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Freie Zeit, Ferien und foll wichtige Entscheidungen

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Tagesordnungspunkt 1: Freie Zeit

Als ich in der zehnten Klasse war, bekam ich mit, dass meine Mitschüler unheimlich gerne Neon lasen. Allein das hat damals schon dafür ausgereicht, dass ich es unbedingt auch wollte. Aber die Zeitschrift war auch einfach gut. Themen für junge Leute, aber nicht so hirnlos wie Bravo und Konsorten. Jahrelang war ich Abonnentin.

Bis ich irgendwann mitbekam, dass die Zeitschrift nicht für Leute für mich gemacht war. Nicht mehr. Man könnte auch sagen, ich war herausgewachsen. Ich lebe auf dem Land, in einer stabilen Beziehung, mit meinem ersten Freund, wir haben nicht mal zwischendrin Schluss gemacht. Und das schienen Sachen zu sein, die in der Neon-Welt nicht vorkamen. Ich habe die Zeitschrift irgendwann kaum noch gekauft, und anscheinend war ich da nicht die Einzige, denn die Zeitschrift wurde eingestellt.

Ich bedauere das schon ein wenig, wenn das auch mehr die Art von Bedauern ist, die man (das vermute ich jedenfalls) nach dem Beenden einer früher so schönen Beziehung hat. Die Neon hat mich über zehn Jahre begleitet, ich habe über neon.de einen sehr lieben Freund kennen gelernt (falls du das liest: Ja, ich meine dich. :P), und jetzt ist es vorbei. Mal sehen, ob es in Zukunft eine neue Zeitschrift geben wird, mit der ich liebäugeln kann. (Nein, ich meine weder den Playboy noch die Tattoo Erotica.)

Tagesordnungspunkt 2: Ferien

Die Ferien sind nun schon zur Hälfte rum, und ich finde es toll, dass ich sie habe. Meine Hoffnungen darauf, die Tabletten nie wieder nehmen zu müssen, haben sich leider zerschlagen, aber man kann nicht alles haben. Ich nutze auf jeden Fall die Zeit, die ich habe, für familiäre und freundschaftliche Treffen.

Tagesordnungspunkt 3: Foll wichtige Entscheidungen

In meinem Beruf habe ich sehr viel Menschenkontakt. Außerdem kenne ich Leute, deren Immunsystem fast nicht vorhanden ist. Grund genug, mich impfen zu lassen. Meinen Impfausweis hatte ich leider verloren, jetzt habe ich einen neuen. Am Montag ließ ich mich gegen FSME impfen. Der Hausarzt sagte zwar, dass Norddeutschland kein Risikogebiet ist, allerdings zählen andere Teile von Deutschland dazu, in denen ich Freunde habe… und die skandinavischen Länder.

Bis ich bei meinen Eltern auszog, bin ich immer gegen alles geimpft worden, und 2012 gab es noch mal den Vierfachshot. Bei einer Sache konnte ich allerdings nicht zuverlässig sagen, ob ich dagegen geimpft wurde, und das ist Hepatitis B. Ich möchte an dieser Stelle einmal sagen, was das Prozedere in solchen Fällen ist: Der Arzt nimmt dem Patienten Blut ab und bestimmt den Titer, ergo den Antikörperstatus im Blut. Das Labor braucht einige Tage und kann dann sagen, ob der Impfstatus ausreicht oder nicht. Bei mir waren zwar noch Antikörper vorhanden, aber nur wenige. Also musste ich heute noch mal ran.

Zufällig habe ich erfahren, dass meine kleine Kusine heute auch geimpft wurde, und es war für uns beide aufgrund der großen Nadeln (uah) sehr unangenehm. Viel schlimmer fand ich aber die so genannten „Impfkritiker“, die mir dann weismachen wollten, dass Impfungen nur schaden und so weiter. Ich könnte jetzt aufzählen, aus wie vielen Gründen solche Menschen nur Affenscheiße reden, aber ich verweise da einfach mal auf den von mir sehr geschätzten Kinderdok. Und auf John Oliver.

Impfmäßig bin ich jetzt wieder voll dabei. In zwei bis drei Monaten werde ich allerdings die Grippeimpfung hinterherschieben. Weil, wie bereits erwähnt: Viel Menschenkontakt. Und außerdem will ich niemanden anstecken, dessen Immunsystem das nicht verkraften kann.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Verkehrssituationen

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Gestern hatte ich meine erste praktische Fahrstunde. Und ich fühlte mich dabei ungefähr so:

Naja, Übung, Meister, blablabla.

Heute dann wieder Theorie und man hört Sachen, die glaubt man nicht. Es ging zum Beispiel um Halteverbotsschilder. An dem See, in dessen Nähe mein Freund aufgewachsen ist, findet man laut Fahrlehrer ein Schild, das so aussieht:

Schild

Wie soll man denn da reagieren? Mein Fahrlehrer hat gleich darauf hingewiesen, dass das kein offizielles Schild ist.

(Das hier habe ich übrigens gefunden, als ich nach Bildern von dem Schild suchte. Okay…)

Später hat er dann davon erzählt, wie ihm auf der Autobahn ein Reifen platzte, was dafür sorgte, dass sein Hintermann – der einen teuren BMW fuhr – u.a. eine Kiste Cola vorne drauf bekam. Erstaunlicherweise hielt der BMW-Mann nicht an. Mein Fahrlehrer vermutete, dass das Auto geklaut war.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Fahren lernen und ein lustiges Spiel

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Tagesordnungspunkt 1: Fahren lernen (oder auch nicht)

Mein Fahrlehrer hat heute erzählt, warum er keine A-Klasse (sprich: Motorräder und so Krams) mehr ausbildet. Er hatte da mal eine mittelalte Dame, die sich in den Kopf gesetzt hatte, die Klasse A zu erwerben, aber einfach unfähig war. 25 Stunden ist er mit ihr auf einem Parkplatz herumgekurvt. Dann hatte er darauf keine Lust mehr und ist mit ihr 60 Minuten lang um einen Häuserblock herumgefahren, immer rechtsherum. Ihr könnt euch vorstellen, dass er auch darauf irgendwann keine Lust mehr hatte. Dann bog er mal links ab. Und dann gabs Probleme.

Die Fahrschülerin haute auf dem Gehweg zwei ältere Damen um, der einen haute es dabei die Kniescheibe raus und sie bekam einen mittleren Schock. Das war schon nicht so toll. Dass die Notärztin erst mal die heulende, aber unversehrte Fahrschülerin behandelte und meinen Fahrlehrer anblaffte, als der es wagte, den Irrtum korrigieren zu wollen, auch nicht. Aber dann wurde es haarig: In solchen Fällen wird grundsätzlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Und wer hat rechtlich gesehen die Schuld? Der Fahrlehrer, genau.

Mein Fahrlehrer wurde freigesprochen, aber nur aus einem Grund: wegen der 25 Stunden, die er zuvor mit ihr auf dem Parkplatz herumgekurvt war. Wären es weniger Stunden gewesen, hätte er ins Gefängnis gemusst. Weil so was häufiger passiert, die Fahrschüler gerne mal das Motorrad zerlegen und er am Ende mehr draufzahlt, als er verdient, bildet er keine A-Klasse mehr aus.

Tagesordnungspunkt 2: Ein lustiges Spiel – Sätze, die ich (nicht) sage

Sätze, die ich sage

– AH, FUCK, SCHEISSE, TUT DAS WEH!

– Wer hat mein Handy / meine Schuhe / mein Wasauchimmer geklaut? (wenn ich es nicht finde)

– Mach ich morgen.

– Gott im Himmel…

– Na klasse…

Sätze, die ich nicht sage

– Ich setze mich jetzt sofort an meine Bachelorarbeit.

– Ja, ich räume gerne die Bude auf.

– Tat gar nicht weh.

– Bin ich wütend!

– Ist das kalt hier!

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es wird Zeit für einen neuen Rechner, wenn

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… der alte für das Kopieren einer Staffel “Switch” auf eine externe Festplatte knappe vier Stunden veranschlagt und eine Minute braucht, um auf den Versuch zu reagieren, diese Festplatte zu entfernen. Aber der Reihe nach.

Ich verfolge eigentlich die Politik, Dinge so lange zu benutzen, bis sie nicht mehr benutzbar sind. Ich hatte früher mal einen Tower. Ich weiß absolut nicht mehr, wie alt der war (mein Dad hatte ihn vom Arbeitsplatz mit nach Hause genommen), zwischendurch hat mein Freund mal Teile hereingemacht, die schon total veraltet waren und ihn trotzdem schneller machten. Also war er schon sehr alt, als ich mich zu meinem 20. Geburtstag dazu entschloss, einen Laptop zu kaufen. Aufmerksame Leser wissen: Das ist ziemlich genau vier Jahre her.

In dem Alter darf ein Rechner natürlich auch Probleme kriegen. Es ist vermutlich normal, dass Thunderbird und Chrome anfangen zu hängen, dass er schnell warm wird, gerne mal ewig braucht, um zu reagieren, im Schnitt einmal pro Tag abstürzt… Naja. Als mein Tower damals soweit war, habe ich ihn erst mal von einem Reparaturshop begutachten lassen, sodass er noch ein paar weitere Monate lief… doch gestern sind Monsieur und ich zu einem Computerladen gefahren, weil er sich einen neuen kaufen wollte. Und dann passierte etwas ganz Komisches.

Ich bewunderte die ganzen neuen, tollen, sauberen, schnellen Modelle und dann fragte mein Freund mich, ob ich einen neuen Computer zum Geburtstag haben will. Ich schwankte zwischen “Versuch doch noch mal, aus dem alten was rauszuholen, der war teuer genug” und “Aber die neuen sind so toll und du musst doch auch bald deine Abschlussarbeit schreiben”. Letztlich verführte mich ein Tower der Marke acer. Wenn ich schon einen neuen hole, dann sollte es wenigstens ein Tower sein, die kann man nämlich im Allgemeinen länger halten. Ich danke meinem Freund für dieses tolle Geschenk und überlege, ein Tablet dazuzukaufen, wenn ich mal von unterwegs arbeiten muss. Kann jemand ein Modell empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Dieser Eintrag ist noch auf dem alten Rechner entstanden. Den neuen benutze ich erst ab Freitag.

Libanesen, die Sowjetunion und Schwule

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Am Dienstagmorgen sah ich im Rahmen einer Seminarssitzung den Film “Neukölln unlimited”. Ziemlich harter Tagesbeginn. Nach dem Film war ich wütend auf ganz schön vieles. Ich war wütend auf die Leute, die zuließen, dass mit der Familie Akkouch so umgegangen wird. Sie müssen teilweise immer noch damit rechnen, dass sie zurück in den Libanon abgeschoben werden, obwohl sie das Land kaum kennen. Die überraschende Abschiebung 2003 hat bei der Familie sowohl seelische als auch körperliche Schäden hinterlassen (eine der Töchter bekam Bulimie). Ich war wütend auf Maradona, weil er mit seinen idiotischen Aktivitäten die Integrationsbemühungen seiner Familie torpedierte. Und ich war wütend auf mich selbst, weil ich so ein tolles Leben habe und mich trotzdem total oft darüber beschwere. Jeder, der es gut hat, hat die verdammte Pflicht, aus seinem Leben etwas zu machen. Und sich für andere einzusetzen.

Der Tag ging aber ganz gut weiter. Zu Hause konnte ich eine gebrauchte Ausgabe von “Küche totalitär” in Empfang nehmen. Mein Lieblingsautor (Wladimir Kaminer) und seine Frau haben eine unterhaltsame Mischung aus Geschichten über diverse Völker der ehemaligen Sowjetunion und interessanten Kochrezepten zusammengestellt. Ich bin schon fast durch und kann das Buch nur weiterempfehlen. In meiner Buchausgabe steckten übrigens ein FAZ-Artikel aus dem Jahr 2007, der sich mit Kaminer befasst, und eine Postkarte. Eine Frau mit altdeutschem Namen schreibt an eine andere, dass sie es schade findet, dass sie nicht zu ihrer Geburtstagsfeier kommen kann. Die Postkarte ist nicht frankiert und wurde am 8. Juni 2006 in Bochum geschrieben. Ich mag gebrauchte Bücher. Sie haben eine Seele.

Am Mittwoch habe ich immer nur eine Veranstaltung, die mir aber sehr gut gefällt: “Biografien von Migranten der ersten Generation und ihrer Kinder”. Die gestrige Sitzung beinhielt eine Präsentation über die Familie eines Kommilitonen, die aus Rumänien geflüchtet war. Einer der Präsentatoren holte etwas aus und erzählte etwas zur Geschichte des Heimatortes. Er sah sich ernsthaft dazu gezwungen, zu erklären, was die Habsburger sind. Wer das nicht weiß, sollte an einem solchen Seminar nicht teilnehmen dürfen. Ansonsten war die Präsentation aber sehr gut gemacht. Und es war sehr bedrückend, was man dort erfahren hat. Schreckliche Zustände in Rumänien, mal wieder deutsche Behörden, die einem das Leben schwer machen (und das trotz in diesem Fall vorhandener Deutschstämmigkeit), und familiäre Dramen rund um die Flucht. Es ist außerdem immer wieder interessant, was für Geschichten hinter Menschen stecken, die man kaum kennt. Ich finde gut, dass so was im Unibetrieb Platz hat.

Die Dozentin dieser Veranstaltung hat lange Zeit Einwandererkinder in Deutsch unterrichtet und im Verlauf dieser Tätigkeit unheimlich viel erlebt. Unter anderem folgende Geschichte, die ich gern mit euch teilen möchte: Ein bosnischer Junge fragte einen srilankischen Jungen, wer denn bestimme, ob er als Blume, Hund oder Mensch wiedergeboren werde. Antwort: “Vielleicht derselbe, der bestimmt, ob du in den Himmel oder die Hölle kommst.” Kinder…

Heute Morgen habe ich mich ziemlich geärgert. Zunächst ist etwas eigentlich sehr Schönes passiert: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet. Aber dann las ich (eigentlich wollte ich für etwas ganz anderes recherchieren) auf einer FDP-Seite, dass Westerwelle sagte, das Coming-out von Hitzlsperger verdiene größten Respekt. Sagt der Mann, der seinen Lebenspartner nicht auf eine Auslandsreise mitnahm, weil irgendein islamistischer Staatschef dagegen war, auf eine E-Mail-Aufforderung meinerseits, in punkto Putin Farbe zu bekennen, mit einer Wischi-Waschi-Mail antwortete und sich bei einer wichtigen Abstimmung zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften enthielt. Von dem Mann habe ich nichts zu erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es weihnachtet sehr

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(Reaktion auf diesen Eintrag: http://nightfallrowen.wordpress.com/2013/12/15/rowen-beim-weihnachtsmarkt/)

Normalerweise kann man an Sonntagen ja nicht viel machen. In der Weihnachtszeit sieht das aber etwas anders aus und so nutzte ich meine freie Zeit, um zusammen mit Rowen und meinem Freund in die größte Stadt Niedersachsens zu fahren.

Auf dem Weihnachtsmarkt, der rund um die Marktkirche angesiedelt ist, aß ich ein leckeres fleisch-, knoblauchsoßen- und zwiebelgefülltes Brötchen. Danach gingen wir in die Marktkirche. Das Gebäude sieht schon von außen toll aus. Dazu kommt noch, dass die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Kirchen jeden Tag geöffnet ist. Also nichts wie rein.

Ich bin nicht so oft in großen Kirchen, von daher war ich ziemlich beeindruckt, als ich in der Marktkirche stand. Sie sieht insgesamt sehr schön aus. Hier ein Bild, das ich von den Kerzen gemacht habe (ein Brauch, den ich sehr gern mag):

Kerzen in der Marktkirche

Als Nächstes besichtigten wir die Gedenkstätte Aegidienkirche. Früher war das mal eine Kirche, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seitdem stehen die Überreste als Mahnmal da. Es war ziemlich bedrückend.

Gedenkstätte Aegidienkirche 7

Danach gingen wir zurück zum Weihnachtsmarkt, wo ich ein paar Vanillemandeln aß und meine Freunde ein wenig heißen Met tranken. Ich durfte davon probieren. Nicht zu empfehlen. Ach ja: Der Rechner, der auf Rowens letztem Bild zu sehen ist, ist meiner. Smiley mit geöffnetem Mund

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 18

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Die Uni ging rasend schnell vorbei. Gerade hatte ich mich noch im Hörsaal mit Anna zum gemeinsamen Mittagessen in der Mensa verabredet und schon stand ich in der Riesenschlange, die sich vor der Essensausgabe auftürmte. Lautstark unterhielten sich alle Studenten darüber, woraus das Mensaessen heute wohl bestand, und wie sie sich heute wieder durch alle Übungen geschludert hatten. So richtig nahm wohl niemand das Studium ernst, dachte ich.
Im Augenblick musste ich aber etwas anderes ernst nehmen… ich verspürte ein dringendes natürliches Bedürfnis. Also bat ich Anna: „Kannst du mir etwas mitbringen? Ich gebe dir das Geld dann gleich wieder.“
„Kein Problem“, erwiderte sie.
Ich rannte raus und erleichterte mich auf der Toilette. Ah, tat das gut. Wie neugeboren wusch ich mir die Hände. Als ich mir das Gesicht mit kaltem Wasser abpatschte, hörte ich plötzlich etwas. Neben der surrenden Lampe über den Spiegeln ertönte noch ein Geräusch. Ich dachte eigentlich, ich wäre alleine in den Mädchenwaschräumen gewesen. Komisch, was war denn da los?
Neugierig spitzte ich meine Ohren. Erschrocken stellte ich fest, was ich da hörte: Es klang wie weibliches Schluchzen. Untermalt von leisem Schniefen drang es verzweifelt in meine Ohren. Was sollte ich denn jetzt machen? So etwas war mir noch nie passiert, zumal mir die erstickte Stimme irgendwie bekannt vorkam.
Zögerlich ging ich zur verschlossenen Kabine und klopfte an die Tür. „Hallo? Ist da jemand?“
„Was willst du?“, heulte die Person, die auf der anderen Seite der Tür war. Ich erschrak abermals, denn es handelte sich um niemand anderen als Kati. Jetzt war ich noch ratloser.
Wie ein Dummkopf fragte ich: „Weinst du etwa?“
Die Antwort war: „Na und? Was geht dich das an? Hau ab!“
Plötzlich stieg Wut in mir auf. „Ja, genau! Warum interessiere ich mich eigentlich für jemanden, der meine CD, die so schwer zu finden war, einfach kaputt macht? Ganz zu schweigen davon, dass ich vielleicht so was wie Angst hatte, als einfach jemand in mein Zimmer eingebrochen ist. Dann heul doch weiter!“ Ich steuerte den Ausgang an.
„Nein, bitte bleib da!“, ertönte Katis schwache Stimme. Sie schnäuzte sich irgendwo rein, wahrscheinlich ins Klopapier. War das nicht viel zu rau für ihre zarte Nase?
Trotzdem drehte ich mich wieder um und kehrte zurück zur Tür, die mittlerweile offen war.
Kati war ein jämmerlicher Anblick. Sonst stolzierte sie immer wie die Königin von Saba durch die Welt, nahm sich alles, was sie wollte, kümmerte sich nicht darum, ob sie jemandem schadete oder nicht und sah dabei auch noch immer gut aus. Jetzt saß sie da wie ein Häufchen Elend , ihre Klamotten saßen grundfalsch und ihre Wimperntusche war verschmiert; um sie herum lagen dutzendweise vollgeweinte Taschentücher und Klopapierhaufen. Eigentlich hätte ich in diesem Moment Schadenfreude empfinden sollen, das hätte jeder Mensch in meiner Lage getan, denke ich. Aber ich konnte es irgendwie nicht.
Um mich zu sortieren, fragte ich erst einmal: „Was ist denn los, dass du dir fast das Hirn rausweinst?“
Sie schniefte. „Hannes hat mich verlassen.“
„Wirklich?“
„Ja.“ Schnief. „Ich habe mit ihm darüber geredet, wie sehr mir das wehtut, dass er ständig mit anderen Mädels herummacht. Ich habe immer so getan, als würde mir das nichts ausmachen, weil ich mich so gefreut habe, dass jemand mit mir zusammen sein wollte.“
„Wie? Ich dachte, die Jungs fliegen auf dich.“
„Ja, das stimmt auch“, schnaubte Kati bitter und schnäuzte sich erneut. „Sie fliegen auf mich, weil mein Vater eine Firma hat und mir pausenlos das Geld in den Arsch schiebt. Ich will das alles gar nicht! Diesen tollen Wagen, den ich zum Abitur gekriegt habe, wollte ich ablehnen. Aber da hat mein Vater mir ins Gewissen geredet. Dass ich ihn nicht mehr lieben würde und dass ich doch dankbar für solch ein Geschenk sein sollte. Der kapiert auch echt gar nichts mehr!“ Sie schaute mir in die Augen. „Als ich Hannes getroffen habe, dachte ich, er wäre der Erste, der kein schnelles Abenteuer mit mir wollte, der nicht so oberflächlich ist wie alle anderen. Aber da hab ich mich wohl getäuscht. Ich bin bei ihm geblieben… wieso eigentlich? Weil ich ihn liebe, verdammt noch mal!“ Jetzt fing sie richtig an zu weinen. Oh mein Gott, was machte ich nur mit einem Mädchen, das ich eigentlich von Grund auf gehasst hatte? Verlegen klopfte ich ihr auf dem Rücken herum. „Du… darfst dir nicht alles gefallen lassen!“, sagte ich zu ihr.
„Hab ich doch auch nicht“, murmelte Kati.
„Ja, du hast meine CD, die ich jetzt mühsam wieder irgendwo suchen darf, kaputt gemacht, und mir mit dem Einbruch einen Riesenschrecken eingejagt. Super, wirklich!“
„Ich war total sauer auf dich. Nachdem ich rausgefunden habe, dass er mit dir geschlafen hat, wollte ich einfach nicht mehr. Ich hab rot gesehen.“
„Aber wieso verschwendest du deine sinnlose Wut an mich? Sieh es doch ein“, versuchte ich ihr klarzumachen, „der Typ ist ein totales Arschloch. Er verführt alle Weiber und kümmert sich nicht darum, ob er mit irgendjemandes Gefühlen spielt. Das hat er mit mir doch auch gemacht! Wir dürfen das nicht länger tolerieren.“
„Und was schlägst du vor?“, fragte Kati schwach.
„Wir müssen uns an ihm rächen. Hast du Zugang zu seinem Zimmer?“
„Klar, wieso?“
„Wir werden ihm zeigen, dass wir beide nicht alles mit uns machen lassen. Also, hast du morgen Abend Zeit?“

Fünf Minuten später kam ich an Annas Tisch an. Sie sah erst nach einigen Sekunden von ihrem Handy auf. „Tut mir Leid, ich hab gerade eine SMS von Aurélie gekriegt. Sie kommt gleich in die Mensa. Aber wo warst du denn so lange? Wollten alle Studentinnen gleichzeitig aufs Klo oder was?“
„Nein, ich hab noch was wegen der Uni besprochen.“ Das war nicht mal gelogen, Kati und Hannes studierten ja auch hier.
„Na gut, hier ist jedenfalls dein Essen. Hat ein Euro achtzig gekostet, gibste mir die wieder?“, fragte sie und deutete dabei auf einen Teller mit Curry-Tofu-Risotto.
Ich gab ihr das Geld zurück. „Also“, rief Anna, während sie ihr Portmonee wieder einsteckte, „hast du mal wieder was von unserem Traumpaar gehört?“
„Du meinst Aurélie und Freddy? Nein, nicht das Geringste. Das letzte Mal, als ich die beiden zusammen gesehen habe, ist schon Ewigkeiten her. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass Aurélie wohl ganz schön wütend auf ihn sein muss. Ich hab dir doch erzählt, wie sie mich im Café angemeckert hat. Und das war noch stark untertrieben.“
„Ja, das hast du mir erzählt. Neuerdings kommt Aurélie immer sauspät nach Hause und von Freddy redet sie gar nicht mehr“, berichtete Anna. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, die sind gar nicht mehr zusammen. Aber das hätte sie mir wohl gesagt.“
„Ja, das seh ich auch so“, pflichtete ich ihr bei. „Das kann so nicht weitergehen. Die lieben sich doch.“
„Deswegen haben wir doch gesagt, dass wir etwas unternehmen. Oh, da kommt sie ja! Hey, Aurélie! Hier sind wir!“ Anna winkte unserer gemeinsamen Freundin zu, die sich gerade etwas zu essen geholt hatte. Als sie näher kam, sah ich, dass sie sich zu ihrem Hauptgericht noch Baguette und Crème brûlée genommen hatte – typisch französisch.
„Hey, Mädels, wie geht es euch?“, begrüßte Aurélie uns und stellte das Tablett auf dem Tisch ab. Sie wirkte recht gut gelaunt.
„Gut, und dir?“, entgegnete ich.
„Mir geht’s perfekt. Ich denke schon gar nicht mehr an diesen Idioten von Freddy. Den hab ich völlig ausgeblendet“, erzählte sie und begann, zufrieden an ihrem Baguette zu mampfen.
Sie sprach uns darauf an, ohne dass wir sie dazu aufgefordert hatten? Verdächtig.
Ich tauschte einen Blick mit Anna aus. Sie schien dasselbe zu denken wie ich. Wie oft hatten wir solche Momente schon gehabt?
„Schau, Aurélie“, begann Anna das Gespräch, „wir wollten heute Abend zusammen ein paar Filme gucken. Willst du mitmachen?“
„Gerne, was guckt ihr denn so?“
Scheiße, so weit hatten wir noch nicht geplant. „Ähm“, stammelte ich, „wie wäre es denn mit ‚Die fabelhafte Welt der Amélie’? Du magst doch die Musik so gerne“, sagte ich und hätte mir am liebsten auf die Zunge gebissen. Als es Aurélie so dreckig gegangen war, hatte sie doch die ganze Nacht diese Musik gehört – bestimmt wollte sie nicht, dass Anna es mir erzählte, wie es Aurélie gegangen war.
Aber sie schien nichts bemerkt zu haben (oder es machte ihr nichts aus). „Oh, klar, für den Film bin ich immer zu haben. Ich hab heute ziemlich lange Uni, wann wolltet ihr denn anfangen?“
Anna sah mich an. „So um sieben vielleicht?“
„Ja, das passt gut, da bin ich schon wieder zurück.“
Da schien Anna was einzufallen. Sie stand auf einmal auf und sagte: „Einen Moment, wir sind gleich wieder da, okay?“ Sprach’s und zog mich vom Stuhl. Verwundert ließ ich mich von ihr aus der Mensa schleppen und sah noch, wie Aurélie uns verwundert hinterher sah.
„Was sollte das denn?“, wollte ich sofort von Anna wissen, sobald wir draußen standen.
„Es gibt einen wichtigen Punkt, den wir nicht bedacht haben, und das wollte ich dir vor Aurélie nicht sagen!“
„Ach, du meinst…“
„Ja, genau. Irgendjemand muss Freddy doch auch noch Bescheid sagen. Nur wie machen wir das? Das Ganze findet ja bei uns in der WG statt, da wird er wohl kaum hinkommen wollen“, gab Anna zu bedenken.
„Wir könnten ihn ja etwas früher kommen lassen…“, schlug ich vor.
„Hm, na ja, vielleicht kann er da nicht… Wir müssen irgendwie verbergen, dass Aurélie da sein wird…“
„Ja, aber wie?“
„Vielleicht könnten wir… Ach, du Scheiße!“, fluchte Anna plötzlich los.
„Was ist denn nun schon wieder?“