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Schlagwort-Archive: schaden

Verkehrssituationen

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Gestern hatte ich meine erste praktische Fahrstunde. Und ich fühlte mich dabei ungefähr so:

Naja, Übung, Meister, blablabla.

Heute dann wieder Theorie und man hört Sachen, die glaubt man nicht. Es ging zum Beispiel um Halteverbotsschilder. An dem See, in dessen Nähe mein Freund aufgewachsen ist, findet man laut Fahrlehrer ein Schild, das so aussieht:

Schild

Wie soll man denn da reagieren? Mein Fahrlehrer hat gleich darauf hingewiesen, dass das kein offizielles Schild ist.

(Das hier habe ich übrigens gefunden, als ich nach Bildern von dem Schild suchte. Okay…)

Später hat er dann davon erzählt, wie ihm auf der Autobahn ein Reifen platzte, was dafür sorgte, dass sein Hintermann – der einen teuren BMW fuhr – u.a. eine Kiste Cola vorne drauf bekam. Erstaunlicherweise hielt der BMW-Mann nicht an. Mein Fahrlehrer vermutete, dass das Auto geklaut war.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Fahren lernen und ein lustiges Spiel

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Tagesordnungspunkt 1: Fahren lernen (oder auch nicht)

Mein Fahrlehrer hat heute erzählt, warum er keine A-Klasse (sprich: Motorräder und so Krams) mehr ausbildet. Er hatte da mal eine mittelalte Dame, die sich in den Kopf gesetzt hatte, die Klasse A zu erwerben, aber einfach unfähig war. 25 Stunden ist er mit ihr auf einem Parkplatz herumgekurvt. Dann hatte er darauf keine Lust mehr und ist mit ihr 60 Minuten lang um einen Häuserblock herumgefahren, immer rechtsherum. Ihr könnt euch vorstellen, dass er auch darauf irgendwann keine Lust mehr hatte. Dann bog er mal links ab. Und dann gabs Probleme.

Die Fahrschülerin haute auf dem Gehweg zwei ältere Damen um, der einen haute es dabei die Kniescheibe raus und sie bekam einen mittleren Schock. Das war schon nicht so toll. Dass die Notärztin erst mal die heulende, aber unversehrte Fahrschülerin behandelte und meinen Fahrlehrer anblaffte, als der es wagte, den Irrtum korrigieren zu wollen, auch nicht. Aber dann wurde es haarig: In solchen Fällen wird grundsätzlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Und wer hat rechtlich gesehen die Schuld? Der Fahrlehrer, genau.

Mein Fahrlehrer wurde freigesprochen, aber nur aus einem Grund: wegen der 25 Stunden, die er zuvor mit ihr auf dem Parkplatz herumgekurvt war. Wären es weniger Stunden gewesen, hätte er ins Gefängnis gemusst. Weil so was häufiger passiert, die Fahrschüler gerne mal das Motorrad zerlegen und er am Ende mehr draufzahlt, als er verdient, bildet er keine A-Klasse mehr aus.

Tagesordnungspunkt 2: Ein lustiges Spiel – Sätze, die ich (nicht) sage

Sätze, die ich sage

– AH, FUCK, SCHEISSE, TUT DAS WEH!

– Wer hat mein Handy / meine Schuhe / mein Wasauchimmer geklaut? (wenn ich es nicht finde)

– Mach ich morgen.

– Gott im Himmel…

– Na klasse…

Sätze, die ich nicht sage

– Ich setze mich jetzt sofort an meine Bachelorarbeit.

– Ja, ich räume gerne die Bude auf.

– Tat gar nicht weh.

– Bin ich wütend!

– Ist das kalt hier!

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es wird Zeit für einen neuen Rechner, wenn

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… der alte für das Kopieren einer Staffel “Switch” auf eine externe Festplatte knappe vier Stunden veranschlagt und eine Minute braucht, um auf den Versuch zu reagieren, diese Festplatte zu entfernen. Aber der Reihe nach.

Ich verfolge eigentlich die Politik, Dinge so lange zu benutzen, bis sie nicht mehr benutzbar sind. Ich hatte früher mal einen Tower. Ich weiß absolut nicht mehr, wie alt der war (mein Dad hatte ihn vom Arbeitsplatz mit nach Hause genommen), zwischendurch hat mein Freund mal Teile hereingemacht, die schon total veraltet waren und ihn trotzdem schneller machten. Also war er schon sehr alt, als ich mich zu meinem 20. Geburtstag dazu entschloss, einen Laptop zu kaufen. Aufmerksame Leser wissen: Das ist ziemlich genau vier Jahre her.

In dem Alter darf ein Rechner natürlich auch Probleme kriegen. Es ist vermutlich normal, dass Thunderbird und Chrome anfangen zu hängen, dass er schnell warm wird, gerne mal ewig braucht, um zu reagieren, im Schnitt einmal pro Tag abstürzt… Naja. Als mein Tower damals soweit war, habe ich ihn erst mal von einem Reparaturshop begutachten lassen, sodass er noch ein paar weitere Monate lief… doch gestern sind Monsieur und ich zu einem Computerladen gefahren, weil er sich einen neuen kaufen wollte. Und dann passierte etwas ganz Komisches.

Ich bewunderte die ganzen neuen, tollen, sauberen, schnellen Modelle und dann fragte mein Freund mich, ob ich einen neuen Computer zum Geburtstag haben will. Ich schwankte zwischen “Versuch doch noch mal, aus dem alten was rauszuholen, der war teuer genug” und “Aber die neuen sind so toll und du musst doch auch bald deine Abschlussarbeit schreiben”. Letztlich verführte mich ein Tower der Marke acer. Wenn ich schon einen neuen hole, dann sollte es wenigstens ein Tower sein, die kann man nämlich im Allgemeinen länger halten. Ich danke meinem Freund für dieses tolle Geschenk und überlege, ein Tablet dazuzukaufen, wenn ich mal von unterwegs arbeiten muss. Kann jemand ein Modell empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Dieser Eintrag ist noch auf dem alten Rechner entstanden. Den neuen benutze ich erst ab Freitag.

Libanesen, die Sowjetunion und Schwule

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Am Dienstagmorgen sah ich im Rahmen einer Seminarssitzung den Film “Neukölln unlimited”. Ziemlich harter Tagesbeginn. Nach dem Film war ich wütend auf ganz schön vieles. Ich war wütend auf die Leute, die zuließen, dass mit der Familie Akkouch so umgegangen wird. Sie müssen teilweise immer noch damit rechnen, dass sie zurück in den Libanon abgeschoben werden, obwohl sie das Land kaum kennen. Die überraschende Abschiebung 2003 hat bei der Familie sowohl seelische als auch körperliche Schäden hinterlassen (eine der Töchter bekam Bulimie). Ich war wütend auf Maradona, weil er mit seinen idiotischen Aktivitäten die Integrationsbemühungen seiner Familie torpedierte. Und ich war wütend auf mich selbst, weil ich so ein tolles Leben habe und mich trotzdem total oft darüber beschwere. Jeder, der es gut hat, hat die verdammte Pflicht, aus seinem Leben etwas zu machen. Und sich für andere einzusetzen.

Der Tag ging aber ganz gut weiter. Zu Hause konnte ich eine gebrauchte Ausgabe von “Küche totalitär” in Empfang nehmen. Mein Lieblingsautor (Wladimir Kaminer) und seine Frau haben eine unterhaltsame Mischung aus Geschichten über diverse Völker der ehemaligen Sowjetunion und interessanten Kochrezepten zusammengestellt. Ich bin schon fast durch und kann das Buch nur weiterempfehlen. In meiner Buchausgabe steckten übrigens ein FAZ-Artikel aus dem Jahr 2007, der sich mit Kaminer befasst, und eine Postkarte. Eine Frau mit altdeutschem Namen schreibt an eine andere, dass sie es schade findet, dass sie nicht zu ihrer Geburtstagsfeier kommen kann. Die Postkarte ist nicht frankiert und wurde am 8. Juni 2006 in Bochum geschrieben. Ich mag gebrauchte Bücher. Sie haben eine Seele.

Am Mittwoch habe ich immer nur eine Veranstaltung, die mir aber sehr gut gefällt: “Biografien von Migranten der ersten Generation und ihrer Kinder”. Die gestrige Sitzung beinhielt eine Präsentation über die Familie eines Kommilitonen, die aus Rumänien geflüchtet war. Einer der Präsentatoren holte etwas aus und erzählte etwas zur Geschichte des Heimatortes. Er sah sich ernsthaft dazu gezwungen, zu erklären, was die Habsburger sind. Wer das nicht weiß, sollte an einem solchen Seminar nicht teilnehmen dürfen. Ansonsten war die Präsentation aber sehr gut gemacht. Und es war sehr bedrückend, was man dort erfahren hat. Schreckliche Zustände in Rumänien, mal wieder deutsche Behörden, die einem das Leben schwer machen (und das trotz in diesem Fall vorhandener Deutschstämmigkeit), und familiäre Dramen rund um die Flucht. Es ist außerdem immer wieder interessant, was für Geschichten hinter Menschen stecken, die man kaum kennt. Ich finde gut, dass so was im Unibetrieb Platz hat.

Die Dozentin dieser Veranstaltung hat lange Zeit Einwandererkinder in Deutsch unterrichtet und im Verlauf dieser Tätigkeit unheimlich viel erlebt. Unter anderem folgende Geschichte, die ich gern mit euch teilen möchte: Ein bosnischer Junge fragte einen srilankischen Jungen, wer denn bestimme, ob er als Blume, Hund oder Mensch wiedergeboren werde. Antwort: “Vielleicht derselbe, der bestimmt, ob du in den Himmel oder die Hölle kommst.” Kinder…

Heute Morgen habe ich mich ziemlich geärgert. Zunächst ist etwas eigentlich sehr Schönes passiert: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet. Aber dann las ich (eigentlich wollte ich für etwas ganz anderes recherchieren) auf einer FDP-Seite, dass Westerwelle sagte, das Coming-out von Hitzlsperger verdiene größten Respekt. Sagt der Mann, der seinen Lebenspartner nicht auf eine Auslandsreise mitnahm, weil irgendein islamistischer Staatschef dagegen war, auf eine E-Mail-Aufforderung meinerseits, in punkto Putin Farbe zu bekennen, mit einer Wischi-Waschi-Mail antwortete und sich bei einer wichtigen Abstimmung zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften enthielt. Von dem Mann habe ich nichts zu erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es weihnachtet sehr

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(Reaktion auf diesen Eintrag: http://nightfallrowen.wordpress.com/2013/12/15/rowen-beim-weihnachtsmarkt/)

Normalerweise kann man an Sonntagen ja nicht viel machen. In der Weihnachtszeit sieht das aber etwas anders aus und so nutzte ich meine freie Zeit, um zusammen mit Rowen und meinem Freund in die größte Stadt Niedersachsens zu fahren.

Auf dem Weihnachtsmarkt, der rund um die Marktkirche angesiedelt ist, aß ich ein leckeres fleisch-, knoblauchsoßen- und zwiebelgefülltes Brötchen. Danach gingen wir in die Marktkirche. Das Gebäude sieht schon von außen toll aus. Dazu kommt noch, dass die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Kirchen jeden Tag geöffnet ist. Also nichts wie rein.

Ich bin nicht so oft in großen Kirchen, von daher war ich ziemlich beeindruckt, als ich in der Marktkirche stand. Sie sieht insgesamt sehr schön aus. Hier ein Bild, das ich von den Kerzen gemacht habe (ein Brauch, den ich sehr gern mag):

Kerzen in der Marktkirche

Als Nächstes besichtigten wir die Gedenkstätte Aegidienkirche. Früher war das mal eine Kirche, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seitdem stehen die Überreste als Mahnmal da. Es war ziemlich bedrückend.

Gedenkstätte Aegidienkirche 7

Danach gingen wir zurück zum Weihnachtsmarkt, wo ich ein paar Vanillemandeln aß und meine Freunde ein wenig heißen Met tranken. Ich durfte davon probieren. Nicht zu empfehlen. Ach ja: Der Rechner, der auf Rowens letztem Bild zu sehen ist, ist meiner. Smiley mit geöffnetem Mund

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 18

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Die Uni ging rasend schnell vorbei. Gerade hatte ich mich noch im Hörsaal mit Anna zum gemeinsamen Mittagessen in der Mensa verabredet und schon stand ich in der Riesenschlange, die sich vor der Essensausgabe auftürmte. Lautstark unterhielten sich alle Studenten darüber, woraus das Mensaessen heute wohl bestand, und wie sie sich heute wieder durch alle Übungen geschludert hatten. So richtig nahm wohl niemand das Studium ernst, dachte ich.
Im Augenblick musste ich aber etwas anderes ernst nehmen… ich verspürte ein dringendes natürliches Bedürfnis. Also bat ich Anna: „Kannst du mir etwas mitbringen? Ich gebe dir das Geld dann gleich wieder.“
„Kein Problem“, erwiderte sie.
Ich rannte raus und erleichterte mich auf der Toilette. Ah, tat das gut. Wie neugeboren wusch ich mir die Hände. Als ich mir das Gesicht mit kaltem Wasser abpatschte, hörte ich plötzlich etwas. Neben der surrenden Lampe über den Spiegeln ertönte noch ein Geräusch. Ich dachte eigentlich, ich wäre alleine in den Mädchenwaschräumen gewesen. Komisch, was war denn da los?
Neugierig spitzte ich meine Ohren. Erschrocken stellte ich fest, was ich da hörte: Es klang wie weibliches Schluchzen. Untermalt von leisem Schniefen drang es verzweifelt in meine Ohren. Was sollte ich denn jetzt machen? So etwas war mir noch nie passiert, zumal mir die erstickte Stimme irgendwie bekannt vorkam.
Zögerlich ging ich zur verschlossenen Kabine und klopfte an die Tür. „Hallo? Ist da jemand?“
„Was willst du?“, heulte die Person, die auf der anderen Seite der Tür war. Ich erschrak abermals, denn es handelte sich um niemand anderen als Kati. Jetzt war ich noch ratloser.
Wie ein Dummkopf fragte ich: „Weinst du etwa?“
Die Antwort war: „Na und? Was geht dich das an? Hau ab!“
Plötzlich stieg Wut in mir auf. „Ja, genau! Warum interessiere ich mich eigentlich für jemanden, der meine CD, die so schwer zu finden war, einfach kaputt macht? Ganz zu schweigen davon, dass ich vielleicht so was wie Angst hatte, als einfach jemand in mein Zimmer eingebrochen ist. Dann heul doch weiter!“ Ich steuerte den Ausgang an.
„Nein, bitte bleib da!“, ertönte Katis schwache Stimme. Sie schnäuzte sich irgendwo rein, wahrscheinlich ins Klopapier. War das nicht viel zu rau für ihre zarte Nase?
Trotzdem drehte ich mich wieder um und kehrte zurück zur Tür, die mittlerweile offen war.
Kati war ein jämmerlicher Anblick. Sonst stolzierte sie immer wie die Königin von Saba durch die Welt, nahm sich alles, was sie wollte, kümmerte sich nicht darum, ob sie jemandem schadete oder nicht und sah dabei auch noch immer gut aus. Jetzt saß sie da wie ein Häufchen Elend , ihre Klamotten saßen grundfalsch und ihre Wimperntusche war verschmiert; um sie herum lagen dutzendweise vollgeweinte Taschentücher und Klopapierhaufen. Eigentlich hätte ich in diesem Moment Schadenfreude empfinden sollen, das hätte jeder Mensch in meiner Lage getan, denke ich. Aber ich konnte es irgendwie nicht.
Um mich zu sortieren, fragte ich erst einmal: „Was ist denn los, dass du dir fast das Hirn rausweinst?“
Sie schniefte. „Hannes hat mich verlassen.“
„Wirklich?“
„Ja.“ Schnief. „Ich habe mit ihm darüber geredet, wie sehr mir das wehtut, dass er ständig mit anderen Mädels herummacht. Ich habe immer so getan, als würde mir das nichts ausmachen, weil ich mich so gefreut habe, dass jemand mit mir zusammen sein wollte.“
„Wie? Ich dachte, die Jungs fliegen auf dich.“
„Ja, das stimmt auch“, schnaubte Kati bitter und schnäuzte sich erneut. „Sie fliegen auf mich, weil mein Vater eine Firma hat und mir pausenlos das Geld in den Arsch schiebt. Ich will das alles gar nicht! Diesen tollen Wagen, den ich zum Abitur gekriegt habe, wollte ich ablehnen. Aber da hat mein Vater mir ins Gewissen geredet. Dass ich ihn nicht mehr lieben würde und dass ich doch dankbar für solch ein Geschenk sein sollte. Der kapiert auch echt gar nichts mehr!“ Sie schaute mir in die Augen. „Als ich Hannes getroffen habe, dachte ich, er wäre der Erste, der kein schnelles Abenteuer mit mir wollte, der nicht so oberflächlich ist wie alle anderen. Aber da hab ich mich wohl getäuscht. Ich bin bei ihm geblieben… wieso eigentlich? Weil ich ihn liebe, verdammt noch mal!“ Jetzt fing sie richtig an zu weinen. Oh mein Gott, was machte ich nur mit einem Mädchen, das ich eigentlich von Grund auf gehasst hatte? Verlegen klopfte ich ihr auf dem Rücken herum. „Du… darfst dir nicht alles gefallen lassen!“, sagte ich zu ihr.
„Hab ich doch auch nicht“, murmelte Kati.
„Ja, du hast meine CD, die ich jetzt mühsam wieder irgendwo suchen darf, kaputt gemacht, und mir mit dem Einbruch einen Riesenschrecken eingejagt. Super, wirklich!“
„Ich war total sauer auf dich. Nachdem ich rausgefunden habe, dass er mit dir geschlafen hat, wollte ich einfach nicht mehr. Ich hab rot gesehen.“
„Aber wieso verschwendest du deine sinnlose Wut an mich? Sieh es doch ein“, versuchte ich ihr klarzumachen, „der Typ ist ein totales Arschloch. Er verführt alle Weiber und kümmert sich nicht darum, ob er mit irgendjemandes Gefühlen spielt. Das hat er mit mir doch auch gemacht! Wir dürfen das nicht länger tolerieren.“
„Und was schlägst du vor?“, fragte Kati schwach.
„Wir müssen uns an ihm rächen. Hast du Zugang zu seinem Zimmer?“
„Klar, wieso?“
„Wir werden ihm zeigen, dass wir beide nicht alles mit uns machen lassen. Also, hast du morgen Abend Zeit?“

Fünf Minuten später kam ich an Annas Tisch an. Sie sah erst nach einigen Sekunden von ihrem Handy auf. „Tut mir Leid, ich hab gerade eine SMS von Aurélie gekriegt. Sie kommt gleich in die Mensa. Aber wo warst du denn so lange? Wollten alle Studentinnen gleichzeitig aufs Klo oder was?“
„Nein, ich hab noch was wegen der Uni besprochen.“ Das war nicht mal gelogen, Kati und Hannes studierten ja auch hier.
„Na gut, hier ist jedenfalls dein Essen. Hat ein Euro achtzig gekostet, gibste mir die wieder?“, fragte sie und deutete dabei auf einen Teller mit Curry-Tofu-Risotto.
Ich gab ihr das Geld zurück. „Also“, rief Anna, während sie ihr Portmonee wieder einsteckte, „hast du mal wieder was von unserem Traumpaar gehört?“
„Du meinst Aurélie und Freddy? Nein, nicht das Geringste. Das letzte Mal, als ich die beiden zusammen gesehen habe, ist schon Ewigkeiten her. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass Aurélie wohl ganz schön wütend auf ihn sein muss. Ich hab dir doch erzählt, wie sie mich im Café angemeckert hat. Und das war noch stark untertrieben.“
„Ja, das hast du mir erzählt. Neuerdings kommt Aurélie immer sauspät nach Hause und von Freddy redet sie gar nicht mehr“, berichtete Anna. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, die sind gar nicht mehr zusammen. Aber das hätte sie mir wohl gesagt.“
„Ja, das seh ich auch so“, pflichtete ich ihr bei. „Das kann so nicht weitergehen. Die lieben sich doch.“
„Deswegen haben wir doch gesagt, dass wir etwas unternehmen. Oh, da kommt sie ja! Hey, Aurélie! Hier sind wir!“ Anna winkte unserer gemeinsamen Freundin zu, die sich gerade etwas zu essen geholt hatte. Als sie näher kam, sah ich, dass sie sich zu ihrem Hauptgericht noch Baguette und Crème brûlée genommen hatte – typisch französisch.
„Hey, Mädels, wie geht es euch?“, begrüßte Aurélie uns und stellte das Tablett auf dem Tisch ab. Sie wirkte recht gut gelaunt.
„Gut, und dir?“, entgegnete ich.
„Mir geht’s perfekt. Ich denke schon gar nicht mehr an diesen Idioten von Freddy. Den hab ich völlig ausgeblendet“, erzählte sie und begann, zufrieden an ihrem Baguette zu mampfen.
Sie sprach uns darauf an, ohne dass wir sie dazu aufgefordert hatten? Verdächtig.
Ich tauschte einen Blick mit Anna aus. Sie schien dasselbe zu denken wie ich. Wie oft hatten wir solche Momente schon gehabt?
„Schau, Aurélie“, begann Anna das Gespräch, „wir wollten heute Abend zusammen ein paar Filme gucken. Willst du mitmachen?“
„Gerne, was guckt ihr denn so?“
Scheiße, so weit hatten wir noch nicht geplant. „Ähm“, stammelte ich, „wie wäre es denn mit ‚Die fabelhafte Welt der Amélie’? Du magst doch die Musik so gerne“, sagte ich und hätte mir am liebsten auf die Zunge gebissen. Als es Aurélie so dreckig gegangen war, hatte sie doch die ganze Nacht diese Musik gehört – bestimmt wollte sie nicht, dass Anna es mir erzählte, wie es Aurélie gegangen war.
Aber sie schien nichts bemerkt zu haben (oder es machte ihr nichts aus). „Oh, klar, für den Film bin ich immer zu haben. Ich hab heute ziemlich lange Uni, wann wolltet ihr denn anfangen?“
Anna sah mich an. „So um sieben vielleicht?“
„Ja, das passt gut, da bin ich schon wieder zurück.“
Da schien Anna was einzufallen. Sie stand auf einmal auf und sagte: „Einen Moment, wir sind gleich wieder da, okay?“ Sprach’s und zog mich vom Stuhl. Verwundert ließ ich mich von ihr aus der Mensa schleppen und sah noch, wie Aurélie uns verwundert hinterher sah.
„Was sollte das denn?“, wollte ich sofort von Anna wissen, sobald wir draußen standen.
„Es gibt einen wichtigen Punkt, den wir nicht bedacht haben, und das wollte ich dir vor Aurélie nicht sagen!“
„Ach, du meinst…“
„Ja, genau. Irgendjemand muss Freddy doch auch noch Bescheid sagen. Nur wie machen wir das? Das Ganze findet ja bei uns in der WG statt, da wird er wohl kaum hinkommen wollen“, gab Anna zu bedenken.
„Wir könnten ihn ja etwas früher kommen lassen…“, schlug ich vor.
„Hm, na ja, vielleicht kann er da nicht… Wir müssen irgendwie verbergen, dass Aurélie da sein wird…“
„Ja, aber wie?“
„Vielleicht könnten wir… Ach, du Scheiße!“, fluchte Anna plötzlich los.
„Was ist denn nun schon wieder?“

Krümelmonster, Teil 11

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Wie lange war es jetzt her, dass ich die Uni verlassen hatte? Wie lange war es her, dass Lea plötzlich vor mir gestanden hatte und mich abholen wollte? Ich sah auf die Uhr meines Handys. Es waren fünf Stunden. Eigentlich kein so großer Zeitraum, und doch fühlte ich mich, als wäre ich von einem Güterzug überrollt worden. Von einem Güterzug, der aus dem Nichts aufgetaucht war.

Nie im Leben hätte ich heute Morgen, als ich in Hannes’ Bett aufgewacht war, gesagt, dass es an dem Tag so weit käme, dass meine Schwester im Krankenhaus lag und dass ich mich so schrecklich fühlte. Wie gesagt, als wäre ein Güterzug über mich drübergefahren. Mit längerem Aufenthalt auf meinem Kopf. Erst jetzt merkte ich, wie sehr er mir schmerzte. Während ich zur S-Bahn-Station ging, kamen noch Brustschmerzen dazu. Ich hatte mal gehört, wenn es einem sehr schlecht geht, kriegt man Brustschmerzen. Das schien sich jetzt zu bewahrheiten.

Ich hatte es gewusst! Ich hätte mein Glück nicht uneingeschränkt lassen dürfen. Ich hätte nicht uneingeschränkt glücklich sein dürfen. Denn immer, wenn ich das bis jetzt getan hatte, war mir danach etwas ganz Furchtbares passiert. Jedenfalls etwas, das mir auf die eine oder andere Art sehr schwer zusetzte. Und das tat die augenblickliche Situation zweifelsohne.

Ich kam an der S-Bahn-Station an und setzte mich dort in ein Abteil, das erstaunlicherweise fast leer war. Das passierte hier so gut wie nie. Normalerweise höre ich unterwegs immer Musik oder lese Texte für die Uni. An diesem Tag ließ ich mich einfach saft- und kraftlos auf den erstbesten freien Sitz fallen. Ich achtete nicht mal darauf, wer neben mir saß.

Irgendwann piepte mein Handy und kündigte damit das Eintreffen einer SMS ein. Es piepte zwei Mal, drei Mal. Es war mir egal.

Die Uni-Tasche, die ich immer noch trug, wog doppelt so schwer wie sonst. Als ich aus der S-Bahn stieg, brachte ich gerade so viel Kraft auf, dass ich vorwärts ging, nicht mehr. Der Riesenklotz, der das Studentenwohnheim war, befand sich vor mir und ich sah, dass mein Fenster erleuchtet war. Dann ging es aus. Was war denn da wieder los?

Auf einmal ganz wach, rannte ich die Treppen hoch und eilte zu meinem Zimmer. Und da sah ich es.

Meine CD mit den französischen Liedern war wieder da. Aber nicht so, wie ich sie gerne gehabt hätte. Sie war in viele kleine Teile zerbrochen. Das Textbooklet war in viele kleine Schnipsel zerrupft und die Hülle war kaputt. Über allem schwebte noch dieser extreme Parfümgeruch, der mir neulich schon aufgefallen war.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Dieses Parfüm, das war Chanel No. 5. Ein sauteures Parfüm und das Lieblingsparfüm einer Person, die ich kannte und die mich kannte. Es war Kati.

Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr. Ich ließ mich mit dem Malheur, das ich in den Händen hielt, in Embryostellung auf den Boden fallen und weinte mein Innerstes aus mir heraus. So doll, dass ich keine Luft mehr kriegte.

 

Ich weiß nicht mehr, wie ich aufgestanden bin, nachdem mich die blendende Sonne, die mir in die Augen schien, geweckt hatte. Ich weiß nicht mehr, wie ich Zähne geputzt, mich mit Deo eingenebelt und die Tasche für die Arbeit gepackt habe. Und ich weiß nicht mehr, wie ich den Briefkasten geleert und die S-Bahn zur Uni genommen habe.

Ich fühlte mich wie eine leere Hülle. Meine Emotionen waren weg, ich empfand nur noch große Leere. Irgendwie kam ich schon am im Hauptgebäude gelegenen Studentencafé an, legte die Schürze um und tat das Wechselgeld in mein Portemonnaie. Aber ich weiß nicht mehr, wie.

Wie üblich nahm ich Bestellungen auf, kassierte ab und wechselte ein, zwei Worte mit den Gästen. Aber es fühlte sich überhaupt nicht echt an und es war große Kraft nötig, um das alles zu tun.

Meine Chefin, die im dreizehnten Semester an der Uni Soziologie studierte, merkte natürlich trotzdem, wie es mir ging. Den ganzen Vormittag, den wir zusammen hinter dem Tresen waren, schaute sie mich immer wieder von der Seite an. Als ich mich schließlich an einer Schranktür stieß und lauthals fluchte, sprach sie mich darauf an.

„Sag mal, hast du irgendwelche Probleme? Musste mir natürlich nicht erzählen.“

„Ach, Lea liegt im Krankenhaus“, antwortete ich knapp.

„Deine Schwester, richtig? Oh, äh, das tut mir sehr Leid. Dann mal gute Genesungswünsche an deine Schwester.“

„Danke“, murmelte ich und nahm flugs die nächste Bestellung auf.

Mein Handy piepste schon wieder. Verdammt, wieso piepste das nur ständig? Ich nahm es mal kurz aus der Tasche und sah, dass ich bereits 10 ungelesene SMS hatte. 7 kamen gestern von Aurélie und heute 3 von Anna. Konnte man denn nirgendwo alleine gelassen werden?

Ich wusste gar nicht, was ich denken sollte. Was war denn jetzt schon wieder los mit denen? Sieben Nachrichten von Aurélie innerhalb kurzer Zeit, das war schon ungewöhnlich. Und Anna hatte mir auch ziemlich häufig geschrieben.

Ich las die ganzen Nachrichten erst mal durch. Die erste kam gestern Nachmittag, so gegen ein Uhr.

Na, biste noch in der Uni?

Die zweite stammte von fünfzehn Uhr siebenundzwanzig.

Ich will mich mit Freddy treffen, hoffentlich klappt das!

Was sollte klappen? Ich würde es sicherlich bald erfahren.

Das Treffen war ein Desaster! Er will mich nie wieder sehen. Bitte komm gleich vorbei!

Ach herrje, und das hatte ich nicht gelesen? Na super, da blühte mir ja wieder was. Die nächsten drei SMS zeigten zwei entgangene Anrufe und eine Mailboxnachricht an und die letzte SMS, die gegen dreiundzwanzig Uhr fünf abgeschickt wurde, lautete folgendermaßen: Mach endlich mal dein Handy an, verdammt!

Schon wieder taten sich in meinem Kopf lauter Rätsel auf. Ich hatte nichts von eventuellen Plänen mitgekriegt, was ging denn da wieder ab? Bevor ich irgendetwas anderes tat, lieferte ich dem Mädel, das in den Vorlesungen von Professor Neumann immer neben mir saß, seinen Kaffee mit zwei Stück Zucker und las dann Annas SMS.

Die Frau macht mich wahnsinnig!, schrieb sie um fünf Uhr siebenunddreißig heute früh. Schon die ganze Nacht hört sie diese Scheiß-Filmmusik aus Amélie und nervt mich damit. Nichts hilft!

Amélie, damit war Aurélies Lieblingsfilm gemeint, dessen Protagonistin eine gewisse Amélie war. Ich kannte die Musik auch und konnte mir vorstellen, dass Anna eine höllische Nacht mit ihrer Mitbewohnerin durchgemacht haben musste. Oh herrlich.

Kommst du morgen zur Uni? Am besten treffen wir uns da, lautete die zweite SMS von sieben Uhr vier. Die letzte SMS von vor drei Stunden rief mich – freundlich – dazu auf, zurückzurufen.

„Darf ich mal kurz telefonieren?“, fragte ich meine Chefin. Sie gestattete es mir. Also verschwand ich mal eben in den Pausenraum und rief meine beste Freundin an.