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Meine leidige Erfahrung mit Medimops – Eine Chronik

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23. Oktober 2014: Ich bestelle “Little Britain”, Staffel 2 und 3, auf DVD. Da ich mein Zimmer bereits gekündigt habe, geht die Bestellung an die Adresse meines Freundes.

24. Oktober 2014: Ich bekomme die Mitteilung, dass die Bestellung versandt wurde.

26. Oktober 2014: Die Rechnung.

29. Oktober 2014: Die DVDs sind noch nicht da. Da ich sie für ein Referat benötige, frage ich, wann ich mit dem Erhalt rechnen kann.

31. Oktober 2014: Das Referat.

3. November 2014: Der Kundenservice antwortet:

Es tut mir sehr leid, dass Sie Ihre Bestellung bis jetzt noch nicht erhalten haben. Ihre Bestellung wurde mit der PIN AG als Bücher- bzw. Warensendung an Sie verschickt. Diese Sendungsart verfügt leider über keine Paketverfolgungsnummer, welche ich Ihnen für die Nachverfolgung zur Verfügung stellen könnte.

Normalerweise beträgt die Versandzeit von Waren- und Büchersendungen ca. 3-5 Werktage. Erfahrungsgemäß kann es allerdings in seltenen Einzelfällen dazu kommen, dass diese Sendungen bis zu 7 Werktage – in Ausnahmefällen sogar bis zu 14 Werktage bis zur Zustellung benötigen, was wir in Ihrem Fall natürlich nicht hoffen.

11. November 2014: Die DVDs sind immer noch nicht da. Ich maile über das Kontaktformular, dass ich vom Kaufvertrag zurücktreten werde, sollten die DVDs bis zum 18. November nicht bei mir sein.

13. November 2014: Der Kundenservice antwortet:

Sehr geehrte Kundin,
sehr geehrter Kunde,

wir haben vor Kurzem eine Anfrage per Mail von Ihnen erhalten.

Aufgrund einer Serverstörung konnten einige unserer Antwortnachrichten nicht zugestellt werden. Leider können wir den Verlauf der Korrespondenz nicht in allen Fällen vollständig wiederherstellen. Wir bitten dafür vielmals um Entschuldigung.

Sollte Ihre Anfrage bisher nicht bearbeitet worden sein, lassen Sie uns diese doch bitte erneut zukommen. Sollte Ihr Anliegen geklärt sein, antworten Sie bitte nicht auf diese Nachricht.

Ich maile das, was ich vor zwei Tagen geschrieben habe, erneut, natürlich ohne den 18. November zu ersetzen.

14. November 2014: Ich bekomme eine Mail:

Sehr geehrte Kundin,
sehr geehrter Kunde,

leider konnte die an Sie versendete Bestellung von der Post nicht
zugestellt werden. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Vielleicht
wurden Sie nicht angetroffen, vielleicht wurde die Sendung nicht
abgeholt, vielleicht war die angegebene Adresse nicht korrekt oder
vielleicht war der Briefkasten voll und die Sendung wurde bei der Post
hinterlegt und nicht abgeholt. Die genaue Ursache ist für uns nicht
nachvollziehbar. Wir haben die Ware in jedem Fall von der Post
zurückbekommen. Die Ware ist bereits wieder in unser Shopsystem
aufgenommen worden. Wir erstatten Ihnen umgehend den Kaufpreis in Höhe
von 16,74 EUR.

Gern können Sie die Bestellung anschließend erneut auslösen.

Mein Name steht hier zwar nicht am Klingelschild, ich habe aber schon öfters Zeugs hierhin bestellt und bis jetzt war das nie ein Problem. Wenn ich nicht da war, fragte der Zusteller im Zweifelsfall halt einmal bei dem nach, der an die Tür ging. Und es war immer jemand da – mindestens der Zwilling meines Freundes, der zurzeit nicht mehr zur Uni muss und eine Doktorandenstelle sucht. Einen Benachrichtigungszettel habe ich nie bekommen (und ich glaube kaum, dass irgendwer aus der Familie meines Freundes so arschig ist und mir den vorenthält). Einen Briefkasten gibt es hier nicht. Und zum letzten von mir zitierten Satz: Ich weiß, wo ich in Zukunft nicht mehr bestellen werde.

Mit ärgerlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich bekam nach der letzten Mail (weil ich mich vorher irgendwann auf Twitter über den mangelnden Service aufgeregt habe) noch einen Tweet, ich solle doch mal die Bestellnummer nennen und man werde sich das Ganze mal anschauen. Großartig, einfach nur großartig.

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Back to business as usual

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Ich möchte euch hier von meinem ersten Tag im neuen (4.) Semester erzählen. Zunächst aber ein wenig Werbung in eigener Sache: Ich darf jetzt für den “Störungsmelder” schreiben! Hier findet ihr meinen ersten Eintrag: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/04/22/nazi-aufmarsch-in-dortmund-am-1-mai-verboten_15714

Der Tag war wahrlich interessant, im Positiven wie im Negativen. Ich bin in einem Seminar, das eine zweitägige Exkursion nach Berlin bzw. Sachsenhausen, zusammen mit Studenten aus Victoria, beinhaltet. Soweit nichts Neues – allerdings verriet der Dozent heute die Details, und ich durfte erfahren, dass am zweiten Tag das Jüdische Museum in Berlin besucht wird. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Als Nächstes stand die Veranstaltung “Datenerhebung” auf dem Plan, die aber ausfiel, weil der Dozent aufgrund einer Fehlinformation den richtigen Raum nicht gefunden hatte, und dann traf er nur auf ein Viertel der eingetragenen Teilnehmer, also auf zwei. Demnächst werden es hoffentlich noch weniger – ich will mich austragen, ich mag Statistikmodule nicht besonders.

Danach nahm ich an der Veranstaltung “Politische Denkströmungen und Bewegungen” teil – zum ersten und zum letzten Mal. Die Dozentin war vermutlich in ihrem Studentenleben Mitglied eines autonomen Referats, jedenfalls ließ ihr Gerede von Gendering und Definition als nichtweiß darauf schließen. Ich wunderte mich bereits, als sie von “People of color” redete statt von Schwarzen. Ich fasste mir alle zehn Sekunden innerlich an den Kopf und wollte mich endgültig austragen, als sie meinte: “Wir leben in einer Gesellschaft mit rassistischen Grundstrukturen.” Nun läuft in unserer Gesellschaft zwar einiges falsch, aber das war zu viel. Die Politikwissenschaft ist definitiv kein Laberfach, wenn ich irgendwen davon überzeugen müsste, würde ich ihm diese Veranstaltung aber definitiv nicht zeigen. Ich hab mich ja fast schon gefreut, dass ich um viertel nach drei wegmusste, um mir vom Dozenten des Projektorientierten Kompaktkurses sagen zu lassen, was mit meiner Hausarbeit falsch lief. Immerhin stellte ich nach diesem Termin fest, dass ich in “Politische Theorie II” schon genug Veranstaltungen belegt hatte, und konnte mich aus der miesen Veranstaltung austragen. Noch auf dem Heimweg.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Mein Unitag

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9 h 59: Zweiter Tag im Blockseminar “Wie sich Werte bilden”. Er beginnt damit, dass wir eine “kleine Selbstreflexion mit dem Ziel der Selbstachtsamkeit” ausfüllen sollen – man könnte es auch “Wie erfahre ich schnellstmöglich total private Sachen über meine Mitstudenten?” nennen, denn wir sollen den Kram miteinander diskutieren. Entweder sind mir die Sachen zu privat oder ich weiß gar nicht, was ich antworten soll. Schlussendlich bekritzele ich den Fragebogen. Eine Mitstudentin bewundert, dass ich in der Lage bin, “Ich will nach Hause” auf Russisch zu schreiben. Die Dozentin meint, solch eine Übung könne man auch gut in der Schule machen. Eine Kommilitonin kommentiert dies folgendermaßen: “Weil wir ja auch alle Lehrer werden wollen. NICHT.”

10 h 20: Aus reiner Langeweile versuche ich, die WLAN-Einstellungen am Smartphone zu reparieren. Damit ich nicht in den verbleibenden knapp drei Tagen meinen ganzen restlichen mobilen Traffic verbrauchen muss. Ich bin übrigens erfolgreich.

10 h 24: “Die Eltern struggeln so, wie man selbst struggelt.” Mein Sprachherz blutet.

11 h 24: Ich kenne viele MINT-Leute, die meine Studiengänge für Laberfächer halten. Auch wenns nicht stimmt – dieses Seminar würde ich ihnen nicht zeigen. Die Dozentin beherrscht die einzigartige Kunst, etwas, das man mit wenigen Worten prima ausdrücken könnte, in x Worte zu hüllen, und einem somit komplett das Interesse an einem eigentlich interessanten Thema zu nehmen.

11 h 25: Mittlerweile bete ich, dass mir die Optiker endlich Bescheid geben, dass meine neue Brille fertig ist, damit ich eine Ausrede habe, hier zu verschwinden.

12 h 48: “Häh, wieso ist das so schwer, gleichen Lohn für Männer und Frauen durchzusetzen? Die Zahlen kann man ja ganz leicht ändern!” Wo bin ich hier gelandet? (Als ich das einen Kommilitonen fragte, antwortete er: “Das frage ich mich seit fünf Semestern.”)

14 h 15: Ich bekam zwei Nachtische (Schoko-Erdnuss-Creme mit Vanillesoße, yummy), weil eine Mitstudentin ihren nicht mehr wollte. Somit hatte der Tag immerhin etwas Gutes.

14 h 52: Ein Student hält einen Vortrag über den Wert des Lebens. Er geht hierbei auf Artikel 7 der Allgemeinen Menschenpflichten, wo z.B. das hier

Jede Person ist unendlich kostbar und muß unbedingt geschützt werden.

drinsteht, ein. Dieser Satz hat Grenzen. Was ist mit Sterbehilfe? Was ist mit Suizid? Unglaublich schwere, aber immerhin mal interessante Fragen.

15 h 00: Der Vortragende stellte ein interessantes Beispiel: Würden wir eher ein 12jähriges Mädchen aus einem brennenden Haus retten oder einen 65jährigen rauchenden Politiker? Alle waren dafür, das Mädchen zu retten. Nur eine sagte, es sei unabwägbar.

15 h 16: Jemand meinte, dass die Entscheidung, wen man rettet, erst dann zufällig sei, wenn alle Faktoren (Rauchen etc.) bei beiden zu rettenden Personen genau gleich seien. Ansonsten klammere man sich immer an irgendeinen Strohhalm, der einem die Entscheidung abnimmt. Nach dem studentischen Vortrag beendet die Dozentin die Sitzung und ich gehe etwas nachdenklich nach Hause. Und das nicht nur wegen der aufgeworfenen philosophischen Probleme. Es sollte einem zu denken geben, wenn studentische Vorträge besser sind als alles, was die Lehrbeauftragten von sich geben.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nazis und Austauschstudenten

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Ich war schon immer der Meinung, dass die Vergangenheitsbewältigung in punkto Nationalsozialismus nicht so gut geklappt hat. Aber selten war es so deutlich wie in der vorletzten Sitzung des Seminars „Eichmann in Jerusalem“. Eugen Steimle, ranghoher Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und verantwortlich für Massenmorde in der Sowjetunion, wurde zuerst zum Tode und dann zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, wovon er sechs Jahre absaß. Nach der Freilassung arbeitete er als Gymnasiallehrer für Deutsch (!) und Geschichte (!!). Werner Heyde, einer der Hauptorganisatoren der Euthanasiemorde, konnte nach dem Krieg als Arzt praktizieren. Das gehört zu den Gründen, aus denen ich mir immer an den Kopf fasse, wenn mal wieder irgendjemand behauptet, man solle die Nazizeit doch langsam mal vergessen. Wie kann man so was nur vergessen?

Derselbe Dozent, der das Eichmann-Seminar gibt, ist auch für das Seminar „Integration oder Assimilation?“ verantwortlich. Vor kurzem beschäftigten wir uns ja mit Sarrazin. Der Dozent überlegte, was er in der letzten Sitzung mit uns anstellt, meinte aber, dass wir uns Sarrazin als Gast wohl nicht leisten könnten, denn der nehme 15000 Euro. 15000 Euro für so einen Müll. Wow. Wir alle wissen ja, dass es Fremdenfeindlichkeit nicht nur in Deutschland gibt. In der Schweiz (dem Land, aus dem unser Dozent kommt) gibt es eine von der SVP ausgehende Initiative gegen die „Masseneinwanderung“ der Deutschen. Am 9. Februar soll es sogar einen Volksentscheid darüber geben. Und so, wie’s aussieht, liegen die Antideutschen vorn.

Bevor mein Dozent in der Schweiz lebte, kam er aus Griechenland. Auch die Familie seiner Frau stammt daher. Sein Schwiegervater war mal Austauschstudent in Österreich und lebte dort bei einer alten Nazitante, die die ganze Zeit Nazilieder vor sich hersang. Unwissend, was das alles bedeutete, nahm der damals junge Mann die Lieder in sich auf. Zig Jahre später trifft dieser mittlerweile alt gewordene Mann auf den Freund seiner Enkelin. Er bekommt mit, dass dieser Deutscher ist. Und um sich mit ihm gut zu stellen, singt der alte Mann eins der Lieder aus seiner Untermieter-Zeit. Das kam nicht so gut an.

Heute hatte ich nun wieder eine Sitzung „Eichmann in Jerusalem“. Diesmal ging es u.a. um die Kollaboration in Frankreich. Und ich war eine von ganzen zwei Studenten, die sich schon vor dem Referat mit diesem Thema beschäftigt haben. Eine Studentin, die in Basel zur Schule gegangen ist, erklärte sogar, dass das Ganze bei ihr im Unterricht niemals thematisiert wurde. Schockierend.

Es gibt natürlich auch lustige Momente in meinem Studium. In einem meiner Seminare gibt es einen Erasmus-Studenten aus Spanien. Mit Vornamen heißt er Jesús, was immer wieder Anlass für verschiedene Witze ist. Beispiel: Er fehlte in der letzten Sitzung vor Weihnachten und meine Dozentin äußerte sich folgendermaßen:

Jetzt ist bald Weihnachten und ausgerechnet heute ist Jesús nicht da.

Die Dozentin hat in der letzten Sitzung aber auch eine furchtbare Geschichte erzählt: Sie hat mal (in Gedenken an ihre Mutter, die sich selbst vorwarf, nicht genug für die Rettung der Sinti und Roma getan zu haben) Stolpersteine verlegen lassen. Als sie sah, dass diese dreckig geworden waren, putzte sie die Steine. Es kamen Leute an und haben sie gefragt: „Müssen Sie das machen? Sind Sie Hartz IV?“

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Libanesen, die Sowjetunion und Schwule

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Am Dienstagmorgen sah ich im Rahmen einer Seminarssitzung den Film “Neukölln unlimited”. Ziemlich harter Tagesbeginn. Nach dem Film war ich wütend auf ganz schön vieles. Ich war wütend auf die Leute, die zuließen, dass mit der Familie Akkouch so umgegangen wird. Sie müssen teilweise immer noch damit rechnen, dass sie zurück in den Libanon abgeschoben werden, obwohl sie das Land kaum kennen. Die überraschende Abschiebung 2003 hat bei der Familie sowohl seelische als auch körperliche Schäden hinterlassen (eine der Töchter bekam Bulimie). Ich war wütend auf Maradona, weil er mit seinen idiotischen Aktivitäten die Integrationsbemühungen seiner Familie torpedierte. Und ich war wütend auf mich selbst, weil ich so ein tolles Leben habe und mich trotzdem total oft darüber beschwere. Jeder, der es gut hat, hat die verdammte Pflicht, aus seinem Leben etwas zu machen. Und sich für andere einzusetzen.

Der Tag ging aber ganz gut weiter. Zu Hause konnte ich eine gebrauchte Ausgabe von “Küche totalitär” in Empfang nehmen. Mein Lieblingsautor (Wladimir Kaminer) und seine Frau haben eine unterhaltsame Mischung aus Geschichten über diverse Völker der ehemaligen Sowjetunion und interessanten Kochrezepten zusammengestellt. Ich bin schon fast durch und kann das Buch nur weiterempfehlen. In meiner Buchausgabe steckten übrigens ein FAZ-Artikel aus dem Jahr 2007, der sich mit Kaminer befasst, und eine Postkarte. Eine Frau mit altdeutschem Namen schreibt an eine andere, dass sie es schade findet, dass sie nicht zu ihrer Geburtstagsfeier kommen kann. Die Postkarte ist nicht frankiert und wurde am 8. Juni 2006 in Bochum geschrieben. Ich mag gebrauchte Bücher. Sie haben eine Seele.

Am Mittwoch habe ich immer nur eine Veranstaltung, die mir aber sehr gut gefällt: “Biografien von Migranten der ersten Generation und ihrer Kinder”. Die gestrige Sitzung beinhielt eine Präsentation über die Familie eines Kommilitonen, die aus Rumänien geflüchtet war. Einer der Präsentatoren holte etwas aus und erzählte etwas zur Geschichte des Heimatortes. Er sah sich ernsthaft dazu gezwungen, zu erklären, was die Habsburger sind. Wer das nicht weiß, sollte an einem solchen Seminar nicht teilnehmen dürfen. Ansonsten war die Präsentation aber sehr gut gemacht. Und es war sehr bedrückend, was man dort erfahren hat. Schreckliche Zustände in Rumänien, mal wieder deutsche Behörden, die einem das Leben schwer machen (und das trotz in diesem Fall vorhandener Deutschstämmigkeit), und familiäre Dramen rund um die Flucht. Es ist außerdem immer wieder interessant, was für Geschichten hinter Menschen stecken, die man kaum kennt. Ich finde gut, dass so was im Unibetrieb Platz hat.

Die Dozentin dieser Veranstaltung hat lange Zeit Einwandererkinder in Deutsch unterrichtet und im Verlauf dieser Tätigkeit unheimlich viel erlebt. Unter anderem folgende Geschichte, die ich gern mit euch teilen möchte: Ein bosnischer Junge fragte einen srilankischen Jungen, wer denn bestimme, ob er als Blume, Hund oder Mensch wiedergeboren werde. Antwort: “Vielleicht derselbe, der bestimmt, ob du in den Himmel oder die Hölle kommst.” Kinder…

Heute Morgen habe ich mich ziemlich geärgert. Zunächst ist etwas eigentlich sehr Schönes passiert: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet. Aber dann las ich (eigentlich wollte ich für etwas ganz anderes recherchieren) auf einer FDP-Seite, dass Westerwelle sagte, das Coming-out von Hitzlsperger verdiene größten Respekt. Sagt der Mann, der seinen Lebenspartner nicht auf eine Auslandsreise mitnahm, weil irgendein islamistischer Staatschef dagegen war, auf eine E-Mail-Aufforderung meinerseits, in punkto Putin Farbe zu bekennen, mit einer Wischi-Waschi-Mail antwortete und sich bei einer wichtigen Abstimmung zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften enthielt. Von dem Mann habe ich nichts zu erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Deutsches Blut und italienische Musik

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Im Rahmen meines Seminars “Integration oder Assimilation?” beschäftigten wir uns in den letzten beiden Sitzungen mit den Kapiteln 8 und 9 aus Thilo Sarrazins Werk “Deutschland schafft sich ab”. Und ich kann jetzt sehr gut verstehen, warum sich viele über das Buch so aufgeregt haben.

Der Untertitel des achten Kapitels lautet “Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist”. Und er meint das tatsächlich ernst. Sozialleistungen sollten in Zukunft nur noch Gebildeten zugute kommen. Das ganze Kapitel basiert auf so vielen Fehlannahmen. Die UN sowie die eine Wissenschaftlerin, die er zitiert, als es um das Thema IQ geht, haben bereits moniert, dass er ihre Thesen total aus dem Zusammenhang reißt. Davon mal ab möchte ich zwei Sachen feststellen:

1.) Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass wenig gebildete Menschen immer so bleiben.

2.) Hätten nicht gerade die Leute die Sozialleistungen verdient, die kaum Bildung haben? Bildung ist hierzulande immer noch eine Sache des Geldes.

Im neunten Kapitel schießt er den Vogel dann vollends ab, indem er zwei mögliche Zukunftsszenarien entwirft – ein seiner Meinung nach gutes und ein seiner Meinung nach schlechtes. Das schlechte besteht daraus, dass Deutschland irgendwann von (muslimischen) Migranten überschwemmt wird und unsere Kultur deswegen verfällt. Das gute besteht für ihn u.a. daraus, dass es hier kaum noch Migranten gibt. Mein Dozent zeigte sich überrascht davon, dass ein seiner Meinung nach derart rassistisches Werk hier veröffentlicht werden darf.

Freitags habe ich keine Vorlesungen. Ich nutzte die Zeit, um zur Blutspendeaktion in einem evangelischen Gemeindeheim zu gehen. Meine Werte waren gut und ich wurde zunächst zugelassen. Allerdings nahm ich mir etwas Zeit, um noch etwas zu essen. Mein Freund bemerkte, meine Hände seien ganz kalt, und ich fühlte mich auch etwas komisch. Als mich die Ärztin so sah, stellte sie mich dann doch zurück.

Ich war ziemlich traurig, denn es spendet ja kaum jemand Blut. Wegen meiner Petition (tinyurl.com/p6w37xr) habe ich mir die Zahlen angesehen – es müssten ungefähr doppelt so viele Deutsche Blut spenden. Ich habe mir dann aber überlegt, dass ich vielleicht auch auf andere Weise Gutes tun kann, wenn ich schon dauernd bei der Blutspende zurückgestellt werde. Ich werde jetzt schauen, dass ich als Brötchenschmiererin oder Betreuerin bei einem Spendetermin mithelfen kann. Außerdem habe ich morgen einen Termin bei einem Seniorenzentrum. Die können immer Leute gebrauchen, die helfen.

Jeder Mensch hat Träume in seinem Leben. Auch ich habe ein paar. Einen davon werde ich mir im April erfüllen: Ich werde ein Konzert von Ennio Morricone besuchen, meinem absoluten Lieblingskomponisten. Seine Werke sind ziemlich beeindruckend. Aber in der Kölner Lanxess-Arena wird es wohl atemberaubend sein. Für das Ticket und den Versand habe ich knapp 60 Euro bezahlt. Eigentlich ein ziemlich günstiger Lebenstraum.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Zweiundzwanzig

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Dem einen oder anderen Blogleser dürfte bereits aufgefallen sein, dass ich die “tageszeitung”, kurz “taz”, sehr schätze. Ich habe ihren Newsletter abonniert. Und eines Tages landete Folgendes in meinem Mailfach:

http://www.neuraus.de/component/option,com_shopblog/showoffer,28367/

Entscheidend ist hierbei der Punkt drei. Der klang sehr interessant, also habe ich mich sogleich gemeldet. Vor ziemlich genau einem Monat besuchten mich dann zwei sehr nette taz-Mitarbeiterinnen, eine Redakteurin und eine Fotografin, bei mir zu Hause. Ich finde den Artikel okay, auch wenn ich dadurch wohl so rüberkomme, als wäre ich internetsüchtig. Aber es ist was Wahres dran und irgendwie finde ich das auch lustig. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann den Artikel hier lesen:

http://bit.ly/1aWJ5nq

Ich habe den Artikel auch einigen Internetfreunden gezeigt. Einer meinte, ich würde durch das Bild eine Null-Bock-Haltung vermitteln und das könnte mir eventuell Schwierigkeiten bei der Jobsuche einbringen. Dabei würde ich gar keinen Job haben wollen, wo es Probleme wegen eines solchen Artikels geben könnte.

Aber wenn es um deinen Traumjob geht, siehst du das vielleicht anders.

Wenn mir da so was in die Quere kommen könnte, wäre es nicht mein Traumjob. Ganz einfach.

Samstag erschien der Artikel, und seit gestern stimmt die Altersangabe, die darin steht, nicht mehr. Leider musste ich gestern ein Referat halten, weil die letzten beiden Termine der Veranstaltung „Demokratietheorien“ falsch eingetragen worden waren und ich es nicht rechtzeitig gemerkt habe. Aber immerhin habe ich viele tolle Geschenke bekommen. Die Liste ist nicht ganz vollständig, z.B., weil meine Oma das Paket erst nächste Woche losschickt, aber trotzdem möchte ich das bis jetzt Erhaltene hier aufzählen:

– eine Eismaschine

– zwei Tafeln Schokolade, eine davon riesengroß

– Geld (das ist sehr gut, weil ich diesen Monat die Studiengebühren fürs nächste Semester bezahlen muss, grr)

– einen Thalia-Gutschein

– einen Amazon-Gutschein

– das “Genial-daneben”-Spiel

– drei Bücher (darunter “Die Sauerei geht weiter” von Jörg Nießen und “Volkscomputer” von Brian Bagnall)

Ich finde alle Geschenke wirklich super, aber mir gingen die Augen total auf, als ich entdeckte, was sich noch unter den drei Büchern befand, die mir meine Eltern geschenkt haben: der zweite Fotoband von Farin Urlaub. Australien und Osttimor. Und ich hab nicht nur den sauteuren Band gekriegt, nein, er ist auch noch handsigniert. Selten habe ich mich so über ein Geschenk gefreut. Ich bin gerade dabei, es durchzugehen, und die Bilder sind wirklich atemberaubend. Den Amazon-Gutschein habe ich übrigens schon eingelöst – die Tora und der Babylonische Talmud sind auf dem Weg zu mir.

“Die Sauerei geht weiter” kann ich sehr empfehlen. Ich habe es gestern sehr schnell durchgelesen, weil die Geschichten des als Feuerwehrmann und Rettungsassistent arbeitenden Autors so amüsant waren. Mit “Volkscomputer”, einem Buch über die Firma Commodore, habe ich heute im Wartezimmer meines Hausarztes angefangen, und es ist auch sehr interessant.

Apropos Arzt – ich bin dort heute lieber mal hingegangen, weil mich das komische Drücken in der Brust, das mich schon vor einigen Wochen quälte, die ganze letzte Nacht nicht schlafen ließ. Als heute Morgen um sieben wegen eines Friseurtermins der Wecker klingelte, wäre ich am liebsten im Bett liegengeblieben, so fertig war ich. Ich habe es dennoch hingeschafft, aber nur, weil mich der tollste Mann der Welt gefahren hat. Auf dem Friseurstuhl wäre ich dann fast eingeschlafen. Das Brustdrücken ließ mich immerhin für den Rest des Tages in Ruhe. Bis auf eine kleine Episode, als ich in die mir verhasste Juristenbibliothek musste, um einen wichtigen wissenschaftlichen Aufsatz zu kopieren. Ich mag die Juristenbibliothek nicht, weil ich, als ich das letzte Mal da war und ein Spiel auf meines Freundes Laptop spielte, bei dem man ziemlich viel klicken muss, von einer blöden Jurastudentin angequatscht worden, ich solle doch bitte damit aufhören. Als ich heute was tippen musste, wurde ich zwar ein paar Mal blöd angeguckt, aber in Ruhe gelassen. Vielleicht hängt es auch an der Zeit, zu der man hingeht – die Leute, die einen Sonntagnachmittag in der Bibliothek der juristischen Fakultät einer Universität verbringen, sind wohl einfach nicht so locker drauf.

Ich fühlte mich unwohl, als ich heute in der Juristenbibliothek saß. Vor einiger Zeit habe ich mal in einem Studienführer einen Artikel über unterschiedliche Fächerkulturen gelesen. Und es scheint was dran zu sein. Vom Aussehen her passte ich mit meinen knallroten Haaren und den Schlabberklamotten jedenfalls gar nicht zu all den adrett gekleideten und, falls männlich, vollgegelten Wesen, die durch die Bibliothek stromerten. Bin aber auch irgendwie stolz drauf.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin