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Das Beste von letzter Woche bis jetze

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Tagesordnungspunkt 1: Literatur

Neulich las ich ja „Der Junge muss an die frische Luft“ von Hape Kerkeling. Vermutlich dadurch animiert lieh ich mir auf der Arbeit seinen Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ aus. Es war wieder toll, es zu lesen. Ich könnte jetzt einiges darüber erzählen, was er geschrieben hat, aber das würde dem Werk vermutlich nicht gerecht werden, also lest es lieber selbst. Nur über eine Szene möchte ich hier mal kurz ein paar Worte verlieren.

Irgendwo in Spanien kauft sich Hape Kerkeling eine Süddeutsche und liest sie. In der Zeitung ist auch ein Artikel darüber, dass Franz Müntefering alle schwulen Politiker dazu aufforderte, sich öffentlich zu outen, weil Schwule ja nun mal Menschen wie alle anderen seien. Die CSU ist dagegen, Begründung: Sexualität sei Privatsache eines jeden. Hape Kerkeling wird zu Recht total wütend darüber. Er gibt zu bedenken, dass ja auch niemand etwas dagegen habe, wenn ein Mann und eine Frau in aller Öffentlichkeit heiraten et cetera. Im Anschluss gibt er dann noch ein paar sehr wütende Statements zum Thema „Katholische Kirche und Homosexualität“ ab. Stellvertretend sei hier dieser Satz genannt, der meine Meinung dazu im Prinzip auch komplett wiedergibt:

Glauben die ernsthaft, dass Gott genauso kleingeistig und ideologisch wie sie selber ist?

(Ich muss das Buch bald mal wieder zurückgeben… aber es gefällt mir so gut… hach.)

Pilgern steht ja auch auf meiner Löffelliste. Mal sehen, wann ich das schaffe. Ich habe ja auch noch gar keine Ahnung, wo ich gerne pilgern würde und wie lange. Und wie viel mein armer, relativ schwach trainierter Körper aushält. (Tipps gerne in die Kommentare!)

Tagesordnungspunkt 2: Zeugnisse

Ich lebe und arbeite in Niedersachsen. Vor kurzem gab es hier Zeugnisse und am Dienstag kam eine Mutter mit ihrem Sohn beim Gemeindetreff vorbei. Und ich sag mal so, ich war meiner Mutter hinterher sehr dankbar dafür, dass sie nie in meiner Anwesenheit ihren Freundinnen mein Zeugnis gezeigt und detailliert die weitere Schullaufbahn erörtert hat.

Tagesordnungspunkt 3: Schlagzeug

Am Sonntag war ich mit einem Freund unterwegs und aus dem Schaufenster des örtlichen Trödelladens grinste mich ein Schlagzeug an. Ich überlegte hin und her… das Teufelchen auf meiner Schulter hat schließlich gewonnen und ich hab das Ding gestern tatsächlich gekauft. Der Besitzer des Ladens hat sich total gefreut.

„Wie, stand das Ding so lange bei Ihnen rum?“

„Ne, aber dauernd haben Leute drauf rumgetrommelt! Und die konnten das alle nicht! Das nervt!“

Nach ein bisschen Fachsimpelei über Phil Collins und andere Musiker machten wir uns ans Einladen. Als er meinen kleinen Wagen sah, staunte er nicht schlecht. Aber (*hebt den Zeigefinger*) nach ein bisschen Tetris-Spielen passte das Ding tatsächlich komplett rein. (Auch gut zu wissen.)

Das Schlagzeug steht jetzt bei mir im Keller. Mal sehen, wo es seinen endgültigen Platz bekommt… und zwar am besten isoliert, sodass ich nicht noch mehr Stress mit der Nachbarin kriege.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich las gerade, dass „Der Junge muss an die frische Luft“ verfilmt werden soll… das muss ich mir unbedingt ansehen.

PPS: Weiß jemand, wo ich gute Sticks herbekomme?

Qualifikationen

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Quelle: weknowmemes.com. Das ist übrigens das Hintergrundbild meines Tablets. Toll, nicht? ^_^

Gelegentlich arten Gespräche mit guten Freunden ja etwas aus. Heute war es nun so, dass ich eigentlich bloß einen Artikel über Änderungen im Maschinenbaustudium diskutieren wollte und plötzlich fand ich mich bei der Erstellung einer Liste über frühere Tätigkeiten der Mitglieder der Bundesregierung wieder. 😀

Ich habe ja nun studiere ja nun Politikwissenschaft. Und eine der häufigsten Fragen an mich ist, ob ich damit denn Politikerin werden will. Will ich nicht und die meisten Bundestagsabgeordneten haben in ihrem früheren Leben auch etwas anderes gemacht. Interessehalber schaute ich mal nach, wer aus der Bundesregierung was gelernt hat. Ergebnis: Wir haben eine Physikerin, einen Lehrer, eine Germanistin / Politikwissenschaftlerin (na, immerhin), eine Medizinerin, eine Finanzwirtin, zwei Soziologen, eine Mathematikerin, einen Wirtschaftspädagogen und ganze sieben Juristen.

Ich fragte mich (und meinen guten Freund), was bspw. eine Medizinerin dazu qualifiziert, Verteidigungsministerin zu werden. Antwort des guten Freundes: vielleicht der Job, den man vorher hatte. Ich habe jetzt also mal gecheckt, was die letzten Jobs der Kabinettsmitglieder waren, bevor sie ihr jetziges Amt bekamen. Ich habe jeweils den letzten Job außerhalb der Politik (willkürliche Definition: alles, was irgendwie halbwegs wichtig klang) und das letzte politische Amt aufgeführt.

http://pastebin.com/wyyxZZ7Y

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf komplette Korrektheit. Es war auch nicht immer ganz einfach zu trennen, weil Politik und Nichtpolitik teilweise parallel betrieben wurden (Thomas de Maizière ist nebenbei auch noch Honorarprofessor). Nichtsdestotrotz möchte ich jetzt einige Gedanken zu dieser Liste loswerden.

Ich konnte nicht bei besonders vielen Leuten einen Zusammenhang zwischen dem „Vorleben“ und ihrer Laufbahn als Politiker sehen. De Maizière zähle ich da als Oberleutnant der Reserve jetzt mal nicht. Nur bei Heiko Maas (Justiz) und Johanna Wanka (Kultur) passt es irgendwie richtig gut. Und warum hat nicht Gerd Müller das Ressort bekommen, das jetzt Christian Schmidt hat? Er war da vorher parlamentarischer Staatssekretär!

Wenn jemand Anmerkungen oder Fragen oder kleinliche Kritik an der Liste hat, ab damit in die Kommentare, ich freue mich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

2017, endlich

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1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?

2. Maximal.

2. Zugenommen oder abgenommen?

Gefuttert und ins Fitti gerannt, ich habe also keine Ahnung…

3. Haare länger oder kürzer?

Mehr oder weniger gleich… irgendwie finde ich einfach, dass mir kurz vor schulterlang am besten steht.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Ich war vor einigen Wochen beim Optiker. Sofern ich die Brille aufsetze, habe ich 160 Prozent Sehkraft. Das ist ziemlich geil.

5. Mehr Kohle oder weniger?

Bis Mai EXTREM wenig, dann bekam ich einen neuen Job und es wurde mehr.

6. Besseren Job oder schlechteren?

Besser.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger, ich habe die Fahrschule endlich beenden können…

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Im Adventskalender von “Gekreuzsiegt” habe ich ein nettes kleines Paket mit Keksen, Tee und Badeutensilien gewonnen. 🙂

9. Mehr bewegt oder weniger?

Ungefähr 2,78 Prozent mehr.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Drei oder so…

11. Davon war für dich die Schlimmste?

Bronchiale Überempfindlichkeit. Ich habe mir über Monate die Seele aus dem Leib gehustet und musste einen Inhaler benutzen.

12. Der hirnrissigste Plan?

*denkt nach* Ein etwas riskanter Spurwechsel, der dann auch völlig verdient zum Durchfall bei der praktischen Fahrprüfung geführt hat.

13. Die gefährlichste Unternehmung?

Die letzte Blutspende.

14. Die teuerste Anschaffung?

Der Führerschein… oh, boy…

15. Das leckerste Essen?

Den Preis müssen sich einer der hiesigen Italiener, ein Italiener in Berlin-Wilmersdorf und mein Mann miteinander teilen…

16. Das beeindruckendste Buch?

„Wenn dir das Lachen vergeht“ von Willibert Pauels.

17. Der ergreifendste Film?

Ehrlich gesagt, so richtig ergreifend fand ich dieses Jahr keinen.

18. Die beste CD?

Smokestack Lightnin‘ – „Stolen Friends – Recorded in Nashville“.

19. Das schönste Konzert?

Ich war dieses Jahr auf keinem Konzert.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?

Mit meinem Mann.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?

Mit meinem Mann.

22. Zum ersten Mal getan?

Von einem Verkäufer unter Diebstahlverdacht gestellt worden. Verschiedene Gesellschaftsspiele gespielt. Einen Führerschein gemacht. Selbstständig Auto gefahren. Einen Comic im Blog hochgestellt. Meinen Namen in ein Buch bekommen. Ein Kloster besucht. Eine Predigt mitgeschrieben. Ein Handy-Zugticket gebucht. Diverse nicht jugendfreie Dinge.

23. Nach langer Zeit wieder getan?

Geschichten von mir online gestellt (und geschrieben). Eine Bachelorarbeit angefertigt. Mir einen Löffellistenwunsch erfüllt. Eine Draisinen- sowie eine Fährfahrt gemacht. Freiwillig Fisch gegessen. Nach Schleswig-Holstein und Berlin gefahren. An (und auf) der Ostsee gewesen.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Stress mit der Nachbarin, Unistress, die verpasste Jobchance im März, den Streit mit meinem alten Arbeitgeber, Rückenschmerzen, Kreislaufprobleme, Krankheiten bei mir und anderen, Fremdenfeindlichkeit, Trauer…

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ein Armband.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ein Tablet. Ich habe es echt schwer, meine Finger da wegzunehmen. 😀

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Ich will mit dir zusammenbleiben.“ („Sie haben bestanden“ war aber auch nicht schlecht.)

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

So was Ähnliches wie in Frage 28…

30. Dein Wort des Jahres?

Führerschein.

31. Dein Unwort des Jahres?

Chemotherapie.

32. Dein(e) Lieblingsblogs des Jahres?

Die gute Erzaehlmirnix.

33. Verlinke deine Rückblicke der vorigen Jahre.

https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/01/jahresruckblick-2011/

https://kitschautorin.wordpress.com/2012/12/23/soundtrack-of-2012/

https://kitschautorin.wordpress.com/2013/01/01/2013-omfg/

https://kitschautorin.wordpress.com/2014/01/01/jahresruckblick-2013/

https://kitschautorin.wordpress.com/2015/01/01/2015-yeh/

https://kitschautorin.wordpress.com/2016/01/02/da-hat-man-sich-grad-mal-an-2015-gewoehnt/

Mit freundlichen Grüßen und Wünschen für das Jahr 2017

Die Kitschautorin

Sektweiber

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Ich dachte immer, es gibt nichts Fiesereres, als an einem Samstagabend mit nem Kopf so breit wie ne Tür vom Blockseminar zum Bahnhof zu laufen und dort auf ne Horde Junggesellenabschiede zu treffen. Tja, denkste.

Kennt ihr diese Frauengruppen, die man (meistens freitagmorgens) an Bahnhöfen oder in Zügen antrifft und Sekt trinken? Normalerweise sind die nur nervig, ich durfte diese Woche aber gleich zwei Gruppen treffen, die darüber hinaus auch noch fremdenfeindlich waren.

Eine Gruppe echauffierte sich über „Zigeuner“, mit allen Vorurteilen, die man so kennt gegenüber dieser Gruppe. Besonders drollig fand ich eine Frau, die sich darüber wunderte, dass „einer von denen“ eine brandneue Lederjacke, die vor einem Dönerladen während der dortigen Bestellung „kurz abgelegt wurde“, klauen wollte. Is klar, Ali.

Heute Morgen traf ich nun erneut auf eine sekttrinkende Frauengruppe. Sie erörterte die Fahrkartenmodalitäten. „Ach, wir machen das einfach wie die Ausländer. Die sagen auch immer ’no ticket, no money‘ und fertig.“

Was freue ich mich, wenn ich irgendwann die Pendelei los bin und so was nicht mehr hören muss…

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

En trevlig resa

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Wie jedes Jahr wollen mein Mann und ich auch dieses Jahr gern über die Feiertage meine Eltern besuchen.

Problem 1: Mein Mann hat seit seiner Geschäftsreise nach Italien, die etwas turbulent verlief, nicht mehr so viel Bock auf Fliegen.

Problem 2: Streiks bei einer gewissen Fluggesellschaft.

Wir überlegten uns also Alternativmöglichkeiten. Theoretisch ist es möglich, mit vier Mal Umsteigen eine Zugreise zu meinen Eltern zu gestalten.

Problem 3: Ist von Deutschland aus schwierig zu buchen.

Gut, es gibt ja nicht nur Zug. Ich erinnerte mich daran, dass meine Mutter mir mal von einer Fähre nach Malmö berichtet hatte.

Problem 4: Wie kommt man vom Malmöer Hafen zu meinen Eltern? (Ich habe gerade einmal nachgesehen. Das sind über 600 Kilometer.)

Mein Mann und ich berieten uns, entschieden uns, noch nichts zu buchen, und ich rief meine Eltern an. Mein Vater meinte, eine Zugreise sei wirklich nicht ratsam, der Weg über Kopenhagen sei auch ein großer Umweg. Von der Fähre nach Malmö hatte er noch nie gehört. Aber ob wir nicht die Trelleborg-Fähre nehmen wollen, da käme man dann auch gut vom Hafen zum Bahnhof und wie das in Malmö aussehe, wisse er nicht. Ich schlug meinem Mann vor, die Fähre zu nehmen, die in Trelleborg anlegt.

Problem 5: Monsieur und ich wären 24 Stunden unterwegs. Ein Weg, wohlgemerkt. Und das so gut wie ohne Entertainment-Möglichkeiten.

Ungefähr eine Viertelstunde, nachdem ich das Telefonat mit meinem Vater beendet hatte, rief meine Mutter an. Es gebe so eine tolle Fähre von Kiel nach Göteborg, mit ganz vielen Restaurants, Bars und Geschäften an Bord (und WLAN!), und von Göteborg käme man doch schneller Richtung Stockholm. Gut, akzeptiert. Monsieur und ich waren vorher im Reisebüro und haben gebucht. Das Ganze ist zwar ein bisschen teurer als die übliche Flugreise, aber wenn man dafür so eine Art schwimmendes Hotel bekommt… Außerdem war ich seit 2007 nicht mehr mit einer Ostseefähre unterwegs. Mal sehen, wie es wird. Will keep you posted.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Weltschmerz, lachhaft, Widerruf

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(Vielen Dank an dvda für den Titel. 🙂 )

„Und was machst du zurzeit so?“
„Och, es läuft ganz gut, ich hab vor kurzem endlich mein Ref angefangen.“
„Dann viel Erfolg.“
„Danke. Und was machst du zurzeit so?“
„Naja, ich muss morgen zum Arzt…“
„Dann hoffe ich mal, dass du nicht so lange warten musst. Ich bin ja jetzt privatversichert, da geht’s.“
„Privatversichert?“
„Als Beamtin auf Widerruf geht das.“
Nina seufzte laut. Ihre Oma hatte ihr neulich schon wieder in den Ohren gelegen. Nimm dir mal ein Beispiel an deiner Freundin!
„Oh, ich glaube, jemand hat gerade an meiner Tür geklingelt. Ich gehe mal eben hin.“
„Alles klar, bis dann!“
„Bis dann“, sagte Nina in einem möglichst neutralen Ton und legte auf.
Natürlich war niemand da, der an der Tür geklingelt hatte. Wer sollte auch an einer Tür einer Wohnung klingeln, die ab morgen leer stehen würde? Das Einzige, was sich noch in der Wohnung befand, waren eine Matratze, eine Kiste mit Habseligkeiten und die Noch-Mieterin selbst. Das heißt, eine Hälfte der Noch-Mieter. Aber Johannes war schon lange weg. Und er würde auch niemals wiederkommen. Er hatte alle seine Sachen abholen lassen, während Nina bei der Arbeit gewesen war. So schlau war er.
Nina war nicht so schlau gewesen. In einer Beziehung alleine sein, das konnte jeder. Trost bei jemandem suchen, das war normal. Sich von dem Trostspender küssen lassen, während der Partner gerade den Raum betrat, das war nicht normal.
Sie seufzte und schaute aus dem dunklen Fenster. Mit Kerstin hatte sie sich immer gut verstanden. Früher hatten sie sogar häufiger etwas zusammen unternommen… und dann zog Kerstin in eine andere Stadt und man hatte immer weniger Kontakt. Bei guten Freunden war das egal. Aber Nina merkte irgendwann, dass es ihr nicht guttat, wenn sie eine Freundin hatte, die geradewegs an ihr vorbeizischte. Leben mit langjährigem Partner, Studium beendet und baldige Verbeamtung. Und sie? Sie hatte ein Studium, das nicht voranging, einen Job, den sie hasste, und eine Beziehung, die sie in den Sand gesetzt hatte.
Wenn sie mal ehrlich war, hatte sie Kerstin auch nur deswegen angerufen, weil ihr langweilig war. Und weil der Computer schon in ihrem neuen Zimmer stand. Sonst hätte sie im Internet gesurft.
Vielleicht würde sie sich ja besser fühlen, wenn morgen ihr Vater kam und mit ihr die letzten Sachen holte. So aber war alles trostlos und leer. Die leere Vierzimmerwohnung, die sie früher mit Johannes bewohnt hatte. Ihr Herz sowieso. Alles war so schwarz wie die Nacht vor ihrem Fenster.
Ihr kam eine Szene aus der Serie in den Sinn, die sie und Johannes früher oft zusammen geguckt hatten. Die weibliche Hauptperson war aus ihrem Job gefeuert worden. Nachdem sie sich über die lachhafte Abfindung beklagt hatte, war sie von ihrem Ehemann in den Arm genommen und getröstet worden. Wie oft hatte Nina sich und Johannes mit den beiden verglichen? Wie oft hatte er sie in den Arm genommen, als sie traurig gewesen war?
Traurig guckte sie zu Boden und wollte fast weinen, da kam ihr ein trotziger Gedanke. Du weißt doch genau, dass er irgendwann gar keinen Bock mehr hatte, dich zu trösten. Da soll sich der Kerl mal nicht wundern, wenn du irgendwann in Christians Armen gelandet bist. Schön, Johannes hätte euch nicht unbedingt dabei sehen müssen. Aber hey, wenn alles in Ordnung gewesen wäre, wäre das nicht passiert.
Sie hob den Kopf.
Ich hab ihm sicher irre wehgetan.
Sie senkte den Kopf wieder.
Wie oft hat er dir wehgetan?
Sie schaute aus dem Fenster.
Spielt das eine Rolle?
Sie stand auf und ging durch die leere Wohnung. Dort hatten sie sich zusammen über Rechnungen gestritten. Dort hatten sie Sex auf seinem Sofa gehabt, bis sie einen Beinkrampf bekam. Dort hatte er sie in den Arm genommen nach ihrer verhauenen Prüfung. Und dort hatte er sie angeschrien, weil sie seine Pommes ein paar Minuten zu lang im Ofen gehabt hatte.
Nina seufzte laut. Was Weltschmerz anging, war sie schon immer gut gewesen. Nicht, dass das gut war. Eigentlich brachte es entsetzlich wenig. Aber hey, vielleicht konnte sie so immer noch Schriftstellerin werden.
Ihre Eltern wären natürlich dagegen, die würden lieber sehen, dass sie endlich ihr Studium beendete. Dafür hatte sie ja jetzt genug Zeit.
Sie konnte kaum erwarten, dass ihr neues Leben endlich anfing. Aber wer weiß, vielleicht erwartete sie in ihrem neuen WG-Zimmer drei Kilometer weiter ja letztlich auch nur die gleiche Lebensscheiße wie immer. Sie legte sich auf die Matratze in der fast leeren Wohnung und wartete darauf, dass die Sonne aufging und ihr Vater sie abholte.

Butterkeks, Doppelkupplungsgetriebe, Apostasie

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(Vielen Dank an Klopfer für diesen tollen Titel. Ernsthaft, wtf? :D)

Freitag, 13 Uhr. Endlich hatte sie es geschafft. Eine Arbeitswoche war vorbei. Und die war diesmal so anstrengend gewesen wie noch nie. Den blöden Antrag zur Projektverlängerung fertigschreiben, unzählige Fälle bearbeiten und gerade noch die Sitzung mit ihren Vorgesetzten. Wer würde es ihr da übelnehmen, wenn sie etwas Entspannung brauchte?
Gerade so unauffällig, wie es möglich war, räumte sie die Hinterlassenschaften der Sitzung weg, damit sie sich endlich davonmachen konnte. Die Butterkekse in den Schrank, die Gläser in die Spülmaschine und ihre Akten in die Tasche. Sie überlegte kurz, ob die Spülmaschine so voll war, dass sie sie anstellen musste, und entschied sich dann dagegen. Und außerdem musste sie ja einen Zug kriegen. Schnell schloss sie ihr Büro ab und huschte davon.
Ungeduldig wartete sie auf den Bus, der sie zum Bahnhof brachte. Natürlich hätte sie auch ein Taxi nehmen können, aber an diesem Wochenende würde sie noch genug Geld ausgeben, da musste das nicht auch noch sein. So gab es halt zwanzig Minuten Fahrt und drei merkwürdige Gespräche mit Fahrgästen extra, bevor sie sich und ihren Rollkoffer zu Gleis 11 dirigieren konnte.
Unten angekommen konnte sie sich direkt wieder ärgern. Schaffte es die Deutsche Bahn eigentlich nie, ihre Züge mal pünktlich ankommen zu lassen? Gerade jetzt, wo es so wichtig war! Sie wartete eine gefühlte Ewigkeit, bis der Zug in die große Stadt endlich einfuhr und sie sich auf den blauartigen Sitzpolstern niederlassen konnte.
Und während der Zug davonfuhr, konnte sie all die Gedanken der letzten Woche langsam hinter sich lassen und darauf konzentrieren, was noch vor ihr lag. Sie wollte einen Freund besuchen, den sie länger nicht gesehen hatte. Seit sie berufstätig war, schafften sie es kaum noch, sich zu sehen, aber wenn, war es immer toll. Sie genoss seine Gesellschaft, die eine der wenigen Sachen war, die ihr Leben noch in irgendeiner Weise interessant machten.
Sie schrieb ihm kurz, dass sie im Zug saß und in gut vier Stunden ankäme, und ließ sich dann wieder in den Sitz sinken. Abgesehen vom Fahrkartenkontrolleur sprach sie mit niemandem und niemand mit ihr. Sie hatte es so an sich, sich abzuschirmen. Mit niemandem zu kommunizieren, mit dem es nicht unbedingt nötig war. Die meisten Menschen waren es eh nicht wert, dachte sie im Grunde. Sie war sich selbst der nächste Gesprächspartner, abgesehen von einigen wenigen Freunden vielleicht.
Ohne dass sie es wirklich registrierte, sank die Sonne immer weiter nach unten. Als sie schließlich den Zug verließ, war sie gar nicht mehr zu sehen. Sie schritt durch das Glasgebäude, in ihrer altgewohnten Ich-habe-zu-tun-bitte-sprechen-Sie-mich-nicht-an-Haltung, und setzte sich in die S-Bahn. Sie betrachtete all die Menschen, die dort saßen, ohne ihnen in die Augen zu sehen. Mit ihrem anthrazitfarbenen Hosenanzug stach sie schon etwas heraus, aber es gab andere Menschen, die mehr herausstachen als sie.
Schließlich kam ihre Station. Ihr Handy vibrierte zwei Mal, aber sie ging erst einige Meter, bevor sie dazu kam, nachzusehen, wer da etwas von ihr wollte.
Tut mir echt voll leid, aber ich muss noch was ganz Dringendes erledigen. Machts dir was aus, wenn wir uns ne halbe Stunde später treffen? Bis später, D.
Das konnte doch nicht wahr sein, oder? Das war doch nicht wahr, oder? Sie hatte eine total harte Arbeitswoche hinter sich, fuhr vier Stunden, um ihn zu sehen, und dann das? Was bildete der sich eigentlich ein?
Sie war so sauer, dass sie ignorierte, eigentlich noch zwei Straßen weiter zu müssen, und ging kurzerhand durch die nächstbeste Tür. Was zufällig die Tür einer Kneipe war.
Das Interieur war nicht gerade einladend, aber das war ihr dann auch egal. Sie sank auf einen Hocker am Tresen. „Na, auf Geschäftsreise?“, fragte sie der Wirt, und sie watschte ihn sogleich ab. „Das geht Sie nichts an. Ich hätte gerne ein großes Helles mit Schuss, bitte.“
Der Wirt zuckte mit den Augenbrauen und erledigte ihre Bestellung. Sie lehnte sich missmutig über den Tresen und wünschte, sie wäre zu Hause geblieben. Der Liebesfilm, den sie vor drei Wochen aufgenommen hatte, wäre eine viel angenehmere Gesellschaft gewesen als ein Typ, der sie einfach versetzte.
„Alles Idioten hier“, rief ein Typ in der Ecke laut, wofür er vom Wirt gemaßregelt wurde, mit recht unfreundlichen Worten. Irgendwie hatte der Besoffene da hinten Recht, dachte sie und musterte die anderen Gäste.
Da ging die Tür auf. Ein Kerl mit langen Haaren und Bart kam herein, bestellte ein Bier und setzte sich auf den Hocker neben sie. Ernsthaft? Neben sie? Wo noch so viele andere Plätze frei waren? Sie starrte auf das dunkle Holz des Tresens und hoffte, dass der Typ sie  nicht ansprechen würde.
„Was guckst du denn so missmutig?“
Tja, die Hoffnung war soeben gestorben. „Alles in Ordnung“, brummte sie. „Was macht so ’ne schöne Frau wie du an so ’nem Ort?“
„Sich die Birne wegsaufen“, antwortete sie, ohne hinzusehen, und holte ihr Handy aus der Tasche. Da war ja noch eine Nachricht.
Hallo, wie geht es dir? Papa und ich gehen gleich essen. Ruf doch mal wieder an! Grüße, Mama.
Das würde sie vielleicht sogar tun, wenn sie nur wüsste, was sie sagen sollte. So aufregend war ihr Leben nicht. Viel arbeiten, gelegentlich Freunde treffen. Sie schnaubte. Wenn die nicht gerade Anderes vorhatten.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, wollte ihr Sitznachbar wissen. „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du dich ewig auf ein Treffen mit deinem Kumpel freust und dann versetzt er dich einfach?“, rief sie und war im nächsten Augenblick selber erstaunt über diesen Ausbruch.
„Wohl nicht besonders gut“, entgegnete der Typ. Der Wirt stellte die Biere vor die beiden. Sie nahm sogleich einen großen Schluck. „Was hat er denn gesagt?“
Sie schnaubte wieder. „Er muss was total Wichtiges erledigen und ob es mir was ausmachen würde, wenn wir uns ’ne halbe Stunde später treffen. So ein Scheiß!“
„Moment, hast du nicht gerade gesagt, er hat dich versetzt?“, erkundigte sich der Typ verwirrt.
„Ja, und?“, war die Antwort.
Der Kerl lachte auf. „Mädel, ich hab keine Ahnung, was bei dir schiefgelaufen ist, aber bei dir muss was mächtig schiefgelaufen sein.“ Er trank von seinem Bier.
„Moment mal, was bil…“, wollte sie zu einer Riesenverteidigung ansetzen, als er sie unterbrach. „Schon klar, du bist wohl am liebsten allein und musst das auch jedem zeigen. Schon klar.“ Und er trank wieder.
Sie klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch, der auf dem Trockenen lag. Erst viel später fiel ihr eine Antwort ein. „Bist du Jesus oder so? Glaubst du, in Menschen hineinsehen zu können?“
„Nein“, lachte er, „auch wenn ichs lange versucht hab. Ich hab mich sogar für Theologie eingeschrieben.“
„Theologie, Hilfe“, stöhnte sie. „Warum studiert man so was?“
„Damals hielt ich es jedenfalls für ’ne gute Idee. Nach 13 Semestern hab ich es sogar geschafft, mich für die Abschlussarbeit anzumelden.“
„Wow, total schnell“, meinte sie und zuckte mit den Augenbrauen.
„Hat am Ende aber nichts gebracht. Ich musste einsehen, dass Apostasie in den abrahamitischen Religionen nicht so das affengeile Thema ist.“
„Und stattdessen nervst du jetzt Frauen in Kneipen“, lachte sie auf und stierte wieder auf ihr Handy.
„Ich nerve niemanden, der nicht dazu einlädt“, sagte er, zwinkerte ihr zu und trank dann weiter von seinem Bier.
Sie sah auf ihre Armbanduhr und erschrak. In einem Zug trank sie den Rest ihres Bieres aus, unterdrückte einen riesigen Rülpser, so gut es ging, und knallte dem Wirt ihr Geld auf den Tresen. Dann eilte sie aus der Kneipe.
Eine Straße weiter sah sie aus dem Augenwinkel eine große Werbetafel für den neuesten koreanischen Kleinwagen mit Hybridantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Na, das wäre ja was für ihren Vater, der war total autoverrückt. Sie nahm sich vor, bald ihre Mutter zu fragen, ob er immer noch Autozeitschriften auf dem Klo las. Aber erst morgen. Erst musste sie zu ihrem Kumpel und ihm von dem Irren aus der Kneipe erzählen.