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Schlagwort-Archive: spinnen

Hochzeitsforum

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Ich verfolge ja die Devise: Ich versuche, vieles zu wissen, und wenn ich etwas nicht weiß, suche ich mir jemanden, der es mir sagt. Als ich mich letztes Jahr dafür entschied, zu heiraten, wusste ich über vieles, wie ich es machen wollte, aber ich wusste nicht, wo man Einladungskarten herbekommt. Also suchte ich mir ein Hochzeitsforum im Internet und fragte da nach.

Nachdem ich die gewünschte hilfreiche Information bekommen hatte, postete ich noch zwei oder drei Beiträge – und dann gar nichts mehr. Warum, fragt ihr euch vielleicht. Ich sage es euch.

Im Wesentlichen hatte ich zwei Probleme. Das erste Problem ist gemeinhin als „Bridezilla“ bekannt. Die beste Freundin kommt zum Anprobe-Termin zwei Minuten zu spät, weil sie ein Real Life hat? Was für eine egoistische Zicke! Ein Stückchen Tüll ragt beim Kleid dahin, wo es nicht hinsollte? Bei welchem Saftladen habe ich denn mein Kleid gekauft?!? Und wenn auf der Torte ein Marzipanröschen zu viel prangt, ist die Hölle los.

Das zweite Problem ist der – ich fasse es jetzt mal so zusammen – Umgang mit den jeweiligen Partnern. Es ist in dem Forum grundsätzlich üblich, statt „Zukünftiger“ nur „Z“ zu schreiben. Es wirkt immer so, als wäre der Mann die zehn anderen Buchstaben nicht wert, zumal viele Userinnen (denn natürlich sind es nur Userinnen) offen zugeben, dass der Partner bei der Hochzeitsplanung nicht viel zu sagen hat. „Der hat ja nun mal keine Ahnung von Dekoration oder Musik!“ Der Höhepunkt war dann eine Frau, die mit ihrem Mann schon zwei Kinder hatte – eines davon war ein Säugling – und ihn bestürmte, noch ein drittes zu zeugen. „Ja, ich weiß, wir sind grad mit dem Winzling so beschäftigt, aber ich will doch so gern eine Prinzessin!“ Ich hoffe, der Mann merkt noch rechtzeitig, dass er die Prinzessin bereits im Haus hat, wenn ihr versteht, was ich meine.

Und dann gab es noch ein ganz komisches Erlebnis. Mein Mann hat einmal gesagt, dass manche Frauen nur um der Hochzeit willen heiraten wollen. Daran musste ich denken, als ich im Forum von einer Frau las, deren Mann ihr drei Wochen nach der Hochzeit gestand, dass er sie auf dem Junggesellenabschied im besoffenen Zustand mit einer Prostituierten betrogen hatte. Sie schrieb davon, wie sehr sie das verletzt hatte – um nahtlos von den Planungen der Flitterwochen zu berichten. Was sollte das denn bitte? Wenn mein Partner so was mit mir anstellt, dann denke ich doch nicht mehr daran, mit ihm in die Flitterwochen zu fahren. Oder ich gebe gleich offen zu, dass ich das Ganze nur gemacht habe, um mich einen Tag lang wie eine Königin zu fühlen. Versteht ihr das?

Mit ratlosen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht, warum ich über so etwas Irrelevantes geschrieben habe. Ich komme aber einfach nicht damit klar, dass manche Frauen wegen Kleinigkeiten so austicken und ihre Partner so respektlos behandeln.

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Religionsfeinde bitte weitergehen

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Ich habe gesagt, dass die Bibel miserabel geschrieben ist. Ich habe gesagt, dass ich nie wieder eine Kirche betrete, wenn’s nicht unbedingt sein muss. Ich habe gesagt, ich sei gottlos. Ich habe gesagt, ich sei Agnostikerin. Und mittlerweile denke ich nichts mehr davon. Wisst ihr, wie komisch man sich fühlt, wenn man auf einmal merkt, dass nichts mehr stimmt?

In den letzten Wochen hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich fragte mich, ob da nicht doch etwas ist. Und dann passierte etwas sehr Merkwürdiges. Auf einmal war da eine innere Stimme, die mir sagte, wohin es geht. Erst leise, dann immer lauter. Ich konnte nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken. Ich sah Kopftuchträgerinnen auf der Straße und dachte: “Die wissen etwas, was ich nicht weiß.” Ursprünglich wollte ich mich noch viel länger mit unterschiedlichen Religionen beschäftigen. Dann besuchte ich einen Gesprächsabend der Evangelischen Studierendengemeinde. Und auf einmal sagte mir die Stimme ganz deutlich, wohin ich gehen soll. Nachdem ich einen Online-Glaubenskurs der Evangelischen Kirche in Deutschland mitgemacht und mit dem Pastor der für mich zuständigen Gemeinde aufgenommen habe, bin ich mir sicher: Ich möchte mich evangelisch taufen lassen.

Nach meinem Outing habe ich gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Der Pastor, mit dem ich gesprochen habe, ist sehr offen und interessiert. Er beantwortet mir Glaubens- und Bibelfragen und hört mir zu. Auch die Gemeinde an sich scheint recht offen zu sein. Es gab dort bereits queere Gottesdienste. Mir wurde eine bestimmte Ausgabe der Bibel nahegelegt, genauer gesagt, des Neuen Testaments plus Psalmen. Sie ist sehr gut (beim Shop bestelle ich aber nicht mehr – lange Lieferzeit, keine Versandmail). Der Text ist sehr einfach gehalten und an den Seitenrändern stehen Worterklärungen. Es gibt sogar Themenseiten – so was habe ich immer gesucht. Wer mehr darüber wissen will: http://www.basisbibel.de/home/ Und was den Inhalt angeht: Mittlerweile habe ich festgestellt, dass in der Bibel zwar viel Mist steht, aber auch sehr viele schöne Geschichten – stellvertretend sei hier die Geschichte vom verlorenen Sohn genannt.

Nicht alle sind so offen, wenn man sich einer Religion zuwendet. Das stellte ich fest, als ich auf der Suche nach Taufpaten meine Großmutter anrief – eine der wenigen evangelischen Menschen, die ich kenne, und wir stehen uns an sich relativ nahe. Doch als ich sie fragte, ob sie meine Patin werden möchte, war sie nicht gerade begeistert. Der Tenor war: Sie würde es zwar machen, fragte mich aber, ob ich mich da nicht in was verrenne, und ich müsse dann ja auch Kirchensteuer bezahlen. Mein Opa tat das Ganze gleich als Quatsch ab. Ich hoffe, dass sie ihre Meinung irgendwann ändern. Vielleicht brauchen sie einfach nur etwas Zeit.

Ich bin schon gespannt, wie meine Eltern reagieren. Am Sonntag fliege ich wieder zu ihnen. Als ich Weihnachten 2011 das letzte Mal da war, hat mein Freund am Gottesdienst in der Deutschen Kirche teilgenommen. Dieses Mal komme ich einfach mit.

Viele sind der Meinung, dass man keine organisierte Religion braucht, und ich kann das sehr gut verstehen. Ich möchte aber am Gemeindeleben teilnehmen (Gottesdienste, Chor etc.) und das Ritual der Taufe ist mir sehr wichtig. Viele Menschen haben ja so ihre Probleme damit, der Kirche anzugehören, weil dort vieles einfach nicht stimmt. Ich bin aber der Meinung, dass man trotzdem einer Kirche angehören kann. Ich bin kein Andreas Englisch, der x Sachen nennt, die in der katholischen Kirche nicht stimmen, und dann trotzdem den Papst über den grünen Klee lobt. Aus dem Grund trete ich auch nicht der katholischen, sondern der evangelischen Kirche bei.

Und um das noch mal abschließend festzustellen: Ich trete der evangelischen Kirche nicht wegen einer kirchlichen Hochzeit bei und auch nicht, weil ich mir dadurch irgendwelche Vorteile bei der Jobsuche oder Ähnlichem verschaffen will. Ich tue das, weil ich glaube. Und aus diesem Grund macht es mir auch nichts aus, dass ich irgendwann mal Kirchensteuer bezahlen muss. Es geht an etwas, das ich glaube.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Schon wieder Einführungswoche

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Ich bin zwar jetzt schon im 3. Semester, aber weil man bei der Uni-Einführungsveranstaltung so viel Gratiszeugs abstauben kann, bin ich trotzdem hingegangen. Folgendes habe ich gekriegt:

– einen Block

– sechs Kulis

– sechs Postkarten (davon eine mit Wollfaden, die vom Studiengang “Textiles Gestalten” ausgegeben wurde und einen Witz zum Thema ‘rumspinnen’ enthielt)

– die aktuelle Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung plus Beilage “akademisches Viertel”

– zwei Bonbons

– siebzehn Tütchen mit Gummibärchen

– zwei Päckchen mit Klebezetteln

– einen Jackass-Einkaufschip

– eine Ausgabe des Magazins “Kino & Co.”

– diverse Flyer, Gutscheine und Infomaterialien

– fünf Luftballons

– zwei kleine Tuben Zahncreme

– zehn Aufkleber

– einen Schlüsselanhänger

– ein Minibuch “Meine Grundrechte in der Europäischen Union”

– ein Exemplar des Grundgesetzes

– einen Sattelschutz fürs Fahrrad

– einen biegsamen Bleistift

– ein Magazin namens “Coming out”

– eine Ausgabe des Magazins “OS.Nah”

– einen Stundenplan

– einen Studienplaner, der mir noch zugesandt wird, weil die AOK keine mehr am Stand hatte

– ein Taschenlämpchen

– drei Anstecker

– drei Stoffbeutel

– einen Keks

– einen Lolli

– ein Käppi

– eine winzige Tafel Schokolade

– einen Gratis-Sehtest (meine Dioptrienwerte haben sich nicht verändert, leider ist eine Hornhautverkrümmung dazugekommen)

– ein Smartphone-Reinigungsteil

– das Buch “Glaube im Kreuzverhör” von Lee Strobel

– ein Spielzeugauto aus Gummi

– ein Gratis-Rätsel auf einer Postkarte

– ein Päckchen Traubenzucker

– ein Lesezeichen

– ein Frisbee

– am Allerwichtigsten: ein Kondom Smiley mit geöffnetem Mund

Eines der Gummibärchen-Tütchen wurde mir vom Kerl in die Hand gedrückt, der euch bereits aus meinem Artikel “Demokratietheorien” bekannt sein dürfte (https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/09/demokratietheorien/). Ich begrüßte ihn mit “Na, was machstn hier Schönes?”. Er antwortete: “Gummibärchen verteilen.” Schon hatte ich noch ein Tütchen. Mir fiel auf, dass er mir keinen Junge-Union-Infozettel dazugegeben hatte. Offenbar weiß er, wo ich politisch stehe.

Später traf ich dann noch einen Freund, der Werbung für seinen Rollenspiel-Verein (http://www.rubicon-osnabrueck.de/) machte. Hier ein Auszug aus unserem Gespräch:

– Du bist aber kein Erstsemester!

– Na und? Warst du letztes Jahr doch auch nicht!

– *Denkpause* Äääähm, ich hab aber nen neuen Studiengang angefangen.

Nachdem ich dieses ganze Gratiszeug abgestaubt hatte, staubte ich ordentlich zu, und zwar, als ich zusammen mit meinen Mitbewohnern unseren Kellerraum ausräumte. Von den aktuellen WG-Bewohnern stand kaum was drin, dafür haben Vorbewohner, die ich teilweise noch nicht einmal kennen gelernt habe, uns schön viel Arbeit gemacht mit dem ganzen Zeug, das sie da gelassen haben. Das Zeug fiel in zwei Kategorien:

– der letzte Müll (bspw. Abfall von McDonald’s)

– Sachen, die noch voll in Ordnung sind und wo einfach jemand zu faul war, es mitzunehmen

Aus der letzten Kategorie habe ich mir so einige Schätze gesichert. Ich frage mich aber immer noch, wie ein Buch zum Thema “Fruchtbarkeit der Frau für eine Schwangerschaft erhöhen” (oder so ähnlich) in diesen Kellerraum kam. Bis ich dort eingezogen bin, lebten nämlich nur Männer in der WG – und die dürften das nicht unbedingt bei ihren Partnerinnen angewandt haben.

Heute kommt noch ein Blogeintrag, der sich mit LGBT-Rechten beschäftigen wird. Und es wird ein ganz besonderer: er wird nämlich dreisprachig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Wo ist die Liebe hin?, Teil 7

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„Ich kann einfach nicht glauben, dass ihr so etwas getan habt. Uns alleine zurückzulassen! Eine solche Verantwortungslosigkeit hätte ich euch nie zugetraut!“ Papas stimmliche Lautstärke hatte sich kaum verändert, seit er an der Wohnungstür nach uns verlangt hatte.

„Martin, bitte!“, versuchte Mama, ihn zu beruhigen.

„Wir haben doch gesagt“, ergriff Lea das Wort. „dass wir zwischendurch vorbeikommen, um den Haushalt zu erledigen. Außerdem haben wir es zu Hause einfach nicht mehr ausgehalten.“

„So ein Blödsinn!“, empörte sich Papa.

„Martin! – Was soll das heißen, ihr habt es zu Hause nicht mehr ausgehalten?“, fragte Mama.

Jetzt redete ich: „Jetzt tu bitte nicht so, als wüsstest du das nicht. Wir streiten uns nur noch. Ich habe neulich sogar gemerkt, dass Papa auf dem Sofa schlafen musste. So geht es einfach nicht weiter.“

„Sara, ich habe dir doch gesagt, mein Rücken…“

„So ein Quatsch“, fuhr ich ihm über den Mund und sagte: „Egal, was Lea und ich tun, ständig streitet ihr euch darum. Ich musste ja sogar zu Freunden abhauen, weil ich sonst gar nicht in Ruhe für mein Abitur lernen konnte. Und der Kleine leidet auch darunter.“

Wieder tat Mama so, als verstünde sie nicht. „Was meinst du damit?“

Lea antwortete: „Ihr wisst doch, der Kleine verträgt überhaupt nichts. Eure dauernden Streits mag er überhaupt nicht. Mal abgesehen davon, dass Oma ihn behandelt wie einen Idioten. Entschuldigung, aber so ist es wirklich.“

Papa, der sich bis dahin noch bemüht hatte, einigermaßen, wollte nun überhaupt nicht mehr. „Das wird ja immer schöner. Erst verschwinden meine beiden Töchter einfach so, lassen alles stehen und liegen, und dann müssen wir uns als Rabeneltern hinstellen lassen! Ich glaube es nicht!“ Er stand vom Umzugskarton, der als Notsitz hinhalten musste, auf und tigerte unruhig hin und her.

„Wir sagen doch gar nicht, dass ihr Rabeneltern seid. Aber ihr seht doch wohl selbst ein, dass diese endlosen Streits aufhören müssen.“ Lea richtete sich auf. „Und ich sage euch eins: Wir kommen nicht zurück, bis ihr euch wieder vertragen habt.

„Lea, ich…“, wollte Papa erneut ansetzen, wurde aber von Mama unterbrochen: „Martin, die beiden haben Recht. Aber es ist wirklich nicht so einfach, so eine Situation zu lösen.“ Sie wandte sich an uns. „Glaubt ihr, mit einmal drüber reden ist es getan?“

„Nein, natürlich nicht. Aber wir sollten uns zumindest mal an einen Tisch setzen und unsere Probleme klären, anstatt uns immer nur anzugiften.“

„In Ordnung. Wir reden mit Oma darüber. Einverstanden?“ Nun sah Mama Papa an. Mit diesem drohenden Blick, den sie auch früher schon ganz gut beherrscht hatte.

Er musste sich überwinden, bevor er einwilligte.

Wenig später fuhren unsere Eltern wieder nach Hause. Lea und ich kamen freiwillig mit, um die wichtigsten Haushaltsarbeiten zu erledigen.

Wir hatten einen Termin für ein klärendes Gespräch vereinbart. Bis dahin würden Lea und ich in unserer „Notunterkunft“ bleiben und nur ab und zu vorbeischauen. Dank unserer Jobs und unserem Ersparten konnten wir uns ganz gut über Wasser halten, zumindest im Moment.

Doch auch wenn in unserer familiären Situation die Lösung in die Nähe gerückt war, lief es freundeskreistechnisch nicht gerade gut. Eines Tages kam ich total müde von meiner Schicht aus dem Fastfoodrestaurant, als Aurélie auf mich zustürmte.

Einen Augenblick lang orientierungslos fragte ich: „Hey, was ist denn los?“

„Sara, ich muss unbedingt mit dir sprechen!“

Ich ahnte instinktiv, dass das nicht gerade eine Freude werden würde, trotzdem bat ich sie mit zu mir nach Hause. Zwar war Aurélie darüber verwundert, dass ich nicht in Richtung Nordkreuz wollte, sondern zu einer kleinen Wohnung am Hauptbahnhof, aber weiter kümmerte es sie nicht. Sie hatte ein viel dringenderes Problem. So viel war klar. Doch ich konnte nicht aus ihr herauskriegen, was es war. Komisch, woran erinnerte mich das nur?

Irgendwann kamen Aurélie und ich in der kleinen Wohnung an. Sobald ich die Tür zugemacht hatte, ließ sie sich auf den Boden fallen, mit dem Rücken zur Tür, und rief: „Oh Mann!“

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Jetzt wusste ich, woran mich die Situation erinnerte. Wollte Aurélie mir etwa sagen, dass…

„Du meine Güte, ich bin total in Freddy verknallt!“, platzte es auch schon aus ihr heraus. „Er hat mir in Chemie geholfen und er findet mich wohl total nett, aber nie im Leben erwidert er meine Gefühle!“

Na super. Ich hatte es gewusst. Das musste ja so enden. In meinen Augen war die Situation wie die in einem verdammten Liebesfilm. Nur, dass das Happy End momentan noch nicht in Sicht war. Oh Mann. Das traf es genau auf den Punkt.

Wir setzten uns in die Küche. Auch wenn Leas und meine Notunterkunft nicht so toll ausgestattet war, verfügten wir mittlerweile immerhin über einen Klapptisch und drei Stühle.

„Wie kommst du überhaupt darauf, dass Freddy nichts von dir will? Hast du schon mit ihm geredet?“

„Ich wollte. Aber ich konnte nicht.“ Jetzt schniefte Aurélie. Ich gab ihr Taschentücher.

„Also, ich wollte mit ihm darüber sprechen. Ich habe mich mit ihm in diesem tollen Laden in der Burgstraße getroffen. Er war schon da und…“ Sie stockte.

„Was und?“

„Er hat mit dieser blonden Tussi getanzt. Den ganzen Abend lang. Obwohl er gar nicht tanzen kann. Er hat mich gar nicht beachtet!“ Für Aurélie war die Welt zu Ende, wie ich so einen Zustand gerne formuliere. Sie heulte richtig los und bald war eine Packung Taschentücher verbraucht.

Die Arme tat mir Leid, sie war schließlich meine beste Freundin, neben Anna natürlich. Ich nahm mir vor, mir Freddy bei nächster Gelegenheit vorzuknöpfen.

Die bot sich auch recht bald, bei der Vergabe der Noten für die mündliche Prüfung. Zu diesem Zwecke waren wir alle in der Schule versammelt. Vielleicht war das nicht unbedingt gut, aber mich interessierte der Umstand, dass ich die mündliche Prüfung bestanden hatte, kein bisschen. Viel wichtiger war für mich die Frage: Wo ist Freddy?

Ich fand ihn, wie er fröhlich mit seinen Freunden über die Notenvergabe redete. Die Freude würde ihm gleich vergehen.

Ich ging zu ihm. „Freddy, kann ich mal kurz mit dir alleine reden?“

Einer seiner Kumpels verzog die Augen und lächelte anzüglich. „Uhh, sie will mit dir alleine reden!“

„Schnauze, Patrick“, wies Freddy ihn zurecht. Er folgte mir.

Wir verzogen uns in den nächstbesten Raum, den wir finden konnten. Dass das der Putzmittelraum war, störte mich in dem Augenblick wenig. Nachdem ich die Tür hinter uns beiden geschlossen hatte, versuchte ich ihn zur Rede zu stellen, ohne mein kleines Geheimnis dabei auszuplaudern.

Ich begann folgendermaßen: „Wie würdest du es finden, wenn du zu einem Treffen kommst und der, mit dem du dich verabredet hast, ignoriert dich einfach?“

„Ich fände das schrecklich. Wieso fragst du?“

Innerlich kochte ich bereits, sagte aber möglichst unbeeindruckt: „Nun, weil Aurélie neulich zu mir gekommen ist und mir davon erzählt hat, wie sie jemand bei einem Treffen völlig ignoriert hat. So, als wäre sie praktisch gar nicht da.“ Nun wirbelte ich mich herum und funkelte ihn an.

„Was willst du eigentlich damit sagen, hä? Meinst du, dass ich so etwas abziehen würde?“

„Mhhmm. Hat ja lange gedauert, bis du das herausgefunden hast.“

„So ein Quatsch! Ich hab das hier nicht nötig!“ Mit den Worten wollte er den Raum und damit die Verantwortung verlassen, aber nicht mit mir. Ich versuchte, den Ausgang zu versperren. Es war gar nicht so leicht, sich durchzusetzen, weil Freddy um einiges stärker war. Aber schließlich gab er auf.

„Sara, glaubst du wirklich, ich würde Aurélie so behandeln? Mir ist eingefallen, dass ich ja schon mit meiner Schwester verabredet war. Da hab ich Aurélie eine SMS geschickt, dass ich nicht kann. Wenn sie trotzdem hinkommt, kann ich ja nichts dafür!“ Er hockte sich auf einen Eimer und verschränkte die Arme.

Selten hatte ich schlechtere Ausreden gehört. „Warum triffst du dich denn mit deiner Schwester ausgerechnet in der Bar in der Burgstraße?“

„Naja, das ist ihr Lieblingsschuppen…“

„Und wieso tanzt du mit deiner Schwester so eng, als wäre es deine Freundin? Gib mir dein Handy.“

„Sara, was soll das?“ Freddy stand ruckartig auf.

„Gib mir dein Handy!“, wiederholte ich. „Ich will nur wissen, ob du Recht hattest. Wenn ich die SMS sehe, ist alles okay.“

„Sag mal, vertraust du mir nicht mehr?“ Freddy wurde ebenfalls sauer. Langsam, aber sicher.

Jetzt reichte es mir. Ich versuchte, in seine Hintertasche zu langen, um sein Handy zu mopsen. Dabei entstand eine kleine Rangelei. Schlussendlich gelang es mir, sein Handy zu nehmen und seinen gesamten SMS-Ausgang nach der Nachricht zu durchsuchen, die meiner Meinung nach gar nicht existierte. Auch wenn Freddy versuchte, das zu verhindern.

Wie erwartet fand ich nichts.

Ich war so wütend, dass ich sein Handy einfach in die Ecke schmiss. Sein Glück, dass er es auffangen konnte, denn auf dem Boden lag nicht mal Teppich, er bestand einfach aus nacktem Beton.

„Sag mal, spinnst du, oder was?“, bellte er mich an.

„Was?! Ich soll spinnen? DU spinnst! Du weißt, dass du total in Aurélie verliebt bist, und dann hast du nichts Besseres zu tun, als sie bei eurem Treffen links liegen zu lassen und stattdessen Engtanz mit irgendeiner Tussi zu machen? Denkst du, so erreichst du IRGENDWAS? Hast du auch nur eine Sekunde daran gedacht, was Aurélie dabei empfindet? Sie ist doch total…“

Ups. Das war zu viel gewesen. Mein erster Reflex war, sofort die Klappe zu halten. Aber das hätte ich früher machen sollen. Nun war es zu spät.

Natürlich fragte Freddy auch sofort nach: „Was? Was ist sie total?“

Mein Kopf war ganz heiß und wahrscheinlich auch glühend rot. Ich fühlte mich nicht gut, und das war eigentlich noch zu wenig gesagt. Aurélie hatte es mir gegenüber nicht angesprochen, aber ich glaube, sie wollte nicht, dass ich es ihm verriet. Jetzt war es zu spät.

„Sie ist in dich verliebt“, gestand ich.

„Oh, Scheiße“, rief Freddy laut aus, was wir beide dachten. Er setzte sich auf den Boden, schmiss den dämlichen Putzeimer gegen die Wand und rieb sich die Augen.

Ich setzte mich neben ihn.

„Ich wollte sie nur eifersüchtig machen. Ich dachte, vielleicht interessiert sie sich auf diese Weise für mich.“

„Das war so ziemlich das Falscheste, dass du tun konntest.“

„Das weiß ich jetzt selbst, danke.“ Er rutschte auf den Betonboden, sodass er lag. Jetzt schaute er zu mir. „Hast du es ihr gesagt?“

„Nein.“ Ich seufzte. „Aber wenn du nicht bald mit ihr redest, nehme ich dir das ab.“

„Tu das bitte nicht“, rief Freddy.

„Schon gut. Aber tu mir den Gefallen und sprich mit ihr. Bitte.“

In dem Augenblick hörten wir vor der Tür ein lautes Kichern. Ich riss die Tür auf und rammte damit die Köpfe von zwei neugierigen Fünftklässlern, die an der Tür gelauscht hatten. Doch anstatt mich darüber aufzuregen, fuhr ich nach Hause.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 6

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Jeder kennt dieses Gefühl bestimmt: Morgens wacht man auf und spürt instinktiv, dass man einen super Tag vor sich hat, an dem alles super läuft, an dem man sich keine Sorgen machen muss und ganz viele tolle Sachen passieren. Die Sonne scheint einem beim Aufwachen aus einem wolkenlosen Himmel ins Gesicht und man fühlt sich einfach nur gut.

So fühlte ich mich jedenfalls am ersten Morgen, als ich in Paris aufwachte. Wir saßen noch im Zug, die meisten schliefen. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würden Frau Lacombe und Herr Nowitzki durch die Abteile laufen und alle zum baldigen Ausstieg in Paris-Est aufwecken. Aber noch war alles wunderbar ruhig und schön.

Ich sah aus dem Fenster des Zuges. In der Ferne war der Eiffelturm bereits auszumachen. Ganz dezent zwar, aber man sah ihn. Der Zug fuhr gerade über einen Kanal.

„Hey, Aurélie!“ Ich rüttelte an der Schulter. „Guck mal!“

„Mmm, was ist denn los?“, brummelte sie ganz verschlafen.

„Wir sind fast da!“, teilte ich ihr mit. Da sprang sie sofort ans Fenster, guckte heraus und rief: „Wunderschön!“

Langsam wachten auch Anna und Lea auf. Genauso wie Aurélie und ich schauten sie begeistert aus dem Fenster. Mit unseren Blicken saugten wir alles auf, was wir durch das leicht zerkratzte Zugfenster sehen konnten. Ich war wirklich der Meinung, dass es sich schon dafür gelohnt hatte, auch wenn ich so etwas sonst nie so schnell dachte. Als ich das den anderen Mädels erzählte, sahen sie es ganz genauso. Besonders, natürlich, Aurélie.

„Welch wunderbares Land meine Ahnen bewohnt haben!“, schwärmte sie.

Doch wir sollten nicht mehr lange das Vergnügen haben, aus dem Fenster zu starren. Unsere Begleitpersonen durchquerten wie erwartet unser Abteil und forderten uns dazu auf, unsere Sachen zu nehmen und uns für die Ankunft bereitzumachen.

Als unsere Reisegruppe schließlich in der Gare de l’Est stand, guckten wir weiter durch die Gegend, mit aufgerissenen Augen und offen stehenden Mündern. Sicher haben wir ausgesehen wie die kompletten Idioten. Mir fiel auf, dass bei einigen männlichen Vertretern noch ausgesprochen verkaterte Blicke dazukamen. Wie viel die wohl im Zug getrunken hatten?

Doch nicht alle unsere Männer guckten müde durch die Gegend. Herr Nowitzki war, wie immer eigentlich, blendend gelaunt und schäkerte mit Frau Lacombe. Die lachte die ganze Zeit und machte überhaupt insgesamt einen glücklichen Eindruck.

Ich schaute sie prüfend an. Lag das jetzt daran, dass sie wieder in ihrem Heimatland war, oder lag es an ihrem jungen, man war versucht zu sagen knackigen Kollegen? Oh là là! Wozu das nur führen würde…

Ich drehte mich herum, weil ich das Lea und Anna zeigen wollte. Doch da fiel mir wieder etwas auf.

Freddy starrte mich wieder so an. In diesem Augenblick zuckte mir ein Gedanke durch den Kopf: Die Kraft von eindringlichen Blicken wurde in der modernen Psychologie eindeutig unterschätzt! Jedenfalls hatte ich so etwas noch nie erlebt und mir wurde auf einmal ganz anders.

Was hatte dieser Junge nur vor? Denn er musste etwas vorhaben, so viel stand fest. Freddy drehte sich mal ein wenig nach links, mal ein wenig nach rechts, aber seine Augen wendeten sich einige Minuten nicht von mir. Zum Schluss lachte er sogar.

Beunruhigt drehte ich mich zu meinen drei Lieblingsberaterinnen.

„Habt ihr das auch gesehen?“

„Was denn?“, fragte Aurélie, was hier eher wie ‚Waf benn‘ klang, da sie zum Frühstück ein Croissant mampfte.

„Freddy!!“

„Wieso, was ist denn mit ihm!?“, wollte nun auch Lea wissen.

„Er hat mich schon wieder angestarrt!“

„Mmm, schon wieder?“, fragte Lea, nun etwas anzüglich.

„Ja!“, antwortete ich. „Als wir gestern Abend am Gleis gewartet haben, hat er das gemacht! Ich würde nur zu gern wissen, wieso?“

„Na, wieso wohl?“, antwortete Anna in ihrer typischen Art mit einer Gegenfrage. „Der Junge ist in dich verknallt, ganz offensichtlich!“

„Oh, nein, bitte nicht!“

„Was soll denn an dem so schlimm sein?“, brummte Lea leicht geistesabwesend, weil dieser braunäugige Schönling von vorhin sich näherte.

„Ich bitte euch! Seht ihn euch doch nur mal an! Ich möchte gar nicht, dass sich so jemand in mich verliebt! Ohne ihn beleidigen zu wollen, aber ich könnte nie im Leben was anfangen!“

„Ja, ja, das stimmt wohl“, pflichtete Aurélie mir bei.

„Sagt mal“, meinte ich lauernd, „ihr habt nicht zufällig irgendwas mit Freddy und mir vor, oder?“

Und in diesem Augenblick ereignete sich eine Szene, wie man sie sonst nur aus Filmen kennt. Alle liefen, ohne mir auf die Glaubensfrage zu antworten, mit einer kleinen Ausrede weg.

„Oh, da kommt Alex, ich muss sofort zu ihm hin!“, rief Lea und beeilte sich, ihm entgegenzulaufen.

„Ich hab noch eine dringende Frage an Frau Lacombe!“, behauptete Aurélie und verschwand ebenfalls.

„Und ich muss dringend mit Marie reden, wegen heute Abend!“, schob Anna vor und husch, weg war sie.

Anna? Mit Marie reden? Wegen heute Abend? Was sollte das denn nun schon wieder? Ich war irgendwie noch verwirrter als vorher.

Aber gut. Meine Freundinnen und meine Schwester waren eigentlich nicht die Art von Mädchen, die mich mit einem Jungen verkuppeln würden. Anna würde mir in so einem Fall höchstens zureden, dass ich den Betreffenden anspreche, selbst aber keinen Finger rühren. Aurélie hätte wohl wieder ganz viele romantische Vorstellungen, würde aber auch eher Zuschauerin bleiben. Und Lea, hmm…, na ja, die war eh abgelenkt, da sie momentan selbst einen Kerl in Aussicht hatte.

Schon am ersten Tag in Paris ging es richtig rund. Nachdem wir unsere Jugendherberge bezogen hatten, gab es grad mal eine kleine Führung durch die Unterkunft und schon begannen unsere Streifzüge durch die französische Hauptstadt.

Natürlich standen die großen Touristenattraktionen ganz oben auf der Tagesordnung. Zum Eiffelturm sollte es gehen, danach würden wir uns zum Arc de Triomphe sowie zum Musée d’Orsay bewegen. Nach der Besichtigung der Kathedrale Notre-Dame hätten wir dann einige Stunden Freizeit, sollten aber nicht die Ile de la Cité verlassen.

„Na toll! Wo sollen wir denn da billig essen?“, rief Lea dazwischen, wurde aber von Frau Lacombe zurechtgewiesen: „Soyez silente, s’il vous plaît!“ Wieso bestand sie eigentlich immer darauf, mit ihren Schülern Französisch zu reden?

Herr Nowitzki erklärte uns jetzt – Gott sei Dank auf Deutsch – den Weg zu einem netten, kleinen Bistro, wo man laut seiner Auskunft günstig speisen könne. Dies steuerten wir auch in der temps libre, wie Frau Lacombe es genannt hatte, an. Nur befand sich dort, dank der Ankündigung von Herrn Nowitzki, die halbe Reisegruppe. Ich schaute mich im Bistro um. Isa erzählte etwas und fuchtelte dabei mit ihrem Besteck in der Luft herum, Sören beschrieb seinem Gegenüber anscheinend, wie voll derundder gestern Nacht gewesen war, und in einer Ecke diskutierten Jessica und Lisa über die neueste Pariser Mode.

„Das ist ja wie beim McDonald’s auf der Hamburgfahrt, wisst ihr noch?“, raunte Anna zu Aurélie und mir.

Wir nickten. „Also, ich habe keine Lust mehr, hier zu bleiben!“, rief sie. „Wer ist dafür, dass wir uns was anderes suchen?“

Aurélie und ich riefen sofort einstimmig: „Ich!“ Lea zögerte noch etwas. Offensichtlich wollte sie mit der Entscheidung noch warten, bis sie wusste, ob sich ihr braunäugiger Lieblingsmitschüler hier aufhielt. Suchend glitt ihr Blick über die zirka fünfzig Schüler und die paar anderen Gäste. Schließlich schien sie festzustellen, dass er nicht hier war.

„Okay, lasst uns gehen!“, meinte nun auch sie.

Wir wanderten noch ein bisschen auf der Ile de la Cité herum und sahen dabei noch einige zugegebenermaßen ganz hübsche Gebäude und Häuser. Irgendwann stießen wir auf ein kleines Lokal, in dem niemand saß und in dem es außerdem ziemlich billige Gerichte gab.

Wir orderten etwas, das der Kellner „petites pizzas“ nannte, und unterhielten uns. Aurélie schwärmte wieder, wie wundervoll Paris doch sei. „Diese ganzen Sehenswürdigkeiten waren einfach wunderschön! Ich finde, es hat sich wirklich gelohnt, mitzufahren.“

„Aber dieser Angeber von Lars!“, warf Anna ein. „Habt ihr das mit dem Goldenen Schnitt an der Notre-Dame mitgekriegt? Natürlich musste er wieder als Erster damit herausplatzen!“

Lea nickte. „Das ist wie bei unserem kleinen Bruder, der kann auch kaum was und ruft deswegen bei jedem neuen Buchstaben, den er lernt, wie toll er das kann.“

Ich kicherte.

„Ach, vergiss doch den Blödmann“, wischte Aurélie den negativen Punkt beiseite. „Von dem werden wir uns doch nicht die wunderschöne Fahrt vermiesen lassen!“ Verträumt guckte sie an die rosa bemalte Decke.

Oh Mann, dachte ich und warf Anna einen Blick zu. Die schien das Gleiche zu denken wie ich.

„Aber“, nun versuchte ich, einen wirksam negativen Einwand zu machen, „hast du die Bettler am Eiffelturm gesehen? Alle Touristen haben sie um Geld angehauen. Nur uns nicht, aber wir standen auch ziemlich weit weg.“

„Ja, dieser Gegensatz von Arm und Reich, das ist faszinierend…“, sagte Aurélie nachdenklich.

Verstört schauten Anna und ich uns an. Mittlerweile dachten wir nicht mehr, dass unsere gemeinsame Freundin ein bisschen zu sehr für Frankreich und seine Hauptstadt schwärmte, wir zweifelten ernsthaft an ihrem Geisteszustand. Auch Lea merkte langsam, wie Aurélie drauf war, denn sie fing ganz schnell ein neues Thema an.

„Ich habe übrigens mit Marie wegen heute Abend gesprochen“, informierte sie uns. Sofort dachte ich wieder an die Szene in der Gare de l’Est. Dann war das mit Marie also doch keine faule Ausrede gewesen…

„Heute Abend wollen wir auf den Zimmern Party machen“, hieß es. „Katja und Alex wollen alles besorgen.“

Die beiden waren sitzengeblieben und würden deswegen keine Probleme mit den Verkäufern bekommen, wenn sie Alkohol kaufen wollten. Sie waren achtzehn, bald sogar neunzehn. Aber wie wollten sie es anstellen, dass Frau Lacombe und Herr Nowitzki nichts bemerkten?

Als ich Lea das fragte, schien das überhaupt kein Problem zu sein. „Ach, das schaffen wir schon. Die Lacombe und der Nowitzki sind doch eh mit sich beschäftigt.“

Da hatte sie nicht ganz Unrecht…

„Irgendjemand hat gesagt, die machen heute Abend eine romantische Fahrt mit einem Bateau-mouche“, berichtete Anna. Das ‚romantische‘ betonte sie ganz besonders, damit auch jedem die Brisanz des Gerüchtes klar wurde.

„Cool, dann kann die Party heute Abend ja steigen“, freute sich Aurélie.

Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Nicht, dass ich Partys überhaupt nicht mochte, aber wenn es auf eine Saufparty hinauslief, bei der irgendwann nur noch alle in den Ecken hingen und ihren Mageninhalt ein zweites Mal studierten, sprich: kotzten, dann wollte ich heute Abend nicht dabei sein.

„Hey, Sara, wieso siehst du denn so griesgrämig aus?“; sprach mich Aurélie auf mein Gesicht an.

Wieso konnte man nicht einmal nicht lächeln, ohne gleich Unverständnis zu ernten?, dachte ich unwillkürlich.

Zaghaft wagte ich, Kritik an den Plänen zu äußern. „Muss das sein? Können wir nicht lieber irgendwohin fahren, zum Beispiel an die Place de la Concorde?“

Alle guckten schon ungläubig.

„Die soll sehr schön sein, ehrlich!“, schob ich hinterher.

Nachdem sie erst ungläubig geguckt hatten, brachen meine Freundinnen und meine Schwester nun in Lachen aus.

„Natürlich kommst du mit!“, befahl Lea, die sich als Erste wieder beruhigt hatte. „Das wird total lustig!“

Ich schaute immer noch skeptisch drein.

Nun schaltete sich Aurélie ein: „Ach, Sara, komm doch mit! Was sollen wir denn da ohne dich?“

Blöde Frage. Die Stadt besichtigen? Gerade du, Aurélie, solltest daran doch das größte Interesse haben, wo du doch so auf Frankreich abfährst!

„Wieso kommst du nicht mit? Es wird bestimmt total lustig, ehrlich!“

Und das sagte Anna? Gerade sie? Es war klar, dass wir hier über eine Saufparty redeten und sie hatte doch sonst nicht so viel mit Alkohol am Hut. Sie erzählte uns immer wieder, dass Alkohol überhaupt nicht nötig sei und trank höchstens mal an Silvester ein kleines Glas Sekt oder so.

Jetzt schauten mich alle Mädels erwartungsvoll an. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, mit auf die Zimmerparty zu kommen.

Andererseits konnte es schon sein, dass es recht lustig wurde, wenn alle von uns versammelt waren. Zusammen hatten wir Mädels immer einen Riesenspaß. Hm.

„Na gut, ich überlege es mir.“

Ihre Gesichter hellten sich auf.

„Aber das heißt nicht, dass ich auch mitkomme! Verstanden?“, schob ich hinterher.

„Ja, ja“, war die einstimmige Antwort. Offensichtlich dachten Anna, Aurélie und Lea, dass ich auf jeden Fall mitkäme. Aber zu diesem Zeitpunkt stand meine Entscheidung noch nicht fest.

Geschützt: Sachen, die ich gefunden habe

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