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Krümelmonster, Teil 24

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Die ganze Nacht hatte ich es bei mir und schaute es mir an. Es sah wirklich so aus wie meines. Nur die Farbe war leicht anders… oder etwa doch nicht? Immer wieder betrachtete ich es. Ein paar Mal roch ich sogar dran. Männerschweiß, Zigarettenrauch, Shampoo, Duschgel. Was für ein… angenehmer Geruch. Am nächsten Morgen, nachdem mein Wecker klingelte, griff ich sofort zum Handy und rief Kati an. Kurz bevor sich die Mailbox melden konnte, ging sie endlich ran.

„Hallo?“, murmelte sie verschlafen.

„Hallo, Kati, ich brauche unbedingt Lukas‘ Adresse!“

Kati stöhnte. „Was ist denn so wichtig daran, dass du mich wachklingelst?“ Ein ausgedehntes Gähnen war zu hören.

„Es ist wichtig!“, betonte ich. „Er hat gestern Abend beim Konzert sein Palästinensertuch vergessen und das muss ich ihm unbedingt zurückbringen!“

„Beim Konzert, hm?“ Auf einmal klang Kati ziemlich wach. „Habt ihr euch gedatet oder was?“

„Nein, ich bin mit Anna und Aurélie im Erdbeergrün gewesen und da hat er gespielt.“

„Ach so.“ Sie gähnte wieder. „Er wohnt in der Rostocker Straße 35. Aber überfall ihn nicht so wie mich. Gute Nacht.“ Und zack, hatte sie aufgelegt.

Hm. Rostocker Straße 35? Wo lag das?

Kati hatte mir als Tipp gegeben, ihn nicht zu überfallen. Deswegen ging ich erst nach der Uni zu ihm. Trotzdem öffnete mir an der Tür mit dem „Achtung, Gefahr!“-Schild ein verschlafener Typ in Unterhose. Hatte der nicht gestern mit Lukas auf der Bühne gestanden?

„Guten Morgen, schöne Frau, was führt dich zu uns?“

„Ähm…“ Ich sah auf die Uhr. „Ist Lukas da? Ich möchte ihm das hier zurückbringen.“ Ich hielt das Tuch hoch.

„Sekunde, ich hol ihn.“ Der Mensch ging Richtung offene Badezimmertür und brüllte: „Lukas!!! Damenbesuch für dich.“ Eine halbe Ewigkeit später erschien der Angesprochene, nicht mehr bekleidet als der, der mir die Tür aufgemacht hatte.

„Hallo, ähm… was gibt’s?“

„Hi, ähm… ich wollte dir das hier zurückbringen, das hast du gestern beim Konzert vergessen.“

Sein Gesicht hellte sich auf. „Mensch, das hab ich schon überall gesucht! Dankeschön!“ Er strahlte mich an. „Willst du kurz reinkommen?“

„Klar.“

Er schloss die Tür und bedeutete mir, in die Küche zu gehen. Danach verschwand Lukas kurz in seinem Zimmer. Als er wiederkam, war er komplett angezogen. Auch das Tuch hatte er sich wieder umgewickelt.

„Willst du ‘nen Kaffee?“

„Gerne.“

Er setzte ihn auf und ich schaute ihm stumm zu. Irgendwann setzte er sich hin und stellte mir eine Tasse hin. Ich sah sie mir an. Geek stand da drauf. Was auch immer das sein sollte.

„So ein Palästinensertuch haben nicht viele Männer, oder?“, begann ich das Gespräch.

„Ja, da bin ich wahrscheinlich eine echte Ausnahme.“ Er zog seine Augenbraue hoch. Ich musste lachen.

„So was tragen normalerweise nur Frauen. Da war ich ganz schön überrascht.“

„Du hast auch so eins, oder?“

„Woher weißt du das?“

„Übersinnliche Kräfte.“ Er trank seinen Kaffee. „Na ja, du läufst ganz schön häufig damit herum. Sieht ja sogar so aus wie meins.“

„Stimmt, das ist mir auch schon aufgefallen.“ Jemand lief an der Küche vorbei. „Du wohnst in einer WG?“

„Ja, das stimmt. Der Typ, der dir gerade aufgemacht, war mein Bassist.“

„Ach, deswegen kam er mir so bekannt vor.“

„Wohnst du auch in einer WG?“

„Nein, ich bin in einem Studentenwohnheim.“

„Naja, davon hört man nicht so tolle Geschichten.“ Lukas goss sich Kaffee nach.

„Das stimmt“, antwortete ich. „Ich bin froh, dass ich eine Küchenzeile für mich alleine habe. Ich habe gehört, dass in den Gemeinschaftsküchen immer die Sachen rumstehen, sodass man denken könnte, die Biostudenten haben ihre Experimente nach Hause mitgenommen.“

Jetzt lachte er. Er hatte ein wirklich schönes Lachen, das musste ich ja sagen. Und ich hörte es noch oft, während ich in der Küche bei ihm saß. Als ich gehen wollte, war es schon dunkel und das lag ganz bestimmt nicht nur an der Jahreszeit.

„Eine Frage hab ich aber noch“, sagte Lukas, als ich schon aus der Tür raus war. „Woher weißt du, wo ich wohne?“

„Übersinnliche Kräfte“, antwortete ich und streckte die Zunge raus.

Am Wochenende besuchte ich wieder meine Familie. Diesmal natürlich angekündigt. Und – oh Wunder – es öffnete mir Gero. Gehörte er jetzt schon dazu, dass er die Tür öffnen durfte? Interessant.

„Hey“, begrüßte er mich. „Deine Familie schmückt gerade das Haus.“

Das Haus. Schmücken. Das hatte ich als Kind unheimlich gern gemacht. Gleich nachdem ich meine Eltern und meine Oma begrüßt hatte, schnappte ich mir einen Karton mit Deko und begann, ihn über’s ganze Haus zu verteilen.

„Na, mein Kind, wie geht es dir? Isst und trinkst du auch immer schön?“, wollte Oma wissen.

„Ja, das mache ich, Oma. Ich will doch nicht noch mal Lea vor die Füße fallen. Apropos, wo ist sie eigentlich? Geht es ihr und dem Baby gut?“

„Sie ist bei der Vorsorgeuntersuchung“, erzählte Oma, während sie auf einen Stuhl stieg. „Es geht den beiden ausgezeichnet.“

„Das ist ja schön. Warte, ich helf dir“, rief ich und hing die lilafarbene Perlenkette über die Gardinenstange im Wohnzimmer.

„Du hast es gut, du bist körperlich noch fit und kannst so was noch machen. Ich mit meinen schwachen Knochen – da geht das nicht mehr.“ Oma holte ein neues Bild und zeigte es mir. „Hab ich gemalt. Was meinst du?“

„Sieht gut aus!“

„Dankeschön. Kannst du hier mal weitermachen? Ich muss eben nach dem Essen schauen.“

„Was gibt es denn?“, erkundigte ich mich.

„Hackbraten.“

„Gibt es auch eine vegetarische Alternative?“

„Vegetarisch? Wieso das denn?“

„Oma!“ Ich verdrehte den Kopf und hätte beinahe die Weihnachtsengelchen fallen lassen.

„Oh, natürlich, es gibt bestimmt was für dich. Da isst du schon so lange kein Fleisch mehr und ich kann es mir immer noch nicht merken. Furchtbar.“

Beim Essen grinste ich die ganze Zeit in mich hinein. Ich trank Cola und im Ohr hatte ich immer noch den ersten Song von gestern Abend.

„Warum bist du denn heute so fröhlich?“, wollte Mama wissen.

„Du grinst schon die ganze Zeit in dich hinein, das tust du doch sonst nicht“, wunderte sich auch Papa.

„Ach, einfach so“, antwortete ich… grinsend. „Die Uni läuft eben gut.“

„Na, dann.“ Papa fuhr damit fort, von seiner Arbeit zu erzählen. Er berichtete vom Mann einer Klientin, der ihn in seiner Kanzlei aufgesucht hatte und ihm ans Leder wollte, da der Irre keine Lust hatte, den Unterhalt zu bezahlen, den Papa für die Frau einfordern sollte.

„Ich hoffe, so etwas wird uns nie passieren“, seufzte Lea. „Sicher nicht“, tröstete Gero sie und drückte ihr einen Kuss auf den Babybauch. Er war noch nicht besonders dick, aber ein bisschen hatte Lea wohl zugenommen.

„Wie geht es dem Baby denn?“, erkundigte sich Mama und lud sich eine Scheibe Hackbraten auf den Teller.

„Es geht ihm ausgezeichnet“, lächelte Lea. Sie blickte auf ihren immer noch enthüllten Bauch.

„Wisst ihr denn schon, was es wird?“, fragte Papa. Er wollte bestimmt einen Jungen.

„Ein Baby“, entgegnete Gero. Alle lachten.

„Ja, aber was für ein Baby?“

„Wird nicht verraten“, antwortete Lea zwinkernd. „Erst an Weihnachten.“

„Da fällt mir ein“ – Mama kaute an ihrem Hackbraten herum – „kommst du nächstes Wochenende?“

„Nein, da kann ich nicht“, teilte ich mit. „Da hab ich einen Termin.“

„Was für einen denn?“, stocherte Lea, neugierig wie immer.

„Verrat ich dir nicht.“ Ich streckte ihr die Zunge raus und aß mein Ersatz-Essen weiter.

Ich verriet es ihr natürlich trotzdem, aber erst, als sie mich wieder zum Bahnhof fuhr. Ja, Auto fahren konnte sie noch! Das versicherte sie mir lautstark. Auf die Neuigkeit, dass ich jemanden kennengelernt hatte, reagierte sie genauso wie meine Freundinnen.

„Das war der, der mich wiederbelebt hat, als ich dir vor die Füße gekippt bin“, verriet ich ihr. „Ach, der war das“, murmelte Lea. „Ist er nett?“

„Aber unheimlich. Wir haben so viel gelacht, als ich ihm das Tuch wiedergebracht hab, unglaublich.“

„Was für ein Tuch?“, hakte Lea nach und bog links ab.

„Sein Palästinensertuch, das er immer trägt. Er hat es bei seinem Konzert verloren.“

„Soso, sein Konzert“, flötete sie. „Du warst schon extra auf seinem Konzert?“

„Nein“, beteuerte ich, „es war zufällig. Ich bin mit Anna und Aurélie ausgegangen.“

„Ja klar, zufällig“, entgegnete meine große Schwester, mit einem Unterton in der Stimme, der preisgab, dass sie mir nicht glaubte. Sie hielt vorm Bahnhofsgebäude. „Endstation!“ Sie stieg aus und machte mir die Tür auf. „Viel Spaß in der Uni, Kleine. Und viel Glück mit deinem Lukas, oder wie er heißt.“

Die letzten zehn Worte, die sie zu mir gesagt hatte, hallten noch lange in meinem Kopf nach. Viel Glück? Konnte ich das gebrauchen? Wofür?

Krümelmonster, Teil 3

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Nachdem Aurélie gegangen war, wollte ich nur noch Ruhe und Frieden. Ich hatte bereits so einen stressigen Tag gehabt, und jetzt kamen auch noch ihre Probleme dazu. Es war wie in diesem Beatsteaks-Song, den Lea so gerne mochte: I got a whole bag of trouble to be taken away.

Am besten entspannen konnte ich immer, wenn ich meine Lieblingsmusik hörte. Ich drehte Muse auf, stellte den Repeat-Modus ein und schmiss mich aufs Bett.

Far away

The ship is taking me far away

Far away from the memory

Of the people who care if I live or die…

Auf einmal wummerte es an der Zimmertür und ich wachte auf. Wie, ich wachte auf? War ich etwa eingenickt? Musste wohl so sein. Wer wummerte an meiner Tür? Ich ahnte schon, wer es war, und als ich die Tür aufschloss, bestätigte sich meine Vermutung.

Kati hätte fast auf meinem Kopf weitergeklopft. „Hey, dreh mal deinen Scheiß leiser, du bist hier nicht alleine!“

Sie klang wie meine Mutter. „Was? Ich kann dich nicht hören!“

„Ich sagte: Dreh deinen Scheiß leiser!“

„Tut mir Leid, ich kann dich nicht verstehen. Aber sprich mit meiner Hand, wenn das Gesicht dich nicht verstehen kann!“ Ich hielt der Tusse meine Hand entgegen und rollte nach einigen Sekunden die Finger an. „Oh, tut mir Leid, sie wollen dir wohl nicht zuhören. Kein Wunder!“

Mit den Worten knallte ich Kati die Tür vor der Nase zu und erfreute mich an ihrem Wutschnauben, das ich noch durch die Tür hörte.

Am Wochenende fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Ich hatte mit Lea verabredet, dass sie mich vom Bahnhof abholte. Als ich etwas zu spät ankam – der Regionalzug war ständig zu spät! –, stand Lea bereits am Gleis und wartete auf mich. Sie hatte einen dicken Burger in der Hand und das erste, was sie zu mir sagte, war: „Mmm, Fara!“ Sollte wohl so was heißen wie Hallo, Sara. Ich verstand es nicht.

Nachdem sie mich mit nur einem Arm umarmt hatte, gingen wir nebeneinander zum Auto. Immer noch kauend erklärte sie mir, dass sie unheimlichen Appetit hatte und deswegen mit etwas zu essen angekommen war.

Verständlich. Als sie dann auch noch während der Fahrt ständig an einem Riesenmuffin nagte, fand ich das Ganze aber langsam bedenklich.

„Ist es wirklich so schlimm? Du überfährst gleich noch ’nen Fahrradfahrer!“, rief ich.

„Wenn es nicht so schlimm wäre, würde ich auf darauf verzichten. Reich mir mal den Becher im Fußraum“, befahl sie mir. Stirnrunzelnd hielt ich ihr den mit einem Strohhalm versehenen Becher hin und sie schlürfte.

Zu Hause angekommen, stellte sie fest, dass sie ihren Hausschlüssel vergessen hatte, also klingelte sie, immer noch schlürfenderweise.

Oma öffnete Lea und mir die Tür. Und was mich wirklich verwunderte: Sie steckte in einem weiten Rock und einem blauen T-Shirt, beide waren mit Farbe besprenkelt.

„Hallo, Sara! Schön, dass du wieder zu Hause bist!“, rief sie sogleich und umarmte mich herzlich.

Was war denn jetzt los? Das hatte sie früher nie getan.

„Du musst gleich ins Wohnzimmer kommen und dir mein neues Bild ansehen.“

„Wie? Was für ein Bild hast du dir denn gekauft?“

„Selbst gemalt, du Dummerle! Guck mal!“ Oma führte mich ins Wohnzimmer und zeigte auf eine Staffelei mit Leinwand. Darauf waren Sonnenblumen in einer blauen, bauchigen Vase zu sehen. Das Ganze hatte irgendwie etwas Impressionistisches an sich. Früher im Kunstunterricht wurde uns ein Bild gezeigt, das mit der so genannten Kommatechnik gemalt wurde. Daran musste ich denken, als ich dieses Bild sah.

Dadurch wurden auch die Farbspritzer auf Omas Klamotten erklärt, die im Übrigen hauptsächlich gelb und blau waren.

„Sieht schön aus“, sagte ich. Oma bedankte sich.

Dann ging sie Richtung Küche. „Komm, es gibt gleich Essen. Heute hat dein Vater gekocht!“ Wie ungewöhnlich. Es roch irgendwie nach Suppe, aber auch nach Milch, genau konnte ich das nicht sagen.

Als ich in der Küche stand, erlebte ich die nächste große Überraschung. Mama saß da. Das war zunächst nicht weiter neu, aber sie hatte ultraviolette Haare, die kürzer waren als meine, und meine Haare gehen mir nur bis zu den Ohrläppchen. Dazu trug sie noch so lange, filigrane Ohrringe mit Federn dran.

„Hallo, Mama, du siehst ja ganz anders aus…“, begrüßte ich sie total verdattert.

„Ja, nicht?“ Sie lachte. Ich hatte schon länger Lust auf eine Typveränderung. Und da geh ich neulich an so einem Frisörsalon vorbei und denke mir: Warum nicht? Die Ohrringe gab’s im Laden nebenan.“

„Sieht schön aus…“, sagte ich. Mama bedankte sich.

„So“, Papa setzte sich zu uns an den Tisch, „ich hoffe, die Milchsuppe, die ich gemacht hatte, schmeckt euch! Ich hab das Rezept mal im Kochbuch gesehen.“

Milchsuppe? Das klang höchst ungewöhnlich. Vielleicht so etwas wie Milchreis. Doch als ich den ersten Löffel nahm, wurde ich überrascht. Das Ganze schmeckte herzhaft… und ziemlich gut. Ich aß noch einen Teller und nahm dazu ein bisschen der Tofuwurst, die extra für mich gekauft wurde.

„Schmeckt echt gut“, sagte ich. Papa bedankte sich.

„Sag mal, wann wollte dein Freund noch mal vorbeikommen?“, fragte Oma. Lea antwortete, in einer Stunde wolle er da sein.

„Prima, dann kann er mir ja gleich bei diesem doofen Internetanschluss helfen.“

„Du kriegst Internet?“, fragte ich total erstaunt. Ich hatte bis jetzt nicht mal gewusst, dass Oma einen Computer hatte.

„Ja, denkst du denn, ich will hinterm Mond leben, nur weil ich seit einigen Jahren in Rente bin?“ Oma lachte. „Ich finde es wirklich interessant, was es da so alles gibt. Ich kann mir sogar Rezepte aus dem Internet aufschreiben, wenn diese Verbindung endlich mal steht.“

Ich sagte eine Weile erst mal nichts mehr. Ich war zu überrascht von all den Vorfällen, die sich hier ohne mein Wissen ereignet hatten. Ich krieg echt nichts mehr mit, dachte ich nur noch.

Lea war immer noch total hungrig. Sie aß ganze drei Teller der Milchsuppe und hatte sich dabei Unmengen an Salami hereingeschnippelt. Zuerst guckten unsere Eltern und unsere Oma nur ganz verwundert. Doch nach dem fünften Glas Apfelsaft sagte Mama: „Was ist denn heute mit dir los? Du frisst ja wieder wie ’ne siebenköpfige Raupe.“

„Haha, unheimlich komisch. Und ich dachte, ich wär den Spruch endlich los“, brummte Lea. Meine Güte, was war das denn? Sonst war sie doch nicht so schlecht drauf.

Das dachte auch unser Vater, denn er rief: „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“

Und Oma fügte hinzu: „Wenn du weiter so das Essen in dich reinschlingst, wirst du noch krank, Kind!“

„Was kann ich denn dafür, wenn ich so viel Appetit habe?“, brauste Lea auf. „Kann ich doch nichts für.“

Oma vermutete, dass meine Schwester krank war, und empfahl ihr, zum Arzt zu gehen. „Das geht doch schon seit Tagen so. Warte mal, ich hab hier irgendwo noch Pillen gegen Verstopfung…“ Sie stand auf.

„Wieso glaubt eigentlich jeder hier, dass mit mir irgendwas nicht in Ordnung ist? Alles ist super!“, schrie Lea und verließ fluchtartig die Küche. Natürlich nicht, ohne die Küchen- und kurz darauf auch die Zimmertür zuzuknallen. Wenig später war aus ihrem Zimmer laute Musik zu vernehmen. Irgendetwas Rockiges.

„Wisst ihr, was mit ihr los ist?“, fragte Mama. Wir anderen schüttelten die Köpfe. Zirka fünf Minuten später ging ich zu ihr ins Zimmer. Es war allerdings die Tür abgeschlossen.

„Komm, Lea, lass mich rein!“, rief ich gegen die laute Musik an und klopfte gegen die Tür. Zuerst blieb die Tür verschlossen.

„Komm, Lea, ich bin’s, Sara!“

Sie machte auf. Ich stand in ihrem Zimmer, in dem mehrere Packungen dieser sauren Fäden herumlagen, oder wie man dieses Fruchtgummi noch gleich nannte. Die liebte Lea.

Meine Schwester schmiss sich mit dem Gesicht nach vorne auf ihr Bett. Nach einigen Minuten fing sie merkwürdig an zu zucken. Ich schloss schnell die Tür.

„Lea, was hast du denn?“, fragte ich sie. Keine Antwort. Ich strich ihr über den Rücken.

„Lea?“

Jetzt drehte sie sich um und ich sah, dass sie weinte. „Ich will nicht sterben!“

„Hey, wieso das denn? Du musst bestimmt nicht sterben, keine Angst!“

Immer noch schluchzend setzte sie sich auf und erzählte mir die Geschichte.

Geschützt: Prosaisches Intermezzo

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Geschützt: Ein vorlesungsfreier Tag

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