RSS-Feed

Schlagwort-Archive: limonade

Krümelmonster, Teil 3

Veröffentlicht am

Nachdem Aurélie gegangen war, wollte ich nur noch Ruhe und Frieden. Ich hatte bereits so einen stressigen Tag gehabt, und jetzt kamen auch noch ihre Probleme dazu. Es war wie in diesem Beatsteaks-Song, den Lea so gerne mochte: I got a whole bag of trouble to be taken away.

Am besten entspannen konnte ich immer, wenn ich meine Lieblingsmusik hörte. Ich drehte Muse auf, stellte den Repeat-Modus ein und schmiss mich aufs Bett.

Far away

The ship is taking me far away

Far away from the memory

Of the people who care if I live or die…

Auf einmal wummerte es an der Zimmertür und ich wachte auf. Wie, ich wachte auf? War ich etwa eingenickt? Musste wohl so sein. Wer wummerte an meiner Tür? Ich ahnte schon, wer es war, und als ich die Tür aufschloss, bestätigte sich meine Vermutung.

Kati hätte fast auf meinem Kopf weitergeklopft. „Hey, dreh mal deinen Scheiß leiser, du bist hier nicht alleine!“

Sie klang wie meine Mutter. „Was? Ich kann dich nicht hören!“

„Ich sagte: Dreh deinen Scheiß leiser!“

„Tut mir Leid, ich kann dich nicht verstehen. Aber sprich mit meiner Hand, wenn das Gesicht dich nicht verstehen kann!“ Ich hielt der Tusse meine Hand entgegen und rollte nach einigen Sekunden die Finger an. „Oh, tut mir Leid, sie wollen dir wohl nicht zuhören. Kein Wunder!“

Mit den Worten knallte ich Kati die Tür vor der Nase zu und erfreute mich an ihrem Wutschnauben, das ich noch durch die Tür hörte.

Am Wochenende fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Ich hatte mit Lea verabredet, dass sie mich vom Bahnhof abholte. Als ich etwas zu spät ankam – der Regionalzug war ständig zu spät! –, stand Lea bereits am Gleis und wartete auf mich. Sie hatte einen dicken Burger in der Hand und das erste, was sie zu mir sagte, war: „Mmm, Fara!“ Sollte wohl so was heißen wie Hallo, Sara. Ich verstand es nicht.

Nachdem sie mich mit nur einem Arm umarmt hatte, gingen wir nebeneinander zum Auto. Immer noch kauend erklärte sie mir, dass sie unheimlichen Appetit hatte und deswegen mit etwas zu essen angekommen war.

Verständlich. Als sie dann auch noch während der Fahrt ständig an einem Riesenmuffin nagte, fand ich das Ganze aber langsam bedenklich.

„Ist es wirklich so schlimm? Du überfährst gleich noch ’nen Fahrradfahrer!“, rief ich.

„Wenn es nicht so schlimm wäre, würde ich auf darauf verzichten. Reich mir mal den Becher im Fußraum“, befahl sie mir. Stirnrunzelnd hielt ich ihr den mit einem Strohhalm versehenen Becher hin und sie schlürfte.

Zu Hause angekommen, stellte sie fest, dass sie ihren Hausschlüssel vergessen hatte, also klingelte sie, immer noch schlürfenderweise.

Oma öffnete Lea und mir die Tür. Und was mich wirklich verwunderte: Sie steckte in einem weiten Rock und einem blauen T-Shirt, beide waren mit Farbe besprenkelt.

„Hallo, Sara! Schön, dass du wieder zu Hause bist!“, rief sie sogleich und umarmte mich herzlich.

Was war denn jetzt los? Das hatte sie früher nie getan.

„Du musst gleich ins Wohnzimmer kommen und dir mein neues Bild ansehen.“

„Wie? Was für ein Bild hast du dir denn gekauft?“

„Selbst gemalt, du Dummerle! Guck mal!“ Oma führte mich ins Wohnzimmer und zeigte auf eine Staffelei mit Leinwand. Darauf waren Sonnenblumen in einer blauen, bauchigen Vase zu sehen. Das Ganze hatte irgendwie etwas Impressionistisches an sich. Früher im Kunstunterricht wurde uns ein Bild gezeigt, das mit der so genannten Kommatechnik gemalt wurde. Daran musste ich denken, als ich dieses Bild sah.

Dadurch wurden auch die Farbspritzer auf Omas Klamotten erklärt, die im Übrigen hauptsächlich gelb und blau waren.

„Sieht schön aus“, sagte ich. Oma bedankte sich.

Dann ging sie Richtung Küche. „Komm, es gibt gleich Essen. Heute hat dein Vater gekocht!“ Wie ungewöhnlich. Es roch irgendwie nach Suppe, aber auch nach Milch, genau konnte ich das nicht sagen.

Als ich in der Küche stand, erlebte ich die nächste große Überraschung. Mama saß da. Das war zunächst nicht weiter neu, aber sie hatte ultraviolette Haare, die kürzer waren als meine, und meine Haare gehen mir nur bis zu den Ohrläppchen. Dazu trug sie noch so lange, filigrane Ohrringe mit Federn dran.

„Hallo, Mama, du siehst ja ganz anders aus…“, begrüßte ich sie total verdattert.

„Ja, nicht?“ Sie lachte. Ich hatte schon länger Lust auf eine Typveränderung. Und da geh ich neulich an so einem Frisörsalon vorbei und denke mir: Warum nicht? Die Ohrringe gab’s im Laden nebenan.“

„Sieht schön aus…“, sagte ich. Mama bedankte sich.

„So“, Papa setzte sich zu uns an den Tisch, „ich hoffe, die Milchsuppe, die ich gemacht hatte, schmeckt euch! Ich hab das Rezept mal im Kochbuch gesehen.“

Milchsuppe? Das klang höchst ungewöhnlich. Vielleicht so etwas wie Milchreis. Doch als ich den ersten Löffel nahm, wurde ich überrascht. Das Ganze schmeckte herzhaft… und ziemlich gut. Ich aß noch einen Teller und nahm dazu ein bisschen der Tofuwurst, die extra für mich gekauft wurde.

„Schmeckt echt gut“, sagte ich. Papa bedankte sich.

„Sag mal, wann wollte dein Freund noch mal vorbeikommen?“, fragte Oma. Lea antwortete, in einer Stunde wolle er da sein.

„Prima, dann kann er mir ja gleich bei diesem doofen Internetanschluss helfen.“

„Du kriegst Internet?“, fragte ich total erstaunt. Ich hatte bis jetzt nicht mal gewusst, dass Oma einen Computer hatte.

„Ja, denkst du denn, ich will hinterm Mond leben, nur weil ich seit einigen Jahren in Rente bin?“ Oma lachte. „Ich finde es wirklich interessant, was es da so alles gibt. Ich kann mir sogar Rezepte aus dem Internet aufschreiben, wenn diese Verbindung endlich mal steht.“

Ich sagte eine Weile erst mal nichts mehr. Ich war zu überrascht von all den Vorfällen, die sich hier ohne mein Wissen ereignet hatten. Ich krieg echt nichts mehr mit, dachte ich nur noch.

Lea war immer noch total hungrig. Sie aß ganze drei Teller der Milchsuppe und hatte sich dabei Unmengen an Salami hereingeschnippelt. Zuerst guckten unsere Eltern und unsere Oma nur ganz verwundert. Doch nach dem fünften Glas Apfelsaft sagte Mama: „Was ist denn heute mit dir los? Du frisst ja wieder wie ’ne siebenköpfige Raupe.“

„Haha, unheimlich komisch. Und ich dachte, ich wär den Spruch endlich los“, brummte Lea. Meine Güte, was war das denn? Sonst war sie doch nicht so schlecht drauf.

Das dachte auch unser Vater, denn er rief: „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“

Und Oma fügte hinzu: „Wenn du weiter so das Essen in dich reinschlingst, wirst du noch krank, Kind!“

„Was kann ich denn dafür, wenn ich so viel Appetit habe?“, brauste Lea auf. „Kann ich doch nichts für.“

Oma vermutete, dass meine Schwester krank war, und empfahl ihr, zum Arzt zu gehen. „Das geht doch schon seit Tagen so. Warte mal, ich hab hier irgendwo noch Pillen gegen Verstopfung…“ Sie stand auf.

„Wieso glaubt eigentlich jeder hier, dass mit mir irgendwas nicht in Ordnung ist? Alles ist super!“, schrie Lea und verließ fluchtartig die Küche. Natürlich nicht, ohne die Küchen- und kurz darauf auch die Zimmertür zuzuknallen. Wenig später war aus ihrem Zimmer laute Musik zu vernehmen. Irgendetwas Rockiges.

„Wisst ihr, was mit ihr los ist?“, fragte Mama. Wir anderen schüttelten die Köpfe. Zirka fünf Minuten später ging ich zu ihr ins Zimmer. Es war allerdings die Tür abgeschlossen.

„Komm, Lea, lass mich rein!“, rief ich gegen die laute Musik an und klopfte gegen die Tür. Zuerst blieb die Tür verschlossen.

„Komm, Lea, ich bin’s, Sara!“

Sie machte auf. Ich stand in ihrem Zimmer, in dem mehrere Packungen dieser sauren Fäden herumlagen, oder wie man dieses Fruchtgummi noch gleich nannte. Die liebte Lea.

Meine Schwester schmiss sich mit dem Gesicht nach vorne auf ihr Bett. Nach einigen Minuten fing sie merkwürdig an zu zucken. Ich schloss schnell die Tür.

„Lea, was hast du denn?“, fragte ich sie. Keine Antwort. Ich strich ihr über den Rücken.

„Lea?“

Jetzt drehte sie sich um und ich sah, dass sie weinte. „Ich will nicht sterben!“

„Hey, wieso das denn? Du musst bestimmt nicht sterben, keine Angst!“

Immer noch schluchzend setzte sie sich auf und erzählte mir die Geschichte.

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 15

Veröffentlicht am

http://www.tagesschau.de/ausland/limonade-new-york100.html

Das ist zwar sehr löblich, aber in meinen Augen wird es nichts bringen. In Supermärkten und Lebensmittelgeschäften wird es nämlich auch weiterhin Riesen-Softdrinks geben. Getränke, in denen statt Süßstoff Zucker enthalten ist, und Säfte sind von der Regelung sowieso ausgenommen. Das ist ja ungefähr so, als würde jemand ein Anti-Tabakwerbungs-Gesetz erlassen, das besagt, dass Tabakwerbung verboten ist, aber nicht in Kinos, auf Litfaßsäulen oder Bushaltestellen, und Mentholzigaretten sind generell ausgenommen.

Das Verkaufsverbot ist zwar ein guter Anfang, es geht aber nicht weit genug.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kitschautorinnereien – Update

Veröffentlicht am

Auf Wunsch habe ich hier noch mal eine aktuelle Liste meiner Ergüsse zusammengestellt.

Zum letzten Mal minderjährig

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-1/670170

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-2/670175

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-3/670251

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-4/670429

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-5/670543

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-6/670599

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-7/670611

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-8/670650

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-9/670664

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/zum-letzten-mal-minderjaehrig-teil-10/670716

Wo ist die Liebe hin?

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-1/671516

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-2/671633

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-3/671876

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-4/672051

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-5/672210

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-6/672460

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-7/673104

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-8/673352

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-9/673524

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/wo-ist-die-liebe-hin-teil-10/675167

Krümelmonster

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-1/675310

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-2/675322

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-3/675371

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-4/675377

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-5/675397

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-6/675411

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-7/675413

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-8/675417

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-9/675471

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-10/675487

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-11/675513

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-12/675540

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-13/675571

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-14/675587

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-15/675604

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-16/675627

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-17/675647

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-18/675667

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-19/675702

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-20/675714

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-21/675738

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-22/675763

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-23/675805

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-24/675818

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-25/675827

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-26/675854

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-27/675952

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-28/675976

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-29/675986

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-30/676004

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-31/676027

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-32/676041

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-33/676151

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-34/676229

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-35/676243

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/kruemelmonster-teil-36/676383

Bedeutungsschwanger

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-1/681825

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-2/682629

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-3/682820

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-4/780735

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-5/781272

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-6/784121

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-7/817156

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-8/817644

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-9/818781

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-10/832910

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-11/841005

http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/literatur/bedeutungsschwanger-teil-12/850947

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin