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Deutsches Blut und italienische Musik

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Im Rahmen meines Seminars “Integration oder Assimilation?” beschäftigten wir uns in den letzten beiden Sitzungen mit den Kapiteln 8 und 9 aus Thilo Sarrazins Werk “Deutschland schafft sich ab”. Und ich kann jetzt sehr gut verstehen, warum sich viele über das Buch so aufgeregt haben.

Der Untertitel des achten Kapitels lautet “Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist”. Und er meint das tatsächlich ernst. Sozialleistungen sollten in Zukunft nur noch Gebildeten zugute kommen. Das ganze Kapitel basiert auf so vielen Fehlannahmen. Die UN sowie die eine Wissenschaftlerin, die er zitiert, als es um das Thema IQ geht, haben bereits moniert, dass er ihre Thesen total aus dem Zusammenhang reißt. Davon mal ab möchte ich zwei Sachen feststellen:

1.) Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass wenig gebildete Menschen immer so bleiben.

2.) Hätten nicht gerade die Leute die Sozialleistungen verdient, die kaum Bildung haben? Bildung ist hierzulande immer noch eine Sache des Geldes.

Im neunten Kapitel schießt er den Vogel dann vollends ab, indem er zwei mögliche Zukunftsszenarien entwirft – ein seiner Meinung nach gutes und ein seiner Meinung nach schlechtes. Das schlechte besteht daraus, dass Deutschland irgendwann von (muslimischen) Migranten überschwemmt wird und unsere Kultur deswegen verfällt. Das gute besteht für ihn u.a. daraus, dass es hier kaum noch Migranten gibt. Mein Dozent zeigte sich überrascht davon, dass ein seiner Meinung nach derart rassistisches Werk hier veröffentlicht werden darf.

Freitags habe ich keine Vorlesungen. Ich nutzte die Zeit, um zur Blutspendeaktion in einem evangelischen Gemeindeheim zu gehen. Meine Werte waren gut und ich wurde zunächst zugelassen. Allerdings nahm ich mir etwas Zeit, um noch etwas zu essen. Mein Freund bemerkte, meine Hände seien ganz kalt, und ich fühlte mich auch etwas komisch. Als mich die Ärztin so sah, stellte sie mich dann doch zurück.

Ich war ziemlich traurig, denn es spendet ja kaum jemand Blut. Wegen meiner Petition (tinyurl.com/p6w37xr) habe ich mir die Zahlen angesehen – es müssten ungefähr doppelt so viele Deutsche Blut spenden. Ich habe mir dann aber überlegt, dass ich vielleicht auch auf andere Weise Gutes tun kann, wenn ich schon dauernd bei der Blutspende zurückgestellt werde. Ich werde jetzt schauen, dass ich als Brötchenschmiererin oder Betreuerin bei einem Spendetermin mithelfen kann. Außerdem habe ich morgen einen Termin bei einem Seniorenzentrum. Die können immer Leute gebrauchen, die helfen.

Jeder Mensch hat Träume in seinem Leben. Auch ich habe ein paar. Einen davon werde ich mir im April erfüllen: Ich werde ein Konzert von Ennio Morricone besuchen, meinem absoluten Lieblingskomponisten. Seine Werke sind ziemlich beeindruckend. Aber in der Kölner Lanxess-Arena wird es wohl atemberaubend sein. Für das Ticket und den Versand habe ich knapp 60 Euro bezahlt. Eigentlich ein ziemlich günstiger Lebenstraum.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nur ein paar Sekunden

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…dauert es, eine Petition zu unterschreiben und zu verbreiten. Ich würde mich freuen, wenn ihr sie für meine überhättet:

http://www.change.org/de/Petitionen/bundes%C3%A4rztekammer-m%C3%A4nner-die-sex-mit-m%C3%A4nnern-haben-sollen-nicht-mehr-automatisch-von-der-blutspende-ausgeschlossen-werden

Männer, die Sex mit Männern haben, sollten nicht mehr automatisch von der Blutspende ausgeschlossen werden. Zu den Gründen habe ich einiges im Petitionstext geschrieben. Je mehr Unterstützer die Petition bekommt, desto besser.

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Die Kitschautorin

Land unter, Gehirn auch

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Ich bin so sauer, ich muss was loswerden. Gerade erfuhr ich von Merit-Seto aus meinem Lieblings-IRC-Channel #fernsehkritik-tv, wie die Hochwasser-Hilfe der Baumarkt-Kette “toom” aussieht. Sie verkaufen Sandsäcke für teuer Geld. Ein kleiner kostet drei Euro fünfzig, ein großer vier Euro fünfzig. Ich finde das schon ziemlich bescheiden, aber richtig wütend wurde ich, als ich Folgendes las:

https://www.facebook.com/toom/posts/579631338743567?comment_id=6437026&offset=0&total_comments=5

Was zur Hölle…? (Falls der Post irgendwann gelöscht werden sollte: Eine junge Dame bittet toom um Unterstützung gegen das Hochwasser. Antwort: Für Geschädigte 10 Prozent Rabatt aufs gesamte Sortiment. In zwei Dresdner Filialen.) In Dresden gibt es viele Restaurants, die Essen verschenken, es gibt Unternehmen, die Sandsäcke und Schaufeln spenden, es gibt auch enorm viele ehrenamtliche Helfer – und toom denkt nur ans Geld. Das ist doch ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer.

Mit ärgerlichen Grüßen

Die Kitschautorin

P.S.: Hier kann man Geld an die Hochwasseropfer spenden: https://www.drk.de/spenden/online-spenden.html

Nachtrag vom 5. Juni 2013: Toom hat inzwischen eingelenkt und will in Dresden und Halle verschiedene Hilfsmaterialien spenden, unter anderem Schaufeln, Gummistiefel und Hochdruckreiniger. Geht doch. ^_^

Pray for Nigeria

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Vor ziemlich genau zwei Jahren gab es in Japan ein großes Erdbeben. Viele Menschen starben oder verloren ihre Unterkunft, und auf Twitter wurde der Hashtag “#PrayforJapan” zum großen Trend. Ähnliches passiert bei jeder Katastrophe, die sich auf dem Erdball ereignet.

Ich musste daran denken, als ich gerade von einer alten Schulfreundin eine E-Mail erhielt, in der sie schrieb, dass sie und ihre Gemeinde einen Film über die in Nigeria verfolgten Christen sahen und anschließend beteten. Das störte mich. Natürlich ist der Gedanke, dass in einer religiösen Gemeinde gebetet wird, nicht ganz abartig, und man muss heutzutage wohl schon froh sein, wenn sich überhaupt jemand für etwas interessiert, was nicht im eigenen Land passiert. Doch wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Gemeinde danach nicht mehr unternommen hat, um ihren nigerianischen Glaubensbrüdern und –schwestern zu helfen. Anstatt einfach nur zu beten, hielte ich es für wichtiger, Aktionen zu starten, und z.B. die Öffentlichkeit über die Vorgänge in Nigeria zu informieren oder Goodluck Jonathan zu kontaktieren. Das hat mich als Nicht-wirklich-Gläubige schon 2011 gestört: Man sitzt in seinem stillen Kämmerlein und betet, anstatt etwas Wirksames gegen Missstände zu tun. In der Zeit, die so ein Gebet dauerte, hätten die Pray-for-Japan-Leute fünf Euro ans Rote Kreuz spenden können. Die Kirche spielte beim Zusammenbruch der DDR eine entscheidende Rolle, und das sicher nicht nur durch pures Beten.

(Ich möchte hier keinesfalls religiösen Leuten ihr Gebet absprechen und ich will nicht behaupten, dass die von mir vorgeschlagenen Aktionen wirklich der ultimative Bringer sind. Aber wirksamer als ein Gebet sind sie allemal.)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es ist etwas im Anzug

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Der Titel kommt von meinem besten Freund, der immer irgendeinen Spruch zitiert: „Ich brauche einen Anzug, weil mir etwas im Anzug zu sein scheint!“ Ich finde es immer sehr lustig, wenn er das sagt (warum auch immer), aber irgendwie scheint auch etwas dahinter zu stecken. Zur Zeit sind jedenfalls einige Dinge „im Anzug“, denke ich.

In letzter Zeit scheint es der große Trend zu sein, für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Auch ich möchte das ja mal machen. Ich hab mich noch nicht entschieden, wohin. Eine Freundin von mir hat sich vor ein paar Wochen sogar ins Land ihrer Träume aufgemacht. Und jetzt ist nicht mal sicher, ob sie das erreichen kann. Warum?

Sie will nach Japan.

Mal ganz abgesehen davon, dass es blöd ist, dass sie das Auslandssemester jetzt eventuell nicht machen kann: Ich war froh, dass sie noch nicht in Japan war, da sie noch auf ihr Visum warten musste. Was den Japanern passiert ist (und noch passieren wird), ist natürlich noch viel schlimmer. Fast jede Minute gibt es neue Horrornachrichten aus dem Land, das mal das Land der aufgehenden Sonne war. Und um meinen Anteil zu tun, habe ich soeben ein Spendenshirt im Shop meiner Lieblingsbloggerin bestellt:

http://blog.asurocks.de/2011/03/shirts-fur-japan.html

Normalerweise verdient Asu 5 Euro Provision an den von ihr designten T-Shirts, die es übrigens für Männlein UND Weiblein gibt. Bei den Spendenshirts wird der Anteil aber ans Rote Kreuz gespendet. Wer direkt spenden möchte, erfährt unter dieser Adresse, wie:

http://www.drk.de/weltweit/asien-nahost/japan-hilfe-nach-erdbeben.html

Japan hat es erfolgreich geschafft, die Revolutionen als Hauptthema aus den Nachrichten zu verdrängen. Die Katastrophe hat außerdem dazu geführt, dass alle wieder über Atomkraft diskutieren. Als ich neulich mit meinem Freund auf dem Heimweg von einem Spaziergang war, rasselten wir direkt in eine Anti-Atomkraft-Demo. Und im Unterricht wurde am Mittwoch über Japan und AKWs diskutiert. Aber ich war nicht da.

Diese Woche bestand mein Tag aus 8 Unterrichtsstunden und dem Kinofilm „The King’s Speech“. Der Film ist sehr empfehlenswert und hat seine vier Oscars sicher zu Recht erhalten – also: Wenn ihr den Film noch irgendwo schauen könnt, geht hin. Am besten in Originalsprache, so wie ich. Es ist einfach unvergleichlich, den Protagonisten in feinstem British English beim Schlagabtausch zuzuhören (ich zitiere aus der engl. Wikiquote):

Lionel Logue: [as George is lighting up a cigarette] Please don’t do that.

King George VI: I’m sorry?

Lionel Logue: I believe sucking smoke into your lungs will kill you.

King George VI: My physicians say it relaxes the throat.

Lionel Logue: They’re idiots.

King George VI: Many of them have been knighted.

Lionel Logue: Makes it official then.

So, ich mache mich gleich auf – nicht etwa zur Schule, sondern zu einem Orthopädentermin, der nicht auf eine andere Zeit gelegt werden konnte. Manchmal hat eine verkrümmte Wirbelsäule eben auch Vorteile.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin