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Schlagwort-Archive: tageszeitungen

Das Beste von letzter Woche bis jetze

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Tagesordnungspunkt 1: Literatur

Neulich las ich ja „Der Junge muss an die frische Luft“ von Hape Kerkeling. Vermutlich dadurch animiert lieh ich mir auf der Arbeit seinen Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ aus. Es war wieder toll, es zu lesen. Ich könnte jetzt einiges darüber erzählen, was er geschrieben hat, aber das würde dem Werk vermutlich nicht gerecht werden, also lest es lieber selbst. Nur über eine Szene möchte ich hier mal kurz ein paar Worte verlieren.

Irgendwo in Spanien kauft sich Hape Kerkeling eine Süddeutsche und liest sie. In der Zeitung ist auch ein Artikel darüber, dass Franz Müntefering alle schwulen Politiker dazu aufforderte, sich öffentlich zu outen, weil Schwule ja nun mal Menschen wie alle anderen seien. Die CSU ist dagegen, Begründung: Sexualität sei Privatsache eines jeden. Hape Kerkeling wird zu Recht total wütend darüber. Er gibt zu bedenken, dass ja auch niemand etwas dagegen habe, wenn ein Mann und eine Frau in aller Öffentlichkeit heiraten et cetera. Im Anschluss gibt er dann noch ein paar sehr wütende Statements zum Thema „Katholische Kirche und Homosexualität“ ab. Stellvertretend sei hier dieser Satz genannt, der meine Meinung dazu im Prinzip auch komplett wiedergibt:

Glauben die ernsthaft, dass Gott genauso kleingeistig und ideologisch wie sie selber ist?

(Ich muss das Buch bald mal wieder zurückgeben… aber es gefällt mir so gut… hach.)

Pilgern steht ja auch auf meiner Löffelliste. Mal sehen, wann ich das schaffe. Ich habe ja auch noch gar keine Ahnung, wo ich gerne pilgern würde und wie lange. Und wie viel mein armer, relativ schwach trainierter Körper aushält. (Tipps gerne in die Kommentare!)

Tagesordnungspunkt 2: Zeugnisse

Ich lebe und arbeite in Niedersachsen. Vor kurzem gab es hier Zeugnisse und am Dienstag kam eine Mutter mit ihrem Sohn beim Gemeindetreff vorbei. Und ich sag mal so, ich war meiner Mutter hinterher sehr dankbar dafür, dass sie nie in meiner Anwesenheit ihren Freundinnen mein Zeugnis gezeigt und detailliert die weitere Schullaufbahn erörtert hat.

Tagesordnungspunkt 3: Schlagzeug

Am Sonntag war ich mit einem Freund unterwegs und aus dem Schaufenster des örtlichen Trödelladens grinste mich ein Schlagzeug an. Ich überlegte hin und her… das Teufelchen auf meiner Schulter hat schließlich gewonnen und ich hab das Ding gestern tatsächlich gekauft. Der Besitzer des Ladens hat sich total gefreut.

„Wie, stand das Ding so lange bei Ihnen rum?“

„Ne, aber dauernd haben Leute drauf rumgetrommelt! Und die konnten das alle nicht! Das nervt!“

Nach ein bisschen Fachsimpelei über Phil Collins und andere Musiker machten wir uns ans Einladen. Als er meinen kleinen Wagen sah, staunte er nicht schlecht. Aber (*hebt den Zeigefinger*) nach ein bisschen Tetris-Spielen passte das Ding tatsächlich komplett rein. (Auch gut zu wissen.)

Das Schlagzeug steht jetzt bei mir im Keller. Mal sehen, wo es seinen endgültigen Platz bekommt… und zwar am besten isoliert, sodass ich nicht noch mehr Stress mit der Nachbarin kriege.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich las gerade, dass „Der Junge muss an die frische Luft“ verfilmt werden soll… das muss ich mir unbedingt ansehen.

PPS: Weiß jemand, wo ich gute Sticks herbekomme?

Adoptiere einen Tag

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Zwar habe ich es immer noch nicht geschafft, meinen Namen auf ein Buch zu bekommen, dafür aber immerhin wieder in ein Buch. Wollt ihr wissen, wie? Ich sage es euch.

Vor drei Millionen Jahren habe ich hier über das Projekt „Wurst mit Gesicht“ berichtet. Irgendwann landete bei einer meiner dortigen Bestellungen ein Zettel im Briefkasten. Der Mann, der schon das Wurstprojekt leitet, hat ein neues Projekt gestartet – „Adopt a day“. 365 Menschen sollten je einen Tag des Jahres 2014 beschreiben, den jeweilig tagesaktuellen Nachrichten gegenübergestellt. Die Idee klang ganz interessant, ich entschied mich also dafür, einen Tag zu adoptieren. Mein Wunschtag – der Tag, an dem ich getauft wurde – war leider nicht mehr frei, aber ich bekam einen anderen zugewiesen, den 29. April, also kurz nach der Taufe. Der Vorschlag hinter diesem Tag: mein Leben als frischgetaufte Christin zu beschreiben. Natürlich kam es ganz anders.

Der Autor hatte das Buch erstellt, weil er sich fragte, wie wichtig die großen Schlagzeilen für das Leben des Einzelnen sind. Ich habe mal versucht, das Ganze auszuwerten, und kam bei 365 Tagen auf 15,5, bei denen die von Dennis Buchmann ausgewählten Headlines irgendwie im Text vorkamen. Und es war nur deswegen so viel, weil in diesem Jahr eine Fußball-WM stattfand. (Wer sich fragt, wie ich auf den halben Tag kam: Bei einem Tag ging es um Fleischkonsum und eine Schlagzeile drehte sich um den Streit der Grünen über Fleischkonsum. Mein eigener Tag ist für die These, dass Nachrichten und das echte Leben nicht so ganz viel miteinander zu tun haben, ein prima Beweis. Headlines des Tages: Alstom-Übernahme, Snowden, Sparpaket in Frankreich und irgendein Russen-Radar. Nichts davon kommt in meinem Text vor.

Der Herausgeber der Chronik hat hinter den Schlagzeilen nicht angegeben, woher er diese hat. Es gab aber eine, da konnte ich mir schon denken, woher er sie hat („Hoffnung für festgefahrenes Kreuzfahrtschiff – Schumi bricht das Eis!“).

In dem Buch stehen viele traurige Geschichten. Unfälle, Krebs, Familienstreits in der Weihnachtszeit. Es gibt aber auch viele schöne. Neue Babys, bestandene Prüfungen, Treffen mit der großen Liebe. Ich kann die Lektüre dieses Werkes nur empfehlen. Wer es bestellen möchte, kann das hier tun: http://www.adoptaday.net/

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin (aber echt mal)

Merkwürdige Studenten und Großväter

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Tagesordnungspunkt 1: Merkwürdige Studenten, 1. Akt

Ab morgen werde ich ein Tutorium leiten. Freitag bekam ich eine Mail von einem Studenten, es täte ihm leid, dass er Donnerstag nicht gekommen sei und ob er trotzdem noch am Tutorium teilnehmen könne. Panisch darüber, dass ich möglicherweise irgendwas übersehen haben könnte, befragte ich den Obertutor (einen der beiden Tutoren, die die restlichen Tutoren anleiten) dazu… Ergebnis: Es geht tatsächlich erst morgen los. Ich habe mich sehr über diese Sache gewundert. Aber mir ist so was sicher auch schon mal passiert…

Tagesordnungspunkt 2: Mein Großvater

Vorgestern machte ich einen Kurzbesuch bei meinen Großeltern väterlicherseits. Ich las die örtliche Zeitung, in der ein Bericht über das neue jüdische Museum in Warschau stand, und sagte zu meinem Freund, dass ich gerne mal dahin fahren würde. Mein Großvater entgegnete: “Was willst du denn da – bei den Juden?” Ich erwarte ja nicht von jedem, dass er sich fürs Judentum interessiert, aber der Kommentar war schon bemerkenswert. Illustriert auch sehr schön, dass sich meine Großeltern nicht besonders für mein Leben interessieren – außer sie können darüber meckern.

Tagesordnungspunkt 3: Merkwürdige Studenten, 2. Akt

Vorhin bekam ich eine Mail von einer Studentin, die fragte, ob das Tutorium stattfindet (natürlich findet es statt… wurde ja auch nur ca. dreihundert Mal angekündigt), und eine Mail von einem Studenten, der mir Bescheid sagte, er habe bis viertel vor zehn eine Veranstaltung am Campus Westerberg und er käme eventuell einige Minuten später. Boah, wie gewissenhaft manche Studenten doch sind… aber erfahrungsgemäß legt sich das nach einigen Semestern.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 31

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In einer dpa-Meldung, die die Neue Osnabrücker Zeitung gestern übernommen hat, war Folgendes zu lesen:

Facebook erweitert für Nutzer in Deutschland seine Geschlechtseinstellungen über “Mann” und “Frau” hinaus. Damit will das Online-Netzwerk es Lesben, Schwulen, Transsexuellen und weiteren Menschen einfacher machen, ihre Geschlechtsidentität auszudrücken.

Liebe dpa, liebe Neue Osnabrücker Zeitung: Lesbische Liebe und Homosexualität sind sexuelle Orientierungen und haben nichts damit zu tun, welchem Geschlecht sich jemand zugehörig fühlt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Wahlergebnisse

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Gestern waren in meiner Heimatstadt zwei Wahlen, bei denen ich übrigens als Wahlhelferin aushelfen durfte: die Europawahl und die Befragung zu einer im Westen der Stadt geplanten Straße.

Mit dem Europawahlergebnis bin ich nicht so zufrieden. Die Union hat zu viele Sitze, genauso wie SPD, AfD, NPD und die Familienpartei. Und das, was ich gewählt hab, hätte noch mehr Stimmen vertragen können. Aber hey, immer noch besser als in Frankreich, wo der Front National stärkste Kraft geworden ist…

Heute Morgen habe ich in der örtlichen Zeitung den Artikel zum Wahlergebnis der Straßen-Befragung gelesen. Ein Befürworter des Straßenneubaus (die Wahl war mit 51,7 Prozent gegen die Straße ausgegangen) meinte, der Stadtrat könne die Entscheidung über die Straße nicht von ein paar hundert Leuten abhängig machen. Ob er dasselbe sagen würde, wenn seine Seite gewonnen hätte?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Libanesen, die Sowjetunion und Schwule

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Am Dienstagmorgen sah ich im Rahmen einer Seminarssitzung den Film “Neukölln unlimited”. Ziemlich harter Tagesbeginn. Nach dem Film war ich wütend auf ganz schön vieles. Ich war wütend auf die Leute, die zuließen, dass mit der Familie Akkouch so umgegangen wird. Sie müssen teilweise immer noch damit rechnen, dass sie zurück in den Libanon abgeschoben werden, obwohl sie das Land kaum kennen. Die überraschende Abschiebung 2003 hat bei der Familie sowohl seelische als auch körperliche Schäden hinterlassen (eine der Töchter bekam Bulimie). Ich war wütend auf Maradona, weil er mit seinen idiotischen Aktivitäten die Integrationsbemühungen seiner Familie torpedierte. Und ich war wütend auf mich selbst, weil ich so ein tolles Leben habe und mich trotzdem total oft darüber beschwere. Jeder, der es gut hat, hat die verdammte Pflicht, aus seinem Leben etwas zu machen. Und sich für andere einzusetzen.

Der Tag ging aber ganz gut weiter. Zu Hause konnte ich eine gebrauchte Ausgabe von “Küche totalitär” in Empfang nehmen. Mein Lieblingsautor (Wladimir Kaminer) und seine Frau haben eine unterhaltsame Mischung aus Geschichten über diverse Völker der ehemaligen Sowjetunion und interessanten Kochrezepten zusammengestellt. Ich bin schon fast durch und kann das Buch nur weiterempfehlen. In meiner Buchausgabe steckten übrigens ein FAZ-Artikel aus dem Jahr 2007, der sich mit Kaminer befasst, und eine Postkarte. Eine Frau mit altdeutschem Namen schreibt an eine andere, dass sie es schade findet, dass sie nicht zu ihrer Geburtstagsfeier kommen kann. Die Postkarte ist nicht frankiert und wurde am 8. Juni 2006 in Bochum geschrieben. Ich mag gebrauchte Bücher. Sie haben eine Seele.

Am Mittwoch habe ich immer nur eine Veranstaltung, die mir aber sehr gut gefällt: “Biografien von Migranten der ersten Generation und ihrer Kinder”. Die gestrige Sitzung beinhielt eine Präsentation über die Familie eines Kommilitonen, die aus Rumänien geflüchtet war. Einer der Präsentatoren holte etwas aus und erzählte etwas zur Geschichte des Heimatortes. Er sah sich ernsthaft dazu gezwungen, zu erklären, was die Habsburger sind. Wer das nicht weiß, sollte an einem solchen Seminar nicht teilnehmen dürfen. Ansonsten war die Präsentation aber sehr gut gemacht. Und es war sehr bedrückend, was man dort erfahren hat. Schreckliche Zustände in Rumänien, mal wieder deutsche Behörden, die einem das Leben schwer machen (und das trotz in diesem Fall vorhandener Deutschstämmigkeit), und familiäre Dramen rund um die Flucht. Es ist außerdem immer wieder interessant, was für Geschichten hinter Menschen stecken, die man kaum kennt. Ich finde gut, dass so was im Unibetrieb Platz hat.

Die Dozentin dieser Veranstaltung hat lange Zeit Einwandererkinder in Deutsch unterrichtet und im Verlauf dieser Tätigkeit unheimlich viel erlebt. Unter anderem folgende Geschichte, die ich gern mit euch teilen möchte: Ein bosnischer Junge fragte einen srilankischen Jungen, wer denn bestimme, ob er als Blume, Hund oder Mensch wiedergeboren werde. Antwort: “Vielleicht derselbe, der bestimmt, ob du in den Himmel oder die Hölle kommst.” Kinder…

Heute Morgen habe ich mich ziemlich geärgert. Zunächst ist etwas eigentlich sehr Schönes passiert: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet. Aber dann las ich (eigentlich wollte ich für etwas ganz anderes recherchieren) auf einer FDP-Seite, dass Westerwelle sagte, das Coming-out von Hitzlsperger verdiene größten Respekt. Sagt der Mann, der seinen Lebenspartner nicht auf eine Auslandsreise mitnahm, weil irgendein islamistischer Staatschef dagegen war, auf eine E-Mail-Aufforderung meinerseits, in punkto Putin Farbe zu bekennen, mit einer Wischi-Waschi-Mail antwortete und sich bei einer wichtigen Abstimmung zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften enthielt. Von dem Mann habe ich nichts zu erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 14

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„Na, wenn du meinst…“ Oma sah mich mehr als skeptisch an. „Warum bist du denn so plötzlich hergekommen? Ist irgendetwas passiert? Brauchst du Geld von uns? Wie viel?“

„Nein“, wehrte ich ab, „finanzmäßig ist alles in Ordnung.“

„Was ist es denn? Ist es wegen Lea?“

Ruckartig hob ich mein Gesicht. Einen Augenblick lang musste ich selbst überlegen. War es wegen Lea? War es wegen Hannes? War es wegen Aurélie? Wirkte nicht alles irgendwie zusammen? Und was sollte ich ihnen davon erzählen? Ich wollte meiner Mutter und meiner trotz aller Entwicklungen doch noch relativ strengen Oma nicht von einem One-Night-Stand erzählen. Und ich wusste auch nicht, was Lea ihnen bereits über ihre Schwangerschaft gesagt hatte. Ob sie überhaupt schon davon wussten. Wie bereits erwähnt war ich mir nicht wirklich sicher, ob Lea sie informiert hatte oder bloß so getan hatte. Und wenn ich ihnen von Aurélie erzählte, wollten Mama und Oma sicher gleich den ganzen Rest wissen.

Schließlich ließ ich mich zu einem lahmen „Ach, ist nicht so wichtig“ hinreißen. Das hätte mir nicht mal ein Taubblinder abgenommen.

Oma wollte bereits etwas erwidern, doch da klingelte bereits das in der Küche deponierte Telefon. „Oh, das ist bestimmt Martin, der mir sagen will, wann ich ihn abholen soll!“, rief Mama und rannte aus dem Wohnzimmer.

Die Tür fiel zu.

„Mama muss Papa abholen?“, fragte ich.

„Ja, das eine Auto ist in der Werkstatt und dein Vater ist mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Also, was ist mit dir los? Ich sehe doch, dass du irgendetwas hast.“

Ich drehte und wand mich. „Eigentlich weiß ich nicht, ob ich es dir erzählen möchte“, gestand ich nach ein paar Sekunden.

„Na gut, musst du ja nicht. Soll ich dir einen Tee aus der Küche holen?“, bot Oma mir an.

„Ja, bitte.“

Oma ging aus dem Zimmer. Ich schaute aus dem Fenster auf den großen Garten, in dem wir als Kinder oft gespielt hatten. Lea und ich hatten Äpfel aus dem Garten gesammelt, im Baumhaus gehockt, geschaukelt und später auch Paul gezeigt, wie man Sandburgen baute. Ja, das waren noch Zeiten, wo wir einfach spielen konnten, ohne uns um irgendetwas Wichtigeres als das Einmaleins kümmern zu müssen. Wo wir uns noch nicht um solche Sachen wie Liebe kümmern mussten. Wo Freunde nach einem „Blöde Kuh!“ kapiert hatten, was Sache war, und wieder zur Räson kamen. Wo man nicht fürchten musste, plötzlich schwanger und dann noch vom Langzeitfreund verlassen zu werden. Ich seufzte.

„Hier ist dein Tee. Ich hoffe, er schmeckt dir noch. Er ist etwas kalt geworden, fürchte ich.“ Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Oma wieder im Raum war. Sie setzte sich in den großen Sessel, in dem normalerweise mein Vater saß und Zeitungen las.

„Ich kann einfach nicht mehr“, seufzte ich und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Lea liegt da im Krankenhaus und ihr ganzes Leben ist total verändert. Ich weiß nicht, wie sie sich entscheiden will! Will sie das Baby behalten oder nicht? Bleibt Gero bei ihr oder nicht? Ich habe Angst! Und all das versteht Aurélie nicht. Die stürmt heute zu mir ins Café und brüllt mich vor versammelter Mannschaft an, warum ich ihr denn nicht bei ihren bescheuerten Liebesproblemen helfe. Die hat sie doch nicht mehr alle!“ Ich stöhnte. Ich konnte auch nicht glauben, dass ich meiner alten Großmutter das alles gesagt hatte.

„Wer war noch mal Aurélie?“, fragte Oma stirnrunzelnd.

„Die eine von meinen Freundinnen. So groß wie Mama, braune Haare, braune Augen.“

„Ach so.“

„Die hatte ein paar Probleme mit ihrem Freund und das nur, weil sie nicht einsieht, dass sie einige Dinge grundfalsch gemacht hat. Aber das wäre nicht so schlimm, wenn sie nicht behauptet hätte, dass ich total egoistisch wäre und ihr nicht helfen würde, weil ich ja mein dämliches Handy nicht angemacht hätte. So ein Mist!“ Ich haute aufs Sofakissen.

„Das hat sie bestimmt nicht böse gemeint. Weiß sie denn überhaupt, dass du bei deiner Schwester im Krankenhaus warst?“

„Nein. Woher sollte sie auch? Ich hab sie ja schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Und mein Handy hatte ich ja nicht angemacht! Das war doch verboten im Krankenhaus.“

„Ich bin mir sicher, dass deine Freundin nicht so sauer reagiert hätte, wenn sie gewusst hätte, dass du bei Lea warst.“

„Ja, vielleicht.“ Ich sah an die Decke. „Aber was machen wir mit Lea? Sie ist da ja in einen ganz großen Mist hineingeraten…“

„Das kannst du wohl sagen“, antwortete Oma. „Ich hab ja gleich gesagt, dass die beiden nicht einen Moment aufpassen können. Ich hab Lea ja gesagt, dass sie zu deiner Mutter gehen soll, als sie diesen Durchfall hatte. Da kann das ja nichts werden.“

„Moment mal, was meinst du damit?“ Ich war etwas unorientiert.

„Du weißt doch noch, dass Lea vor ein paar Monaten immer Durchfall hatte? Das lag wohl daran, dass sie die Pille nicht vertragen hatte. Aber davon wollte deine Schwester nichts wissen. Warum auch immer.“

„Ach so…“

„Warum ist Lea jetzt genau in Ohnmacht gefallen? Das hab ich immer noch nicht so genau verstanden. Und wieso ist Lea nicht zu deiner Mutter gegangen, sondern zu irgend so einem komischen Arzt in Frankfurt? Sie wollte sich wohl die Moralpredigt ersparen. Schön ausgedacht!“

„Nein“, versuchte ich, Oma etwas zu bremsen, „Lea dachte, sie hätte Diabetes. Weil sie doch pausenlos essen und trinken musste und ihr immer so schwindlig war. Und sie ist nach Frankfurt gefahren, weil sie euch nicht damit verrückt machen wollte.“

„Diabetes?“ Oma schaute verwirrt drein. „Wie kommt sie denn darauf?“

„Weil du ihr doch erzählt hast, dass Opa damals daran gestorben ist und weil Geros Mutter gesagt hat, dass man Diabetes auch vererben kann.“

„Ach herrje.“ Jetzt war es Oma, die ihr Gesicht in den Händen vergrub und seufzte. „Was hab ich ihr da bloß wieder gesagt? Wir haben sie doch extra durchchecken lassen. Dich auch! Weil wir wissen wollten, ob es euch auch erwischt hat. Auch deinen kleinen Bruder haben wir extra untersuchen lassen. Und keiner von euch hat je Diabetes gekriegt.“ Oma schaute mich an. „Und nur deswegen ist überhaupt rausgekommen, dass Lea ein Kind erwartet?“

In diesem Moment hielt Mama ihren Kopf in die Zimmertür. „Ich fahre jetzt los und hole Martin ab.“

„In Ordnung.“

Und weg war Mama wieder.

„Ich hoffe nur, dass deine Schwester sich richtig entscheidet“, sagte Oma und stand auf. Unruhig wanderte sie im Zimmer auf und ab.

„Ich weiß noch überhaupt nicht, wie sie sich entscheiden will. Davon hat sie mir noch nichts gesagt. Ist vielleicht auch etwas früh…“

„Guck mal“, rief Oma auf einmal hatte ein altes Fotoalbum herausgekramt. Sie zeigte auf ein altes Bild, das noch in Schwarzweiß gehalten war. Darauf waren eine junge Frau und ein kleines Baby zu sehen. Neben dem Bild stand Marie und ich.

„Ist das eins von deinen Geschwistern?“ Oma hatte viele Geschwister gehabt, das hatte sie mir mal erzählt.

„Nein, das ist deine Tante Marie.“

„Papas Schwester?“, fragte ich ungläubig. Tante Marie war Papas ältere Schwester und schon Ende fünfzig.

„Bei ihrer Geburt war ich gerade mal achtzehn Jahre alt. Ich war damals ein junges, lebhaftes Ding, genauso wie deine Schwester.“

Natürlich, aber warum war mir das nie aufgefallen? Ich wusste doch, dass Oma und Opa sehr früh geheiratet hatten und ein paar Monate später meine Tante zur Welt gekommen war.

„Man hat damals sehr früh Kinder gekriegt“, erzählte Oma, „aber ich wollte eigentlich noch gar keins.“ Sie stellte das Fotoalbum zurück ins Regal. „Ich musste mich auch ziemlich früh entscheiden, ob ich das Kind bekommen wollte oder nicht. Ich wollte Marie haben und habe das auch nie bereut. Aber es war ein ganz schön harter Kampf, das kann ich dir sagen. Denk ja nicht, dass es leicht ist, in dem Alter ein Kind zu erziehen!“

„Das hätte ich auch nie gedacht“, entgegnete ich.

„Wir wollen nur hoffen, dass deine Schwester und ihr Freund die richtige Entscheidung treffen“, gab Oma zu bedenken.

„Davon bin ich überzeugt“, entgegnete ich.

„Jaja, aber wird Gero Lea auch dann behalten wollen, wenn sie das Baby behält? Das weiß man bei diesen jungen Männern doch nie.“

„Ja, aber Opa ist doch auch bei dir geblieben. Und Gero machte nicht eben den Anschein, als wollte er Lea verlassen. Ich habe mit ihm gesprochen. Er liebt Lea sehr und stiehlt sich bestimmt nicht so einfach aus der Verantwortung.“

Die Tür ging auf und Papa kam rein. „Hallo, Sara! Das ist ja eine Überraschung!“ Er herzte mich und dann seine Mutter. „Was treibt dich denn hierher, Sara?“

„Ach, ich war gerade in der Gegend…“, antwortete ich.

„Soso!“ Er lachte. „Ich koche nachher Abendessen, was möchtet ihr haben?“ Oma schaute mich an.

„Ich hätte gerne Napoli“, sagte ich.

„In Ordnung“, entgegnete er und ging.

„Meinst du wirklich, Gero hat die nötige geistige Reife?“, fragte Oma.

„Auf jeden Fall. Nicht alle sind so drauf wie Hannes“, sagte ich und bereute es gleich darauf.

„Hannes?“, fragte Oma und wusste von nichts. Das sollte auch so bleiben, aber ich wusste, dass ich bereits zu viel verraten hatte. „Wer ist das?“, erkundigte sie sich neugierig. „Hast du dich etwa auch mit einem Typen eingelassen?“

„Nein, wie denn?“, regte ich mich auf. „Es hat ja geendet, bevor es wirklich angefangen hat. Er wollte gar nichts mehr von mir wissen.“ Traurig schaute ich auf den Boden.

„Habt ihr euch miteinander getroffen?“

„Ja, und jetzt ignoriert er mich einfach… Dabei hätte ich es wissen müssen, er hatte schließlich eine Freundin und schaut dauernd anderen Mädchen hinterher… Ich komme mir so idiotisch vor!“ Und wieder haute ich mit meiner Hand aufs Sofakissen.

„Oh je.“ Oma setzte sich neben mich. „Die erste Liebe ist immer die schwierigste, was?“

„Ich bezweifle, dass es sich bei allen so schlimm anfühlt wie bei mir…“, murmelte ich.

„Nicht bei allen, aber bei den meisten. Es fühlt sich immer schlimm an, wenn der Traummann nichts mehr von einem wissen will.“ Das stimmte wohl. Ich kam mir vor wie eine blöde Dreizehnjährige, die noch gar keine Ahnung von der Liebe hatte. Die hatte Oma zweifellos, aber wollte ich mit ihr wirklich darüber reden? Ich wusste ja nicht mal, ob sie mich verstand oder mir irgendeinen Rat geben konnte.

„Es fühlt sich so an, als würde es nie vorbeigehen. Letztlich muss da jeder für sich herausfinden. Aber wenn ich dir einen Rat geben kann: Ignoriere diesen Hannes einfach. So ein Kerl hat es einfach nicht verdient, dass du dich mit ihm abgibst. Wenn du ihm lange genug aus dem Weg gehst, denkst du irgendwann von selbst nicht mehr an ihn.“

„Leichter gesagt als getan…“

Wo kommen die Neuigkeiten her?

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In Zeiten des großen Zeitungssterbens frage wohl nicht nur ich mich, woher Leute von bestimmten Ereignissen als Erstes erfahren. Wenn man sich bewusst informieren möchte, konsultiert man doch heutzutage meist das Internet – zumindest als junger Mensch. Ein Gespräch mit den Chattern aus dem hauseigenen IRC-Channel bestätigte dies. Doch manchmal kommt es ja auch vor, dass man quasi nebenbei Sachen erfährt, wenn man gar nicht vorhatte, sich zu informieren. Ich habe mir zu diesem Thema einige Gedanken gemacht und eine kleine Liste aufgestellt, die einige Ereignisse enthält und wo ich davon erfahren habe. Ich habe versucht, das Ganze chronologisch aufzuziehen, ich kann aber nicht dafür garantieren, dass die Reihenfolge so stimmt.

– die Anschläge vom 11. September 2001: ich kam aus der Schule nach Haus und meine Mutter erzählte es mir, außerdem lief im Hintergrund der Fernseher

– Entlassung von Rudolf Scharping als Verteidigungsminister: öffentlich-rechtliches Fernsehen in Schweden

– Tod von Robert Enke: Bauchbinde im NDR

– Ingo Mocek hat sich für die Neon Interviews ausgedacht: ein Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung

– Tod von Lech Kaczynski: Wikipedia

– Tod von Hugo Chavez: Bauchbinde auf n-tv (der Sender lief auf dem Bildschirm im Warteraum des Hauptbahnhofs)

– die Türkische Kulturgemeinde will Lego verklagen: Klopfers Web

– der letzte Lebensmittelskandal: meine Arbeit bei osradio

– der neue Papst heißt Franziskus und kommt aus Argentinien: die Eltern meines Freundes haben ZDF geguckt, während ich grad da war

– Gruppenvergewaltigung einer Schweizerin in Indien: Twitter-Konto der frz. Zeitung “Le Monde”

– Udo Pastörs wird angeklagt aufgrund der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener: Internetseite des NDR

Ich habe bei dieser Liste versucht, möglichst viele verschiedene Quellen zu finden. Früher habe ich Sachen aus persönlichen Gesprächen oder im Fernsehen erfahren, heute finde ich Sachen im Internet raus oder beiläufig, wenn ich grad was anderes mache, wie z.B. auf den Zug zu warten oder in der Küche, die sich neben dem Raum mit dem Fernseher befindet, was zu kochen. Wie ist das bei euch? Wo erfahrt ihr als Erstes von Nachrichten? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Tja, so ist das

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Ich bin wieder zurück in Deutschland und erstatte nachfolgend Bericht darüber, was mir auf der Reise passiert ist.

Anreise

Losgeflogen bin ich, wie schon gesagt, von Düsseldorf aus. Der Flughafen ist so groß, dass man sich dort verlaufen könnte. Die Schwebebahn, die vom Bahnhof zum Terminal führte, gefiel mir überhaupt nicht. Ruckartig und wenn ich runterguckte, wurde mir fast schwindelig. Im Warteraum am Gate hatte irgendjemand eine Süddeutsche liegen lassen, die ich gelesen habe.

Im etwa 8324. Interview, das das ZEIT-Magazin mit dem Altkanzler und ZEIT-Mitherausgeber veröffentlichte, […]

Den Satz fand ich sehr lustig. Der Flug war angenehm und ich war erstaunt, dass es den Tomatensaft (ein Getränk, das ich auch außerhalb von Flugzeugen sehr gern trinke) gratis dazu gab. Bei Ryanair sind die Preise gesalzen. Aus Bilbao wurde ich dann von einer Mitreisenden abgeholt und zusammen sind wir mit dem Bus zum Zielort gefahren. Unterwegs habe ich einen Lidl gesehen. Die Globalisierung sorgt irgendwie dafür, dass man sich auf der ganzen Welt wie zu Hause fühlen kann, so mein Eindruck. Es war übrigens cool, den Flughafen von Bilbao, den ich mir vorher bei Wikipedia angeguckt habe, in echt zu sehen. Im Bus wurde “Avatar” angedreht, allerdings auf Spanisch, sodass ich ihn nicht verstand.

Unterkunft

Es war megalaut und teilweise ein Wunder, dass ich überhaupt schlafen konnte. Die berühmte Zeile von Frank Sinatra

I wanna wake up in a city that doesn’t sleep

hätte auch auf uns zutreffen können. In den Apartments gab es Fernsehen, ich hätte aber lieber Türen für BEIDE Zimmer gehabt. Essen mussten wir selbst besorgen. Einen Wecker haben wir nicht gebraucht, da die Straßenreinigung das freundlicherweise für uns erledigt hat. Die war übrigens so eifrig, dass wir eines Tages eine Wasserpfütze bei der Haustür hatten – und zwar drinnen.

Mitreisende

Zu den meisten von ihnen kann man nicht so viel sagen, nett waren sie alle. Aufgefallen ist mir jedoch das enorme Sprachgefälle im Camp. Alle Deutschen und die Österreicherin sprachen super Englisch, der Belgier und der Franzose auch ganz gut (wenn auch mit deutlichem Akzent) und die Russinnen schlecht bis gar nicht. Eine der Russinnen hat gesagt, sie nehme am Camp teil, um ihr Englisch zu verbessern. Das geht aber nicht so gut, wenn man es nie versucht (und auch fast nichts da ist, um darauf aufzubauen). Die beiden Russinnen, die nicht in meinem Apartment untergebracht waren, haben während des jüdischen Gottesdienstes pausenlos getuschelt und an ihren Smartphones herumgespielt, unterhielten sich grundsätzlich nur auf Russisch und hielten die ganze Truppe ständig auf, weil sie alle 20 Meter Fotos von sich machen mussten und ständig zu spät kamen. Der Küchendienst war mit ihnen auch nicht gerade einfach. Ich hoffe mal, dass das nur an den Sprachproblemen lag.

Das Land

In Sichtweite des Busbahnhofs von Bilbao (und auch an der Busroute) gab es viele schöne Berge, die laut meiner österreichischen Mitreisenden aber nur Hügel sind – Bäume obendrauf und eh nicht besonders hoch. Ich habe in meiner Freizeit im Apartment viel ferngesehen und dabei bemerkt, dass alle Nahrungswerbungen mit Gesundheitshinweisen à la “Treiben Sie Sport und achten Sie auf eine gesunde Ernährung” versehen sind. Als wäre Brioche mit Kippen zu vergleichen. Außerdem habe ich auf Canal+ eine coole Sendung entdeckt, die “Zapping de la semaine” (“Zapping der Woche”) heißt und in der interessante Momente aus den vergangenen sieben Fernsehtagen gezeigt werden. (War natürlich sehr olympialastig.) Mit der Gruppe waren wir häufig am Strand, an verschiedenen Orten. Am Strand in der Nähe unseres Aufenthaltsortes konnte man nicht schwimmen, die Wellen waren einfach zu hoch. Ich bin dort nur am Rand langgelaufen und mein Rock war hinterher trotzdem klitschnass. Es hat dort aber trotzdem Spaß gemacht. Die Stadt an sich war sehr schön und wir haben eine interessante Stadtführung (auf Englisch, Gott sei Dank von einem gebürtigen Engländer) erhalten. Der Strand von Acotz hat mir nicht so gut gefallen, da ich meine Füße am heißen Sand verbrannt habe und ich den Rest des Tages nur noch unter Schmerzen gehen konnte. Das Museo San Telmo in San Sebastián kann ich nur bedingt empfehlen (zumindest für die Leute, die weder Spanisch noch Baskisch können), allerdings sollte man sich die Ausstellung über Bildschirme unbedingt ansehen. Der Strand von Socoa war sehr schön und ich habe dort wahnwitzig viele Muscheln gesammelt. Hondarribia hingegen hat mir überhaupt nicht gefallen. Dauernd waren Kanonenschüsse zu hören, weil dort gerade irgendein Fest stattfand, und meine Pizza Bolognese bestand zu 90 Prozent aus Teig.

Die Arbeit

Knüppelhart. Steine freilegen auf einem Friedhof ohne Bäume und das bei bis zu vierzig Grad Hitze. Einer Teilnehmerin ist das Feuerzeug in der Hosentasche explodiert, das sagt wohl alles. Da wurde die Dusche danach zur echten Wohltat. Nur am allerersten Tag musste wegen Regenwetter abgebrochen werden. Man erfuhr jedoch auch viel Interessantes über das jüdische Leben in der Gegend. Beispielsweise sind viele der Grabsteine auf Spanisch oder Portugiesisch verfasst (und viele Tote haben Namen, die so klingen), da die Juden vertrieben wurden. Außerdem habe ich eines Tages einen jüdischen Grabstein entdeckt, der ein falsches jüdisches Sterbedatum trug (es stellte sich irgendwann heraus, dass es doch richtig war), was die Frau etwa 200 Jahre alt gemacht hätte. Der deutsche Betreuer sagte später dazu, dass so etwas oft passierte, weil die Steinmetze die Umrechnung nicht richtig hingekriegt haben.

Sonstige Vorkommnisse

Am Tag nach der Ankunft war mir so schlecht, dass ich nicht mit zum Strand fahren konnte. So was hatte ich vor sechs Jahren schon mal, am Tag nach dem Ankunftstag in der Bretagne. Lange Reisen sind nicht schön, aber dazu gleich noch mehr. Beim ersten Strandausflug, den ich mitmachen konnte, hat eine Teilnehmerin ihre teuren Schuhe einfach irgendwo am Strand liegen lassen und sich hinterher gewundert, dass sie sie nicht mehr wiederfand. Der bereits erwähnte Gottesdienst war sehr interessant, auch wenn ich nichts verstanden habe, da er auf Hebräisch war. Eine Sache kam mir allerdings bekannt vor: Alle geben sich die Hände und sagen zueinander “Schalom Sabbat”.

Rückreise

Die Rückreise erfolgte komplett mit dem Zug. Der TGV ist, soweit ich weiß, ein sehr schneller Zug und hält irgendeinen Geschwindigkeitsrekord, davon habe ich aber nichts gemerkt, als ich mit ihm fuhr. Die zweite Klasse war jedoch sehr komfortabel (Steckdosen und ausklappbare Tische überall). Da Paris nur Kopfbahnhöfe hat, musste ich mit der Métro zum Gare du Nord weiterfahren. Die Station des Bahnhofs Montparnasse ist riesig und hat diese coolen Laufbänder. Am Gare du Nord selbst hatte ich das Vergnügen, zu beobachten, wie ein Haufen Fans und noch mehr Sicherheitsleute an den Eurostargleisen auf das französische Olympiateam warteten. Im Thalys hatte ich eine Sitznachbarin, die allerdings so gut wie gar nicht auf ihrem Platz saß, sondern immer irgendwo anders war, Gott weiß, wo. Ich war sehr froh, wieder in Deutschland zu sein (unter anderem deswegen, weil mein Geld langsam zur Neige ging). Im ICE war es unglaublich ruhig, wahrscheinlich, weil die anderen Passagiere so fertig waren wie ich. Als Reiselektüre diente mir die französische Ausgabe der Neon, die ich am Abfahrtsbahnhof gekauft habe. Ich wollte eigentlich etwas Deutsches lesen, aber es gab nur zwei deutsche Zeitungen – die eine war die Bild, die andere war die Frankfurter Allgemeine vom Vortag. Das fiel also aus. Die französische Neon war aber auch schön.

So weit, so umfangreich. Der nächste Bücherorgienteil kommt demnächst.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Zeit für Zeitungen

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Heute habe ich fast sechs Stunden damit verbracht, Zeitungen zu lesen, da ich Zugang zu einigen E-Papern erhalten habe. Zuerst war die FAZ dran, dann die Süddeutsche und zuletzt der Spiegel.

Ein großes Thema in den Tageszeitungen war die gestrige Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt. Die FAZ hatte die dortigen Reden abgedruckt. (Ich frage mich, was Reden bringen sollen, aber das ist ein anderes Thema.) Das Tolle daran war: Genau das hatte die Süddeutsche Zeitung auch gemacht, deswegen musste ich nicht alles lesen. Ich kannte es ja schon.

Wieso muss es denn sein, dass überall dasselbe gezeigt wird (auch wenn es ein wichtiges Thema ist)? Sollte sich eine Zeitung nicht vielmehr durch etwas Eigenes, Einzigartiges hervortun? Ich hätte jedenfalls keine Lust, mir etwas zu kaufen, wo eh nur das Gleiche drinsteht wie bei allen anderen.

Mein erster Gedanke beim Lesen des Spiegels galt der vielen Werbung. Interessehalber habe ich mal nachgezählt, wie viel Werbung in der Zeitschrift enthalten ist. Ich kam auf 28 ganzseitige Anzeigen, dazu kommen noch zirka viereinhalb Seiten mit Anzeigen, die nicht die ganze Seite bedecken. Insgesamt sind das also 32,5 Seiten. Der Spiegel hat 152. 21,3 Prozent – das ist ja so schlimm wie im Fernsehen. „Und jetzt unterbrechen wir die Berichterstattung über die Zustände in Syrien für ein wenig Werbung!“

Ich finde es jedenfalls toll, dass es solche E-Paper gibt. In Zukunft werde ich die Zugangsmöglichkeit dazu noch weiter nutzen und evtl. über den Inhalt der Zeitungen berichten. Denn es passiert auf der Welt unheimlich viel – und es wird auch unheimlich viel Mist geschrieben, teilweise sogar in seriösen Zeitungen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin