woche Sport zu treiben.

Aschermittwoch, Tag 1

11:39 h

Bis jetzt fühle ich mich eigentlich ganz gut. Habe zwei Bananen und eine Mandarine gegessen. Bin leicht hungrig, aber es geht. Bin gespannt, wie es sich den Rest des Tages entwickelt.

13:58 h

Leichtes Hungergefühl. Aber es ist erträglich. Vorhin gab’s für mich ’nen Apfelschnitz. Zu Hause habe ich noch ganz viele Äpfel. Wenn sie mir pur über sind, kann ich ja einfach Apfelkuchen draus machen. Der gestern im Lehrerzimmer war echt lecker. Da waren auch Walnüsse drin. Davon hab ich zu Hause auch noch ganz, ganz viele. Ich hab noch ’ne Mandarine übrig. Und ’nen Teebeutel…

15:53 h

Verdammte Essensgerüche am Bahnhof. Ich bin umso frustrierter, weil mein Zug mindestens 15 Minuten Verspätung hat. Hab frustriert meine Mandarine gegessen. Und den Hustensaft zu mir genommen. Ich hätte sehr gerne die ganze Flasche gekippt. Und ich frage mich gerade, ob es irgendeine Vorspeise bei meinem Lieblingsitaliener geben wird, die meinen Fastenregeln nicht widerspricht.

15:58 h

Es gibt hier einen Fressladen namens „Hüftgold“. Das finde ich lustig. Vielleicht esse ich da an einem Tag, an dem ich dann abends nicht warm essen werde. Ich finde übrigens gut, dass mein Mann mich unterstützt, indem er mir das ganze Obst gekauft hat.

Donnerstag, 15. Februar, Tag 2

08:10 h

Gestern war’s beim Italiener sehr lecker. Nur dass die Vorspeisen grundsätzlich mit Brot serviert werden, ist trotzdem doof. Habe dann keine Vorspeise bestellt wie sonst üblich.

Freitag, 16. Februar, Tag 3

07:44 h

Wie ich mich einfach nur nach einem Brot sehne.

10:08 h

Was esse ich eigentlich heute Abend? Da fällt mir ein, ich wollte meinen Mann ja zum Essen einladen.

12:07 h

Vorhin im Lehrerzimmer Süßigkeiten genascht und der Mutter des Schulleiters (die auch an der Schule arbeitet) dabei zugehört, wie sie sich für die Prügelstrafe begeisterte…

Montag, 19. Februar, Tag 6

09:30 h

Ich komme ganz gut klar. Am Wochenende waren wir beim Griechen. Das Vorspeisenbrot mussten dann halt meine Freunde essen. Am Sonntag in der Bäckerei gab’s Brötchen. Das habe ich nicht als Brot gezählt.^^ Außerdem habe ich ein neues Gericht kreiert: Spam-Ei-Salat.^^

12:48 h

Ich habe Hunger. Ich habe noch eine Banane. Aber eigentlich sollte ich die nicht vor zwei essen…

Dienstag, 20. Februar, Tag 7

06:56 h

Die Banane liegt immer noch in meiner Frühstücksdose. Zusammen mit einer neuen Banane. Und wer hat gestern eigentlich eine Frischekiste in den Mitarbeiterraum gestellt? (Anmerkung: Den Kindern wird an ein paar Tagen in der Woche Obst und Gemüse von einem örtlichen Händler geliefert, damit sie ab und zu auch mal was Gesundes essen. Das kriegen sie zu Hause nämlich meist nicht.)

07:21 h

Warum hasse ich Kaffee, aber mag den Geruch davon total? (Anmerkung: Auf dem Weg zur Arbeit muss ich an einer großen Fabrik eines bekannten Kaffee-, äh, -fabrikanten vorbei.)

10:50 h

Wie ich einfach nur in die Laugenstange meines Schützlings beißen will.

14:33 h

Die Kinder haben derzeit ein Zirkusprojekt und das Lamagehege, an dem sich mein Schützling häufig aufhält, ist direkt neben der Mensa. Als ich da stand, roch es also laufend nach Fleisch. Ätzend.

Mittwoch, 21. Februar, Tag 8

10:25 h

Nüsse mitzunehmen, war ’ne ganz gute Idee.

Donnerstag, 22. Februar, Tag 9

08:36 h

Ich habe großen Hunger, weil ich noch nicht zum Essen kam. (Das ist kein Fastenzeit-Problem, sondern ein generelles.) Normalerweise esse ich halt gegen 8 Frühstück oder kurz vorher oder nachher. Aber beim aktuellen Job ist das nicht so einfach; um 8 ist Unterrichtsbeginn und ich bin meistens bis dahin noch unterwegs. Und bis zur Frühstückspause um 09:15 h zu warten, ist auch hart. Und warum hat Winzlings Mutter eigentlich die Geburtstagsdonuts vorbeigebracht, obwohl er krank ist?

Montag, 26. Februar, Tag 13

08:44 h

An die Sportregel halte ich mich bis jetzt nicht so wirklich. Allerdings ist meine Bronchitis jetzt kuriert, vielleicht klappt es ja jetzt. Außerdem muss ich dringend mal was für’s Frühstück kaufen… Am Sonntag werde ich mit Charlie Waffeln machen. Ich hab ihm schon gesagt: „Das ist ja toll für meine ‚Nur-einmal-am-Tag-warm‘-Regel.“ Woraufhin er meinte: „Sonntage sind ja keine Fastentage.“ Ich bin froh, dass ich einen katholischen Freund habe, der sich mit so was auskennt. (Falls du das liest: Nein, ich bin nicht nur deswegen froh über dich.^^)

09:00 h

Ich muss ja gestehen, dass ich nicht aus religiösen Gründen faste, sondern in der Hoffnung, dass mein Körper dann gesünder lebt und vielleicht sogar etwas besser aussieht. (Vermessen, ich weiß.) Trotzdem mache ich es jetzt. Ich bin ja gläubig, außerdem erleichtert es die Sache etwas – ich bin ja bei weitem nicht die Einzige. Ich kenne Leute, die auf Süßigkeiten verzichten. Oder von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang generell auf Essen. Könnte ich beides nie… echt Props an die Leute.^^

12:08 h

Eine der Lehrerinnen hatte Geburtstag, das war meine Rettung. Dank Butterkuchen habe ich bis zur Mittagspause durchgehalten. Da hatte ich dann ein belegtes Brötchen gegessen; die Quarkbällchen sind noch in meiner Tasche. Nach Feierabend freue ich mich sicher drüber.

Dienstag, 27. Februar, Tag 14

08:56 h

Ich bin noch komplett nüchtern, erster Hunger regt sich, aber ich hab diesmal ja was dabei. Heute Abend will ich schwimmen. Mal gucken, was ich da esse. Könnte ja dasselbe sein wie gestern, das war ganz nice (Reis mit Tomaten-Koriander-Raita). Müsste nur mehr von der Raita machen.^^ Hmm, Essen.

12:03 h

Hab Cashews intus und noch immer keine Idee, was ich essen soll heute Abend.

14:05 h

Noch mehr Nüsse. Ich will Nudeln, aaaaargh!

14:28 h

Vergesst die Nudeln, ich will mich betrinken. Würde ja sogar gehen, müsste ich nicht noch fahren.

Mittwoch, 28. Februar, Tag 15

08:12 h

Hab die Cashews intus, die ich gestern nicht gegessen habe. Hab ’n paar getrocknete Tomaten dabei. Hab mich gestern nicht betrunken, stattdessen gab’s Reis mit Tomaten-Koriander-Raita und Schwimmen. (Sport! Yay!) Die Ausgeglichenheit, die ich beim Schwimmen immer erreiche, ging trotzdem irgendwann flöten. Heute Abend ist Teamsitzung. Jede Wette schaffe ich es heute nicht mehr zum Ju Jutsu… -_-

08:43 h

Hmm, Schokoriegel… Naja. Eine der pädagogischen Mitarbeiterinnen hat Kuchen mitgebracht. Ich hoffe nur, in der Pause ist noch was übrig… Ein leichtes Hungergefühl macht sich breit. (Anmerkung: War es natürlich nicht.)

12:51 h

Getrocknete Tomaten (ganz nice) und ’ne halbe Kiwi aus der Frischekiste (sehr nice). Übrigens will mein Trainer Ju Jutsu aufgrund von Wetter absagen. Yeh.

Donnerstag, 1. März, Tag 16

12:54 h

Das Ju Jutsu fand gestern tatsächlich nicht statt. (Vielleicht gehe ich ja dann heute zum Fitti, haha!) Und getrocknete Tomaten esse ich nie wieder. Mir ist (vermutlich davon) gestern noch schlecht geworden. Und als ich heute Morgen mein Chiabrötchen aß, kam das Übelkeitsgefühl kurzzeitig wieder – Tomatensoße… Derzeit bin ich wieder leicht hungrig, aber das Chiabrötchen hat echt lange angehalten. Gleich wird’s noch Obst geben… und Muffins.

Dienstag, 6. März, Tag 21

09:07 h

Mkay. Was ist in den letzten Tagen so passiert. Ich bekam vorgestern sauleckere Waffeln. Mm, Waffeln… Merkt man, dass ich leichten Hunger habe?^^ Gleich gibt’s wieder Nüsse. Und ich hab meinen Mann gefragt, ob wir nach meinem Feierabend ins Fitti gehen. Ich muss verrückt sein.^^ Außerdem bin ich gespannt, ob das Ju Jutsu morgen stattfindet.

Mittwoch, 7. März, Tag 22

08:35 h

Wie gerne ich einfach mal wieder ein Brot essen würde… Oh Herr Jesus, wenn es dich denn gibt, steh mir bei…

Donnerstag, 8. März, Tag 23

09:06 h

Gestern nach dem eigentlichen Schultag noch ins nahegelegene Einkaufszentrum zu gehen, war ’ne Scheißidee. So viele leckere Lebensmittel, die ich alle nicht essen darf. Deswegen und weil mein Lunch irgendwann alle war, hatte ich die ganze Zeit Scheißhunger. Bis nach Hause habe ich nur durchgehalten, weil ich mir aus der Frischekiste eine Banane geklaut habe. Ein Hoch auf meinen Mann, der passend zu meinem Feierabend Pfannkuchen mit Speck gemacht hatte. Einer ist noch übrig, den esse ich gleich. Mmh. Der arme Charlie. Ich glaube, der hat gestern enorm viel von meinem omg-ich-will-dass-Ostern-ist-Gejammer abgekriegt. (Es tut mir leid!) Oh, und Ju Jutsu fiel gestern schon wieder aus. Erinnert mich daran, dass ich beim nächsten Mal frage, wann Judo stattfindet. (Shit, mir fällt gerade ein, dass ich heute ins Fitti wollte… wa-rum.)

12:03 h

Nach ’nem Tag wie heute könnte ich definitiv ’nen fetten Teller Nudeln gebrauchen.

14:34 h

Hier riecht es immer noch nach dem Tee, den sich die Erzieherin in der Mittagspause zubereitet hat. Und da der Keksaroma hat, hab ich jetzt Bock auf Kekse.

Freitag, 9. März, Tag 24

08:11 h

Die Fastenzeit war ’ne Scheißidee. Ich will einfach nur Brot und Nudeln. Es fehlt mir so sehr, dass ich gestern zum Reis Nudelsoße und Emmentaler gegessen habe. Ich will einfach nur Teigwaren! Waaah! Wenigstens geht es heute Abend wieder zum Griechen, das ist so lecker…

08:17 h

Mein armer Ehemann. Der wird heute Abend das ganze Vorspeisenbrot aufessen müssen.

09:05 h

Ich darf nicht so viel über Essen nachdenken. Ansonsten ist mein Leben nämlich ganz schön. Das mit mehr Sport in der Woche gefällt mir ganz gut. Mal sehen, wie häufig ich dann nach Ostern schaffe…

12:23 h

Gojibeeren sind ziemlich nice. Die Kinder wollten auch davon probieren. Vorhin war dann noch Verabschiedung der netten Praktikantin. Sie hat Schoko-Bananen-Muffins mitgebracht. Sehr lecker. Ich freue mich auf den Griechen… Dolmadakia mit Tzatziki… ❤ ❤ ❤

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Kann ich noch Christin sein, wenn ich an Gott zweifeln muss?

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Heiner Geißler ist ja nun leider vor kurzem verstorben. Vor seinem Tod habe ich aber noch sein Buch „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“ gekauft – und mittlerweile auch gelesen. Einige Gedanken dazu möchte ich nun hier festhalten.

Er fragt, wie es sein kann, dass man Gott Allmacht, Güte und Allwissenheit zuschreibt, bei all dem Leid auf der Welt. Die Theodizeefrage also. Aus dieser Frage leitet er aber eine weitere Frage ab: Ist Christsein möglich ohne Gott? Er denkt, dass es durchaus möglich ist. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Er schreibt über seine eigenen Glaubenszweifel – etwas, das mir wohlbekannt ist. Ich frage mich immer öfter, wo Gott ist, wenn ich an das ganze Leid auf der Welt denke. Schon seit längerer Zeit. Und derzeit frage ich mich, ob er überhaupt existiert.

In diesem Zusammenhang zitiert Herr Geißler den afrikanischen Kirchenlehrer Lactantius, was ich an dieser Stelle auch tun möchte:

Warum hat Gott das Übel nicht verhindert?

Entweder Gott kann es nicht, dann ist er nicht allmächtig.

Oder er will nicht, dann ist er nicht gut und gerecht.

Oder er kann und will nicht, dann ist er ohnmächtig und böse zugleich.

Oder er kann und will, warum tut er es dann nicht?

Viele Menschen haben sich Gedanken zur Theodizeefrage gemacht, die großen Kirchen natürlich auch. Acht verwendete Antworten führt Herr Geißler in seinem Buch an:

  1. Leiden ist Strafe für Sünden

  2. Die Leiden sind von Gott geschickt

  3. Gott nach dem Leid zu fragen (Rechtfertigung Gottes), ist eine Anmaßung des Menschen

  4. Gott will geliebt werden, dies setzt aber den freien Willen des Menschen voraus, auch das Böse zu tun. Ohne das Böse gibt es keinen freien Willen

  5. Nicht Gott verursacht das Leid, sondern Hitler, Pol Pot, Assad, Psychopathen und Sadisten

  6. Leid wird verursacht durch den Teufel, Hexen, Zauberei

  7. Gott handelt, wie er will

  8. Gott sei Lob und Preis

Es gibt so viele Menschen, die nie etwas Böses getan haben, wofür werden die dann bestraft? Und wenn ich Gott nicht danach fragen darf, warum all das Leid passiert, dann finde ich das eine Anmaßung. (Und überhaupt, was ist das für ein Gott, der auf die Liebe der Menschen angewiesen ist?) Ich kann Gott auch nicht einfach so lobpreisen, wenn ich weiß, dass bei Anschlägen unschuldige Menschen sterben und mir nahestehende Menschen langsam von Krankheit zerfressen werden.

Ich war auch ziemlich schockiert, als ich las, dass Martin Luther der Meinung war, er dürfe Gott nicht danach fragen, warum er so krank sei, das sei ja Blasphemie. Ich muss zugeben, ich habe das trotz meines Lutheranerdaseins nicht gewusst. Man muss so was fragen dürfen.

Heiner Geißler ist nun also der Meinung, dass der Glaube an Gott letztlich irrsinnig ist. Jesus nimmt er dabei aber ausdrücklich heraus. Jesus mache nämlich den vom Pech verfolgten Menschen Mut. Er schreibe jedem Menschen Würde zu. All das, was Gott nicht tut. Er sei Helfer der Armen, Verstoßenen, Behinderten, die Verkörperung von Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Er stelle etwas dar, an das man glauben könne.

Ich fand das Buch richtig gut. Und es gab mir zum Nachdenken. Wenn jemand das Buch auch gelesen hat oder auch einfach so Gedanken zum Thema hat, gerne damit in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Wie katholisch ist Kitschi

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Inzwischen dürfte auch der Letzte mitbekommen haben, dass ich mich sehr für Religionen interessiere. Heute begab es sich nun, dass ich den Kirchenboten durchblätterte. Eigentlich hatte ich etwas ganz Anderes gesucht, aber ich blieb an einem Selbsttest hängen, der sich da nannte „Sind Sie eigentlich noch katholisch?“.

Nun bin ich ja nicht katholisch, sondern lutherisch. Aber gerade deswegen könnte es mal ganz interessant werden für mich, dachte ich und sah mir die Sache mal genauer an.

Abgefragt wird, ob man dem katholischen Glaubensbekenntnis und seinen Teilen zustimmt (stimme zu / stimme nicht zu / weiß nicht), welche Kirchengebote man befolgt (mache ich / mache ich nicht / teilweise), ob man bestimmte Botschaften Jesu lebt (ja / nein / manchmal), welche Gebete man auswendig kann (ja / nein / ungefähr) und welchen katholischen Positionen man zustimmt (ja / nein / weiß nicht).

Beim Glaubensbekenntnis sah es noch ganz „gut“ aus. 8 von 16 Positionen konnte ich zustimmen. Vieles weiß ich nicht bzw. kann es mir nicht vorstellen. Was ich aber ganz sicher weiß: Ich glaube nicht an die „heilige katholische Kirche“, die „mehr Wahrheit in sich trägt als andere christliche Kirchen“.

Mit den Kirchengeboten hatte ich echte Probleme. Zählen Beichten nur, wenn ich sie einem Geistlichen anvertraue? Ich meine – ich weiß, dass ich das nicht muss, aber ich frage mich jetzt für die katholische Seite. Und was genau ist damit gemeint, wenn da steht „du sollst der Kirche in ihren materiellen Erfordernissen beistehen“? Ich bezahle Kirchensteuer und werfe ein paar Cent in den Beutel, wenn ich ein Kirchengebäude besichtigt habe, reicht das? Frage 3 war ganz interessant. Anscheinend ist es Pflicht eines gläubigen Katholiken, zur Todesgefahr die heilige Kommunion zu empfangen. In der Lage war ich Gott sei Dank (no pun intended) noch nie und werde es hoffentlich auch so bald nicht sein.

Die Botschaft Jesu befolge ich so naja. 77mal vergeben fällt mir schwer. Es gibt in meinem Leben bestimmte Dinge, die ich nicht verzeihen kann. Notleidenden helfe ich auch nicht immer. Und das mit dem Balken im eigenen Auge kennt ihr ja sicher. Aber was ich sehr gerne mache: Kranke besuchen. Ich weiß, wie bescheuert man sich fühlt, wenn man im Krankenhaus liegt und Angst hat, deswegen versuche ich immer, Leute zu besuchen, die sich gerade in einem solchen Haus befinden.

Von den Gebeten kann ich nur eins auswendig und den genannten Rest fast gar nicht. Das Vaterunser kann ich aber seit der Grundschule auswendig. (Lustigerweise. Damals habe ich ja gar nicht an Gott geglaubt.)

Die letzte Kategorie… war sehr geeignet dafür, mich daran zu erinnern, warum ich nicht der katholischen Kirche beigetreten bin. Das Abendmahl halte ich „nur“ für ein Erinnerungsmahl, der Papst ist für mich nicht das Oberhaupt aller Christen, meiner Meinung nach dürfen auch ruhig Frauen Priester werden, ich halte die Kommunion nicht für wichtiger als die Predigt, Ehen sind nicht unauflöslich und, das ist für mich fast am wichtigsten, ich halte Homosexualität NICHT für eine Sünde.

Und jetzt zur Auflösung…

Nein, wir sind nicht beim „großen Psychotest“ der Frauen- oder Fernsehzeitschrift. Hier gibt es keine Lösung nach Punkten. Ob Sie katholisch sind, glauben, empfinden, feiern, denken – das können nur Sie entscheiden – obwohl ein Abo der Kirchenzeitung durchaus dafür spricht! […]

Hm.

Irgendwie hat mich diese Auflösung enttäuscht – und dann auch wieder nicht. Man kann sagen, wenn Katholiken dieses und jenes glauben oder nicht, dann sind sie keine Katholiken mehr. Man kann auch sagen, Glaube lebt von Veränderungen. Ich kann dazu nur sagen: Einige Dinge müssen sich in der katholischen Kirche auf jeden Fall ändern.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Fünf schlechte Gründe

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Ich befinde mich mal wieder bei den Eltern meines Freundes und habe die aktuelle Ausgabe des Kirchenboten in die Finger bekommen. Da stehen zwar gelegentlich gute Artikel drin, aber heute gab es eine Sache, bei der ich dauernd innerlich gefacepalmt habe: fünf gute Gründe dafür, Christ zu sein. Meiner Meinung nach gibt es nur einen guten Grund: Man glaubt an Jesus. Aber sehen wir uns die Liste doch mal an.

Als erster Grund wird genannt, dass Christen gesünder und glücklicher sind. Und so logisch die Begründung klingt (gutes soziales Netz, gesünderes Leben durch Speisegebote, Hoffnung durch Glauben), wo bleiben die wissenschaftlichen Studien, die das angeblich begründen sollen? Wer hat sie durchgeführt, mit wie vielen Menschen? Wenn das nicht mitangegeben wird, beweist das exakt gar nichts. Und der Schluss, der aus der Äußerung des Psychologen Clemens Lechner gezogen wird, ist bemerkenswert. Der sagt nämlich Folgendes:

Wer einmal pro Woche eine Kirche, Moschee oder Synagoge besucht, ist nach drei Jahren Arbeitslosigkeit nahezu genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor.

Wenn man also nach dem Argument der Zufriedenheit geht, könnte man sich genauso gut dem Islam oder dem Judentum anschließen.

Der zweite angeblich gute Grund besteht in der Führung von Christen bei Caritas und Bildung. So viel Gutes es von der Seite aus auch gab, ich säße wohl noch bis morgen hier, würde ich all die Leute aufzählen, die im Namen der Kirche Gutes tun wollten und es nicht durften, weil sie gleichgeschlechtlich lieben, geschieden oder nicht getauft waren. Als Beispiel sei hier einfach mal eine Ulmer Erzieherin genannt: http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article108573956/Lesbische-Erzieherin-muss-katholische-Kita-verlassen.html

Als dritter Grund wird angegeben, dass “alle einer in Christus” sind, ganz gleich, welcher Familie, welchem Stand oder Beruf, welcher Nation, welchem Geschlecht jemand angehört. Immerhin weist die Autorin des Artikels selbst darauf hin, dass es Christen gibt, die das öfters mal vergessen. (Siehe der oben verlinkte Artikel. Interessant ist auch, dass derselbe, der auf die Gleichheit der Menschen vor Jesus hinwies, Bibelstellen wie den Römerbrief hervorgebracht hat.)

Im fünften Teil des Artikels wird schließlich Folgendes geschrieben:

Jesus verzichtete komplett auf Gewalt und Schwert; Friedfertigkeit ist die Botschaft unseres Gottes. Wer auf diese Botschaft des menschgewordenen Gottes hört, kann unserer Welt nur nützen. Für den sind Waffen und Bomben keine Alternative (mehr).

1.) sollte man das mal den Menschen sagen, die im Namen Gottes irgendwen bekriegen wollten. Ich sag nur George Bush und Ann Coulter.

2.) Warum muss es speziell das Christentum sein? Auch der Hinduismus (und viele andere Religionen) hat sich dem Frieden verschrieben. Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, ist ein zentrales Prinzip, dem Menschen wie Mahatma Gandhi folgen und das, nebenbei bemerkt, schon über 1000 Jahre vor Christus bekannt war.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin