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30 days music challenge

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Ich liebe Listen, vor allem, wenn sie über Musik gehen. Und so entdeckte ich neulich auf Twitter die #30daysmusicchallenge. Ich kenne mich allerdings, ich würde zwischendurch garantiert vergessen, die Lieder zu posten, also mache ich es jetzt einfach en bloc.

Ein Song, den du magst, der eine Farbe im Titel hat

Ein Song, den du magst, der eine Nummer im Titel hat

Ein Song, der dich an den Sommer erinnert

Ein Song, der dich an jemanden erinnert, den du lieber vergessen würdest

Ein Song, der LAUT abgespielt werden muss

Ein Song, der macht, dass du tanzen willst

Ein Song zum Dazu-Fahren

Ein Song über Drogen oder Alkohol

Ein Song, der dich glücklich macht

Ein Song, der dich traurig macht

Ein Song, der dir niemals auf den Wecker geht

Ein Song aus deinen Vor-Teenager-Jahren

Einer deiner liebsten Songs aus den 70ern

Ein Song, den du gern auf deiner Hochzeit hören würdest

Ein Song, der ein Cover von einem anderen Künstler ist

Eines deiner liebsten klassischen Lieder

Ein Song für ein Duett beim Karaoke

Ein Song aus dem Jahr, in dem du geboren wurdest

Ein Song, der dich übers Leben nachdenken lässt

Ein Song, der dir viel bedeutet

Ein Lieblingslied mit dem Namen einer Person im Titel

Ein Song, der dich nach vorne bringt

Ein Song, von dem du denkst, dass jeder ihn hören sollte

Ein Song von einer Band, von der du dir wünscht, sie wäre noch zusammen

*denkt lange nach*

Ein Song von einem Künstler, der nicht mehr lebt

Ein Song, der macht, dass du dich verlieben willst

Ein Song, der dein Herz zerbricht

Ein Song von einem Künstler, dessen Stimme du liebst

Ein Song aus deiner Kindheit

Ein Song, der dich an dich selbst erinnert

Puh, war das ne lange Liste. Fühlt euch gern berechtigt, eure eigenen Listen in die Kommentare zu posten.^^

Mit musikalischen Grüßen

Die Kitschautorin

Bedeutungsschwanger, Teil 8

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Eine Tasche war an mein Bett gelehnt. Ein Post-it klebte an ihr.
Hey, Sara, ich hab dummerweise vergessen, meiner Kommilitonin ihre Bücher wiederzugeben. Jetzt muss ich zum Zahnarzt. Könntest du sie ihr bitte vorbeibringen? Sie wohnt in der Franziusstraße 24! Vielen Dank! Anna.
Ich öffnete die Tasche. Darin war unter anderem ein Buch über Impressionismus. Ich sah prüfend auf die Uhr, dann hing ich mir die Tasche um, nahm Schlüssel, Handy und Portmonee an mich und verließ die WG wieder.
Die Sonne hatte sich vom Brennen aufs Lachen verlagert, die Vögel zwitscherten. Es war ein schöner Tag. Dennoch fehlte mir irgendetwas.
Auf einmal fühlte ich mich richtig leer. Paare liefen auf den Straßen und genossen den Sommer, ein ins Handy quatschender Typ lief sonnenbebrillt und lachend an mir vorbei, alle freuten sich des Lebens. Nur ich nicht. Dabei war es doch so schön. Mir fehlte etwas.
Ich hatte, bevor ich losgelatscht war, nicht auf den Stadtplan gesehen. Das erklärte auch, warum ich eine Art Déjà-vu hatte, als ich an der angegebenen Adresse ankam. Die Gegend kam mir nämlich äußerst bekannt vor. Ratlos stand ich vor dem Haus Franziusstraße 24 und versuchte, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Ich war noch nie eine gute Puzzlerin gewesen. Plötzlich ertönte über mir ein Geräusch. Ich zuckte zusammen und schaute nach oben. Ein Fenster schloss sich. Mir war, als hätte ich da oben eine Person gesehen, die ich kannte, jedenfalls waren die braunen Haare suspekt. Von irgendwoher hörte ich einen lauten Schrei und auf einmal hörte ich ein Lied. Ein Lied aus der Vergangenheit, und dann auch wieder nicht. Mit einem Mal fielen mir meine Riesentomaten von den Augen.
Tonight we drink to youth
And holding fast to truth
I don’t wanna lose what I had as a boy
My heart still has a beat
But love is now a feat
As common as a cold day in L.A.
Ich lief los, zwei Mal links, einfach eine Straße weiter, und in das Haus rein. Geradewegs auf den Probenraum zu.
Das Lied wurde noch bis zu Ende gespielt. Alle standen auf der Bühne. Und Lukas sang so intensiv wie noch nie. Während des Liedes stiegen mir fast die Tränen in die Augen. Aber die Genugtuung wollte ich Teilen der Musikanten nicht geben.
Als der Song zu Ende war, verließen alle den Raum.
Alle außer Kiki.
Sie ging auf mich zu. „Was soll das Ganze hier? Bin ich in einem billigen Film gelandet oder was? Und was willst du bitte von mir?“
„Dir erklären, dass das alles meine Schuld ist. Lukas hatte keine Ahnung, was ich vorhatte. Ich hab wieder Gefühle für ihn entwickelt und gehofft, dass es ihm genauso geht. Aber das stimmt nicht. Er liebt nur dich.“
„Ach ja? Und wieso sagt er mir das nicht selbst?“
„Schien nicht so, als würdest du das noch wollen.“ Sie zuckte die Schultern und packte ihr Instrument ein. „Ich hab alles gesagt, was ich sagen wollte.“ Und weg war sie. Ich hoffte stark darauf, sie nie wiedersehen zu müssen.
Eine Zeitlang stand ich hilflos im Raum herum. Dann kam Lukas herein.
Er sah mich an.
Ich sah ihn an.
„Hat sie mit dir gesprochen?“
Ich nickte.
„Glaubst du mir jetzt, dass ich nur dich liebe?“
Ich nickte wieder.
Und ganz langsam wurde mir klar, was mir gefehlt hatte.

Total aufgeregt saßen wir in der Kirche. Auf der einen Seite meine Familie, auf der anderen Seite Geros Familie. Es war wirklich interessant, so viele neue Gesichter zu sehen. Fasziniert stellte ich fest, dass Geros Mutter genauso aussah wie er. Sie hatte die ganze Zeit ein Taschentuch dabei, von dem sie auch oft Gebrauch machte. Darin ähnelte sie wiederum der Brautmutter sehr.
Heute Vormittag hatte die standesamtliche Hochzeit stattgefunden. Ich konnte mich noch genau daran erinnern, wie ich als Grundschulkind dazu gezwungen wurde, einer anderen Familienhochzeit beizuwohnen. Damals hatte ich es sehr langweilig gefunden und irgendwann sogar begonnen, laut zu singen. Meine Mutter hatte mir schnell den Mund zugehalten.
Jetzt hingegen… ich freute mich unheimlich, an diesem Tag dabei zu sein und meine Schwester dabei zu begleiten, wie sie sich in ein neues Leben aufmachte. Und in einen neuen Nachnamen.
Und jetzt waren wir alle in der Kirche versammelt und warteten darauf, dass Lea in ihrem wunderschönen Brautkleid einlief. Meine Eltern, Oma, die Clique, Lukas und ich saßen ganz vorne. Ich war froh, nicht allein da zu sein.
Schließlich kam Lea. Sie sah so wunderschön aus, dass die Mütter jeweils noch ein paar Extratränen verdrückten.
„Gero, willst du Lea Maria…“
Ihr ganzer Vorname, der normalerweise nie erwähnt werden durfte. Ich konnte sehen, dass Lea ganz leicht die Augen verdrehte.
„…lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet?“
Glücklich lächelte der Angesprochene. „Ja, ich will.“
„Lea, willst du Gero lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet?“
„Ja, ich will.“ Jetzt war es an ihr, zu lächeln.
Die Ringe wurden ausgetauscht. „Falls irgendeiner der hier Anwesenden einen Grund weiß, weswegen diese Trauung nicht stattfinden sollte, so möge er jetzt sprechen oder für immer schweigen.“
Natürlich hatte niemand einen Einwand. Obwohl ich deutlich sehen konnte, wie Mamas Wangen feucht glitzerten.
„Kraft des mir verliehenen Amtes“, rief der Pfarrer, „ernenne ich euch hiermit zu Mann und Frau. Du darfst die Braut jetzt küssen.“
Daraufhin folgte ein Kuss, wie ich ihn länger und schöner noch nie gesehen hatte. Alle applaudierten. Ich ganz besonders laut.
Nach der Trauung, als wir die Kirche bereits alle verlassen hatten, hieß es auf einmal: „Alle unverheirateten Frauen hierher!“ Es versammelten sich also Anna, Kati, diverse weibliche Wesen aus zwei nun verbundenen Familien und ich vor der Kirche. Mit großem Hallo warf Lea also den Strauß hinter sich. Ich betete, dass es nicht mich traf.
Vergebens. Alle applaudierten, Geros Tante kam auf mich zu und kniff mir in die Wangen mit den Worten: „Na, du bist also als Nächstes dran, was?“ Das konnte ich zwar nicht ausschließen, aber wenn, dann würde es noch sehr, sehr lange dauern. Und ich wusste genau, dass Lukas derselben Meinung war.

Laute Musik. Unmengen an Torte und Getränken. Ein großer Teil davon alkoholisch. Bunt durcheinandergemischt saßen die Gäste an den Tischen, unterhielten sich miteinander, tanzten oder wurden ihre ganz persönlichen Glückwünsche an das Brautpaar los. Auch ich ging irgendwann auf Lea und Gero zu.
„Ich wünsche euch beiden alles Gute! Lea, ich finde, du hast einen tollen Mann geheiratet“, sagte ich und umarmte meine Schwester. „Gero, ich finde es toll, dass du jetzt zu unserer Familie gehörst!“ „Ich auch“, antwortete mein frisch gebackener Schwager und lächelte Lea an.
Da wurde mir von hinten auf die Schulter getippt. Es war Freddy. „Hey, was gibt’s? Du siehst in deinem Anzug übrigens ziemlich umwerfend aus, wenn ich das mal so sagen darf!“
Freddy lächelte verlegen. „Oh, klar darfst du. Vielen Dank. Was ich fragen wollte: Hast du Anna gesehen? Ich wollte mit ihr noch was besprechen.“
Ich verneinte. „Aber wir können sie ja zusammen suchen. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.“
Es dauerte einige Zeit, bis wir sie auf der hintersten Ecke der Tanzfläche fanden, Arm in Arm mit Kati.
„Hey, Anna! Ich, äh, wollte dir Aurélies Schlüssel zurückgeben.“
„Vielen Dank. Habt ihr Lust, kurz nach draußen zu gehen?“, fragte Anna. „Ich brauche frische Luft.“
Draußen wehte ein laues Lüftchen, die Sterne funkelten. Die Arme über einander gelegt, hockten wir auf einem Fenstersims und starrten in die Nacht.
Wir redeten nicht viel. Wenn man wirklich gut miteinander befreundet ist, muss man das auch nicht. In ihren Gedanken haben alle dasselbe und wissen genau, was der andere meint oder denkt.
„Ich finde es einfach toll, dass ihr euch gefunden habt“, meinte Freddy nach einer Weile.
„Meinst du wirklich?“
„Ja, wirklich. Bei euch sieht man sofort, dass was Tolles draus wird.“
Wortlos umarmten wir uns.
Da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte, ging ich auf die Toilette. Eine Weile saß ich einfach nur in der Kabine, bis ich plötzlich von draußen Schmerzensschreie hörte. Ich schaute schnell nach, wer da war.

Bedeutungsschwanger, Teil 3

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Ich war wieder einigermaßen versöhnt und wir konnten normal weiteressen. Nach dem Dinner fuhren wir in die WG, um dort noch etwas Zeit zu verbringen. Zusammen schauten wir ein paar Folgen meiner Lieblingsserie auf DVD und machten es uns in meinem Bett gemütlich. Zumindest so lange, bis das Telefon klingelte.
„Gehst du mal, ich kann grad nicht!“, brüllte Anna von irgendwoher. Ich entsprach also ihrem Wunsch und stand murrend vom Bett auf. Dann drückte ich den grünen Hörer.
„Lehmann?“
„Oh, äh, hi, Sara, Kati hier“, meldete sich eine meiner anderen Freundinnen zu Wort. „Sag mal, ist Anna grade da?“
„Die kann grad nicht ans Telefon, soll ich ihr irgendwas ausrichten?“, fragte ich sie.
„Oh, äh, nein, äh, weißt du, sag ihr einfach, dass ich angerufen hab, okay? Bye!“ Und ehe ich sie fragen konnte, wie es ihr ging und was sie heute so unternommen hatte, hatte Kati aufgelegt.
„Was sollte das denn?“, wendete ich mich verdutzt an Anna, die mittlerweile mit einem Handtuchturban um den Kopf im Türrahmen des Badezimmers stand. „Bevor ich irgendwie ein Gespräch beginnen konnte, hat sie einfach aufgelegt.“
„Wer war das denn?“
„Kati. Und ich soll dir sagen, dass sie angerufen hat.“ Ich verzog das Gesicht. „Erledigt.“
„Was, sie hat angerufen? Das ist ja unglaublich!“, quietschte Anna und hüpfte dabei so doll auf und ab, dass ihr Turban einzufallen drohte, und sie stürzte auf mich zu und umarmte mich. In diesem Moment ging die Wohnungstür auf und Aurélie kam rein. Noch während sie versuchte, ihre Tasche abzusetzen, wurde auch sie von Anna angefallen, die daraufhin juchzend in ihr Zimmer lief.
„Was ist denn mit der los?“, wunderte sich Aurélie.
„Keine Ahnung“, antwortete ich und ging zurück in mein Zimmer.

Lukas und ich blieben nicht besonders lange auf, da ich am nächsten Morgen zum Arbeiten im Studentencafé eingeteilt war. Es gibt Tage, da muss ich mich richtiggehend zur Arbeit hinschleppen. Die Sonne versteckt sich hinter Regenwolken, die ihren gesamten Inhalt auf die Erde regnen, ich fühle mich müde und krank, kann aber auch nicht einfach zu Hause bleiben. So ein Tag war das nicht. Im Gegenteil, die Sonne schien kräftig, es war Juni. Draußen liefen alle im T-Shirt rum, die Mädels trugen Röcke und Sommerkleider und es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Nur allerschönstes Blau. Das Arbeiten an sich war auch sehr angenehm, da aufgrund der Semesterferien nicht so viele Gäste kamen. Alle waren gut drauf, ich fertigte Kaffee, Latte macchiatos und Säfte an und unterhielt mich nebenbei mit den Bestellern dieser Getränke.
Irgendwann betrat auch Kati den Laden. Ich hörte sie zunächst nur, da ich mich gerade zum Schrank herunterbeugte, um eine Saftflasche herauszuholen. Als ich schließlich wieder normal stand, konnte ich sehen, dass sie sich heute wieder besonders herausgeputzt hatte. Gut, das war für Kati jetzt nicht weiter ungewöhnlich.
„Na, was möchtest du bestellen?“
„Gleich, ich muss dir unbedingt was erzählen! Ich hab heute Abend ein Date! Oh, ich hoffe so, dass es klappt.“
„Echt? Wer ist denn der Glückliche?“
„Die Glückliche!“, verbesserte mich Kati. „Wird nicht verraten!“ Sie zwinkerte mir zu.
„Wendeste dich jetzt also wieder den Frauen zu? Aber wieso willst du mir nicht erzählen, wen du triffst?“, wollte ich wissen.
„Naja, nach meiner letzten Enttäuschung will ich sichergehen, dass es diesmal auch wirklich klappt“, gab Kati zu. „Ich hätte übrigens gerne ein Mineralwasser.“
„Kriegst du.“ Ich holte ein Glas aus dem Regal. „Und, wie geht’s dir so?“, erkundigte sich Kati.
„Och, ganz gut. Ich war gestern mit Lukas essen. Da hat er mir erzählt, dass seine Band eine neue BASSISTIN hat.“
„Wieso betonst du das Wort so?“
„Es ist seine Exfreundin.“
„Ist das so schlimm?“
„Ach, ich hab keine Ahnung, ich werd einfach mal bei ‘ner Probe zugucken.“ Ich stellte Kati ihr Mineralwasser hin.
„Danke. Wie geht’s eigentlich deinen Freunden?“
„Ganz okay. Ich glaube allerdings, Anna dreht zur Zeit durch.“
„Wieso das denn?“ Kati zeigte sich auf einmal höchst alarmiert. Auf ihrem Hocker saß sie kerzengerade.
„Naja“, sagte ich, „sie hat ihren ganzen Style verändert. Sie hübscht sich auf, trägt sogar neuerdings Kontaktlinsen. Erzählt mir, dass sie Dates hat und als du gestern angerufen hast, ist sie total ausgeflippt vor Freude.“
Jetzt war es an ihr, vor Freude loszuquietschen. „Wirklich?“
„Moment mal…“ In diesem Augenblick setzte vor meinem inneren Auge eine Diashow mit Bildern der letzten Stunden ein. Anna im rosafarbenen, ärmellosen Kleid. Anna, wie sie mit dem Telefon im Zimmer verschwand. Anna, wie sie durch ihr freudiges Herumhüpfen fast ihren Handtuchturban zum Einsturz gebracht hätte. Kati am Telefon. Und eine andere Szene.
‚Ich freu mich schon so auf sie! Äh, ich meine, auf die Person.‘
Mir blieb der Mund offen stehen. „Moment mal, willst du mir etwa sagen, dass du und Anna…?“
„Na toll, jetzt hast du’s doch rausgekriegt“, murmelte Kati. Ihr Lächeln war aus ihrem Gesicht verschwunden.
„Wieso? Das ist doch toll! Ich freue mich für euch. Ich drück euch die Daumen, dass alles klappt. Sie scheint ja auch Gefühle für dich zu haben.“ Ich zwinkerte Kati zu.
„Oh, meinst du wirklich? Boah, ich hoffe so, dass das klappt. Noch so einen Komplett-Reinfall wie Hannes will ich nicht noch mal erleben. So, ich glaube, ich muss jetzt los.“ Sie bezahlte ihr Mineralwasser. „Ich treffe sie nämlich gleich noch mal – und ich wollte vorher noch zum Frisör! Bis dann, drück mir die Daumen!“
„Na klar.“
Nachdem sie mir noch einen Schmatzer auf die Wange gedrückt hatte, war sie weg.

Auf dem Weg nach Hause dachte ich über die beiden nach. Würde es mit ihnen wohl funktionieren? Ich hatte sie als ziemlich unterschiedliche Menschen kennen gelernt, aber vielleicht zog sie ja gerade das so an. Anna hatte ja noch nie eine Beziehung gehabt, aus welchem Grund auch immer. Sie hatte schon zweiundzwanzig Jahre nach dem Mann fürs Leben gesucht – aber erst mit einer Frau schien es etwas zu werden. Kati hatte ja, wie uns allen bekannt war, schon mehrere Liebesbeziehungen gehabt, und die waren nicht alle gut verlaufen. Nach dem Idioten von Hannes gönnte ich ihr eine neue Beziehung von Herzen.
Zu Hause wurde ich von Lukas empfangen, der den Tag mit ein bisschen Gitarrespielen und Fernsehen verbracht hatte. Jetzt kochte er mir zum Mittag mein Lieblingsessen – Spaghetti Napoli. Ich küsste ihn auf den Mund. „Hey, du schmeckst nach Nudelsoße.“
„Ja, das Essen ist auch schon fast fertig. Und, wie geht’s dir so? Wie hast du den Tag erlebt?“
„Oh Mann, die Welt ändert sich so schnell“, antwortete ich, noch halb in Gedanken woanders.
„Wieso, was ist denn los?“
Ich schloss die Tür. „Ich weiß jetzt, warum Anna sich in letzter Zeit so merkwürdig verhält. Sie ist verknallt. Und zwar in Kati!“
„Ja, und?“ Lukas zeigte sich nicht besonders überrascht. „Das hab ich mir schon gedacht.“
„Ja, aber Kati will auch was von ihr!“
„Das ist ja toll. Hoffen wir mal für die beiden, dass das klappt. Übrigens, der Termin für die erste Bandprobe steht fest. Wir treffen uns übermorgen im Probenraum. Willst du mitkommen?“
Schlagartig schraubte mein Herz seine Frequenz nach oben. „Oh, äh, auf jeden Fall? Sind denn… alle dabei?“
„Ja, klar. Ich bin wirklich gespannt, wie die erste Probe mit Kiki läuft.“ Er lächelte mich an.
„Ich auch“, murmelte ich.
„Was?“
„Ach, nichts. – Wann sind die Nudeln fertig?“
„Hier, ich glaube, sie sind schon fertig…“ Er hielt mir eine Nudel zum Probieren hin. Als ich mein OK gegeben hatte, goss er sie ab und in einen Teller, samt der dazugehörigen Soße. Ziemlich hungrig begann ich sofort zu essen.

Krümelmonster, Teil 1

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Vor einigen Jahren begann ich eine Reihe über eine junge Frau namens Sara und stellte die entstandenen Teile auf neon.de hoch. Da ich den Account vor einiger Zeit gelöscht habe, wird die Geschichte nach und nach hier zu lesen sein. “Krümelmonster” ist der dritte Teil der Reihe. Viel Spaß beim Lesen.

Es hatte lange gedauert, bis wir uns zu diesem Schritt durchgerungen hatten, aber schließlich hatten wir uns dafür entschieden.

Vielleicht sollte ich erst einmal erklären, worum es überhaupt geht. Falls irgendeiner diesen Quatsch, den ich hier zusammenschreibe, mal liest.

Na ja. Ich studiere mittlerweile Politik an der Frankfurter Universität, und da ich keine Lust habe, ständig zu pendeln, und außerdem durch meinen Nebenjob im Studentencafé ziemlich gut verdiene, kam die Idee auf, dass ich von zu Hause ausziehe.

Meine beste Freundin Anna hat es schon im Sommer dort hin verschlagen. Sie ist auch, das glaube ich zumindest, die Selbstständige von uns dreien. Zusammen mit Aurélie bewohnt sie eine Wohnung in der Innenstadt. Ich wäre gerne zu ihnen gezogen, aber das ging nicht. Die Miete war mir etwas zu teuer.

Dafür wanderten meine Kisten in ein Studentenwohnheim, das ganz in ihrer Nähe lag. Benannt nach irgendeinem ehemaligen Bundestagspräsidenten. Oder so ähnlich. Es war mir wichtig, dass es sich nicht um ein religiöses Wohnheim handelte, denn die hatten traditionell immer sehr strenge Besuchsregeln. Darauf hatte ich keine Lust. Ich wollte noch spät in der Nacht mit Aurélie, Anna und Freddy in der Küche sitzen, was trinken und diskutieren, ohne auf die Uhr schauen zu müssen.

Zu Hause wäre das auch nicht gegangen. Oma machte mich in so einem Fall immer lautstark darauf aufmerksam, dass ich doch bitte leise sein solle, schließlich wolle sie schlafen. Trotzdem hatte ich sie dann einmal beim Fernsehen beobachtet. Spätnachrichten.

Fast alle meine Sachen sowie die gesamten Möbel waren schon in meinem Zimmer verstaut und aufgebaut, nur eine Kiste mit Büchern fehlte noch.

Lea und ich holten sie gemeinsam ab. Während der Fahrt unterhielten wir uns miteinander.

„Wieso ziehst du nicht auch aus?“

„Ach, weißt du, es klingt zwar komisch, aber irgendwie würde mir unsere verrückte Familie doch fehlen“, sagte Lea und bog links ab. „Außerdem würden die doch im Dreieck springen. Wenn ich auch noch weg bin, kümmert sich ja keiner mehr um den Haushalt. Paul ist ja auch noch zu jung dafür mit seinen neun Jahren.“

Da konnte ich ja nur lachen.

Wir waren schon fast da, als uns ein dämlicher Mercedesfahrer die Vorfahrt nahm. Ich konnte nicht genau erkennen, welcher Idiot da am Steuer saß, aber das Auto kam mir verflucht bekannt vor. Woher nur?

Lea und ich hielten vor dem Gebäude, in dem bestimmt die Hälfte aller Studenten untergebracht war, und packten die Kiste mit den Büchern aus. Neben uns stand ein silberner Mercedes, so einer wie der, der uns vorhin fast über den Haufen gefahren hätte. So was aber auch.

Ich hatte ein Zimmer im ersten Stock bezogen. Da die Kiste ziemlich schwer war, mussten Lea und ich sie zu zweit tragen, was ziemlich viel Platz in Anspruch nahm. So kam es, dass wir im Flur mit einer Person aneinander stießen.

„Hoppla, wer hat es denn da so eilig?“, wollte der Typ wissen.

Lea und ich stellten die Kiste kurz auf dem Flurboden ab. „Hallo“, sagte ich, „ich bin Sara und bin heute hier eingezogen.“

„Hallo.“ Der Mensch reichte mir die Hand. „Ich bin Hannes. In welchem Zimmer wohnst du?“

„Ich wohne im Zimmer 214.“

„Na so was, ich bin im Zimmer 215! Dann sieht man sich ja bestimmt noch später, was?“

„Ja, bis später!“

Lea und ich trugen die Bücherkiste ins Zimmer und packten die Bücher ins Regal. Es dauerte ganz schön lange, da ich viele Bücher besitze.

Irgendwann waren wir fertig – fix und fertig. In den letzten Tagen hatten wir, zusammen mit verschiedenen Helfern, unzählige Kartons geschleppt und Möbel aufgebaut. Das Ergebnis war ein wohnlicher Raum – und unsere Erschöpfung.

Zur Entspannung wollten wir ein bisschen Musik anmachen. Gott sei Dank hing die Stereoanlage bereits am Stromnetz. Nach einigem Hin und Her hatten Lea und ich uns auf die neue Scheibe von Placebo geeinigt.

Vermutlich hatten wir etwas zu laut aufgedreht, oder die Wände waren zu hellhörig. Das Erste, was passierte, war jedenfalls, dass zwei Menschen in unser Zimmer stürmten. Noch auf dem Flur vernahm ich ihre Stimmen. Die eine gehörte Hannes und rief: „Komm, Kati, das bringt doch nichts!“ Die andere war eindeutig weiblich und schrie: „Wer auch immer das ist, der kriegt was zu hören!“

Und da hatte ich sie. Die Begegnung der dritten Art. Die schienen ja neuerdings echt beliebt zu sein bei den Drehbuchautoren meines Lebens. In meinem Zimmer stand Hannes. Und er hatte Kati bei der Hand.

Plötzlich passte alles zusammen. Der silberne Protzmercedes, den sie von ihrem Vater zum Abitur bekommen hatte. Die Rufe vom Flur. Und ihre dämliche Bemerkung vom Abiball, dass sie nach Frankfurt ziehen würde und mich dann garantiert los sei. Da wusste sie noch nicht, dass wir uns wieder begegnen würden.

In der Grundschulzeit hatten wir uns öfter mal gesehen – zwangsweise, weil unsere Mütter immer wollten, dass wir miteinander spielten. Dabei rissen wir uns eher die Haare heraus, als ihrer Aufforderung nachzukommen. Und in der neunten Klasse wurde richtig deutlich, wie unterschiedlich wir waren. Während ich anfing, Kufiyas zu tragen und mir außerdem die Haare knallrot färbte, schnappte sie sich einen Freund, der in der Jungen Union war, und trug nur noch Designerklamotten. Sogar ihre Sportsachen waren von Dolce & Gabbana.

Sofort schnappte Katharina nach Luft, als sie mich sah. Hatte ich schon erwähnt, dass sie früher immer Asthma vorgeschoben hatte, um nicht zum Sportunterricht zu müssen?

„Das kann doch nicht sein, das… das ist unmöglich…“

Sekundenlang standen wir da und schauten uns schockiert an, bis Hannes endlich den Mund aufmachte. „Ihr kennt euch?“

„Ich wünschte, ich würde sie nicht kennen“, schnaubte Katharina.

Lea klärte ihn auf. „Die beiden waren in einer Stufe.“

„Das halte ich nicht aus!“, kreischte Katharina und tat so, als bekäme sie keine Luft mehr. „Wo ist mein Asthmaspray?“, rief sie und verschwand in dem Zimmer, das meinem gegenüber lag, gefolgt von Hannes, der nur noch antworten konnte: „Aber Kati…“

„Auf den Schock muss ich jetzt erst mal einen trinken. Los, komm mit“, forderte ich Lea auf und zog sie, ohne ihre Antwort abzuwarten, nach unten.

Es kam wirklich nicht oft vor, dass ich bei meinen guten Freundinnen vorbeischneite, ohne mich vorher anzukündigen. Aber im Augenblick fühlte ich mich einfach saudumm. Dass Lea und ich zwei Mal in die falsche S-Bahn stiegen und außerdem einmal in die falsche Richtung fuhren, machte es nicht gerade besser.

Ich brauchte unbedingt einen Netzplan.

Irgendwann kamen wir an. Als man uns mit der Sprechanlage nach oben durchließ, überflog ich die dreißig Treppenstufen bis zur Wohnung.

„Hallo, ihr beiden, das ist aber –“

„Oh, ich glaube, ich dreh gleich durch!“ Fix und fertig ließ ich mich auf den erstbesten Hocker fallen, den ich fand. „Manchmal denke ich, mein Leben ist eine Komödie!“

„Was meinst du denn damit schon wieder?“ Anna, die uns aufgemacht und außerdem gar nicht mit uns gerechnet hatte, schüttelte den Kopf. „Komm, ich mach euch erstmal Kaffee. Ist ’ne ganz tolle Sorte: Cappucino mit Schokolade.“

Typisch Anna. Die Ruhe in Person.

Das Zeug, das sie uns zusammengebraut hatte, schmeckte aber gar nicht mal so übel.

„So, und jetzt erzählst du mal ganz in Ruhe, was bis jetzt passiert ist.“

Lea begann. „Also, wir wollten ja heute den Umzug abschließen und dann…“

Da kam Aurélie ins Zimmer. Als sie uns sah, war sie ganz aus dem Häuschen und gab uns Küsschen links und rechts.

„Und, wie war euer Umzug? Wie ist es gelaufen? Ist dein Zimmer schon fertig?“

„Ja, alles ganz gut. Mal gucken, wann ihr vorbeikommen könnt“, antwortete ich auf Aurélies viele Fragen.

Nun erzählte Lea weiter: „Also, wir waren heute fertig und dann haben wir eine CD gehört.“

„Und auf einmal stand sie in meinem Zimmer“, ergänzte ich schockiert.

„Wer denn?“, erkundigte sich Aurélie.

„Und warum überhaupt?“, schob Anna ein.

Ich legte eine Kunstpause ein, bevor ich weitersprach. „Es war unsere liebe Katharina. Sie ist mit meinem Zimmernachbarn zusammen und hat sich über den ‚Krach’ bei uns beschwert.“

„Katharina?“

„Oh mein Gott“, raunte Aurélie und schnappte sich einen Apfel aus der Obstschale.

„Das kannst du laut sagen.“ Ich beugte mich nach vorne. „Könnt ihr euch noch an die Parisgeschichte erinnern? Das war echt voll link, wie sie Alex alles zugeschoben hat.“

„Da hast du Recht“, sagte Lea. Alex war ein Kumpel von ihr. „Katharina hat sich schön fein rausgewieselt und Alex hat den ganzen Ärger mit den Lehrern gekriegt.“

„Also, ich lege keinen gesteigerten Wert darauf, ihr noch einmal zu begegnen.“

„Ich auch nicht“, kam es von den anderen dreien.

Wo ist die Liebe hin?, Teil 9

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Einige Tage später war der Abiball. Auch wenn das stundenlange Herrichten ein einziger Stress gewesen war und mir Omas Kommentare zu meinem Kleid („So tief wie das ausgeschnitten ist, kann man ja von Pontius bis Pilatus gucken!“) irgendwann nur noch auf die Nerven gingen, war ich doch froh, dass der Abiball endlich gekommen war.

Am Anfang war es ziemlich öde, da keine Musik lief und ständig irgendein Lehrer meinte, irgendeine endlose Rede halten zu müssen. Doch als die Band eintraf, wurde es ziemlich gut. Wir Mädels tanzten ausgelassen, zumindest soweit unsere Hochsteckfrisuren es zuließen. Und es zeigte sich, dass die Band eine hervorragende Wahl gewesen war. Alle waren glücklich.

Das heißt, nicht ganz. Zwar versuchten Anna und ich immer wieder, Aurélie zum Tanzen zu bewegen, aber nach einer Minute saß sie bereits wieder auf ihrem Platz und starrte zur Theke, an der sich Freddy mit seinen Kumpels unterhielt.

„Meinst du, jetzt…“, fragte ich.

„Ja, jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, meinte Anna.

Die Band hatte gerade mit einem Lied geendet. Ich stieg zu ihnen auf die Bühne und flüsterte Larry, dem Sänger, meinen Musikwunsch ins Ohr. Den erfüllte er mir auch prompt. Leider mit einer kleinen Ansage.

„Und hier kommt für Saras gute Freundin ein Musikwunsch! Aurélie von Wir sind Helden!“

Dann begann er. Ich war noch nie so aufgeregt wie jetzt. Anna schien es auch nicht anders zu gehen.

„Aurélies Akzent ist ohne Frage sehr charmant

Auch wenn sie schweigt, wird sie als wunderbar erkannt

Sie braucht mit Reizen nicht zu geizen, denn ihr Haar ist Meer und Weizen

Noch mit Glatze fräß’ ihr jeder aus der Hand

Doch Aurélie kapiert das nie

Jeden Abend fragt sie sich

Wann nur verliebt sich wer in mich?“

Zweifellos bewirkte dieser Song etwas. Aber nicht das, was er sollte. In dem Augenblick, als der Refrain einsetzte, begann Aurélie zu weinen und verließ fluchtartig den Saal. Sie rannte an Anna und mir vorbei, ich wollte hinterher, aber Anna hielt mich zurück.

Freddy kam aufgeregt auf uns zu. „Na toll, und was soll ich jetzt machen!“

„Na, hinterher!“, rief Anna ihm zu. Dieser Aufforderung kam er sofort nach.

Auch wenn die Musik immer noch laut dröhnte, hörte ich sie in dem Moment nicht.

Ich fühlte mich unheimlich schuldig. Was war nur passiert? Für den ganzen Schlamassel fühlte ich mich allein verantwortlich.

Ich ließ mich auf einen Stuhl vor den Waschräumen sinken und wünschte mir, ich hätte all das nie erleben müssen.

Da kam mir Anna hinterher. Sie setzte sich auf den Stuhl neben mir. Zusammen sahen wir schweigend in den Nachthimmel, der sich durch die Fenster blicken ließ.

Nach einer Weile sagte Anna: „Das war ’ne blöde Idee von mir, was?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Solche Versuche sind im Allgemeinen eine blöde Idee.“

Wieder zuckte ich mit den Schultern.

Es war ziemlich dunkel und es war unendlich lange still.

Plötzlich stürmte von draußen ein Pärchen Richtung Damentoiletten. Zuerst hielten sie an einem Pfeiler. Wer so intensiv knutscht, verbraucht kein Wasser mehr zum Waschen, hatte Anna mal gesagt. Ich glaube, erst jetzt begriff ich das so richtig.

Mir war das Pärchen nicht bekannt und im Dunkeln konnte man kaum etwas erkennen, aber als die beiden in die Damentoiletten huschten, sah ich, dass das Mädchen ein schwarzes Kleid trug. Ein schwarzes Kleid mit einer großen Schleife am Rücken und ziemlich viel Glitzer. Genau wie Aurélie…

Einen Moment später hörten wir lautes Gestöhne. Ich bildete mir sogar ein, zu merken, wie unsere Stühle, die nebenstehende Garderobe und das WC-Schild rhythmisch hin- und herrumsten. Wie in diesem Film. Die fabelhafte Welt der Amélie.

Oh mein Gott. Das.. das konnte doch nicht…

„Du, da auf dem Klo, da sind…“

„Freddy und Aurélie, genau. Wir haben unsere Arbeit getan. Komm, gehen wir wieder tanzen.“

Ich war so befreit wie noch nie. Deswegen tanzte ich auch besonders ausgelassen, war eins mit mir und der Welt und grölte laut mit zu der Musik. Kurz: Ich hatte einen perfekten Abend.

Eine halbe Ewigkeit später tauchten unsere guten Freunde wieder auf. Die Band hatte gerade Pause. Aufgeregt stürmten Freddy und Aurélie auf uns zu.

Mir fiel auf, dass sich einige Strähnen aus Aurélies Frisur gelöst hatten und Freddy verschmierten Lippenstift am Hals hatte.

„Sara, Freddy und ich sind…“

„Ich weiß. Lasst uns feiern!“

Doch jetzt betrat Oma die Szene. Wieso hatten wir sie eigentlich mit angemeldet?

„Meinst du wirklich, dass das für ein Mädchen wie dich der geeignete Ort ist?“ Mit Stirnrunzeln betrachtete sie Freddy und Aurélie, die leicht derangiert aussehen, die Getränke, die wir in den Händen hielten, und die Band, die biertrinkend auf der Bühne saß.

„Lass mich doch. Ich bin alt genug!“

Empört wollte Oma etwas entgegnen, doch in dem Moment wurde ich von meinen Freunden auf die Tanzfläche gezogen, weil die Band wieder einsetzte. Aurélie küsste Freddy auf den Mund, schob ihn hin und her, Anna und ich legten den wildesten Rock’n’Roll aller Zeiten hin, und ich kümmerte mich kein Stück darum, was meine alte, überbesorgte Großmutter zu sagen hatte. Weil ich dazu viel zu glücklich war.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 1

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Vor einigen Jahren begann ich eine Reihe über eine junge Frau namens Sara und stellte die entstandenen Teile auf neon.de hoch. Ich habe meinen dortigen Account gestern löschen lassen und werde die Sara-Geschichten jetzt im Blog präsentieren, in der Hoffnung, dass sie jemandem gefallen. Viel Spaß beim Lesen.

Alles fing damit an, dass meine Mutter wieder anfangen wollte zu arbeiten. Doch vielleicht sollte ich erst einmal unsere Familie vorstellen. Da wären meine Oma, meine Eltern, meine beiden Geschwister – und ich.

Meine Schwester heißt Lea und ist nur anderthalb Jahre älter als ich. Sie hat jetzt ihr Abitur und ständig musste sie sich von irgendwem anhören: „Wie willst du das nur schaffen?“ Meistens von meinen Eltern. Manchmal denke ich, sie verwenden ihre ganze Zeit dafür, zumindest solange sie nicht arbeiten. Mein Vater ist Anwalt, meine Mutter Ärztin. Als mein Bruder geboren wurde, hat sie aufgehört, zu arbeiten. Aber darauf komme ich später noch.

Genau, mein Bruder! Er heißt Paul und ist sieben Jahre alt. Seit Sommer letzten Jahres geht er zur Schule und ist total stolz auf alles, was er lernt. Ich glaube, am liebsten würde er bei jedem neuen Buchstaben und bei jeder neuen richtigen Rechenaufgabe laut rufen: „Siehst du, ich bin besser wie du!“ Diesen Sprachfehler macht Paul ständig. Oft korrigiert ihn dann Oma, die seit Opas Tod vor fünf Jahren bei uns wohnt.

Ich bin auch froh, wenn ich den Schulstoff korrekt behalte und wiedergeben kann. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich damit angeben möchte, oh nein. Ich freue mich einfach, dass ich so schwere Sachen kann. Ein Berg an Wissen, der sich anscheinend jeden Tag quadratisch vermehrt. Und wehe, ich behalte nicht alles richtig. Dann trifft mich auch schon mal der Satz, den sonst nur Lea zu hören kriegt. Ich bin achtzehn und mache nächstes Jahr mein Abitur, da ist das schon ziemlich wichtig.

Und eines schönen Tages saßen wir alle am Frühstückstisch, als Mama mit der sensationellen Neuigkeit herausrückte.

Eine Freundin von ihr wolle eine Arztpraxis aufmachen und sie könne mit einsteigen. Zunächst blieben wir ruhig sitzen. Papa und Oma nickten und brummten so etwas wie „Aha“, ich nahm mir eine weitere Toastscheibe und belegte sie mit Käse, Lea trank einen Schluck Milch.

„Und ich finde das eine ausgezeichnete Idee. Am liebsten würde ich sofort einsteigen. Was meint ihr dazu?“

Einen Moment lang guckten wir uns entgeistert an, dann redeten alle durcheinander. Kaum ein Wort war zu verstehen, doch eines war klar: Niemand war total begeistert.

„Wer macht dann den Haushalt?“, fragte Lea alarmiert.

„Kannst du dann nicht mehr mit mir spielen?“, wollte Paul ängstlich wissen.

„Aber ich verdiene doch genug Geld für uns beide!“, entgegnete Papa. Woraufhin Mama ziemlich wütend guckte. Als Oma dann auch noch meinte, dass sie lieber auf die Kinder aufpassen sollte, pfefferte sie ihr Brötchen aufs Brettchen, rief beleidigt: „Also, ich hätte von euch ein bisschen mehr Unterstützung erwartet!“ und verließ die Küche. Ich nehme an, sie ging zum Telefon.

Alles, was mir dazu einfiel, war: Oh Mann. Ich wusste gar nicht, was ich von den Plänen meiner Mutter halten sollte. Später saßen Lea und ich zusammen in meinem Zimmer und quatschten.

„Wie findest du es, dass Mama wieder arbeiten will?“, fragte sie.

„Hmm… weiß nicht“, antwortete ich und starrte an die Decke.

„Also, ich finde es überhaupt nicht gut“, rief Lea und haute zur Bekräftigung mit ihrer Handkante aufs Bett. „Wenn sie nicht da ist, wird Paul uns die ganze Zeit nerven und außerdem bleibt dann die ganze Hausarbeit an uns hängen.“

„Naja“, warf ich ein, „immerhin wäre dann eine Person weniger da, die die ganze Zeit auf uns aufpasst und an uns herummeckert. Und Paul ist doch eh ständig bei seinen Kumpels.“

„Sag bloß, du findest es gut, dass Mama wieder arbeiten will?“ Lea sprang auf und rannte auf und ab.

„Mir gefällt das jedenfalls überhaupt nicht. Und ich werde sie irgendwie davon abbringen. Ich weiß noch nicht, wie, aber irgendwas wird mir schon einfallen!“ Mit diesen Worten rauschte sie aus meinem Zimmer.

Oh Hilfe, was hatte sie bloß vor? Ich kannte meine Schwester. Wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hatte, konnte sie nichts davon abbringen, ihr Ziel zu erreichen.

Abends kam Paul zu mir. Er trug bereits seinen Schlafanzug mit den Rennautos und hatte seinen Teddy in der Hand.

„Sara?“

„Ja, was ist denn?“

„Wenn Mama wieder arbeitet, dann kann doch niemand mehr mit mir spielen! Ich will, dass Mama hier bleibt!“

„Mach dir keine Sorgen, Kleiner!“, versuchte ich ihn zu beruhigen. „Es sind genug Leute da, die mit dir spielen können. Oma, Lea, ich, der Niklas aus deiner Schule…“

„Aber keiner kann mit mir so spielen wie Mama! Und sie kümmert sich immer um mich. Wer macht mir mein Lieblingsessen, wenn Mama weg ist? Nur sie kriegt das hin!“

„Weißt du, Mama –“, begann ich, wurde aber von Mama unterbrochen, die plötzlich in der Tür stand und fragte: „Wieso bist du noch nicht im Bett, Paul?“

Sie sah sehr betrübt und nachdenklich aus.

„Komm, Paul!“ Sie nahm die Hand, in der nicht der Teddy war, und ging mit ihm aus dem Zimmer. Ich hörte noch, wie Paul fragte: „Liest du mir die Geschichte mit den Dinosauriern vor?“ Und Mama erwiderte: „Aber natürlich!“

Ich war fast froh, als ich zur Schule musste. Beim Frühstück war außer „Holst du die Zeitung aus dem Briefkasten?“ so gut wie kein Wort zu hören. Das ist sonst immer ganz anders, da diskutieren wir über irgendwas und die Eltern wollen wissen, was die Kinder so vorhaben und wann sie aus der Schule kommen. Doch an diesem Tag hatte Papa Paul lediglich gebeten, die Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.

Oh fantastisch. Mir gefiel die Stimmung beim Frühstück überhaupt nicht und ich spürte, dass irgendetwas nicht stimmte. So konnte es nicht weitergehen.

Als Lea und ich ins Auto stiegen, um zur Schule zu fahren, sagte ich ihr das ganz genau so. Sie meinte: „Ganz recht, so kann das nicht weitergehen.“ Dabei hatte sie einen entschlossenen Gesichtsausdruck, so, als wüsste sie ganz genau, was sie tun würde. Und wieder fragte ich mich, was sie nur vorhatte.

Am Schwarzen Brett traf ich auf meine beste Freundin Anna.

„Hi, Sara, du siehst ja müde aus!“, begrüßte sie mich.

„Vielen Dank“, muffelte ich, „eigentlich hatte ich eine andere Begrüßung erwartet!“

„Hey, was ist denn los?“

„Ach, Probleme zu Hause. Mama will wieder arbeiten, deswegen schieben alle total Stress.“

„Und was meinst du dazu?“, erkundigte sich Anna.

„Keine Ahnung“, antwortete ich und musterte nachdenklich den Aushang zu den Schulschachmeisterschaften. „Irgendwie bin ich weder dafür noch dagegen.“

„Bestimmt ist deine Mum relaxter, wenn sie wieder arbeitet. Immer nur zu Hause herumzuhocken, hat ihr auf Dauer wohl nicht mehr gereicht. Da wollte sie halt wieder anfangen.“

Das konnte ich mir gut vorstellen. Nach so vielen Jahren Haushalt und Babysitter-Spielen hätte ich wohl auch keine Lust mehr auf mein altes Leben. Ich würde etwas ändern wollen.

„Also, ich kann meine Mutter ja verstehen“, erklärte ich Anna, während wir zum Kursraum gingen. „Das eigentlich Ätzende sind die anderen aus der Familie. Besonders meine Schwester. Ich glaube, sie hat irgendwas vor.“

„Was denn zum Beispiel?“

„Keine Ahnung“, sagte ich und stieß die Tür zu unserem Kursraum auf.

„Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen. Die beruhigen sich schon wieder, bestimmt müssen sie sich erst mal an den Gedanken gewöhnen.“ Sie setzte sich auf ihren Platz in der vorletzten Reihe.

Apropos gewöhnen, dachte ich. Da saß eine Neue bei uns in der Klasse. Komisch, war uns gar nicht angekündigt worden. Sie trug eine schwarze Franzosenmütze, eine Jeansjacke und ein rot-weiß geringeltes Shirt, außerde, starkes Make-up.

Ich ging zu Anna. „Du, sag mal, kennst du die da vorne?“

Plötzlich bekam Anna einen unkontrollierten Lachanfall. Sie konnte sich gar nicht wieder einkriegen. Schließlich antwortete sie keuchend: „Das ist doch Aurélie!“

Was, das sollte unsere gemeinsame Freundin sein? ich konnte das gar nicht glauben, so verändert sah sie aus.

Anna erläuterte: „Neulich hat sie herausgefunden, dass sie zu einem Achtel Französin ist. Und das hat sie dazu veranlasst, mal eben ihren gesamten Typ zu verändern.“

Da kam Aurélie auch schon auf uns zu. „Bonjour, mes copines! Comment ca va?“ Jetzt lachte sie auf ihre typische Art.

Anna und ich tauschten einen Blick. Oh Mann, dachte ich.

„Äh, hi, Aurélie, bei mir ist eigentlich alles in Ordnung. Was, ähm, hat dich denn dazu veranlasst, deinen Typ derartig zu verändern?“, fragte ich.

„Meine Uroma kam aus Frankreich“, erzählte Aurélie. „Ich habe es herausgefunden, als ich über meinen Stammbaum geforscht habe. Ahnenforschung ist ja so spannend…“

„Ja, ja, da hast du wohl Recht“, rief Anna mit hochgezogenen Augenbrauen, während sie ihre Deutschsachen auspackte. Ich wusste genau, was das bedeutete. Sie schien dasselbe über Aurélies Typwechsel zu denken wie ich. Oh Mann.

„Verstehe. Und da überkam dich einfach der Wunsch, dich so… äh… stark zu verändern“, bemerkte ich und starrte auf die Tafel, auf die irgendwelche Fruchtzwerge aus der Fünften gekritzelt hatten, wer nun alles doof ist.

„Ja, ich wollte mich einfach ein bisschen von meinen Vorfahren inspirieren lassen“, sagte Aurélie und lachte wieder.

Mittlerweile waren fast alle in der Klasse, wir warteten eigentlich nur noch auf unseren Deutschlehrer, Herrn Nowitzki. Er war mindestens so groß wie sein berühmter Basketball spielender Namensvetter und auch so athletisch gebaut, insgesamt sah er ziemlich gut aus und er war noch sehr jung. Deswegen rechnete ich mir aus, dass er noch mit irgendeiner Referendarin flirtete.

Aber eigentlich war es mir ganz recht, dass er noch nicht da war. Wie bereits erwähnt, war er noch ziemlich jung, er kam eigentlich gerade aus dem Studium. Und wie alle modernen Lehrer versuchte Herr Nowitzki, seinen Unterricht besonders pädagogisch wertvoll zu gestalten.

Ich packte mein Deutschbuch, meinen Block, mein Etui und eine kleine Dose Geleebohnen aus. Dann lehnte ich mich zurück, packte die Beine auf den Tisch und aß die Geleebohnen. Anna und Aurélie bekamen je zwei ab.

Fünf Minuten später betrat Herr Nowitzki die Klasse.

Kitschi hat ferngesehen

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(Juhu, “Kitschi” wird von der Windows-Live-Writer-eigenen Rechtschreibkontrolle als falsch angestrichen.)

Vor genau zwei Wochen saß ich schon einmal gegen viertel nach acht vorm Fernseher, um “Vorfahren gesucht” einzuschalten. Damals ging es um die Kelly-Family. Ich war höchst interessiert, als ich erfuhr, dass es zwei Wochen später eine Sendung mit Hugo Egon Balder geben würde, also schaltete ich erneut ein.

Man hat viele interessante Sachen über die Familie des Entertainers erfahren. Und die Geschichte der Familie Balder ist alles andere als schön. Seine Großmutter, seine Eltern, seine Brüder und die erste Frau seines Vaters wurden von den Nazis verfolgt, weil sie jüdisch bzw. mit einer Jüdin verheiratet waren. Letztgenannte Person ist in einer Nervenheilanstalt gestorben. Die Großmutter, die Mutter und ein Bruder waren in Theresienstadt (und haben Gott sei Dank überlebt).

Es war sehr merkwürdig, in Bezug auf den Menschen, der einen jahrelang in einer Comedy-Ratesendung mit seinen Witzen unterhalten hat, mit solch einem ernsten Thema konfrontiert zu werden. Balders Großmutter liegt auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, über den ich, als ich im Sommerlager war, eine interessante Dokumentation gesehen habe. Die Verwandten konnten der Beerdigung damals nicht beiwohnen aufgrund der Berliner Teilung (es war kurz nach dem Mauerbau). Als Hugo Egon Balder auf dem Friedhof das Grab seiner Oma suchte, erzählte der Sprecher auch, woher der Brauch mit den Steinen auf dem Grabstein kommt – früher wurden die Grabhöhlen mit Steinen verschlossen. (Wie bei Jesus.) Ich wollte immer schon mal wissen, woher der Brauch kommt. Ich finde ihn gut.

Bevor es an die Familienforschung ging, wurde über den Mann, der seine Familiengeschichte erforschen wollte, berichtet. Herr Balder ist ja im Besonderen bekannt für seine Sendung Tutti Frutti. Er sagte darüber: “Heute würde sich dafür keiner mehr interessieren. Solange keine Hartz-IV-Empfänger vorgeführt werden, ist das doch nicht interessant.”

Ich fand die Sendung sehr interessant und kann sie, falls der eine oder andere eventuell vorhat, sie in der Mediathek zu gucken, nur empfehlen.

Mit nachdenklichen Grüßen

Die Kitschautorin