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Schlagwort-Archive: mein erster gedanke

Untersuchung einer „Bravo Girl“

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Als ich heute Mittag wegen eines Nudelsoßen-und-Süßigkeiten-Einkaufs zur Kasse latschte, lief ich am Zeitschriftenstand vorbei und dachte: Diese Gelegenheit kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gibt es heute zum ersten Mal seit Dezember 2012 einen Eintrag, der sich komplett einer Jugendzeitschrift widmet – der Bravo Girl.

Die vorgestellten Stars

Ich konnte mal wieder feststellen, dass die heute von der Allgemeinheit verehrten Stars nicht die aus meiner Zeit sind. Auf Seite 4 wird Katy Perrys Schmuckkollektion vorgestellt. Ich kann diese Frau nicht riechen. Eine Frau, die ein wahnsinnig erfolgreiches Lied darüber herausgebracht hat, dass es ja so toll ist, dass sie als Frau Frauen küsst. Ja, ich gestehe, dass ich mir diese Single auch mal gekauft habe. Das war aber, bevor ich gemerkt habe, dass Katy Perry eine Aufmerksamkeitshure ist, die das alles nur behauptet hat, um einen Charterfolg abzugreifen, und in mehreren Interviews gesagt hat, dass sie nicht das geringste bisschen lesbisch oder bi ist.

Jungs

Für die typische Bravo-Girl-Leserin ist es unheimlich wichtig, zu erfahren, wie Jungs ticken (die meist als Boys bezeichnet werden). In der aktuellen Ausgabe findet sich auf Seite 15 ein Artikel eines männlichen Jungexemplars der Gattung Homo sapiens, der eine Freundin hat, die nicht will, dass er Jogginghosen trägt. Ich verstehe ja schon nicht, warum die Freundin sich so darüber aufregt, es wird dann aber noch abgedrehter, weil irgendwann rauskommt, dass seine Freundin grundsätzlich den BH auszieht, wenn sie nach Hause kommt. Ich hoffe, der Kerl haut bald irgendwann richtig auf den Tisch, so wie angekündigt. So kann das ja nicht weitergehen. Auf das BH-Problem geht auch die Bravo-Girl-Mitarbeiterin ein, die sich in einem Kommentar an Mädchen wie die oben genannte Freundin widmet.

Auch den BH kannst du mal weglassen. Ganz ehrlich: Er liebt ja schließlich dich, nicht deinen Kleiderschrank!

Mein erster Gedanke: Ich glaube, es herrscht sogar Freude darüber, wenn frau den BH weglässt…

Auf Seite 60 dürfen einige Jungen ihre Meinung zum Thema “Beziehung im Herbst” abgeben. Der fünfzehnjährige Lukas sagt zu seinem Beziehungsstatus:

Ich hab zwar keine Freundin, bin aber auch nicht wirklich single – es ist kompliziert! (lacht)

“Sie glaubt, ich liebe sie, aber in Wirklichkeit will ich nur ne günstige Gelegenheit zum Ficken!”

Mode

Wenn ein Teil hohe Qualität besitzt und fair produziert wurde, darf es auch ein wenig mehr kosten. Anzahl der Produkte der Modestrecken, die teuer sind und auf die meine Kriterien garantiert nicht zutreffen: 52.

Tests

Auf Seite 23 gibt es einen Test darüber, wer an erster Stelle steht – man selbst, Freunde oder der Schwarm. Ich möchte drei Punkte dazu anmerken.

1.) Frage 5 lautet:

Deine Klasse macht jetzt jeden Freitag eine Party. Bist du dabei?

Mir fehlt die Antwortmöglichkeit “Nein, weil man mich nicht einladen würde, aber es ist nicht schade drum, weils eh alles blöde Spacken sind”.

2.) Ich kriege das Ergebnis, ich sei mir selbst am wichtigsten. Ich will mir zwar selbst kein Ausbleiben von Egoismus bescheinigen, aber mir fällt mindestens eine Person ein, die mir wichtiger ist als ich selbst. Sie sitzt rechts neben mir und trägt einen zu meinem passenden Ring.

3.) Wieso gehen die Macher solcher Zeitschriften meistens davon aus, dass die Leserin noch keinen festen Freund hat? Die Leserschaft der Bravo Girl ist laut Wikipedia 12 bis 19 Jahre alt, laut diesem Artikel hier haben Mädchen ihren ersten festen Freund im Alter von 13 Jahren.

Auf den Seiten 70 bis 73 befindet sich ein Test mit dem Titel “Macht dein Style Jungs an?”. Die erste Frage geht darum, was man sich im Fernsehen am liebsten ansieht. Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte, weil ich seit über drei Jahren keinen Fernsehanschluss mehr habe und alle vorgestellten Sendungen als Müllfernsehen bezeichnen würde. Ich habe dann die Antwort angekreuzt, in der “Shopping queen” vorkam, weil ich das immerhin schon mal gesehen habe, auch wenn ichs kacke fand.

Frage 5 dreht sich um das coolste Topmodel. Irgendwas musste ich ja ankreuzen, also habe ich Erin Wasson genommen, obwohl ich alle zu dürr finde (und Heidi Klum überzeugt auch noch junge Frauen im Fernsehen davon, dass das cool ist).

Bei Frage 7 (“Deine Freundin hat ein neues cooles Kleid, was machst du?”) weiß ich gar nicht, was ich antworten soll, weil mir die Antwortmöglichkeit “Ich kaufe es einfach nach” fehlt. Es gibt nur “Ich frag sie, ob es okay ist, wenn ich es mir nachkaufe”. Ich frag sie doch nicht vorher um Erlaubnis!

Mein Testergebnis ist “Sweet Girl”, das zwar an sich relativ gut auf mich passt, in der Beschreibung steht aber auch, dass ich ein gutes Gefühl für Trends habe. Dabei gehen mir Trends am Arsch vorbei.

Ein anderes mögliches Testergebnis wäre “Style-Queen” gewesen, es schließt mit folgendem Satz:

Also schalt mal ‘nen Gang runter, bevor du mit deinem Style Mister Right verschreckst. Zwinkerndes Smiley

Wenn Mister Right ansatzweise brauchbar ist, wird er sich von so was Unwichtigem wie “Style” nicht abschrecken lassen.

Qualitativ hochwertiger Journalismus

Auf den Seiten 24 und 25 befindet sich ein Artikel darüber, dass Mädchen auch mal böse sein dürfen. In dem Abschnitt über Faulenzer steht folgender Satz:

Wissenschaftler raten Eltern dazu, ihren Kindern genügend Raum zum Faulenzen und Langweilen zu lassen.

Wäre es denn so ein großes Problem gewesen, wenigstens einen Wissenschaftler, der das behauptet, namentlich zu nennen?

Auf den Seiten 78 und 79 gibt es einen Bericht über eine Zwanzigjährige, die in einer Seehundstation arbeitet. Wobei Bilder 75 Prozent der Doppelseite ausmachen.

Moralisch fragwürdiges Verhalten

Im Artikel übers Böse-sein-Dürfen steht Folgendes:

Aber wenn das Outfit der Angeberin aus der Parallelklasse so was von daneben ist? Der Klassenschwarm sich sieben Mal am gleichen Wort verschluckt hat? Die Absage der Freundin auf deine Einladung echt bescheuert ist? Dann muss das raus! Lästern ist sooo lustig! Und wichtig für die Gemeinschaft: Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe – tschakka!

Es ist auch lustig, wenn sich ein Kerl in einer Videomissgeschicke-Sendung mit einem Fahrrad auf die Schnauze legt, dem Radfahrer tut das trotzdem total weh. Passt auch nicht so wirklich dazu, dass einer Dreizehnjährigen auf Seite 33 Tipps gegeben werden, wie sie einer gemobbten Mitschülerin helfen kann.

Die Sorgenecke

Auf Seite 32 beklagt sich eine Vierzehnjährige darüber, dass ihre Eltern sie wegen schlechterer Noten jeden Tag, sogar in den Ferien, total viel und total schwer lernen lassen. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich habe den Verdacht, dass dieses total schwere Üben daraus besteht, dass sie überhaupt irgendwas machen muss.

Auf Seite 33 macht sich eine Fünfzehnjährige Sorgen darüber, dass ihre Brüste nicht mehr wachsen. Das Team weist darauf hin, dass Brüste noch bis zum 20. Lebensjahr wachsen können. Das ist so nicht ganz richtig – meine sind z.B. noch gewachsen, als ich über die 20 hinaus war…

Weiter unten fragt eine ebenfalls Fünfzehnjährige, ob sie schwanger sein könnte, weil beim Sex mit ihrem Freund das Kondom abgerutscht ist. Unabhängig davon, ob ja oder nein – wenn Gefahr im Verzug ist, meldet man sich doch nicht beim Bravo-Girl-Team, sondern beim Gynäkologen!

Peinliche Erlebnisse

Auf Seite 61 erzählt eine Sechzehnjährige, dass sie ihre Gitarre vorm Schulgebäude noch mal auspackte, weil sich ihr Abholservice verspätete, ein vorbeigehender Fußgänger ihr ein Geldstück hinwarf und in dem Augenblick ihr Schwarm kam und sie auslachte. Dieser Vorgang wird mit “Wie peinlich ist das bitte?!” kommentiert. Ich würde sagen: Elena, du kannst froh sein, dass sich dein Schwarm enttarnt hat. Wenn er dich wirklich mögen würde, hätte er dich nicht ausgelacht.

Weiter unten berichtet ein Fünfzehnjähriger, dass er sich vor seiner großen Liebe darüber ausließ, wie blöd er weibliche Wesen mit roten Haaren und Sommersprossen findet. Pech für ihn: In dem Augenblick tauchten die Mutter und die Schwester der Angebeteten auf. Rothaarig, sommersprossig. Tja, Lästern ist wohl doch nicht immer so toll, was?

10 verrückte Jobs

Das ist mal ein wirklich cooler Artikel. Ich habe noch nicht gewusst, wie man Tatortreinigerin, Glasaugenmacherin oder Unterwasserschweißerin werden kann. Ufologin ist allerdings ein Job, für den man den typischen Bravo-Girl-Leserinnen erst mal beibringen müsste, dass Schule im Allgemeinen wichtiger ist, als zu wissen, wie man sich am besten schminkt oder stylt. Ohne Astrophysikstudium wird aus der coolen Ufo-Job-Chance nämlich nichts.

Die Überraschung des Tages

Die Youtuberin Bibi gibt auf Seite 64 bekannt, dass sie den Tipp fürs richtige Kämmen (erst Spitzen, dann nach oben hocharbeiten, sonst gibts Knoten) von ihrem Papa gelernt hat.

Wie man Freundschaften so richtig zum Blühen bringt

Empfohlen werden unter anderem ein Zauber mit grünen Knöpfen, einer grünen Schnur, einer Haarsträhne, Rosenöl und Rosen sowie einer mit Spielkarten. Srsly?

Bravo-Girl-Humor

Lebensende mit drei Buchstaben? – Ehe.

Der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes? – Durch die Brust mit einem scharfen Messer.

Wohin guckt ein Typ als Erstes, wenn er eine schöne Frau sieht? – Zu seiner Freundin, ob sie ihn beobachtet.

Soziales Gewissen

In dem 82 Seiten umfassenden Heft gibt es ganze zwei Seiten, die sich um etwas anderes als den üblichen Styling-Schule-Jungsscheiß drehen (der Seehund-Artikel).

Fazit

Die Schülerin “Bravo Girl” hat große Defizite in fast allen Fächern aufgezeigt und muss das Schuljahr daher wiederholen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Die Disziplin wird schon wieder missbraucht

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Mittlerweile liegt eine weitere Sitzung der Veranstaltung „Vom Missbrauch der Disziplin“ hinter mir und weil ich Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“ noch viel weniger mag, rede ich jetzt darüber.

Er vertritt die Ansicht, dass in der Erziehung zu viel diskutiert wird. Als Beispiel führt er ausgerechnet sich selbst und seine eigene Mutter an, die laut Bueb immer nur „darum“ und „Jetzt werd‘ nicht frech!“ rausgehauen hat, wenn ihr Jüngling wissen wollte, warum er eine Anweisung zu befolgen hatte. Versucht er, sich seine eigene Kindheit schön zu reden? Wir alle wissen doch, dass man etwas besser begreift, wenn man die Hintergründe kennt.

Von Demokratie in der Erziehung hält er nichts. Er sehnt sich zurück nach der Zeit, als Pädagogen unfehlbare Wesen waren, die das alleinige Sagen hatten. Als Beispiel nimmt er diesmal die Schülermitverwaltung des Internates, das er lange Zeit geleitet hat. Die sei demokratisch legitimiert und handle also nur nach dem Willen der Schüler und das sei nicht gut. Wir merken uns: Solche Verwaltungen sind nur gut, wenn sie das tun, was er sagt. Wo kämen wir denn auch hin, wenn Schüler auch was sagen dürften? Sodom und Gomorrha!!!

Der Mann widerspricht sich an mehreren Stellen selbst, z.B., wenn er sagt, dass die „autoritär wirkende Erziehung“ mit rigiden Schließzeiten, harten Regeln bei Drogen etc. sich „mit einem heiteren und lockeren Lebensstil“ verbindet. Unter Zivilcourage versteht er, dass vom Schulleiter bestimmte Helfer ihre Mitschüler bei Verstößen verpetzen. Interessant ist auch, dass er Ordnung über alles hochhält, sich aber auch über dessen Pervertierung zu Nazi- und Sozialismuszeiten beschwert.

Schuluniformen habe ich ja schon lange gegessen, dieser Mann hält Schulanzüge aber für die beste Erfindung, seit es Klamotten gibt. Dass Uniformierung nur Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpft, scheint ihm egal zu sein.

Was mir außerdem auf die Nerven geht: Den Protestantismus kann er partout nicht leiden (er bezeichnet seine Anhänger bspw. als „Fetischisten der Innerlichkeit“ – wtf?). Ich sollte übrigens erwähnen, dass der Mann zur Zeit der großen Missbrauchsskandale an der Odenwaldschule gearbeitet hat.

Einer der für mich schlimmsten Punkte: die regelmäßigen Urinproben, bei denen nach dem Zufallsprinzip Schüler ausgewählt werden, die dann antreten müssen. Sehr bezeichnend in diesem Zusammenhang der Satz „Außerdem gelang es uns viel zu selten, Schülern Drogenkonsum nachzuweisen.“ Ich würde nicht in einem Internat leben wollen, das seine Schüler so überwacht und unter Generalverdacht stellt. Und überhaupt: Arbeitet man so wirklich am Verhalten der Schüler? Auch hier widerspricht er sich selbst, da er an einer Stelle schreibt, dass Kinder angstfrei aufwachsen dürfen müssen.

Strafen und Konsequenz findet Bueb sehr wichtig. In diesem Zusammenhang fragt er: „Wer ist im Straßenverkehr noch nie geblitzt worden und erst daraufhin langsamer gefahren? Wie viele anständige Bürger würden Steuern hinterziehen, wenn sie nicht Strafen fürchteten?“ Gegenfrage: Und bei wie vielen wirken solche Strafen nicht? Es fahren immer noch viel zu viele Leute zu schnell oder hinterziehen Steuern.

Seine eigenen Ex-Schüler zieht er gerne als Beispiel heran. Über Schüler, die nachts verbotenerweise das Internat verlassen und Alkohol getrunken hatten, schreibt er, dass sie beim nächsten vergleichbaren Vorfall mit Entlassung zu rechnen hatten. Mein erster Gedanke: Eigentlich eher eine Belohnung als eine Strafe.

Auf Seite 125 erweist Bueb sich noch als kleiner Sarrazin, da seiner Meinung nach die falschen Leute – Frauen ohne Berufsausbildung, mit Migrationshintergrund – Kinder zur Welt bringen. Was er genauso wenig mag wie ungebildete Migrantinnen: Fernsehen, Computer und Internet – für ihn die Saat des Teufels. Besonders das Fernsehen, das angeblich die Fantasie der Kinder verdirbt. Computerspiele mag er auch nicht – nennt er als Vorstufe zu Drogen. Anständige Erziehung ist mit diesen Medien seiner Meinung nach nicht möglich. Interessant ist aber, dass er auf Seite 138 feststellt, dass Fernsehen mit Verboten allein nicht bekämpft werden kann… Lässt auch seine anderen Äußerungen in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Ich habe in diesem ganzen Werk nur drei Stellen gefunden, die ich gut fand und die mich zum Nachdenken anregten. Er fordert pädagogische Ganztagseinrichtungen schon ab der Kinderkrippe. Er berichtet davon, dass die neunten Klassen seines Ex-Internats im Sommer zweiwöchige Abenteuerreisen machen, bei denen sie entdecken, was in ihnen steckt. Er erzählt von einem sechzehnjährigen Jungen, der mangels Selbstbewusstsein nichts aus seiner Begabung machte und mit dem sich die Pädagogen so lange beschäftigten, bis sich das änderte. Solch engagierte Menschen hätte ich mir auf meinem Gymnasium gewünscht.

Was ich mir hingegen nicht wünsche: einen Pädagogen, der mindestens im letzten Jahrhundert stehengeblieben ist und auf der einen Seite immer betonen muss, dass es die Nazis und die DDR falsch gemacht haben, in gewisser Weise aber doch diesem bestimmten Geist anhängt, den ich jetzt mal Totalitarismus nennen möchte. (Mein Freund meinte dazu: „Ich mag die Methoden, aber weil ich weder Nazi noch Kommunist bin, finde ich das nicht in Ordnung.“) Ich freue mich schon auf das Gegenwerk „Vom Missbrauch der Disziplin“, das wir demnächst im Seminar behandeln werden.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Gedanken beim Lesen der „Mädchen“

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Da ich eh nichts Besseres zu tun habe, bespreche ich heute mal wieder eine schlechte Zeitschrift. Ich war vorhin einkaufen und verspürte fast schon ein merkwürdiges Gefühl des Bedauerns, als ich im Supermarkt meines Vertrauens keine einschlägige Zeitschrift entdeckte. Doch ich musste schließlich nicht leer ausgehen und so gibt es jetzt einen neuen Blogartikel.

Auf der Seite mit dem Inhaltsverzeichnis darf einer der Grafikmenschen der „Mädchen“ in einer kleinen Notiz zu Wort kommen. Er spricht darin über die bevorstehende Fußball-EM. Ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball und ich bin mir todsicher, dass es der Zielgruppe dieser Zeitschrift genauso geht – aber mädchentypisches Fußballanhimmeln mit Schminke, EM-Party und sexy Spielern (ich sollte später Mario Götze als Anschauungsbeispiel entdecken) geht natürlich trotzdem. Dies will wohl zumindest die vor mir liegende Zeitschrift vermitteln.

Auf der nächsten Seite die „bessere (also schlechtere) In-und-Out-Liste“. Und mir blutet das Herz, da ein großer Star wie James Dean mit Flachbirnen wie Justin Bieber verglichen wird. Doch nicht nur der rote Lebenssaft will meinen Körper verlassen, auch die Kotze hat mal wieder ihren großen Auftritt. Lady Gaga ist jetzt out aufgrund folgenden Tweets:

Ich esse Salat und denke an Cheeseburger… Popsängerinnen essen nicht!

Die Meinung der „Mädchen“ dazu:

Da hat wohl jemand seine Vorbildfunktion vergessen!

Man blättere auf die Titelseite zurück und sehe sich eine kleine Ecke in der Mitte rechts an. Kleine Leckereien werden uns da als „süße Sünden“ vorgestellt. Fällt euch was auf?

Außerdem hat man in der Rubrik noch eine Meinungsumfrage, die ja doch nur dazu dienen soll, dass Mädels, die keine eigene Meinung haben, wissen, was sie über das Sex-and-the-City-Prequel oder Daniela Katzenberger denken sollen. Mode gibt es in diesem Druckerzeugnis natürlich wieder im Überfluss. Der Kapitalismus muss ja, wie ich in einem früheren Eintrag bereits feststellte, am Leben gehalten werden. Sogar das Quiz dreht sich um Mode und ich könnte selbst mit Glück höchstens drei Fragen beantworten.

Zum Lachen brachte mich eine Notiz auf Seite 17 („Alles, was dich bewegt“). Dort wird mitmischen.de beworben, das Jugendportal des Bundestages. Ich arbeite ja unter anderem für diese Seite und ich habe das dumpfe Gefühl, dass sich die beiden Zielgruppen nicht gerade überschneiden. Ich muss sagen: Bis jetzt habe ich recht viel soziales Gewissen abgekriegt, allerdings immer so, dass es die geneigte Leserin nicht stören wird und sie weiter über Klamotten, Schminke und Jungs nachdenken kann. Und vielleicht täuscht das ja auch – vielleicht kriege ich ab sofort nur noch Oberflächliches zu lesen. Also weiter.

Beim Test, mit dem man angeblich total viel über sich selbst herausfinden soll, habe ich die Kategorie „Glamour-Girl“ erzielt. Wer mich kennt, weiß: Ich bin das Gegenteil davon. Die Beschreibung trifft auch nicht auf mich zu. Die Frage, welchen Film ich mir gerne wieder anschauen würde, konnte ich gar nicht richtig beantworten – entweder ich hasste die Filme oder hatte sie noch nie gesehen. Es beruhigte mich aber, dass man bei Frage 43 („Was machst du am liebsten auf Facebook?“) auswählen konnte, dass man gar nicht bei Facebook ist. Ich dachte, es geht heutzutage schon gar nicht mehr ohne.

Danach hat man dann eine Bubble-Tea-Werbung mit zwei Gutscheinen, da man ja jedem Trend hinterherlaufen muss, und die übliche Wir-wollen-wissen-was-„Jungs“-denken-Kategorie. Diesmal geht es um Lieblingsfotos. Dazu kann man im Grunde nichts sagen, außer dass ich es sehr lustig fand, dass alle Kerle außer einem Fotos von sich selbst ausgewählt haben. Der darauffolgende Artikel über „Zocken“ ist okay. Allerdings wird erklärt, warum Jungs so gerne zocken (ein Grund ist das Abschalten vom Alltag) und dann kommt die Frage:

Also, Mädels, vielleicht lassen uns die Jungs ja mal mitspielen?

Es gibt Sachen, die immer dabei sind, zum Beispiel das übliche „Will er mich oder nicht?“ und die Peinlichkeitsecke. (Nein, damit meine ich nicht das ganze Heft.) Die ist in Ordnung, auch wenn ich nicht verstehe, wieso das Schwarm-Kirsch-Hinsetz-Desaster als schlimmer eingeordnet wird als die Pfützen-Anspritz-Aktion.

Da frau sich ja nicht den ganzen Tag mit Mode und Jungs beschäftigen kann, auch wenn sie das gerne möchte, wird im Heft der Beruf der Tierpflegerin vorgestellt.  Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Beruf nichts für die typische Leserin ist, da man unter anderem Ställe ausmisten, früh aufstehen und teamfähig sein muss.

Die Traumdeutung ist wirklich grandios. Es geht darum, dass die beste Freundin einen plötzlich wie eine Fremde behandelt – und die Traumdeuterin bietet als Lösungen Folgendes an: Es ist tatsächlich etwas vorgefallen, es gibt leichte Unstimmigkeiten und es ist alles in bester Ordnung. Wunderbar. Das wäre ja in etwa so, als wollte ich sagen: Entweder ich gehe heute zur Schule oder ich bleib zu Hause.

Beim Fotoroman lief ich starke Gefahr, zu erblinden. Ich schlug die Doppelseite auf und erblickte elf nackte halbwüchsige Kerle. Mit dreizehn hätte ich mich drüber gefreut. Vier Wochen vor meinem 21. Geburtstag nicht mehr. Über die Abwechslung nach etwas über einer Seite Fotoroman freut man sich auch nicht, da sie aus einem Poster mit der Frau ohne Gesichtsausdrücke besteht.

Wir ziehen uns um – und dann geht die Party richtig los!

Meint ihr nicht eher „aus“, damit ihr dem halbwüchsigen Fußballteam endlich eure Leiber opfern könnt?

In der Ratgeberecke meldeten sich drei Mädchen zu Wort, die in denselben Kerl verliebt waren.

Sag uns doch bitte, wer ihn kriegen darf!

Wenn’s nach mir ginge: keine von euch. Ein anderes Mädel will wissen, mit welchen Stellungen sie den Geschlechtsverkehr interessanter gestalten kann – und sie kriegt mehr oder weniger die Antwort, dass das doch eh völlig egal ist, weil andere Dinge wichtiger sind. Ganz toll.

Eine wichtige Frage stellte sich mir beim Lesen des Horoskops. Wenn das Sternzeichen meines Freundes nicht als Flirtpartner bei meinem Sternzeichen auftaucht, aber andersrum – gilt das dann trotzdem?

Fazit: Es war wieder sehr unterhaltsam und mit vielen Facepalm-Momenten durchsetzt. Wenn ich nicht unter dem Gesichtspunkt einer Lästerei am Zeitschriftenstand gestanden hätte, hätte ich die „Mädchen“ nicht gekauft.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

P.S. Dialog während des Schreibens zwischen mir und meinem Freund:

– Ist Flachbirne ein Wort?

– Ja.

– Okay!

Zeit für Zeitungen

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Heute habe ich fast sechs Stunden damit verbracht, Zeitungen zu lesen, da ich Zugang zu einigen E-Papern erhalten habe. Zuerst war die FAZ dran, dann die Süddeutsche und zuletzt der Spiegel.

Ein großes Thema in den Tageszeitungen war die gestrige Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt. Die FAZ hatte die dortigen Reden abgedruckt. (Ich frage mich, was Reden bringen sollen, aber das ist ein anderes Thema.) Das Tolle daran war: Genau das hatte die Süddeutsche Zeitung auch gemacht, deswegen musste ich nicht alles lesen. Ich kannte es ja schon.

Wieso muss es denn sein, dass überall dasselbe gezeigt wird (auch wenn es ein wichtiges Thema ist)? Sollte sich eine Zeitung nicht vielmehr durch etwas Eigenes, Einzigartiges hervortun? Ich hätte jedenfalls keine Lust, mir etwas zu kaufen, wo eh nur das Gleiche drinsteht wie bei allen anderen.

Mein erster Gedanke beim Lesen des Spiegels galt der vielen Werbung. Interessehalber habe ich mal nachgezählt, wie viel Werbung in der Zeitschrift enthalten ist. Ich kam auf 28 ganzseitige Anzeigen, dazu kommen noch zirka viereinhalb Seiten mit Anzeigen, die nicht die ganze Seite bedecken. Insgesamt sind das also 32,5 Seiten. Der Spiegel hat 152. 21,3 Prozent – das ist ja so schlimm wie im Fernsehen. „Und jetzt unterbrechen wir die Berichterstattung über die Zustände in Syrien für ein wenig Werbung!“

Ich finde es jedenfalls toll, dass es solche E-Paper gibt. In Zukunft werde ich die Zugangsmöglichkeit dazu noch weiter nutzen und evtl. über den Inhalt der Zeitungen berichten. Denn es passiert auf der Welt unheimlich viel – und es wird auch unheimlich viel Mist geschrieben, teilweise sogar in seriösen Zeitungen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin