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Hör mal, wer da schreibt

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Hallo, liebe Leute! Ich lebe noch, bin nur derzeit sehr beschäftigt (womit, erzähle ich euch ein andermal. Vielleicht.).

Gelegentlich finde ich aber noch die Zeit, mich mit unsinnigen Themen zu beschäftigen, und so sende ich euch heute den mit Abstand am bestesten recherchierten Blogeintrag aller Zeiten – Geschlechterrollen in „Hör mal, wer da hämmert“. Kennt die Serie überhaupt noch irgendjemand von euch?

Naja, wie auch immer, es war über Jahre meine Lieblingsserie und da die ja im Grunde ein einziges Abfeiern des Männerseins ist, drängt sich das Geschlechterthema da förmlich auf. Meine konfusen Notizen zu acht Jahren dieser Sitcom möchte ich euch nun in halbwegs geordneter Aufmachung darbieten.

So sind Männer

– Ihnen gehört das Haus, also sind sie der Bestimmer.
– Wenn ihre Frau sich über die Doppelbelastung Arbeit – Familie aufregt, sagen sie „Du musst doch nicht arbeiten!“.
– Männer sind stark. (Deswegen gibt Tim zunächst nicht zu, dass er sich nach dem Schleppen einer schweren Truhe die Leiste gezerrt hat.)
– Sie sind die großen Verführer, was Tim in einige Probleme stürzt.
– Wenn Frauen von Menstruation erzählen, reagieren Männer megaempfindlich. (Außerdem haben sie keine Ahnung von Monatshygiene-Artikeln. Oder wie der weibliche Körper überhaupt funktioniert.)
– Laut dem Buch, das Tim in Folge 8/14 schreibt, stellen sich Männer ihren Ängsten. (Frauen tun das also nicht?)
– In einer Ausgabe von „Tool Time“ gibt es ein ’salute to men‘ (als wäre die Sendung nicht schon ein einziges^^). Männlich sind demnach beispielsweise Armee / Navy, Hunde-Mögen und Filme wie „True Grit“ und „Spartacus“.

So sind Männer nicht

– Sie wissen nicht, wie ein Geschirrspüler funktioniert. Zumindest musste Jill es Tim erklären. (Und als er es dann weiß, baut er ihn um, denn das Gerät ist ihm zu unmännlich. Immerhin ist Tim aber grundsätzlich dafür, dass Männer im Haushalt helfen, wenn er es auch oft Jill überlässt.)
– Der Nachbar Wilson weiß, dass man für unterschiedliche Anlässe unterschiedliche Schuhe braucht. Als er sein Wissen über unterschiedliche Formen der Fußbekleidung demonstriert, wird er von Tim schief angeguckt. Ähnliches passiert, als Al beweist, dass er mehr Farbtöne als der Klischee-Mann unterscheiden kann. (Bei Autofarben wäre das aber auf einmal akzeptiert…)
– Sie mögen kein Ballett. Zumindest ist Tim dieser Ansicht, und es gibt einen Riesenstreit, als er mit Mark zum Ballett gehen soll (der darauf durchaus Lust hatte), ihn dann aber lieber zum Basketball mitnimmt. Jill ist enttäuscht von Tim, da sie ihre Söhne nicht nur männertypischen Dingen aussetzen möchte, und Tim da nicht mitzieht. Als Randy für die Schülerzeitung über das Ballettteam seiner Schule schreibt, sagt Tim sinngemäß, dass es nicht normal sei, sollte Randy sich für Ballett interesssieren.
– Sie trauern nicht, jedenfalls nicht mit Tränen. Tim hält das für unmännlich. (Wobei er sich da später durchaus korrigiert.)
– Sie backen keine Cupcakes.
– Tims ältester Sohn Brad benutzt in Folge 4/26 Makeup, um seine Hautunreinheiten zu kaschieren. Tim ist dagegen, Brads Brüder Randy und Mark machen sich über Brad lustig.
– Männer interessieren sich nicht für Dinge wie Bücher oder Jazztanz.
– Als Tim mit einer seiner Nichten „Teeparty“ spielt, sagt er ihr, sie solle das nicht seinen Freunden im Werkzeugladen erzählen. Den Nachmittag mit ihr mochte er, was allerdings letztlich auch mit stereotypem Mädchen- / Jungenverhalten zu tun hat („Jungen wollen raufen, Mädchen tun mehr Dinge wie Geschichten erzählen“).

So sind Frauen

– Bei „Tool Time“ sind Mädels im Prinzip nur zum Präsentieren da. Dabei kann zumindest Heidi deutlich mehr, denn laut Tim ist diese Elektrikermeisterin. Fun fact: Wegen so einer Sache ist Pamela Anderson, die das vormalige Tool-Girl Lisa gespielt hatte, sogar aus der Serie ausgestiegen. Heidi bzw. Debbe Dunning bekam dann etwas mehr Raum, aber viel war es auch nicht.
– Es gibt aber auch starke Frauen bei „Hör mal, wer da hämmert“. Eine solche ist Jill, die ihrem Ehemann Tim so manches Mal Paroli bietet und ihren Kopf durchsetzt, schließlich sogar nach x Jahren Hausfrauendasein eine neue Karriere startet. Sie wird als Feministin dargestellt, als sie z.B. mit einschlägiger Literatur gesehen wird oder ihren Söhnen beibringt, dass Frauen auch Rechte haben. Ein anderes Beispiel für eine starke Frau in der Serie ist Jills Freundin Karen. Sie kebbelt sich des Öfteren mit Tim, weil die seiner Machowelt etwas entgegensetzt („Natürlich haben Männer viel geschaffen, sie haben ja auch alle Arbeitsplätze“). Sie kann zwar zuweilen etwas aggressiv klingen, wenn sie bspw. allen Männern aggressive Tendenzen unterstellt, aber oft genug ist sie einfach nur der Spiegel, der Tim vorgehalten wird.
– Frauen sind manierlich (während Männer sich ruhig danebenbenehmen dürfen).
– Sie teilen sich anders mit als Männer, nämlich subtiler (was so manches Mal zu Streit führt).
– Frauen, die sich durchsetzen, laufen schnell Gefahr, als Drachen gesehen zu werden. Beispiel: Wanda, Staffel 2, Folge 4.
– Frauen wollen alle Singles verkuppeln. Beispiel: Jill in derselben Folge. Aber sie tut das nicht nur da. Sie verkuppelt eine ihrer Dozentinnen mit Wilson, weil „so eine wundervolle Frau nicht allein sein sollte“. (Mit anderen Worten: Ihrer Meinung nach brauchen Frauen unbedingt einen Partner.)
– Frauen mögen die Farbe Pink (und Männer Schwarz).
– Sie wollen alles zu Tode diskutieren.
– Hat hier jemand mal von dem Begriff „maternal gatekeeping“ gehört? Nein? Na gut. Auf jeden Fall, Jill zeigt, dass sie auch dazu fähig ist. Sie ist beispielsweise der Ansicht, dass Mütter manche Dinge besser können als Väter aufgrund einer speziellen Bindung zum Kind.
– Oft wird von Frauen aber auch verlangt, dass sie Arbeit UND Familie wuppen. (Warum muss Jill kochen, wenn sie wegen ihres Studiums viel um die Ohren hat? Und warum schätzt ihre Familie ihr Essen dann nicht?) Als Tim sich dann doch mal erbarmt und ein paar Wochen mal mehr tut als sie, erwartet er dafür dann so ungefähr den Nobelpreis.^^ Den bekommt er verständlicherweise nicht von Jill, der Dank dafür ist, dass er in einer Tool-Time-Ausgabe alle Frauen inkl. seiner eigenen als Meckertanten darstellt, die man austricksen muss, um seine Ziele zu erreichen.
– Bügeln ist Frauensache, sagt Tim.
– Er sagt außerdem, dass sie ihre Partner dazu zwingen, sich emotional zu öffnen.
– Als Tim sich einmal mit Heidi streitet, regt er sich darüber auf, dass Frauen überemotional seien und man es ihnen nicht recht machen könne.

So sind Frauen nicht

– Sie verstehen Männer im Allgemeinen nicht.
– Sie haben keine Ahnung von Autos (was trotz zahlreicher Gegenbeispiele geglaubt wird).
– Sie können keine Häuser bauen (auch hier gibt es Gegenbeispiele, die nicht helfen).
– Sie können kein scharfes Essen ab. (Heidi rächt sich umgehend für diese falsche Annahme.)

Und sonst so?

– Tim verzapft viel Blödsinn (wer hätte das nach all diesen Anmerkungen gedacht?^^), zeigt sich aber häufig einsichtig. Oft geschieht dies nach einem Gespräch mit Wilson, der als so eine Art Mentor für Tim (und viele andere Figuren) fungiert.
– Wenn Männer und Frauen etwas miteinander unternehmen, wird immer davon ausgegangen, dass sie etwas miteinander haben.
– In unzähligen Ausgaben von „Tool Time“ lästert Tim über seine Frau bzw. Frauen im Allgemeinen. Ein Höhepunkt: Er schnappt sich zwei Zuschauer und zieht mit denen richtig ausführlich über Frauen her, nur weil die eben so sind, wie sie sind.
– Alle möglichen Gegenstände und Dinge müssen „für Männer“ produziert oder umgestaltet werden, weil die normalen zu doof sind. Dies gilt u.a. für Haushaltsreinigungsgeräte, Bade- und Schlafzimmer.
– In Folge 20 wird darüber debattiert, ob Frauen Smokings tragen dürfen, Jill will einen solchen zu einem Opernabend mit Tim tragen, er mokiert sich darüber. Schlussendlich trägt sie ihn aber doch und er ist überrascht davon, wie gut er ihr steht.
– In Folge 2/14 eröffnet Jill ein eigenes Konto, auf das ihr Gehalt als freie Journalistin eingeht. Tim gefällt das überhaupt nicht. Es entbrennt ein Streit darüber, wem was gehört und wer die Macht worüber hat, da Tim der Familienernährer ist, Jill nur ein kleines Gehalt verdient, aber auch gerne Mitspracherechte haben will.
– Die Rosa-Hellblau-Falle existiert (vermutlich wenig überraschend) auch bei „Hör mal, wer da hämmert“. In Folge 3/1 taucht eine rosa Decke auf, die Jill gehäkelt hatte, als sie mit Mark schwanger war. Sie hatte auf ein Mädchen gehofft. Als Tim das seinen beiden älteren Söhnen verrät, machen die sich über Mark lustig.
– Tim kann schlecht akzeptieren, wenn Frauen auf einem männertypischen Gebiet, bspw. als Vorarbeiter auf einer Baustelle, mehr Ahnung haben. Er haut dann Vorurteile raus („hat bestimmt keinen Respekt bei männlichen Kollegen“), sexistische Sprüche (z.B. übers Aussehen) und gaaaanz viele herablassende Kommentare („brauchen Sie die Hilfe von einem starken Mann?“).
– In Folge 5/15 begleitet Jill Tim zu einem Aufenthalt auf einer Militärbasis. Er findet, Frauen hätten da nichts zu suchen – und das, obwohl Jill die Tochter eines Colonels ist und an dem Aufenthalt sehr viel Freude hat, zumindest so lange, bis Tim es ihr vermiest. Ihr wird ermöglicht, einen Panzer zu fahren, und Tim macht ihr die Freude daran zunichte, weil sie es besser kann als er.
– Tim soll sich auf Wunsch von Jill vasektomieren lassen, er ist zunächst nicht sehr offen. Seine Freunde im Werkzeugladen denken, man ist dann kein Mann mehr. Tim lässt sich zu einem Besuch in einer urologischen Praxis überreden, und als er feststellt, dass es sich um eine Ärztin handelt, macht er sofort zu, denn eine Frau könne Männer ja nicht angemessen „da unten“ behandeln. Er ist Argumenten nicht zugänglich, fragt Jill, was sie denn von Schmerzen da unten verstehe, und als sie die Geburtsschmerzen der Kinder aufbringt, ist er genervt. Jill musste sich all die Jahre ihrer Beziehung allein um Verhütung kümmern und es sieht so aus, als würde das so weitergehen. Ironischerweise hilft ihm dann einer der Freunde aus dem Werkzeugladen, Tims Meinung zu ändern – Harry, der eine Vasektomie hatte, das in seinem Laden aber nicht zugeben wollte.
– Interessant wird dies, als Jill sich aus medizinischen Gründen einer Totalhysterektomie unterziehen muss: Sie fühlt sich danach nicht mehr als Frau. Tim macht ihr aber klar, dass zu einer Frau mehr gehört als Eierstöcke, Gebärmutter und die Möglichkeit, Kinder zu kriegen.
– In einer Folge gibt es einen Streit, als festgestellt wird, dass Brads damalige Freundin Angela alle Hausarbeiten für ihn erledigt. Tim macht weniger im Haushalt als Jill und das bisschen, was er macht, auch nur um des häuslichen Friedens willen. Er zeigt sich nicht besonders bereit, Brad klarzumachen, dass der sich falsch verhält, aber schlussendlich tut er es doch.
– In Folge 7/24 ist Jill zu Gast in einer Talkshow mit dem Thema „Erfolgreiche Frauen“. Tim und seine Freunde sehen die Talkshow im Werkzeugladen. Als eine der talkenden Frauen erzählt „Ich bekam ein Jobangebot und mein Mann interessierte sich nur dafür, wer dann kocht“, fragt Harry, was daran falsch sei. Jill versucht, das Verhalten der jeweiligen Ehemänner zu erklären. Tim erscheint in ihrer Darstellung zunächst verständnisvoll (unterstützte Jill grundsätzlich in ihrer Berufswahl), dann wie ein Idiot (verständnislose erste Reaktion auf Studienwahl, hält Psychologie im Allgemeinen für Schwindel, Midlife-Crisis und verletzlicher Zustand). Seine Freunde und die Besucher eines Fitnesscenters, in dem die Sendung lief, machen sich daraufhin über Tim lustig. Tim und Jill fetzen sich heftig. Daraufhin kommt zur Sprache, dass Tim sich in „Tool Time“ regelmäßig über Jill auslässt, was ja etwas gaaaanz anderes sei. Als Jill mit Wilson über die Geschehnisse redet, wird ihr klar, dass all das passiert ist, weil sie glaubte, sich vor den anderen Frauen mit ihrem Psychologie-Wissen und besseren Stories beweisen zu müssen.
– Vielleicht am interessantesten ist das Serienende. Tim kündigt bei Binford, gleichzeitig bekommt Jill ein Jobangebot als Familientherapeutin in einer Hunderte von Meilen entfernten Stadt. Logisch, dass da umgezogen werden müsste. Tim möchte das aber nicht und Jill ist darüber enttäuscht, zumal sie sich 20 Jahre lang immer nur nach seiner Karriere ausgerichtet hat. Letztlich willigt Tim aber doch ein.

Puh.

Fazit

Die Serie lief von 1991 bis 1999. Natürlich findet man da sehr häufig noch klassisches oder klischeehaftes Männer- / Frauenverhalten, stellenweise ist das so extrem, dass man sich darüber aufregen will. Ich muss aber sagen: Für eine Serie aus den Neunzigern finde ich „Hör mal, wer da hämmert“, was Geschlechterthemen anbelangt, ziemlich fortschrittlich. Immer wieder tauchen Figuren auf, die aus den klassischen Rollen ausbrechen. Immer wieder wird sich dafür ausgesprochen, dass Männer und Frauen ihre Differenzen beilegen. Jill darf ein Leben außerhalb der Familie haben (wenn da auch viel verbesserungswürdig ist, aber ich will nicht zu viel erwarten). Und ganz großartig ist natürlich das Serienende, in dem sich Tim karrieremäßig nach seiner Frau richtet.

Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder Kritik? Rein damit in die Kommentare (oder meinetwegen meinen Maileingang, auch wenn der mal wieder überquillt).

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 41

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https://www.welt.de/debatte/kommentare/article186559238/Hape-Kerkeling-Was-er-mit-der-Kita-Krise-zu-tun-hat.html?wtrid=onsite.onsitesearch

Man kann sicher darüber streiten, ob Kindergärten, Kindertagesstätten und Co. unabdingbar für das Wohl eines Kindes sind. Ich störe mich nur ein wenig am Ton dieses Artikels, der auf inadäquate Weise einen sehr guten Kinofilm, „Der Junge muss an die frische Luft“, mit der Realität der ErzieherInnen hierzulande verknüpft wird. Zwar äußert Frau Becker sich am Anfang positiv über die Ankündigung des Familienministeriums, 300 Millionen Euro für Kitas bereitzustellen, schränkt sich sogleich aber mit einem großen Aber ein. Es klingt, da kann ich mir nicht helfen, ein wenig so wie diese alten Menschen, die auf Familienfeiern immer verkündeten „wir hatten XY früher auch nicht und es hat uns nicht geschadet!“. Beim Schreiben dieses Blogartikels fällt mir gerade sogar auf, dass ich das im Bezug auf Kindergärten, Kindertagesstätten und Co. neulich tatsächlich gehört habe. (Von Menschen, die stockkonservativ sind und sich wünschen würden, alle würden so leben wie sie, aber das nur so nebenbei.)

Ich verstehe auch nicht, warum Hape Kerkeling dafür herhalten muss, denen, die Kindergärten etc. nicht so positiv gegenüberstehen, Vorschub zu leisten. Ich weiß nicht, ob er dafür so geeignet ist, immerhin hat sich dessen Mutter (wie im Welt-Artikel ganz richtig erwähnt wird) das Leben genommen, als er neun Jahre alt war. Dass er psychisch da einigermaßen heil herausgekommen ist, ist ein Wunder. So einen Menschen als Beispiel dafür zu nehmen, dass es gelernte Erzieher nicht unbedingt braucht, erscheint mir nicht richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ausflüge

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Ich war schon immer ein großer Fan von Volksfesten. Und so musste ich nicht lange überlegen, als ein sehr lieber Freund (falls du das liest: ja, ich meine dich :P) mich fragte, ob ich mit ihm auf eines der größten Feste Deutschlands gehen will.

Drei Stunden unterwegs auf Eisenbahnschienen, aber für gute Freunde (gen. Maskulinum) tue ich so was. Und dann gab es in einem der Züge noch eine Überraschung, weil ich dort auf den Priester von „Valerie und der Priester“ getroffen bin. Er war sehr nett und wünschte mir zum Abschied Gottes Segen. Ich bin gerade wieder einmal schwer am Zweifeln, was Glaubensdinge angeht (was er nicht wissen konnte), und gerade deswegen fand ich es… irgendwie gut.

Irgendwann kam ich nun also in der Stadt an, in der besagtes sehr großes Volksfest stattfindet. Dieses Fest ist einem Heiligen gewidmet, dessen Reliquien im örtlichen Dom liegen (sollen). Ergo gibt es auch Gottesdienste zu diesem Anlass und auf meinen Wunsch gingen wir in einen solchen. Ich fand es sogar gut… bis es eine Fürbitte gab, die den Verstorbenen gewidmet wurde. Eigentlich nicht weiter ungewöhnlich. Aber nicht schön für jemanden, der viel zu früh zwei Freunde verloren hat.

Es gibt viele, die meinen, Glaube ist nur dazu da, sich die Welt einfach zu machen, und es gibt sicherlich auch viele, auf die diese Aussage zutrifft, aber bei mir ist das absolut nicht so. Ich zerbreche mir schwer den Kopf darüber, was auf der Welt aus welchem Grund wie ist, und das habe ich an diesem Donnerstag, an dem ich im Dom saß, ganz deutlich gemerkt.

Nun, trotz allem Nachdenken konnte ich das Fest sehr genießen und kann anderen auch nur sehr empfehlen, da hinzugehen. Es gibt tonnenweise tolle Buden, man kann auf Konzerte gehen. Und wenn man will, sogar in die Kirche.

Nun gibt es schöne Ausflüge und nicht so schöne. (Ich weiß, ich erzähle damit den meisten Lesern dieses Blogs etwas unvorstellbar Neues.) Wegen Bluthochdrucks zu irgendwelchen weit entfernten Ärzten zu müssen, gehört sicher zu den nicht so schönen. Meine Docs sagen, dass mein Herz vollkommen okay ist, also muss bei mir jetzt alles Nierenmäßige untersucht werden.

Problem 1: Ich wohne auf dem Land.

Problem 2: Ich bin, was Termine angeht, so ziemlich an die Schulferien gebunden.

Mit viel Glück bekam ich also gestern, drei Tage vor Wiederbeginn des Unterrichts, einen Nephrologentermin in einer sechzig Kilometer entfernten Stadt. Die Verbindung mit Öffentlichen ist eine Katastrophe, also fuhr ich gestern eine Stunde Auto.

Dass die Praxis gegenüber des dortigen Krankenhauses ist, verwunderte mich nicht weiter. Beim Kardiologen habe ich schon gemerkt, dass so was häufig zusammenfällt (der ist IM Krankenhaus). Es hatte am Telefon geheißen, ich müsse mich auf Wartezeit einstellen, also nahmen der mich begleitende Ehemann und ich das Wartezimmer des Nephrologen in Augenschein. Mir fiel sofort auf, wie viel Literatur es dort gab und es wurde sogar Mineralwasser bereitgestellt. In der Praxis wird allerdings auch Dialyse durchgeführt, also warten da wohl sehr viele Menschen sehr lange…

Nach vielleicht zwanzig Minuten – ich hatte nach der Ansage mit deutlich mehr gerechnet – kam ich dann dran und ich will nicht sagen, was bei mir rauskam, es ist nicht gut, könnte aber bedeutend schlimmer sein anscheinend. Zumindest war es kein großes Problem, dass ich erst in den Herbstferien wieder so wirklich kann für weitere Untersuchungen. Bin ja gespannt, was dann rauskommt. Möge Gott mir beistehen, so er denn existiert.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Valerie und der Priester

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Neulich bin ich auf ein interessantes Projekt gestoßen. Die atheistische Berliner Journalistin Valerie Schönian begleitet ein Jahr lang den Priester Franziskus von Boeselager. Und lernt enorm viel über ihn und seinen Glauben. Zu einigen Artikeln möchte ich jetzt meine Gedanken niederschreiben.

Zu Hause bei Franziskus im Sauerland

Valerie schreibt darüber, dass in Franziskus‘ Familie der christliche Glaube ganz selbstverständlich präsent war, anders als bei ihr. Das erinnerte mich an etwas, das mein Vater neulich gesagt hat. „Wir sind halt nicht damit aufgewachsen. Sonst wären wir vielleicht auch Christen geworden.“

Ich bin ja nun auch nicht damit aufgewachsen und habe mich trotzdem irgendwann taufen lassen, dachte ich gerade. Aber so ganz stimmt das ja auch nicht. In meiner Welt, anders als bei meinen Eltern, war der christliche Glaube ja durch Schule und Freunde durchaus präsent. Andererseits war die Mehrheit in meiner Heimat ja nicht evangelisch, sondern katholisch. Und ich habe immer gesagt, dass die Schulzeit mich dem Glauben nicht gerade näher gebracht hat. Hm.

Ich glaube, wer hier aufwächst, hat immer einen Bezug zu Gott. Man kann sich vielleicht gegen ihn entscheiden, aber ignorieren kann man die Idee von ihm nicht.

Das schreibt Valerie über Franziskus‘ Heimat, und ich glaube, bei mir in meiner kleinen Heimat nördlich der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens war das genauso. Man konnte Gott und das Christentum da gar nicht ignorieren.

Franziskus‘ Eltern sagen, dass sie ihren Kindern den katholischen Glauben schon mitgeben wollten, nur weniger streng. Irgendwann werden mein Mann und ich sicher auch Kinder haben, und wir reden jetzt schon gelegentlich darüber, wie wir das mit dem Glauben genau machen wollen. Werden sie getauft? Beten wir mit ihnen? Gehen wir mit ihnen in die Kirche und wenn ja, in welche? Kommt an Weihnachten das Christkind oder der Weihnachtsmann? Alles noch ungeklärte, aber wichtige Fragen.

Valerie schreibt darüber, dass Franziskus vor dem Essen betet und dass sie vorher niemanden kannte, der das tut. Ich kannte auch nur eine Person und selbst die tut das nicht immer. Dann war ich drei Tage im Kloster. Die Schwester, mit der ich Kontakt hatte, betet grundsätzlich vorm Essen, egal, zu welcher Tageszeit oder wer mit ihr isst. Ich finde das gewöhnungsbedürftig und ich tue es selbst auch nicht. Aber falsch finde ich das nicht unbedingt. Für die Speisen, die man hat, sollte man schon dankbar sein.

In dem Text geht es auch darum, wie ein Unfall von Franziskus‘ Schwester die Eltern wieder näher zum Glauben führte. Ich finde es toll, dass die das geschafft haben. Ich meine, ich zweifle heute noch oft genug an Gott. Gerade, wenn mir irgendwas Schlimmes passiert.

Wandmomente: Unsere Gespräche über Homosexualität stecken fest

Wenn zwei so unterschiedliche Menschen wie Valerie und Franziskus aufeinandertreffen, bleibt es ja nicht aus, dass es manchmal hakt. Ein wichtiger Punkt ist da Homosexualität. Für Valerie wie für mich, sozusagen. Ich habe lange gezögert, mich einer christlichen Kirche anzuschließen, weil ich spürte, dass da für manche Menschen eben nicht alle gleich sind.

Franziskus sagt, dass nach dem Verständnis der katholischen Kirche eine Ehe darauf ausgerichtet ist, Kinder zu bekommen. Aber es gibt ja auch Paare, die keine bekommen können oder wollen. Was ist mit denen? Die dürfen heiraten. Gleichgeschlechtliche Paare können ja auch miteinander Kinder haben, Stiefkinder oder adoptierte Kinder zum Beispiel. Warum sollen die das nicht haben dürfen?

Franziskus sagt, dass er damit niemanden oder diskriminieren will. Ich sehe das ein bisschen anders.

Er ist genauso Christ wie ich. Aber es gibt da trotzdem einen Punkt, bei dem man nicht zusammenkommen kann. Ein Wandmoment halt, wie Valerie sagt.

Vorweihnachtszeit mit einem Priester

Ich muss ja sagen, Weihnachten ähnelt bei mir eher dem Weihnachten von Valerie – mit Weihnachtsmärkten, Plätzen, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, geliebte Menschen treffen und so. Aber ein bisschen hat mich schon gestört, dass Weihnachten bei mir vergleichsweise wenig mit dem Christentum zu tun hatte die letzten Jahre. Obwohl ich ja Christin bin. Und seit 2013 Weihnachten jedes Jahr in der Kirche war. Letztes Heiligabend waren Monsieur und ich also im 23-Uhr-Gottesdienst. Und ich habe sogar aus meiner brandneuen Lutherbibel die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Monsieur hätte nicht unbedingt auf einem Kirchbesuch bestanden. Naja, er war auch lange Jahre Lektor und in seinem Leben wahrscheinlich öfter in der Kirche, als ich es je sein werde.

Als ich den Abschnitt über die Austeilung des Abendmahls las, wurde ich wieder wütend. Mich macht immer noch total krank, dass offiziell kein gemeinsames Abendmahl möglich ist. Und dass ich das vermutlich nicht mehr erleben werde.

Drei Gottesdienste und eine heilige Nacht

Weiter oben schrieb ich, dass ich es etwas schade finde, wenn Weihnachten wenig mit dem Christentum an sich zu tun hat. Nichtsdestotrotz denke ich, dass auch Nichtchristen das Weihnachtsfest feiern können. Valerie schreibt, dass es ihr um die Familie geht, und das finde ich auch gut.

Sie schreibt außerdem, dass sie beim dritten Gottesdienst verwirrt darüber ist, wann was gesungen und gemacht wird (beim letzten Gottesdienst war das ja noch ganz anders). Das Gefühl kenne ich gut. Selbst wenn ich in einen ganz normalen evangelischen Gottesdienst gehe, kenne ich einige Teile der Liturgie nicht. Und als ich im Kloster mitgebetet habe, meine Güte…

Ihr Glaube ist fast anfassbar.

Das ist, was bei mir mehr ankommt als die Worte, und das so viele Menschen an Weihnachten in die Kirche treibt, auch wenn sie sonst nie kommen.

Ich glaube, das war lange Jahre mein Problem. Glaube war für mich nie anfassbar quasi, und dann habe ich irgendwann Menschen getroffen, bei denen das anders war. Hätte ich diese Menschen nicht getroffen, wäre ich wohl keine Christin geworden.

tl;dr: Das Projekt „Valerie und der Priester“ ist sehr interessant. Es gibt viele wichtige Einsichten und ich denke, dass man viel lernen kann, wenn man Menschen kennen lernt, die ganz anders sind als man selbst. Offenheit natürlich vorausgesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Studentenmädchenreport, Tag 42

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Ich versuche verzweifelt, einen Zweitgutachter für meine Bachelorarbeit zu finden. Vorgestern hatte ich jemanden angeschrieben, und sie antwortete mir dann, sie würde es gern machen, leider habe sie aber die Uni verlassen. Sie hat übrigens kurz zuvor ihren Nachnamen geändert. Fragt sich nur: Heirat oder Scheidung?

Am Montag ist die nächste Besprechung mit meinem Lieblingsdozenten. Bei der letzten hatte er mir verschiedene mögliche Quellen genannt. Als ich einen der Namen in der aktuellen Neon wiederentdeckte, wurde ich stutzig. Da ist doch tatsächlich ein Interview mit dem Mann drin, der sich mit meinem Thema genau auskennt. Kann ich sicher total gut verwenden. Danke, Judith Liere!

Knapp zwei Drittel aller Studenten müssen neben dem Studium arbeiten. Ich verbrachte einige Tage im Februar und im März damit, Abiturienten zu erklären, wie toll ein Studium ist, besonders, wenn man an meine Uni geht. Das war sehr spaßig, weil ich eine sehr nette und gutaussehende Kollegin hatte. Papierkram finde ich nicht so spaßig und so war ich bis heute zu faul, die Lohnzettel abzuliefern kam ich dank Bahnstreik und anderer Unannehmlichkeiten erst heute dazu, die Lohnzettel abzugeben. Ein Dank geht hier an die nette Frau von der Zentralen Studienberatung, die versprach, alle Infos nachzutragen, die ich aufgrund eines vergessenen Terminkalenders nicht parat hatte.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich habe heute Literatur ausgeliehen, u.a. von dem oben erwähnten Interviewten, und habe den Europarechts-Bibliotheksstandort bewusst gemieden. Ich glaube, das Buch besorge ich mir lieber anderweitig.

Was ich von Donnerstagmorgen bis Sonntagmittag so getrieben habe

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Tagesordnungspunkt 1: Donnerstag

Es ist schon klasse, wenn man einen Freund in der zweitgrößten Stadt Deutschlands besuchen will und genau an dem Tag streikt die Bahn, nicht aber dann, wenn man’s wirklich gebrauchen könnte (dazu gleich mehr). Gott sei Dank gibt es im Nachbarort eine Privatbahn, die ich dann auch nutzte, weil mein Freund mich freundlicherweise dahin fuhr. Eine nette junge Dame verteilte als Dankeschön lauter Pick-up-Riegel. Kam echt gut als Energielieferant, ich hatte in der vorigen Nacht nämlich so gut wie nicht geschlafen.

In der zweitgrößten Stadt Deutschlands angekommen, ging es dann gleich in ein im Übrigen wunderbares Schwimmbad. Total chillig, mit Sauna und einer göttlichen Massage. UND Ruheraum. Da blieb kein Auge offen.

Den Rest des Tages, der dann bis halb drei morgens ging, verbrachte ich dann mit Gesellschaftsspielen. Lektion 1: Spiele niemals gegen einen Filmfreak “Scene it?”.

Tagesordnungspunkt 2: Freitag

Um halb sieben musste jemand wachgeklingelt werden, was mir aber nichts ausmachte, ich ratzte trotzdem wie ein Baby auf einer Baustelle. Ich sah zwei Filme (“Der Vorname”, einer meiner Lieblingsfilme, und “Who am I”, sehr kurzweilig, nur zu empfehlen) und fuhr nach einem im Übrigen unglaublich erfolgreichen Vorstellungsgespräch für ein Praktikum wieder nach Hause.

Tagesordnungspunkt 3: Samstag

Ich hätte mir gewünscht, dass die Bahn auch an dem Tag streikt, dann hätte ich nicht arbeiten müssen. So ging es aber los und in der viertgrößten Stadt Niedersachsens fotografierte ich ein echt gut gemachtes Graffito, das an der Privatbahn prangte, in die ich umsteigen musste. Der ältere Herr neben mir brummelte aber nur: “Frechheit!”, was ich nicht verstand.

Der Auftrag an sich lief gut, wenn man mal davon absieht, dass ich mir die Interviewfragen von meinem Freund nachliefern lassen musste, weil mein Smartphone keine .docx-Dokumente öffnen kann. Und DANN kam die Bahn ins Spiel.

Ich löste ein Ticket mit Umstieg in der Stadt, die einen schwarz-gelben Fußballverein beherbergt, der mal Deutscher Meister war. Ich aß im dortigen Hauptbahnhof fröhlich ein Baguette und einen Donut und freute mich, dass der Zug bald kommen wurde. Und dann stellte die Polizei fest, dass sich irgendwer in den Gleisen befand, und der Bahnhof wurde für alle ein- und abgehenden Fahrten gesperrt.

Ich saß zwei Stunden da fest, wusste nicht, ob und wie ich nach Hause komme, und am Bahnsteig hätte ich fast eine volle Bierdose abbekommen, die einem Eintracht-Frankfurt-Fan galt. Was muss man die auch auf demselben Bahnsteig warten lassen? Der Bahnhof war voll mit Menschen und ich war froh wie selten im Leben, als die Züge endlich wieder fuhren.

Als ich endlich ankam, war ich relativ kaputt und so schaute ich mit den Eltern meines Freundes den im ZDF laufenden Krimi. Um genau zu sein: Ich schaute ihn und die beiden schnarchten im Sessel… so wie sie jeden Abend verbringen. Seit einer Ewigkeit. Oder ist das deren Art, die Kritik am deutschen Fernsehen loszuwerden?

Tagesordnungspunkt 4: Sonntag

An dem Tag bekam ich das, was am Vortag seltsamerweise ausgeblieben war: einen Panikanfall. In der Küche wuselten viel zu viele Menschen (vier) herum, die auch noch alle gleichzeitig redeten, großenteils mit mir, und irgendwas machten. Ich musste da raus. Die Rückfahrt hielt ich kaum aus und als ich endlich zu Hause war, konnte ich nichts anderes tun, als zu schlafen. Ich war nicht fähig, noch irgendwas zu tun oder irgendwie zu denken.

Mittlerweile geht es mir wieder ganz gut, aber ich freue mich nicht besonders auf den ganzen Kram, der diese Woche ansteht. Den Neon.de-Zähler habe ich jedenfalls auf in etwas über einem Monat gesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Liebe Praktikantin,

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mit Enttäuschungen im Leben muss man zurechtkommen und ich bin mir sicher, Ihr Sender hatte gute Gründe, mich nicht zu nehmen, auch wenn Sie mir die nicht genannt haben. Ich wundere mich nur ein wenig über die Sätze, die Sie verwendet haben. Sätze wie

Bitte lassen Sie sich durch diese Absage nicht entmutigen.

oder

Wir hoffen, dass Sie bald ein Ihren Vorstellungen entsprechendes Volontariat finden werden.

oder

Für Ihren weiteren persönlichen und beruflichen Weg wünschen wir Ihnen viel Erfolg und alles Gute.

sind sicher Standard, allerdings keiner, der mir gefällt. Ich wäre jedenfalls glücklicher gewesen, wenn Sie mir ohne Zuhilfenahme leerer Floskeln einfach so mitgeteilt hätten, dass ich den Volontariatsplatz nicht bekommen habe. Oder wenn wenigstens dabeigestanden hätte, warum ich ihn nicht bekommen habe, ansonsten helfen mir diese Floskeln nämlich genau gar nicht. Ich weiß, Sie machen auch nur Ihren (vermutlich nicht) bezahlten Job, aber ich glaube, die Arbeitswelt wäre doch um einiges schöner, wenn man diese Art von Korrespondenz ein wenig anders gestalten würde.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Uni und der Weg, der herausführt

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Tagesordnungspunkt 1: “Nein, ich will nicht”

Ich nehme an einem Kurs “Einführung in die Filmproduktion” teil. Bestandteil dieses Seminars sind auch grundlegende Techniken journalistischen Arbeitens. Letzten Mittwoch bekamen wir eine Führung durch die neugestaltete Kunsthalle und sollten gestern nun den Bericht darüber abliefern. Doch es wollte kaum einer vorlesen. Letztlich musste ich sogar an den Computer des Dozenten, um meinen Text vorzutragen (er ließ sich leider nicht ausdrucken). Ich habe ja nichts gegen schüchterne Menschen, und es hat wohl schon jeder mal Zweifel an seinen Erzeugnissen gehabt. Solche Leute sollten dann aber keinen Filmkurs besuchen.

Tagesordnungspunkt 2: “Nein, ich kann nicht”

Gemeint ist damit: Ich konnte gestern nicht wie geplant nach Hause fahren, weil an der Bahnstrecke, die hierhin führt, eine Bombe entschärft werden musste. Ich war also nach der Uni eine Stunde später zu Hause und musste auch noch lange Zeit in der Kälte an einem Provinzbahnhof herumstehen. Und ich frage mich, warum 69 Jahre nach Kriegsende immer noch Bomben gefunden und entschärft werden.

Tagesordnungspunkt 3: “Nein, er will nicht”

Mein Freund hat nachher ein Vorstellungsgespräch. Sein Vater hat ihm dafür eine Kombi aus Hemd und Pullover aufgezwungen, mit dem er es schafft, älter auszusehen als sein Dad. Ich habe gesagt, was ich davon halte, und es fielen interessante Argumente wie “Das ist doch jetzt modern” und “Wieso aufgezwungen, er hats doch selbst angezogen”. Aber das ist wohl normal bei jemandem, der alterstechnisch gerade mal fünf Jahre von meinen Großeltern entfernt liegt. (Fragt sich eigentlich noch jemand, warum jetzt auf einmal der Verweis auf die Modernität kommt, der bei uns, als wir noch in der Pubertät waren, immer abgeschmettert wurde?)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Untersuchung einer „Bravo Girl“

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Als ich heute Mittag wegen eines Nudelsoßen-und-Süßigkeiten-Einkaufs zur Kasse latschte, lief ich am Zeitschriftenstand vorbei und dachte: Diese Gelegenheit kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gibt es heute zum ersten Mal seit Dezember 2012 einen Eintrag, der sich komplett einer Jugendzeitschrift widmet – der Bravo Girl.

Die vorgestellten Stars

Ich konnte mal wieder feststellen, dass die heute von der Allgemeinheit verehrten Stars nicht die aus meiner Zeit sind. Auf Seite 4 wird Katy Perrys Schmuckkollektion vorgestellt. Ich kann diese Frau nicht riechen. Eine Frau, die ein wahnsinnig erfolgreiches Lied darüber herausgebracht hat, dass es ja so toll ist, dass sie als Frau Frauen küsst. Ja, ich gestehe, dass ich mir diese Single auch mal gekauft habe. Das war aber, bevor ich gemerkt habe, dass Katy Perry eine Aufmerksamkeitshure ist, die das alles nur behauptet hat, um einen Charterfolg abzugreifen, und in mehreren Interviews gesagt hat, dass sie nicht das geringste bisschen lesbisch oder bi ist.

Jungs

Für die typische Bravo-Girl-Leserin ist es unheimlich wichtig, zu erfahren, wie Jungs ticken (die meist als Boys bezeichnet werden). In der aktuellen Ausgabe findet sich auf Seite 15 ein Artikel eines männlichen Jungexemplars der Gattung Homo sapiens, der eine Freundin hat, die nicht will, dass er Jogginghosen trägt. Ich verstehe ja schon nicht, warum die Freundin sich so darüber aufregt, es wird dann aber noch abgedrehter, weil irgendwann rauskommt, dass seine Freundin grundsätzlich den BH auszieht, wenn sie nach Hause kommt. Ich hoffe, der Kerl haut bald irgendwann richtig auf den Tisch, so wie angekündigt. So kann das ja nicht weitergehen. Auf das BH-Problem geht auch die Bravo-Girl-Mitarbeiterin ein, die sich in einem Kommentar an Mädchen wie die oben genannte Freundin widmet.

Auch den BH kannst du mal weglassen. Ganz ehrlich: Er liebt ja schließlich dich, nicht deinen Kleiderschrank!

Mein erster Gedanke: Ich glaube, es herrscht sogar Freude darüber, wenn frau den BH weglässt…

Auf Seite 60 dürfen einige Jungen ihre Meinung zum Thema “Beziehung im Herbst” abgeben. Der fünfzehnjährige Lukas sagt zu seinem Beziehungsstatus:

Ich hab zwar keine Freundin, bin aber auch nicht wirklich single – es ist kompliziert! (lacht)

“Sie glaubt, ich liebe sie, aber in Wirklichkeit will ich nur ne günstige Gelegenheit zum Ficken!”

Mode

Wenn ein Teil hohe Qualität besitzt und fair produziert wurde, darf es auch ein wenig mehr kosten. Anzahl der Produkte der Modestrecken, die teuer sind und auf die meine Kriterien garantiert nicht zutreffen: 52.

Tests

Auf Seite 23 gibt es einen Test darüber, wer an erster Stelle steht – man selbst, Freunde oder der Schwarm. Ich möchte drei Punkte dazu anmerken.

1.) Frage 5 lautet:

Deine Klasse macht jetzt jeden Freitag eine Party. Bist du dabei?

Mir fehlt die Antwortmöglichkeit “Nein, weil man mich nicht einladen würde, aber es ist nicht schade drum, weils eh alles blöde Spacken sind”.

2.) Ich kriege das Ergebnis, ich sei mir selbst am wichtigsten. Ich will mir zwar selbst kein Ausbleiben von Egoismus bescheinigen, aber mir fällt mindestens eine Person ein, die mir wichtiger ist als ich selbst. Sie sitzt rechts neben mir und trägt einen zu meinem passenden Ring.

3.) Wieso gehen die Macher solcher Zeitschriften meistens davon aus, dass die Leserin noch keinen festen Freund hat? Die Leserschaft der Bravo Girl ist laut Wikipedia 12 bis 19 Jahre alt, laut diesem Artikel hier haben Mädchen ihren ersten festen Freund im Alter von 13 Jahren.

Auf den Seiten 70 bis 73 befindet sich ein Test mit dem Titel “Macht dein Style Jungs an?”. Die erste Frage geht darum, was man sich im Fernsehen am liebsten ansieht. Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte, weil ich seit über drei Jahren keinen Fernsehanschluss mehr habe und alle vorgestellten Sendungen als Müllfernsehen bezeichnen würde. Ich habe dann die Antwort angekreuzt, in der “Shopping queen” vorkam, weil ich das immerhin schon mal gesehen habe, auch wenn ichs kacke fand.

Frage 5 dreht sich um das coolste Topmodel. Irgendwas musste ich ja ankreuzen, also habe ich Erin Wasson genommen, obwohl ich alle zu dürr finde (und Heidi Klum überzeugt auch noch junge Frauen im Fernsehen davon, dass das cool ist).

Bei Frage 7 (“Deine Freundin hat ein neues cooles Kleid, was machst du?”) weiß ich gar nicht, was ich antworten soll, weil mir die Antwortmöglichkeit “Ich kaufe es einfach nach” fehlt. Es gibt nur “Ich frag sie, ob es okay ist, wenn ich es mir nachkaufe”. Ich frag sie doch nicht vorher um Erlaubnis!

Mein Testergebnis ist “Sweet Girl”, das zwar an sich relativ gut auf mich passt, in der Beschreibung steht aber auch, dass ich ein gutes Gefühl für Trends habe. Dabei gehen mir Trends am Arsch vorbei.

Ein anderes mögliches Testergebnis wäre “Style-Queen” gewesen, es schließt mit folgendem Satz:

Also schalt mal ‘nen Gang runter, bevor du mit deinem Style Mister Right verschreckst. Zwinkerndes Smiley

Wenn Mister Right ansatzweise brauchbar ist, wird er sich von so was Unwichtigem wie “Style” nicht abschrecken lassen.

Qualitativ hochwertiger Journalismus

Auf den Seiten 24 und 25 befindet sich ein Artikel darüber, dass Mädchen auch mal böse sein dürfen. In dem Abschnitt über Faulenzer steht folgender Satz:

Wissenschaftler raten Eltern dazu, ihren Kindern genügend Raum zum Faulenzen und Langweilen zu lassen.

Wäre es denn so ein großes Problem gewesen, wenigstens einen Wissenschaftler, der das behauptet, namentlich zu nennen?

Auf den Seiten 78 und 79 gibt es einen Bericht über eine Zwanzigjährige, die in einer Seehundstation arbeitet. Wobei Bilder 75 Prozent der Doppelseite ausmachen.

Moralisch fragwürdiges Verhalten

Im Artikel übers Böse-sein-Dürfen steht Folgendes:

Aber wenn das Outfit der Angeberin aus der Parallelklasse so was von daneben ist? Der Klassenschwarm sich sieben Mal am gleichen Wort verschluckt hat? Die Absage der Freundin auf deine Einladung echt bescheuert ist? Dann muss das raus! Lästern ist sooo lustig! Und wichtig für die Gemeinschaft: Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe – tschakka!

Es ist auch lustig, wenn sich ein Kerl in einer Videomissgeschicke-Sendung mit einem Fahrrad auf die Schnauze legt, dem Radfahrer tut das trotzdem total weh. Passt auch nicht so wirklich dazu, dass einer Dreizehnjährigen auf Seite 33 Tipps gegeben werden, wie sie einer gemobbten Mitschülerin helfen kann.

Die Sorgenecke

Auf Seite 32 beklagt sich eine Vierzehnjährige darüber, dass ihre Eltern sie wegen schlechterer Noten jeden Tag, sogar in den Ferien, total viel und total schwer lernen lassen. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich habe den Verdacht, dass dieses total schwere Üben daraus besteht, dass sie überhaupt irgendwas machen muss.

Auf Seite 33 macht sich eine Fünfzehnjährige Sorgen darüber, dass ihre Brüste nicht mehr wachsen. Das Team weist darauf hin, dass Brüste noch bis zum 20. Lebensjahr wachsen können. Das ist so nicht ganz richtig – meine sind z.B. noch gewachsen, als ich über die 20 hinaus war…

Weiter unten fragt eine ebenfalls Fünfzehnjährige, ob sie schwanger sein könnte, weil beim Sex mit ihrem Freund das Kondom abgerutscht ist. Unabhängig davon, ob ja oder nein – wenn Gefahr im Verzug ist, meldet man sich doch nicht beim Bravo-Girl-Team, sondern beim Gynäkologen!

Peinliche Erlebnisse

Auf Seite 61 erzählt eine Sechzehnjährige, dass sie ihre Gitarre vorm Schulgebäude noch mal auspackte, weil sich ihr Abholservice verspätete, ein vorbeigehender Fußgänger ihr ein Geldstück hinwarf und in dem Augenblick ihr Schwarm kam und sie auslachte. Dieser Vorgang wird mit “Wie peinlich ist das bitte?!” kommentiert. Ich würde sagen: Elena, du kannst froh sein, dass sich dein Schwarm enttarnt hat. Wenn er dich wirklich mögen würde, hätte er dich nicht ausgelacht.

Weiter unten berichtet ein Fünfzehnjähriger, dass er sich vor seiner großen Liebe darüber ausließ, wie blöd er weibliche Wesen mit roten Haaren und Sommersprossen findet. Pech für ihn: In dem Augenblick tauchten die Mutter und die Schwester der Angebeteten auf. Rothaarig, sommersprossig. Tja, Lästern ist wohl doch nicht immer so toll, was?

10 verrückte Jobs

Das ist mal ein wirklich cooler Artikel. Ich habe noch nicht gewusst, wie man Tatortreinigerin, Glasaugenmacherin oder Unterwasserschweißerin werden kann. Ufologin ist allerdings ein Job, für den man den typischen Bravo-Girl-Leserinnen erst mal beibringen müsste, dass Schule im Allgemeinen wichtiger ist, als zu wissen, wie man sich am besten schminkt oder stylt. Ohne Astrophysikstudium wird aus der coolen Ufo-Job-Chance nämlich nichts.

Die Überraschung des Tages

Die Youtuberin Bibi gibt auf Seite 64 bekannt, dass sie den Tipp fürs richtige Kämmen (erst Spitzen, dann nach oben hocharbeiten, sonst gibts Knoten) von ihrem Papa gelernt hat.

Wie man Freundschaften so richtig zum Blühen bringt

Empfohlen werden unter anderem ein Zauber mit grünen Knöpfen, einer grünen Schnur, einer Haarsträhne, Rosenöl und Rosen sowie einer mit Spielkarten. Srsly?

Bravo-Girl-Humor

Lebensende mit drei Buchstaben? – Ehe.

Der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes? – Durch die Brust mit einem scharfen Messer.

Wohin guckt ein Typ als Erstes, wenn er eine schöne Frau sieht? – Zu seiner Freundin, ob sie ihn beobachtet.

Soziales Gewissen

In dem 82 Seiten umfassenden Heft gibt es ganze zwei Seiten, die sich um etwas anderes als den üblichen Styling-Schule-Jungsscheiß drehen (der Seehund-Artikel).

Fazit

Die Schülerin “Bravo Girl” hat große Defizite in fast allen Fächern aufgezeigt und muss das Schuljahr daher wiederholen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Pädagogische Forschung

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In der Veranstaltung “Einführung in qualitative und quantitative Methoden der erziehungswissenschaftlichen Forschung” erlebte ich einen traurigen Moment. Der Dozent erzählte etwas von einem vierzehneinhalbjährigen Jugendlichen, der aus dem Kosovo stammt und trotz exzellenter Noten auf die Hauptschule gehen musste. Er verlangte während eines Forschungsinterviews, man solle schreiben, er sei nicht gewalttätig. Offenbar nahmen das viele Leute an. Auch Lehrer.

Doch es gab auch lustige Momente. Als es um die Gewalt von Mädchen contra Jungs ging.

“Wie soll ein Mädchen einen Jungen schlagen?” Na, mit der Faust, wie denn sonst?

Oder als uns der Dozent klarmachen wollte, dass der Kontext stimmen muss.

Ein Masochist will nicht immer geschlagen werden. Wenn er auf der Straße plötzlich zusammengeschlagen wird, empfindet er das nicht als lustvoll. Der Kontext muss stimmen. (Studenten werden unruhig) Nein, die Universität propagiert hier keinen Masochismus.

Später am Tag besuchte ich die Premiere einer Veranstaltung, in der wir ein populärwissenschaftliches Buch (“Lob der Disziplin” von Bernhard Bueb) auseinanderpflücken werden. Und um uns zu zeigen, wie das aussehen kann, brachte die Dozentin folgenden Artikel mit: http://www.zeit.de/2014/17/perlmutter-bestseller-dumm-wie-brot Ich saß da im Seminarraum und wollte nicht glauben, dass es ernsthaft Leute gibt, die Kohlenhydrate und Gluten pauschal verdammen. Mein Lob geht an Susanne Schäfer, die das Buch besonders gut auseinanderpflückte.

Sie essen Brot, Reis, Nudeln oder Müsli? Sie trinken Saft? Sie gönnen sich ab und zu ein Bier? Dann würden Sie in einem besonderen Schnelltest schlecht abschneiden. […] Noch ungesünder könnte es aber für die Leser werden, die Perlmutters Diät durchhalten: Zu den Lebensmitteln, die man “ohne Bedenken essen” darf, zählt der Autor Rindfleisch – und empfiehlt Rezepte mit reichlich Lenden, Rippen und Steaks. Dabei haben etliche Studien erwiesen, dass rotes Fleisch das Risiko für Darmkrebs erhöht.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin