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Butterkeks, Doppelkupplungsgetriebe, Apostasie

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(Vielen Dank an Klopfer für diesen tollen Titel. Ernsthaft, wtf? :D)

Freitag, 13 Uhr. Endlich hatte sie es geschafft. Eine Arbeitswoche war vorbei. Und die war diesmal so anstrengend gewesen wie noch nie. Den blöden Antrag zur Projektverlängerung fertigschreiben, unzählige Fälle bearbeiten und gerade noch die Sitzung mit ihren Vorgesetzten. Wer würde es ihr da übelnehmen, wenn sie etwas Entspannung brauchte?
Gerade so unauffällig, wie es möglich war, räumte sie die Hinterlassenschaften der Sitzung weg, damit sie sich endlich davonmachen konnte. Die Butterkekse in den Schrank, die Gläser in die Spülmaschine und ihre Akten in die Tasche. Sie überlegte kurz, ob die Spülmaschine so voll war, dass sie sie anstellen musste, und entschied sich dann dagegen. Und außerdem musste sie ja einen Zug kriegen. Schnell schloss sie ihr Büro ab und huschte davon.
Ungeduldig wartete sie auf den Bus, der sie zum Bahnhof brachte. Natürlich hätte sie auch ein Taxi nehmen können, aber an diesem Wochenende würde sie noch genug Geld ausgeben, da musste das nicht auch noch sein. So gab es halt zwanzig Minuten Fahrt und drei merkwürdige Gespräche mit Fahrgästen extra, bevor sie sich und ihren Rollkoffer zu Gleis 11 dirigieren konnte.
Unten angekommen konnte sie sich direkt wieder ärgern. Schaffte es die Deutsche Bahn eigentlich nie, ihre Züge mal pünktlich ankommen zu lassen? Gerade jetzt, wo es so wichtig war! Sie wartete eine gefühlte Ewigkeit, bis der Zug in die große Stadt endlich einfuhr und sie sich auf den blauartigen Sitzpolstern niederlassen konnte.
Und während der Zug davonfuhr, konnte sie all die Gedanken der letzten Woche langsam hinter sich lassen und darauf konzentrieren, was noch vor ihr lag. Sie wollte einen Freund besuchen, den sie länger nicht gesehen hatte. Seit sie berufstätig war, schafften sie es kaum noch, sich zu sehen, aber wenn, war es immer toll. Sie genoss seine Gesellschaft, die eine der wenigen Sachen war, die ihr Leben noch in irgendeiner Weise interessant machten.
Sie schrieb ihm kurz, dass sie im Zug saß und in gut vier Stunden ankäme, und ließ sich dann wieder in den Sitz sinken. Abgesehen vom Fahrkartenkontrolleur sprach sie mit niemandem und niemand mit ihr. Sie hatte es so an sich, sich abzuschirmen. Mit niemandem zu kommunizieren, mit dem es nicht unbedingt nötig war. Die meisten Menschen waren es eh nicht wert, dachte sie im Grunde. Sie war sich selbst der nächste Gesprächspartner, abgesehen von einigen wenigen Freunden vielleicht.
Ohne dass sie es wirklich registrierte, sank die Sonne immer weiter nach unten. Als sie schließlich den Zug verließ, war sie gar nicht mehr zu sehen. Sie schritt durch das Glasgebäude, in ihrer altgewohnten Ich-habe-zu-tun-bitte-sprechen-Sie-mich-nicht-an-Haltung, und setzte sich in die S-Bahn. Sie betrachtete all die Menschen, die dort saßen, ohne ihnen in die Augen zu sehen. Mit ihrem anthrazitfarbenen Hosenanzug stach sie schon etwas heraus, aber es gab andere Menschen, die mehr herausstachen als sie.
Schließlich kam ihre Station. Ihr Handy vibrierte zwei Mal, aber sie ging erst einige Meter, bevor sie dazu kam, nachzusehen, wer da etwas von ihr wollte.
Tut mir echt voll leid, aber ich muss noch was ganz Dringendes erledigen. Machts dir was aus, wenn wir uns ne halbe Stunde später treffen? Bis später, D.
Das konnte doch nicht wahr sein, oder? Das war doch nicht wahr, oder? Sie hatte eine total harte Arbeitswoche hinter sich, fuhr vier Stunden, um ihn zu sehen, und dann das? Was bildete der sich eigentlich ein?
Sie war so sauer, dass sie ignorierte, eigentlich noch zwei Straßen weiter zu müssen, und ging kurzerhand durch die nächstbeste Tür. Was zufällig die Tür einer Kneipe war.
Das Interieur war nicht gerade einladend, aber das war ihr dann auch egal. Sie sank auf einen Hocker am Tresen. „Na, auf Geschäftsreise?“, fragte sie der Wirt, und sie watschte ihn sogleich ab. „Das geht Sie nichts an. Ich hätte gerne ein großes Helles mit Schuss, bitte.“
Der Wirt zuckte mit den Augenbrauen und erledigte ihre Bestellung. Sie lehnte sich missmutig über den Tresen und wünschte, sie wäre zu Hause geblieben. Der Liebesfilm, den sie vor drei Wochen aufgenommen hatte, wäre eine viel angenehmere Gesellschaft gewesen als ein Typ, der sie einfach versetzte.
„Alles Idioten hier“, rief ein Typ in der Ecke laut, wofür er vom Wirt gemaßregelt wurde, mit recht unfreundlichen Worten. Irgendwie hatte der Besoffene da hinten Recht, dachte sie und musterte die anderen Gäste.
Da ging die Tür auf. Ein Kerl mit langen Haaren und Bart kam herein, bestellte ein Bier und setzte sich auf den Hocker neben sie. Ernsthaft? Neben sie? Wo noch so viele andere Plätze frei waren? Sie starrte auf das dunkle Holz des Tresens und hoffte, dass der Typ sie  nicht ansprechen würde.
„Was guckst du denn so missmutig?“
Tja, die Hoffnung war soeben gestorben. „Alles in Ordnung“, brummte sie. „Was macht so ’ne schöne Frau wie du an so ’nem Ort?“
„Sich die Birne wegsaufen“, antwortete sie, ohne hinzusehen, und holte ihr Handy aus der Tasche. Da war ja noch eine Nachricht.
Hallo, wie geht es dir? Papa und ich gehen gleich essen. Ruf doch mal wieder an! Grüße, Mama.
Das würde sie vielleicht sogar tun, wenn sie nur wüsste, was sie sagen sollte. So aufregend war ihr Leben nicht. Viel arbeiten, gelegentlich Freunde treffen. Sie schnaubte. Wenn die nicht gerade Anderes vorhatten.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, wollte ihr Sitznachbar wissen. „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du dich ewig auf ein Treffen mit deinem Kumpel freust und dann versetzt er dich einfach?“, rief sie und war im nächsten Augenblick selber erstaunt über diesen Ausbruch.
„Wohl nicht besonders gut“, entgegnete der Typ. Der Wirt stellte die Biere vor die beiden. Sie nahm sogleich einen großen Schluck. „Was hat er denn gesagt?“
Sie schnaubte wieder. „Er muss was total Wichtiges erledigen und ob es mir was ausmachen würde, wenn wir uns ’ne halbe Stunde später treffen. So ein Scheiß!“
„Moment, hast du nicht gerade gesagt, er hat dich versetzt?“, erkundigte sich der Typ verwirrt.
„Ja, und?“, war die Antwort.
Der Kerl lachte auf. „Mädel, ich hab keine Ahnung, was bei dir schiefgelaufen ist, aber bei dir muss was mächtig schiefgelaufen sein.“ Er trank von seinem Bier.
„Moment mal, was bil…“, wollte sie zu einer Riesenverteidigung ansetzen, als er sie unterbrach. „Schon klar, du bist wohl am liebsten allein und musst das auch jedem zeigen. Schon klar.“ Und er trank wieder.
Sie klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch, der auf dem Trockenen lag. Erst viel später fiel ihr eine Antwort ein. „Bist du Jesus oder so? Glaubst du, in Menschen hineinsehen zu können?“
„Nein“, lachte er, „auch wenn ichs lange versucht hab. Ich hab mich sogar für Theologie eingeschrieben.“
„Theologie, Hilfe“, stöhnte sie. „Warum studiert man so was?“
„Damals hielt ich es jedenfalls für ’ne gute Idee. Nach 13 Semestern hab ich es sogar geschafft, mich für die Abschlussarbeit anzumelden.“
„Wow, total schnell“, meinte sie und zuckte mit den Augenbrauen.
„Hat am Ende aber nichts gebracht. Ich musste einsehen, dass Apostasie in den abrahamitischen Religionen nicht so das affengeile Thema ist.“
„Und stattdessen nervst du jetzt Frauen in Kneipen“, lachte sie auf und stierte wieder auf ihr Handy.
„Ich nerve niemanden, der nicht dazu einlädt“, sagte er, zwinkerte ihr zu und trank dann weiter von seinem Bier.
Sie sah auf ihre Armbanduhr und erschrak. In einem Zug trank sie den Rest ihres Bieres aus, unterdrückte einen riesigen Rülpser, so gut es ging, und knallte dem Wirt ihr Geld auf den Tresen. Dann eilte sie aus der Kneipe.
Eine Straße weiter sah sie aus dem Augenwinkel eine große Werbetafel für den neuesten koreanischen Kleinwagen mit Hybridantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Na, das wäre ja was für ihren Vater, der war total autoverrückt. Sie nahm sich vor, bald ihre Mutter zu fragen, ob er immer noch Autozeitschriften auf dem Klo las. Aber erst morgen. Erst musste sie zu ihrem Kumpel und ihm von dem Irren aus der Kneipe erzählen.

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Träume und eine Idee

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Ich hatte in der Nacht zu Dienstag einen Traum. Ich flog in die USA. Während des Fluges hatte ich irre Schiss, lernte im Flugzeug aber dann einen tollen Typen kennen, der mir die Angst nahm. Wir beschlossen, drüben in den USA ein bisschen was zusammen zu unternehmen. Ich schlief während des Fluges ein, hatte keine Ahnung, wo wir dann gelandet waren, und lief ein wenig herum. Als ich ein Schild mit deutscher Sprache sah, merkte ich, dass wir nie in den USA angekommen waren. In dem Augenblick bekam ich eine SMS von dem Kerl aus dem Flugzeug. Wir hätten wegen Wetter oder so umdrehen müssen, aber ich hätte es nicht mitbekommen, weil ich geschlafen hätte. Ich war erst irre traurig – und dann dachte ich: Wenn Trump bald Präsident wird, ist es wohl eh besser, wenn ich nicht in den USA bin.

Tja. Vielleicht gebe ich doch wirklich Japan den Vorzug. Ich weiß es nicht.

Apropos „nicht wissen“: Ich habe heute lange darüber nachgedacht, wie ich meine zahllosen Blogfans noch weiter beglücken kann. Und ich hatte dann eine Idee. In der Grundschule hatten wir mal eine coole Aufgabe für eine Kurzgeschichte: Die Lehrerin gab uns drei Worte, mit denen wir dann eine Geschichte schreiben mussten. Und genau das will ich auch mal versuchen. Bitte schreibt mir in den Kommentaren drei Wörter, aus denen ich dann was machen werde. Ich bin gespannt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Während ich das hier schreibe, gab es auf Twitter eine Meldung: Donald Trump will bis zu drei Millionen Ausländer abschieben oder einsperren lassen. Holleradulijöh.

Wenn Shoppen für Männer so wäre wie für Frauen

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Ich glaube, das wäre in etwa so:

„Tut mir leid, die Boxershorts haben wir nur in M…“

„Wieso führt dieser Laden nur Größen bis 44?“

Oder auch:

„In dieser 52 schwimme ich total… wtf, diese 54 ist viel zu klein! Würfeln die?“

Ich hoffe für alle männlichen Blogleser, dass sie so was nie erleben müssen.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Fünfundzwanzig

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Ich habe in meinem Leben einige blöde Sachen erlebt. Krankheiten, Menschen, die einem das Herz rausreißen und 12 Jahre deutsches Schulwesen. Umso erstaunlicher ist es, dass ich die ganze Zeit überleben konnte, seit meine Mutter mich aus ihrem Bauch flutschen ließ. Wer es nicht weiß: Das ist heute genau 25 Jahre her. (Ja, ich werde jeden, der mir nicht gratuliert, tothaten.)

Dass ich ein Vierteljahrhundert alt bin, verdient wohl eine angemessene Würdigung und so veranstaltete ich eine Draisinenfahrt mit anschließendem Umtrunk bei mir daheim. Auf der Hinfahrt mussten wir alle noch durch ein Gewitter, aber das hatte sich beruhigt. Lustig war auch: Der Draisinenveranstalter hatte uns alle eine Viertelstunde früher hinbestellt und kam dann selber mit einer Viertelstunde Verspätung an. 😀

Nach an uns vorbeiwatschenden nassen Ästen, einer uns anfeuernden Nordwestbahn und einer Kiste Mischbier war die Draisinenfahrt beendet. Hat viel Spaß gemacht. Um Mitternacht bekam ich viele schöne Geschenke, den weltbesten Kuchen und „Die Partei hat immer Recht“ als Lied. 😀

Der einzige Tiefpunkt des Abends war der Bruder der Nachbarin, der einem meiner Gäste ein paar Zigaretten ausgegeben hatte und das offenbar als Grund betrachtete, sich selbst einzuladen, sich mit einigen Gästen anzulegen, an die Tür zu kotzen, seinen Abfall auf unseren Balkon zu fegen und eine meiner Tassen kaputtzuschmeißen. Naja, immerhin hat er die Kippen wieder weggefegt. Zwar nicht in den Mülleimer, aber ich bin mir sicher, dass man sie an der Stelle vom Busch nicht sieht…

Gegen Mittag war ich mit meinen Leuten noch frühstücken, und vor ein bis zwei Stunden sind dann alle gefahren. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, Monsieurs Verwandtschaft zum Grillbuffet im örtlichen Gasthaus einzuladen, in einer halben Stunde sind sie hier… naja, man wird nur einmal fünfundzwanzig.

Oh, sehr schön ist es übrigens auch, wenn man sich Bekannte aus dem Internet einlädt, mit denen man sich dann einen Tag lang alle möglichen Spongebob-Sprüche an den Kopf wirft.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Bedeutungsschwanger, Teil 4

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Lukas und ich verbrachten einen schönen Nachmittag zusammen. Wir liefen ein wenig durchs sonnige Frankfurt, aßen ein bisschen Eis und kuschelten in meinem Bett. Die Sonne schien und bruzzelte ordentlich. Jedenfalls ließ sie offenbar die Gehirne einiger Mitmenschen ordentlich braten, wie ich nach dem Nachmittag leider denken musste.
Es hätte so schön sein können. Zeit mit Lukas verbringen, sich daran erfreuen, wie die Dinge so liefen. Und vor allem nicht das erleben, was mir passierte.

Alle Menschen dieser Welt sind sicher schon mal sehr unangenehm aufgewacht. Ist mir auch schon öfters untergekommen. Aber selten war es so schlimm wie an diesem Tag.
Lukas und ich kuschelten in meinem Bett und hatten es sehr gemütlich. So gemütlich, dass wir nach einer Weile einfach wegdösten. Ich hatte es nicht mal gemerkt, bis Aurélie in mein Zimmer stürmte wie ein Stier in die Arena. Ich musste daran denken, wie ich neulich im Fernsehen einen durchgedrehten Stier gesehen hatte, der das Publikum attackierte. Lukas und ich schreckten hoch.
„Was ist denn los?“, murmelte ich.
„Ich kann kaum glauben, dass diese hinterlistige Schlampe so etwas Ekliges macht!“, schrie sie schon fast und streckte mir einen Gegenstand entgegen, der mir in meinen noch verschlafenen Augen so vorkam wie Annas Handy.
„Wie bitte? Zeig mal her!“, antwortete ich und riss Aurélie das Teil aus der Hand. Gierig las ich das, was auf dem Display angezeigt wurde. Eine SMS von vor ein paar Stunden.
Ich bin so froh, dass ich dich kennen gelernt habe. Ich hoffe, wir können viel Zeit miteinander verbringen. Ich liebe dich. Kati.
Ungläubig wie noch nie in meinem Leben starrte ich Aurélie an. „Und was ist jetzt genau dein Problem?“
„Also, ich bitte dich! So was ist doch total ekelhaft! Mädchen und Mädchen, bah! Und überhaupt – so was zu machen, ohne uns das zu sagen. Stell dir doch mal vor, wie oft sie uns nackt gesehen hat und sich wahrscheinlich noch daran aufgegeilt hat!“ Sie schüttelte sich. Ich mich innerlich auch.
„Sag mal, hast du sie noch alle? Es ist überhaupt nicht unnatürlich, wenn zwei Frauen was für einander empfinden! In welchem Jahrhundert lebst du eigentlich? Und wie würde es dir eigentlich gehen, wenn dir jeder Kerl pauschal unterstellen würde, du würdest dich an ihm aufgeilen? Sag mal, geht’s noch?“ Meine Stimme steigerte sich fast bis zum Überschlag. Lukas, der bis dahin nur still dagesessen und sich nicht getraut hatte, sich irgendwie zu äußern, stupste mich an und zeigte mit seinem Kinn auf die Tür. Und da stand Anna.
Ihr Mund stand offen. Das wäre mir wahrscheinlich auch so gegangen.
„Was… was machst du denn hier?“, stammelte ich hilflos. Ohne ein Wort ging sie zu mir und nahm mir das Handy aus der Hand. Dann starrte sie Aurélie an. Hasserfüllt. In ihren Augen bildeten sich Tränen.
„Raus!“, schrie Anna und zeigte auf die Zimmertür. „Raus mit dir! Ich will dich hier nie wieder sehen!“
Aurélies Blick war nicht zu deuten. Irgendwie leer. Jedenfalls schien es nicht so, als würde Anna ihr noch irgendetwas bedeuten.
Sie schnappte sich ihre im Flur liegende Tasche und verließ das Haus.
Anna klappte auf meinem Teppich zusammen. Sie weinte sich fast das Herz raus. Es kamen verheulte Wortfetzen aus ihr raus: „Wie kann sie nur… sie akzeptiert mich nicht… will sie nie wieder sehen!“
Um sie zu trösten, nahmen Lukas und ich sie in den Arm. Aber manchmal gibt es wohl einfach keinen Trost.

You’re too complicated
We should separate it
You’re just confiscating
You’re exasperating
This degeneration
Mental masturbation
Think I’ll leave it all behind
Save this bleeding heart of mine
It’s a matter of trust
Because you don’t care about us

Anna fühlte sich schrecklich. Es ist immer schrecklich, wenn du plötzlich feststellst, dass die Leute, mit denen jahrelang eine enge Freundschaft bestand, dich auf einmal verachten und ablehnen. Noch dazu aufgrund solch einer Sache. Wie geht man damit um, wenn man gerade damit angefangen hat, eine andere Seite an sich zu entdecken, mit der man selber noch nicht so recht umzugehen weiß und dann erhält man auch noch negative Reaktionen? Anna haute es ziemlich um, verständlicherweise. Mit Kati traf sie sich nur noch zu Hause, weil sie keine fremden Blicke mehr ertragen konnte.
Aurélie ließ sich nach dem Vorfall natürlich nicht mehr blicken. Wir legten auch keinen gesteigerten Wert drauf, zu wissen, wo sie war. Es war uns egal. Wir nahmen an, dass sie die meiste Zeit bei Freddy verbrachte.
Mir war aufgefallen, dass ich ihn, seit er mit Aurélie zusammen war, kaum noch gesehen hatte. Ein wahres Kunststück, wenn man bedachte, dass ich jetzt mit Aurélie zusammenwohnte. Sie saugte wohl seine ganze Zeit auf. Viel mehr als ein paar Gespräche waren da nicht zusammengekommen.
Besonders in Anbetracht der augenblicklichen Situation musste das dringend geändert werden. Ich rief ihn an.
„Steiner?“
„Sara hier, hallo. Na, wie geht’s?“
„Bescheiden, und dir?“
„Könnte besser sein. Wieso, was ist bei dir denn los?“
„Ich könnte mich erschießen. Aurélie hängt nur noch bei mir rum und schimpft und hetzt die ganze Zeit, dass meine Ohren schon am Bluten sind.“
Dann war meine Vermutung also richtig gewesen.
„Lass mich raten: Es hat was mit Anna zu tun, stimmt’s?“
„Ja, genau. Mal ehrlich, es ist mir mittlerweile ein Rätsel, wie ich diese Frau jemals lieben konnte.“
Ich war überrascht, so etwas zu hören, und dann auch wieder nicht. „Und was willst du jetzt unternehmen? Ist sie grade bei dir?“
„An sich schon, aber sie ist grad einkaufen.“ Freddy atmete tief durch. „Was werde ich schon machen wollen? Ich seh da absolut keine Zukunft mehr. Wer will auch schon mit einer Frau zusammen sein, die so einen Scheiß redet und einem dann auch noch die ganze Zeit stiehlt? Ich werde die Sache beenden, bevor sie meine Minibutze komplett in Beschlag nimmt.“
„Gute Entscheidung“, antwortete ich. „Aber achte dabei auf deinen Ton, bevor du dir ihren heiligen Zorn zuziehst. Wer weiß, was dann noch passiert.“

Ich konnte nicht widerstehen

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Ich wollte eigentlich nur einen Terminkalender kaufen. Doch dann grinste mich eine Zeitschrift an, die so heißt wie ein gewisser Checkpoint an der Grenze zu Berlin, und ich kaufte doch mehr.

Medien-Empfehlungen

Nahegelegt werden den jungen Lesern die Serie “Reign” sowie die Filme “Traumfrauen” und “Honig im Kopf”. Hand hoch: Wer dachte bei “Honig im Kopf” noch an die Hersteller dieses Presseerzeugnisses? Dachte ich mir.

Traurig finde ich bei diesen Empfehlungen vor allem zwei Sachen: dass ausgerechnet dieser Film mit Hannah Herzsprung empfohlen wird, wo sie doch so viele tolle Sachen gemacht hat, und dass auch “Reign” es nicht schaffen wird, dass sich mehr junge Leute für Geschichte interessieren. (Oh, und dass “Traumfrauen” als Film mit “tollen Jokes” beworben wird.)

Tops und Flops

Als out gelten unter anderem:

Wenn du heimlich in jemanden verliebt bist und er dich seit Monaten ignoriert!

Weil du entweder der antiquierten Ansicht nachhängst, dass ein Mann eine Frau zuerst anzusprechen hat oder weil du zu dämlich bist, um dich bemerkbar zu machen…

Wenn das Handy dir mal wieder voll ins Gesicht kracht, weil du ja unbedingt im Liegen chatten musstest. Autsch!

Weil du es nicht schaffst, das Ding dabei festzuhalten, wtf?

Mode der Stars

Warum zur Hölle bekommt Nina Dobrev Lob für ein Outfit, das oberhalb ihres Bauchnabels quasi nur das Nötigste verdeckt? Um es mit Alfred Tetzlaff zu sagen:

Da kannste auch ne Briefmarke aufn Hintern kleben und sagen: Ist bedeckt!

Flirt-Tricks im Chat

Als positives Beispiel wird Selena Gomez angeführt, die “sexy” Selfies online stellte, um ihren Schwarm zu beeindrucken. Beeindruckt hätte mich das auch, aber nicht im positiven Sinne.

Aber auch für Normalos gibt es Tipps.

Spezialisier dich auf ein Hobby, das auch dein Schwarm mag – und poste Fotos davon Zwinkerndes Smiley

Weil er sich auch ganz sicher darüber freut, wenn er letzten Endes ein Mädel an der Backe hat, das etwas nur ihm zuliebe macht. Mal im Ernst, der Trick wurde schon vor Jahren entlarvt.

Retweete coole Posts von deiner/m Auserwählten. Aber nur einmal die Woche – höchstens!

Was soll denn die bescheuerte Regel? Ist ja fast auf einem Level mit dieser Wann-darf-ich-mich-nach-nem-Date-zurückmelden-Regel. Man sollte sich nicht zu verrückt machen.

Probier, dass dich Stars retweeten! Dein Schwarm wird dich dafür bewundern!

“Wow, Melanie wurde von Taylor Swift retweetet! Das macht sie zu einem besseren Menschen!”

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Quelle: meme-generator.de

 

Benutz Emojis! Aber setz sie überlegt ein. Ein Kuss-Smiley zu Beginn ist zu viel! Das wäre erst nach einer Woche Chatten okay.

Bin ich die Einzige, die sich grad vorgestellt hat, wie die Nutzerin (denn mal ehrlich, wer von den Kerlen schert sich um solche Regeln?) beim Chatten ständig die Kalenderfunktion ihres Smartphones bemüht?

Ein exklusives Selfie, nur für deinen Schwarm! Sexy Blicke, ja! Aber Nackt-Pics sind ein No-Go!!!

So richtig der Ratschlag ist… man gucke sich die eine Seite zuvor hochgelobten Selfies von Frau Gomez an und finde den Fehler. (Ja, ich weiß, sie war nur offenherzig und nicht nackt, aber wtf?)

Wissen aus dem Fernsehen

Tom Beck darf etwas zu den Songs aus seinem dritten Album sagen und verkündet zu Nummer zwei Folgendes:

Die Menschen werden immer beziehungsunfähiger – viele haben Angst, sich fest zu binden. Die Idee zu dem Lied kam mir, als ich eine Folge “Schwiegertochter gesucht” geschaut hab Zwinkerndes Smiley

Ich würde gerne etwas darüber schreiben, wenn Leute ihr Weltbild aus einer Fernsehsendung beziehen, über deren Produktionsbedingungen sie kaum etwas wissen. Die Idee kam mir, als ich “Bravo” las.

Freundschaften

In einem Zweiseiter reißt man das Model Cara Delevingne so richtig in den Dreck und benutzt dazu unter anderem diese Begründung:

Mit der Feindin der ABF abhängen: eigentlich ein absolutes No-Go!

Ja, wenn man beweisen will, dass man weder Hirn noch Eigenständigkeit besitzt und dass man simpler Freund-Feind-Denke anhängt.

Der große Persönlichkeitstest

Ich habe 85 Punkte und werde somit als “verträumter Pop-Fan” bezeichnet.

Langeweile ist für dich Horror, du willst immer tanzen. Aber pass gut auf, sonst wird es dir zu oft gebrochen!

wat-meme

Quelle: weknowmemes.com

 

Germany’s Next Topmodel

Stefanie Giesinger, die Gewinnerin der oben genannten Sendung, darf auf zwei Seiten über den Einstieg ins Modelgeschäft reden.

Um im Model-Biz erfolgreich zu sein, musst du aber vor allem eins mitbringen: eine sehr starke Persönlichkeit!

Und den Willen, weiter abzunehmen, wenn Mama Klum dir das sagt, auch wenn du bereits untergewichtig bist.

Die dunkle Seite der Lust

(Ja, so heißt der Artikel wirklich.) Weil, wie im Teaser angemerkt wird, seit “Fifty shades of grey” alle von Sadomaso sprechen, gibt die Bravo jetzt auch ein paar SM-Tipps. Ich kann dazu nicht so viel sagen. Ich finde es nur gut, dass wir jetzt von dieser Ansicht aus meinem Achtzigerjahre-Biobuch weg sind, wonach alle, die darauf stehen, krank sind. Aber eines muss ich hier unbedingt anmerken: Wenn man antesten will, ob der Partner auf SM steht, sollte man nicht “Shades of grey” als Aufreißer nehmen. Ach ja, und Mal-die-Augen-Verbinden oder Verwöhnen mit Eiswürfeln hat mit echtem SM nicht viel zu tun.

Wie wichtig sind Worte in der Liebe?

Ausgangssituation: Eine Sechzehnjährige und ein Siebzehnjähriger sind seit sieben Monaten zusammen.

Wenn wir uns treffen, hängt Max meistens am Laptop oder seinem Smartphone. […] Und wenn wir uns doch mal unterhalten, geht es nur um belanglosen Mist. […] Das ist doch keine Liebe, oder?

Das nennt man Beziehungsalltag. Willkommen in der Realität.

Wenn man seit Monaten in einer Beziehung steckt, hat man sich eben nicht ständig was zu erzählen. […] Wenn wir uns treffen und ich ein bisschen am Computer chille, ist das meiner Meinung nach völlig okay. Ich lasse sie ja auch ewig lang mit ihren Freundinnen telefonieren und beschwere mich nicht. […] Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, dass meine Süße pausenlos entertaint werden will. Hoffentlich kriegt sie sich bald wieder ein…

Muss sagen, Max ist mir sympathisch. (Mir fällt grad auf, dass das bei diesen Mann-Frau-Beziehungskisten in diesen Jugendzeitschriften immer so ist.)

Poster

Man bekommt unter anderem ein Kalenderblatt März mit total wichtigen Terminen wie dem Geburtstag von Justin Bieber, dem nächsten Auftritt von Berufsaufmerksamkeitshure Katy Perry oder dem Osterferienbeginn.

Quelle: journal.lu

 

Richtige Entscheidungen

Ständig macht die Clique Witze über den Neuen in der Klasse. Dabei fühlst du dich irgendwie komisch, denn er wirkt nett, und du würdest ihm gern helfen. Dieses mulmige Gefühl ist deine innere Stimme. Hab Mut und hör auf sie!

Ich glaube, Cara Delevigne würde es sehr interessant finden, wenn sie das liest. (Noch interessanter fände sie sicher den Fotoroman, in dem es um eine Intrigantin geht, die den Kerl ihrer AAAAAAABF für sich haben will und ihn aber nicht bekommt.)

Praktikumsfails

Ich habe wieder einmal den Eindruck, dass die Redakteure entweder vergessen oder bewusst ignorieren, was sie zuvor geschrieben haben. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, wie erst Selena Gomez dafür gelobt wird, dass sie halbnackte Fotos von sich online stellt, und wie dann davon abgeraten wird, dass die Kollegen sexy Urlaubsbilder von einem in die Finger bekommen.

Horror-Geschwister

Besserwisser soll man schlagen, indem man ihnen vor versammelter Mannschaft fragen stellt wie “Du weißt doch immer alles. Wie heißt die Hauptstadt von Burkina Faso?” WER wirkt wohl dämlich, wenn er so was von seinem Bruder verlangt? Bei Labertaschen-Geschwistern wird geraten, das nächste hysterische Rumgequietsche zu filmen und mit Upload auf Youtube zu drohen. Muss mal den Cousin meines Freundes fragen, was der davon hält. Der ist Jurist.

Horoskop

Wieso andere den aktuellen Lernstoff nicht verstehen ist dir ein Rätsel. Lass das aber nicht raushängen – auf Besserwisser hat keiner Bock…

Ja, so ist das in der Welt der Pubertierenden: Beliebt sind nur die, die notenmäßig eher nicht so geil sind und die, die es sind, müssen massiv mobben, damit sie nicht selbst gemobbt werden. (Den Kommafehler haben übrigens die gemacht, nicht ich.)

Der Rausschmeißer

Liebes Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V.: Sie schreiben, dass man in Ihrer Branche gern draußen, teamfähig sein und richtig mit anpacken muss. Warum um alles in der Welt werben Sie dann ausgerechnet auf der Rückseite der Bravo für eine Ausbildung bei Ihnen?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Uni und Umzüge

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Tagesordnungspunkt 1: Das Kennenlernspiel

In einem Uniseminar gab es am Dienstag ein Kennenlernspiel. Wir sollten überlegen, ob der jeweilige Seminarteilnehmer Geschwister hat (und wenn ja, was für welche), welche Hobbys er hat, welchen Beruf er als Kind ausüben wollte und was sein heimlicher Traum ist. Über mich wurde gesagt, ich hätte einen älteren Bruder, würde ein Musikinstrument spielen, wäre als Kind gern Kindergärtnerin geworden und würde gern mal die Welt bereisen. Wir durften es nicht auflösen, ich musste teilweise also ganz schön an mich halten. Das Einzige, was wirklich stimmt, ist das mit der Reise. Das mit dem Bruder stimmt immerhin so halb, ich habe einen und er ist größer als ich, allerdings sieben Jahre jünger. Klavierspielen habe ich gehasst, Schlagzeug liegt in ferner Zukunft und Kindergärtnerin wollte ich absolut nie werden (siehe das mit dem Bruder). Ich möchte noch hinzufügen, dass wir bei der Zuschreibung der Berufe alle nicht besonders kreativ waren. Bei uns ist nur ein Kerl drin, also kam ständig Lehrerin, Tier- oder Kinderärztin.

Tagesordnungspunkt 2: Mensagäste

Am Mittwoch saß ich in der Mensa und versuchte, mir mein Essen schmecken zu lassen, was mir schwerfiel, weil schräg gegenüber eine Studentin erzählte, sie habe ja alle ihre Praktikumsstellen nur durch Vitamin B bekommen. Obwohl doch, da wäre ein Gespräch bei einem Berliner Radiosender gewesen, aber da habe ja eh nur die Mutter gewollt, dass sie dahingeht und sie habe die Stelle auch nicht bekommen. Mit anderen Worten: Sie hat beim einzigen wirklichen Vorstellungsgespräch ihres Lebens versagt, interessant.

Tagesordnungspunkt 3: Umzug

Ich ziehe zum neuen Jahr aus meiner WG aus und mein Freund und ich holen jetzt schon das ganze Zeugs aus meinem Zimmer. In meiner Straße ist es mit Parkplätzen leider nicht sonderlich gut bestellt und so holten wir uns gestern nun schon das zweite Knöllchen. Ich verstehe das nicht. Ich habe das Ordnungsamt in den fast vier Jahren, die ich da gewohnt habe, nie dort gesehen, freitagnachmittags um fünf arbeitet bei der Stadt auch sonst niemand mehr, aber ich kriege ein verdammtes Knöllchen. Aber ich könnte mich ja auch schließlich fünfhundert Meter vom Haus entfernt hinstellen, anstatt für eine Viertelstunde auf einer Stelle des Gehwegs zu stehen, wo der eine Mensch, der in der Zeit vorbeikommt, bequem vorbeikann… gnah. Wenigstens ziehe ich mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen Ort, in dem mir so was in Zukunft egal sein kann. Nächste Woche erfahre ich mehr und ihr dann wohl auch.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin