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Ein fast normaler Tag

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Mein Tag war an sich relativ ereignislos. Ich dachte, das einzig Besondere daran sei, dass ich um fünf Uhr dreißig geweckt wurde, weil mein Freund sich frühmorgens Richtung “Rock am Ring” aufgemacht hat. Bis ich in “Demokratietheorien” saß.

Man sollte meinen, dass Politikstudenten einigermaßen sachlich diskutieren können. Aber dem ist offenbar nicht so. Als ich die Diskussionsfrage las, die sich die Referenten der heutigen Sitzung ausgedacht hatten – “Spielen Frauen in der Politik noch eine untergeordnete Rolle?” – , ahnte ich schon, dass das Zündstoff geben würde. Und so war es auch. Die größten Obermachos des Semesters und eine dagegenhaltende Studentin stritten sich darum, wer Recht hatte. Ich weiß weder alle Einzelheiten des Gesprächs noch den für die Eskalation der Situation Verantwortlichen, aber spätestens, als die Obermachos auf den Tisch klopften und johlten, wollte ich nach Hause. Es ist auch nicht so, dass ich zum Thema nichts zu sagen gehabt hätte, aber ich wollte mich irgendwann nicht mehr beteiligen. Man ließ die oben erwähnte Studentin ja nicht mal mehr ausreden.

Mein Sitznachbar sprach von einem interessanten Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, der Dozent bezeichnete die Diskussion als “belebt”. Jenseits aller Euphemismen fand ich die Diskussion einfach scheiße. Hätte ich gewusst, was mich da heute erwartet, ich hätte geschwänzt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Level up

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Die erste Vorlesungswoche meines 2. Semesters an der Uni ist vorbei. Einige Ereignisse möchte ich jetzt mit euch teilen. Am Mittwochmorgen hatte ich einen Pressetermin in einer Schule. Da ich etwas zu früh vorm Klassenraum, in dem der Termin stattfinden sollte, erschien, setzte ich mich auf den Boden und blätterte in ein paar mitgebrachten Magazinen. Als ein zufällig vorbeigehender Lehrer merkte, dass ich auf dem Boden saß und von der Presse war, kontaktierte er sogleich den ebenfalls vorbeigehenden Schulleiter und der pflanzte mich und einen zu der Zeit gerade ankommenden Mitarbeiter der örtlichen Zeitung in einen leeren Klassenraum. War ganz nett. Am witzigsten war jedoch, dass der Lehrer mich für eine zu spät gekommene Schülerin hielt.

In der Uni selbst gab es auch einige ganz lustige Vorkommnisse. In einem Pädagogikseminar müssen alle eine Hausarbeit schreiben. Die Dozentin bat darum, alle Teile der Hausarbeit in einer einzigen Datei abzuliefern – und nicht etwa Deckblatt, Gliederung und Kapitel getrennt. Wer zur Hölle gibt ein Deckblatt als gesonderte Datei ab?

Einen Tag später nutzte eine studentische Initiative einige Veranstaltungen, um sich dort vorzustellen. Und da ich zwar sowohl die Veranstaltung “Einführung in die Wirtschafts- & Sozialstatistik” als auch die Veranstaltung “Einführung in die Internationalen Beziehungen” besuche, das aber nicht auf alle Teilnehmer zutrifft, kam ich gleich zwei Mal in den Genuss der Präsentation. Und deswegen hörte ich auch zwei Mal, wie eine Studentin ihrer Sitznachbarin gegenüber die falsche Betonung des Namens einer brasilianischen Stadt bemängelte, in dem sich ein Projekt dieser studentischen Initiative abspielte.

Es heißt Tô Ligado und nicht Tô Ligado!

Naja, nicht jeder kann Portugiesisch. In der Veranstaltung “Internationale Beziehungen” gab es noch ein Knallerzitat (diesmal aber positiv gemeint):

Theorien sind wie Brillenträger: Manche sind kurzsichtig.

Der Dozent teilte auch noch weitere Weisheiten mit dem Plenum. Er vertritt die Ansicht, dass Sozialwissenschaftler im Grunde alle Weltverbesserer seien, weil sie sich mit der Frage befassen würden, wie man diese Welt noch besser machen kann, und zur Auflockerung trug er uns ein kleines Gedicht zum Thema vor, das ihr unter folgendem Link findet:

http://www.lesekost.de/gedicht/HHLG26.htm

Ansonsten finde ich mich ganz gut zurecht und ich hoffe, das ist auch bei euch der Fall.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Gerade per Telefon erfahren: Mein vierzehnjähriger Bruder ist mittlerweile 1,80 m groß (ihm fehlen also noch acht Zentimeter, bis er meinen Dad auch noch überragt hat). Er wächst so schnell, dass er mittlerweile mehr Paar Schuhe im Schrank hat als jede shoppingsüchtige Frau, und er ist total dünn, weil er gar nicht so schnell essen kann, wie er wächst. o_O

Es ist etwas im Anzug

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Der Titel kommt von meinem besten Freund, der immer irgendeinen Spruch zitiert: „Ich brauche einen Anzug, weil mir etwas im Anzug zu sein scheint!“ Ich finde es immer sehr lustig, wenn er das sagt (warum auch immer), aber irgendwie scheint auch etwas dahinter zu stecken. Zur Zeit sind jedenfalls einige Dinge „im Anzug“, denke ich.

In letzter Zeit scheint es der große Trend zu sein, für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Auch ich möchte das ja mal machen. Ich hab mich noch nicht entschieden, wohin. Eine Freundin von mir hat sich vor ein paar Wochen sogar ins Land ihrer Träume aufgemacht. Und jetzt ist nicht mal sicher, ob sie das erreichen kann. Warum?

Sie will nach Japan.

Mal ganz abgesehen davon, dass es blöd ist, dass sie das Auslandssemester jetzt eventuell nicht machen kann: Ich war froh, dass sie noch nicht in Japan war, da sie noch auf ihr Visum warten musste. Was den Japanern passiert ist (und noch passieren wird), ist natürlich noch viel schlimmer. Fast jede Minute gibt es neue Horrornachrichten aus dem Land, das mal das Land der aufgehenden Sonne war. Und um meinen Anteil zu tun, habe ich soeben ein Spendenshirt im Shop meiner Lieblingsbloggerin bestellt:

http://blog.asurocks.de/2011/03/shirts-fur-japan.html

Normalerweise verdient Asu 5 Euro Provision an den von ihr designten T-Shirts, die es übrigens für Männlein UND Weiblein gibt. Bei den Spendenshirts wird der Anteil aber ans Rote Kreuz gespendet. Wer direkt spenden möchte, erfährt unter dieser Adresse, wie:

http://www.drk.de/weltweit/asien-nahost/japan-hilfe-nach-erdbeben.html

Japan hat es erfolgreich geschafft, die Revolutionen als Hauptthema aus den Nachrichten zu verdrängen. Die Katastrophe hat außerdem dazu geführt, dass alle wieder über Atomkraft diskutieren. Als ich neulich mit meinem Freund auf dem Heimweg von einem Spaziergang war, rasselten wir direkt in eine Anti-Atomkraft-Demo. Und im Unterricht wurde am Mittwoch über Japan und AKWs diskutiert. Aber ich war nicht da.

Diese Woche bestand mein Tag aus 8 Unterrichtsstunden und dem Kinofilm „The King’s Speech“. Der Film ist sehr empfehlenswert und hat seine vier Oscars sicher zu Recht erhalten – also: Wenn ihr den Film noch irgendwo schauen könnt, geht hin. Am besten in Originalsprache, so wie ich. Es ist einfach unvergleichlich, den Protagonisten in feinstem British English beim Schlagabtausch zuzuhören (ich zitiere aus der engl. Wikiquote):

Lionel Logue: [as George is lighting up a cigarette] Please don’t do that.

King George VI: I’m sorry?

Lionel Logue: I believe sucking smoke into your lungs will kill you.

King George VI: My physicians say it relaxes the throat.

Lionel Logue: They’re idiots.

King George VI: Many of them have been knighted.

Lionel Logue: Makes it official then.

So, ich mache mich gleich auf – nicht etwa zur Schule, sondern zu einem Orthopädentermin, der nicht auf eine andere Zeit gelegt werden konnte. Manchmal hat eine verkrümmte Wirbelsäule eben auch Vorteile.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ferien!

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Heute ist Montag. Das heißt, in drei Tagen ist Donnerstag. Und was heißt das? Ich muss, genauso wie viele andere Heranwachsende, wieder zur Schule. Und was heißt das? Zurück zur Langeweile, zurück zum verzweifelten Versuch, in Englisch-Korrespondenz nicht einzuschlafen. Aber auch zurück zu einem geregelten Leben.

In den Ferien gammele ich. Und zwar nicht zu knapp. Bin ich sonst ein richtiger Frühaufsteher, schlafe ich in den Ferien gerne mal bis zwölf Uhr mittags. Von der Körperpflege wollen wir gar nicht erst reden. All dem konnte nur die örtliche Uni ein Ende setzen. Mein Freund musste in den „Semesterferien“ ein Praktikum ableisten, sodass ich montags bis freitags immer um sieben geweckt wurde. Spitze.

Und das war nur eine der dummen Sachen, die sich in den letzten fünfeinhalb Wochen ereigneten und mich dazu verleiten zu denken, dass die Ferien eigentlich kacke waren. Ich möchte an dieser Stelle mal eine kurze Aufstellung machen:

– Ich hab fürs Schwimmen für drei Stunden mein Lippenpiercing entfernt, woraufhin das Loch zuwuchs

– Ich hatte einen Ausbeuterjob im Supermarkt, in dem ich es bereits nach zwei Einsatztagen nicht mehr aushielt

– Dieser Job war einer der Gründe dafür, dass ich auf meiner eigenen Geburtstagsparty fast einnickte vor Müdigkeit

– Das Paket meiner Oma kam aufgrund total unfähiger Postangestellter nicht bei mir zu Hause an

– Ich wurde operiert

Und noch viel mehr. Aber es war ja trotzdem ganz witzig. Ich hab mehrere Ausflüge gemacht, unter anderem nach Hamburg. Wirklich schöne Stadt. Obwohl wir kreuz und quer durch die Stadt fahren mussten, um vom Hauptbahnhof zu den Landungsbrücken zu kommen.

Kurz, bevor die Sommerferien zu Ende sind, überlege ich mir immer, wie es sein wird, wenn ich zurückkomme.  Wahrscheinlich ist leider der Status Quo. Ich hoffe, dass das Unterrichtsthema nach den Ferien im mündlichen Unterricht nicht mehr Arbeitslosigkeit ist. Ich würde sonst an die Decke gehen.

Der Begriff Unterschichtenfernsehen ist sicher vielen Menschen bekannt. Menschen mit einem furchtbaren Soziolekt („Isch fick disch, Alta!“) präsentieren ihr ätzendes Leben, sind stolz darauf, einen Job abzulehnen, weil sie lieber von Hartz IV leben und so weiter. Ist natürlich nicht real. Aber leider gibt es einige in meiner Klasse, die denken, alle Arbeitslosen sind so.

Mal schauen, wie sich der Unterricht nach den Ferien gestaltet. Bis dahin fülle ich meine letzten Stunden in Freiheit mit viel Schlaf, massenweise ungesundem Essen, noch mehr Internet und DVDs als Pausenfüller aus. Viva la feria.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin