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My big fat German wedding

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Schlaf vorher

Bei mir enorm schlecht. Von Monsieur weiß ich allerdings, dass er recht gut geschlafen hat.

Größter Nervositätspunkt

Als meine Eltern und ich schon eine Weile Richtung Ort des Geschehens unterwegs waren und ich meinen Vater bitten musste, das Fenster herunterzufahren, weil mir so schlecht war.

Die Standesbeamtin

Ich habe ja, unter anderem von meinem Fahrlehrer, gehört, dass die Standesbeamten in der viertgrößten Stadt Niedersachsens schrecklich sein sollen – unpersönlich und zickig. Das war in diesem Fall aber gar nicht so. Sie hat uns gefragt, wie lange wir schon zusammen sind, und ein schönes Gedicht rezitiert. Sie sah übrigens auch sehr gut aus, weswegen ein alleinstehender Freund hinterher fragte, ob ich ihn nicht mit ihr bekannt machen kann. 😀

WTF-Moment

Der war nicht bei mir. Schwager Nummer zwei hat sich aber darüber gewundert, was für einen merkwürdigen Wohnsitz ich habe. Ich musste es ihm dann erklären. Gott sei Dank ist diese Kindergeldgeschichte ja auch bald vorbei.

Schönster Moment

Als er Ja sagte. Dass er in seine Rede im Restaurant eine Anspielung auf Al Borland eingefügt hat, war aber auch nicht schlecht.

Rührendster Moment

Die Lieblingstante von Monsieur kam im Trauzimmer zu mir zum Gratulieren und ich konnte deutlich sehen, dass sie Tränen in den Augen hatte.

Ungewöhnlichster Moment

Als ich zum ersten Mal von Monsieur als meinem Mann sprach.

Die Fotografin

Sie hat sehr schöne Bilder gemacht… nur die ersten paar sind vermutlich nicht gut geworden, weil sie uns vorm Tor des Standesamtes haben wollte und da wir mittags geheiratet haben, schien die Sonne genau drauf.

Das Restaurant

Wir haben uns ein mexikanisches Restaurant ausgesucht, in dem wir zuvor schon mit meinen Eltern gespeist haben. Das Hauptkriterium war: Jeder kann oder darf dort essen – mein Vater verträgt weder Gluten noch Jodsalz; in unserem Freundeskreis gibt es Vegetarier und Fruktoseintolerante. Wir haben kein Menü vorgegeben, jeder durfte bestellen, was er wollte. Komplimente gab es vor allem für die Steaks und den einen Nachtisch (Vanilleeis mit Kahlúa). Ich selbst hatte einen Burrito, der sehr lecker war, aber auch scharf. Sehr scharf. Außerdem Nachos mit Guacamole, von denen irgendwie jeder am Tisch was haben wollte.

WTF-LOL-Moment

Mein, äh, Mann und ich wurden von der Fotografin in den kleinen Gang zwischen Standesamt und benachbarter Kirche gebeten, damit wir dort auch noch schöne Fotos machen konnten. Als wir dabei waren, merkte ich, dass ein gewisser Herr, der gut 21 Jahre älter ist als ich, heimlich Fotos aus dem Trauzimmerfenster heraus gemacht hat. 😀

Lustigster Moment

Da gab es viele, aber ich glaube, die Ehre gebührt dem Moment, in dem wir die Glückwunschkarte von Schwager Nummer eins gelesen haben… er hat Homer Simpson zitiert. „Und wenn du dein Essen nicht mehr schaffst, so esse ich es für dich auf.“

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Noch’n Fragebogen

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Ich habe zwar neulich erst einen veröffentlicht, aber da fehlten mir einige Fragen, also beantworte ich jetzt einen neuen, den ich bei Sibel (http://www.rock-rendezvous.de/?p=14937) gesehen habe:

1. Welcher ist dein liebster Held / Lieblingsprotagonist?

Lionel Logue aus “The King’s speech”. (Ich wurde gefragt, warum. Antwort: Weil er Georg VI. ein unheimlich guter Freund ist und dieser dank ihm eine unglaublich gute Rede halten kann.)

2. Wer ist deine liebste Heldin / Lieblingsprotagonistin?

Shoshanna Dreyfus aus “Inglourious basterds”. (Auch hier wurde ich gefragt, warum. Antwort: Weil sie Nazis töten will, yay! Außerdem sieht sie einfach wunderschön aus… *_*)

3. In welchen Charakter hast du dich sofort verliebt?

Batman, gespielt von Christian Bale… *_*

4. Mit wem aus der Buchwelt könntest du Pferde stehlen?

Puh, das wird schwierig… aber vermutlich passt Anne-Pauline aus “Stern oder Schnuppe” ganz gut.

5. Welches ist dein liebstes Paar?

Tim und Jill aus “Hör mal, wer da hämmert”.

6. Mit welchem Paar könntest du dich so gar nicht anfreunden?

Al und Ilene, siehe Frage 5.

7. Wer ist dein liebster Nebencharakter?

*denkt lange nach* Der erste Oscar für Christoph Waltz war echt verdient (Hans Landa aus “Inglourious basterds”).

8. Wen kürst du zum fiesesten Antagonisten?

Calvin Candie aus “Django unchained” war schon verdammt fies.

9. Wem würdest du gerne einmal gehörig die Meinung sagen?

Namenloser Ich-Erzähler aus “Soloalbum”: Du bist ein dummer, eingebildeter Idiot und hast deine Katharina völlig zu Recht verloren! Du dummer, eingebildeter Idiot! Gnaaaar!

10. War für dich schon einmal der Antagonist der eigentliche Held?

Nie.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Fragebogen zu Film und Kino

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Was ist wohl am naheliegendsten für eine Bloggerin, die kaum Filme kennt? Genau: ein Fragebogen zu dem Thema! (Ich habe ihn hier gefunden: http://medienjunkieblog.wordpress.com/2011/07/17/fragebogen-zu-film-und-kino/)

1.) Ein Film, den du schon mehr als 10 Mal gesehen hast:

“Die fabelhafte Welt der Amélie”.

2.) Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast:

Keiner.

3.) Ein Schauspieler, wegen dem du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen:

Ich glaube, am ehesten würde da Christoph Waltz passen.

4.) Ein Schauspieler, wegen dem du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen:

Til Schweiger.

5.) Filmmusical, dessen Songtexte du komplett auswendig kannst:

Komplett nicht, aber ich kann viele Stücke von “West Side Story” und “Linie 1”.

6.) Ein Film, bei dem du im Kino mitgesungen hast:

Kann mich nicht erinnern, das jemals getan zu haben.

7.) Ein Film, den jeder gesehen haben sollte:

“The King’s speech”.

8.) Ein Film, den du besitzt:

“Zwei glorreiche Halunken”.

9.) Ein Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerische Leistungen positiv überrascht hat:

Da fällt mir im Augenblick nur Omar Sy ein.

10.) Schon mal einen Film in einem Drive-in gesehen?

Nein.

11.) Schon mal im Kino geknutscht?

Na klar!

12.) Ein Film, den du schon immer mal sehen wolltest, du bist bisher aber nie dazu gekommen:

*denkt lange nach* Ich bin vor lauter Müdigkeit eingeschlafen, als ich “Octopussy” gesehen habe, zählt das auch?

13.) Hast du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?

Nein, aber z.B. “The American” hätte ich gern vorm Ende abgedreht.

14.) Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat:

Vermutlich “Sicko”.

15.) Popcorn?

Hab ich kurz nach Weihnachten zum ersten Mal als schmackhaft erlebt. Aber bis jetzt nicht im Kino.

16.) Wie oft gehst du ins Kino?

Wenn’s hochkommt, alle paar Monate mal.

17.) Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?

*denkt lange nach* “Der Medicus”.

18.) Dein Lieblingsgenre?

Da will ich mich gar nicht festlegen. Ich kann nur sagen, was ich wirklich nicht mag: Fantasy, Horror.

19.) Dein erster Film, den du im Kino gesehen hast?

*denkt lange nach* “Toy Story”.

20.) Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen?

“Captain America – The first Avenger”.

21.) Der merkwürdigste Film, den du mochtest?

“Traumschiff Surprise – Periode 1”. Betonung auf ‘mochtest’.

22.) Der beängstigendste Film, den du je gesehen hast?

“Shutter Island”.

23.) Der lustigste Film, den du je gesehen hast?

Da will ich mich auch wieder nicht festlegen, aber der Simpsons-Film hat sicher gute Chancen.

24.) Ein deutscher Film, den jeder gesehen haben sollte?

“Russendisko”.

25.) Ein Kurzfilm, der dich begeistert hat?

“Pärchenabend” (mit Anna Maria Mühe und Hannah Herzsprung).

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Juden und Kroaten

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Im Studium sollte man sich die Veranstaltungen aussuchen, die einen thematisch am meisten interessieren. Ich bin sehr glücklich mit meiner Auswahl, allerdings hatte die auch zur Folge, dass ich gestern wegen eines Seminars (“Biografien von Migranten der ersten Generation und ihrer Kinder”) zwei Termine wahrnehmen musste. Aber ich habe es recht gern getan.

Meine Hausarbeit zwecks Erwerb von Leistungspunkten möchte ich über das jüdische Leben in der viertgrößten Stadt Niedersachsens schreiben. Mir wurde von der Dozentin nahegelegt, doch die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht zu besuchen. Ich musste stehen, weil der Andrang so groß war. Aber das war schnell vergessen. Die Reden der letzten beiden Oberbürgermeister waren gut, die Schüler, die die Gedenkfeier gestalten durften, warfen viele interessante Fragen auf. Wäre man damals Nazi gewesen? Was kann man tun, damit so was nie wieder passiert?

Auf die Feier an sich folgte noch eine Kranzniederlegung dort, wo früher mal die Synagoge war. Der Kantor der örtlichen jüdischen Gemeinde trug ein Gebet vor, von dem ich nichts verstanden habe, außer Auschwitz, Treblinka, Majdanek. Es war sehr eindrucksvoll, denn er hat eine Wahnsinnsstimme. Er hätte gar kein Mikrofon gebraucht. Wer sich selbst davon überzeugen will: Ich habe gerade herausgefunden, dass er einen Youtubekanal hat (www.youtube.com/user/BaruchChauskin). Oder hört euch die ersten paar Sekunden meines Beitrags an: http://osradio-podcast.de/2012/09/11/judischer-abend-im-felix-nussbaum-haus/

Nachdem ich mich von der Feier erholt hatte, musste ich schon wieder los, diesmal ging es in ein bosnisches Restaurant (wir waren auf Suche nach Spuren der Gastarbeiter aus dem früheren Jugoslawien). Das Essen (bei mir war es Peperonata, also Reis mit Fleisch und Soße) war sehr lecker. Allerdings ist das Restaurant wohl nichts für Leute, die kein Fleisch essen wollen. Denen wären nur die Vorspeisen geblieben. Die Restaurantbesitzerin war sehr nett und beantwortete bereitwillig alle Fragen über ihre kroatische Herkunft.

Das war’s für heute von mir. Ich muss gleich noch mal in die Uni und lasse mir dort etwas über Pädagogik in der Nazizeit und über die EU erzählen. Mal sehen, ob dort was Spannendes passiert. In der EU-Veranstaltung bestimmt nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 8

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„Wieso habt ihr das getan?“

Darauf fiel Freddy und mir, die wir mittlerweile zur Moralpredigt in den Tagungsraum der Unterkunft zitiert worden waren, keine Antwort ein. Wieso hatten wir das getan? Wieso hatten wir miteinander geknutscht und wieso hatte er anschließend in meinem Bett geschlafen? Freddy und ich konnten das nicht beantworten. Wahrscheinlich war diese Frage sowieso rhetorisch gewesen.

„Vor der Parisfahrt hat man euch doch gründlich über die Regeln bei dieser Fahrt aufgeklärt. Und da hieß es auch klipp und klar: Niemand darf sich nach der verabredeten Ruhezeit in einem andersgeschlechtlichen Stockwerk aufhalten“, äußerte sich Herr Nowitzki in einem für ihn völlig untypischen Ton. „Und genau gegen diese Regel habt ihr verstoßen.“

Wieso wir? Freddy war es doch, der im falschen Bett geschlafen hatte. Als er diesen Einwand vorbringen wollte, schnitt ihm Frau Lacombe sofort das Wort ab.

„Was habt ihr euch nur dabei gedacht?“ Das wussten wir auch nicht so genau. So guckten wir uns auch an. Da bestand wohl noch eindeutig Klärungsbedarf bei uns beiden. Aber erst, wenn diese Sache hier durchgestanden war. Und es sah aus, als würde das noch sehr, sehr lange dauern. Oh Hilfe.

Frau Lacombe sprang auf und wanderte unruhig im Raum hin und her. Ein Tick, den sie mit Lea und Mama teilte. Oh Gott, Mama! Mir lief es kalt den Rücken herunter bei der Vorstellung, was zu Hause los sein würde.

Mittlerweile hatte unsere Französischlehrerin am Fenster Halt gemacht. Sie atmete tief durch und murmelte irgendetwas vor sich hin. Dann kehrte sie zurück zum Tisch, an dem Herr Nowitzki, Freddy und ich saßen.

„Wie Di… euh, Herr Nowitzki sagte, habt ihr gegen eine wichtige Regel verstoßen. Dies können wir auf keinen Fall auf sich beruhen lassen. Ihr bleibt heute den ganzen Tag in der Jugendherberge. Herr Nowitzki und ich denken uns eine passende Strafe für euch aus.“

Mit diesen Worten standen die Lehrkörper auf und bewegten sich zur Tür.

Da fiel Freddy noch etwas ein. „Gut. Aber wenn Sie uns deswegen bestrafen wollen, dann bestrafen Sie bitte auch noch die anderen männlichen Vertreter dieser Reisegruppe sowie Katja, die entweder Alkohol mitgebracht oder auf dieser Fahrt gekauft haben, obwohl das, wie Sie uns gesagt haben, strengstens verboten ist.“

„Ferme-la“, fauchte Frau Lacombe. „Und natürlich werden wir eure Eltern über diesen Vorfall informieren.“ Sie zerrte ihren Kollegen aus dem Raum und war weg.

„Scheiße“, fluchte ich und hätte meinen Kopf am liebsten gegen die Wand geschlagen, um mich für meine Blödheit zu bestrafen. Wieso hatte ich so viel getrunken, dass ich nicht mehr wusste, was ich tat? Wieso hatte ich es vorgezogen, einer Saufparty beizuwohnen, anstatt einen Abend mal ganz allein zu verbringen? Wieso nur?

„Meine Mutter bringt mich um“, stöhnte ich vor mich hin. „Mein Vater wird drakonische Strafen verhängen und mindestens drei Jahre lang herumjammern, dass ich seinen Ruf geschädigt habe und seine Kanzlei meinetwegen den Bach heruntergeht. Und meine Oma wird mich für noch verkommener halten als bisher.“

„Ach komm, so schlimm wird’s schon nicht werden“, antwortete Freddy.

Ich konnte nicht glauben, was er da gerade gesagt hatte. „Nein, für dich wird es garantiert nicht so schlimm! Du hast bestimmt keine schreckliche Familie!“, fuhr ich ihn an.

„Nein, habe ich auch nicht“, entgegnete er ruhig. „Ich habe nämlich gar keine Familie.“

Überrascht schaute ich auf. „Warum?“

„Meine Eltern und meine kleine Schwester sind bei einem Verkehrsunfall gestorben. Die einzige, die sich um mich kümmert, ist meine Oma.“

Ich biss mir auf die Lippe. „Tut mir Leid.“

„Schon gut. Ich war erst zwei, als es passiert ist. Aber reden wir nicht darüber.“

„Und worüber dann?“

„Na, über diese blöde Situation. Es wird auf keinen Fall schlimm. Ich habe nämlich bereits einen Plan.“

„Ach, und wie sieht dieser tolle Plan aus?“, fragte ich pessimistisch. „Willst du die Lacombe und den Nowitzki erpressen, wie in einem dieser billigen Filme?“

„Wird nicht verraten“, antwortete Freddy mit einem breiten Grinsen. „Aber hab keine Angst, dir wird nichts passieren.“ Sprach’s und verschwand.

Meine Güte, was hatte der Junge nun wieder vor? Eine brilliante Idee konnte das auf keinen Fall sein, so viel stand fest. Keine Idee war gut genug, um mich aus diesem Schlamassel wieder herauszuholen.

Während die anderen Paris erkundeten, saß ich in meinem Zimmer in der Jugendherberge und dachte nach.

In den schrecklichsten Farben malte ich mir aus, was sich zu Hause alles ereignen würde, wenn meine Eltern und meine Oma von dem Vorfall erführen. Wunderschön war die Aussicht nicht gerade.

Papa würde mir den Vortrag seines Lebens halten, der selbst seine besten Plädoyers in den Schatten stellen würde. Immer wieder stellte ich ihn mir vor, in den verschiedensten Variationen, mit rotem Kopf, wild gestikulierend, Wortfetzen rufend wie „Was hast du dir nur dabei gedacht?“, „Unverschämtheit“, „unreif“ und „Rufschädigung“. Natürlich. Rufschädigung. Diese verdammte Kanzlei! Bestimmt würde er das Ganze nur halb so eng sehen, wenn er nicht so verdammt stark auf seinen guten Ruf aus wäre. Vor Ärger haute ich mit der Faust gegen die Wand. Den Schmerz spürte ich schon gar nicht mehr.

Oma würde die Sache wieder auf Mamas ach so schlechte Erziehung schieben. Denn, wie sie bereits beim letzten großen Streit von vor ein paar Wochen gesagt hatte, habe meine Mutter ja angeblich bei der Kindererziehung total versagt.

Mama würde diese total falsche Behauptung natürlich nicht auf sich sitzen lassen, was wieder einen Riesenstreit zur Folge hätte. Wahrscheinlich würde Mama am Ende deswegen das Angebot ihrer Freundin sausen lassen und Hausfrau bleiben, weil man ja auf mich aufpassen musste. Sonst würde ich mich ja wieder zusaufen und mit irgendwelchen Männern in der Kiste landen und so weiter. Und natürlich würde Mama mir den Rest ihres Lebens nachtragen, dass sie meinetwegen nicht wieder gearbeitet hatte.

Tolle Perspektive. Ich stellte mich mental schon mal auf das Donnerwetter zu Hause ein. Klar, Freddy hatte einen großartigen Rettungsplan angekündigt, doch ich glaubte nicht daran.

Abends aßen wir alle gemeinsam im Speisesaal der Jugendherberge. Wie gerade erwähnt, hatte ich den lieben langen Tag damit verbracht, mir die Situation zu Hause vorzustellen und dabei hatte ich nicht eine Sekunde an das gedacht, was jetzt passieren würde.

Als Freddy und ich kurz hintereinander den Raum betraten, verstummten plötzlich alle Gespräche.

Super, dann hatte es sich also schon herumgesprochen. Ich wusste nicht, wer von den Tratschtanten es überall verbreitet hatte, aber als ich in Idas Augen sah, senkten die sich schlagartig auf den vor ihr befindlichen Teller. Aha, dann war sie es also gewesen. Wer hatte eigentlich noch mal die schwachsinnige Idee gehabt, sie als fünftes Mädchen mit in unser Zimmer aufzunehmen? War es nicht sie gewesen, die Frau Lacombe heute Morgen gesteckt hatte, wo ich war?

Da bestand ebenfalls Klärungsbedarf. Ich schlug mit meiner zur Faust geballten rechten Hand in die offene linke.

Ich setzte mich zu Lea, Anna und Aurélie. Erstaunlicherweise sagte keine von ihnen etwas. Alle blieben sie still, aßen ihr dîner so manierlich, dass es schon peinlich war.

Schließlich machte Anna den Mund auf. „War es sehr schlimm?“

„Anna und ich, wir besuchen dich die ganze Zeit in deinem Gefängnis, wenn du willst!“, schob Aurélie superlieb hinterher.

Mit einer stimmlichen Gelassenheit, die mich überraschte, antwortete ich: „Lieb von euch. Aber nach der Sache darf ich garantiert nicht mal mehr Besuch empfangen.“

Jetzt guckten alle betroffen drein. „Und… äh… weißt du schon, was jetzt passiert?“, wollte Lea wissen.

„Nein. Die Lacombe und der Nowitzki sagen Freddy und mir gleich, was für eine Strafe wir zu erwarten haben. Freddy hat zwar gesagt, er paukt uns beide da raus, aber da gebe ich keinen Cent drauf. Können wir jetzt bitte über etwas anderes reden?“