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10 Fakten über mich, die ihr garantiert noch nicht wusstet

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1.) Ich wäre vier Mal fast sitzengeblieben, obwohl ich ein Schuljahr übersprungen habe.

2.) Ich verfüge über zwei Muttermale.

3.) Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der jemand Prominenten kennt.

4.) Ich habe ein Praktikum in einer Buchhandlung gemacht, worum ich wegen meiner Arbeitszeiten und –bedingungen beneidet wurde, allerdings wäre ich dort irgendwann mit Sicherheit an Boreout gestorben.

5.) Ich habe sowohl ostpreußische als auch schlesische Vorfahren.

6.) Ich habe viel länger einen E-Mail-Account, als ich Internet habe. Der erste Account dürfte um 2003 herum angelegt worden sein. Ich habe drei Mal an einem VHS-Kurs “Einführung ins Internet für Kinder” (oder so ähnlich) teilgenommen, einfach, damit ich ins Internet konnte – zu Hause bekam ich erst mit 16 Internet, was ich aber fast nie nutzen durfte (und eh total lahm war), und meinen eigenen Anschluss hatte ich erst mit 18, damals im Studentenheimzimmer.

7.) Ich konnte lesen, bevor ich in die Schule kam. Wann genau das anfing, darüber streiten sich meine (Groß-)Eltern.

8.) Ich habe eine feste Zahnspange getragen, bis ich 17 war. Das hat deswegen so lange gedauert, weil ich erst eine lose brauchte und mit der warten musste, bis ich alle meine Milchzähne raushatte – und da war ich 13.

9.) Ich besitze ein winziges Stück der Berliner Mauer.

10.) Haarfarben, die ich in meinem Leben bereits hatte: hellblond, dunkelblond, kupferrot, dunkelbraun, schwarz mit leichtem Blaustich und verschiedenste Spielarten von knallrot.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Queerkultur

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Für eine Großstadt ist meine Heimatstadt ziemlich klein. Dennoch ist dort einiges los. So zum Beispiel der Gratis-Comic-Tag letzten Samstag, an dem zwei Comicläden meiner Stadt teilnahmen. Ziel des Aktionstages ist ja, die Kunden dazu anzuregen, verstärkt Comics zu lesen. Zumindest bei mir hat das auch funktioniert. Zusätzlich zu den sieben abgestaubten Gratiscomics habe ich mir vier Bände gekauft. Über einen möchte ich hier schreiben:

Michel Dufranne / Milorad Vicanovic / Christian Lerolle: Rosa Winkel

Hauptperson ist ein Mann namens Andreas Müller, der wegen seiner Homosexualität ins KZ verschleppt wird. Dort muss er Unvorstellbares erleiden. Doch entgegen seiner Hoffnungen sind die Qualen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht vorbei, sodass er irgendwann eine ebenfalls verfolgte, lesbische Freundin heiratet, deren Tochter mit aufzieht und am Ende zu einem verbitterten alten Mann wird, der seinen Urenkel und einige Mitschüler aus dem Haus jagt, als sie ihn wegen eines Schulprojekts auf die KZ-Haft ansprechen.

Der Graphic Novel hat mich zutiefst bewegt. Homophobie macht mich immer traurig, aber wie ich schon schrieb – dieser Mann hat wirklich Unvorstellbares durchlebt. Besonders betroffen machte mich eine Sprechblase, in dem eine alte Frau sich gegen eine Kranzniederlegung für homosexuelle Deportierte aussprach und dabei betonte, dass Verwandte von ihr auch im KZ umgebracht worden seien, aber nicht wegen Homosexualität. Ich kann die Lektüre dieses Graphic Novels nur empfehlen. Besonders für alle Homophoben dieser Welt – in der Hoffnung, dass es bei ihnen etwas bewirkt.

In meiner Heimatstadt gibt es jedes Jahr die Veranstaltungsreihe “Gay in May” – laut der Internetseite der Stadt

das älteste kontinuierlich stattfindende schwul-lesbische Kulturfestival Deutschlands

und dieses Jahr habe ich endlich mal ein paar Veranstaltungen besuchen können. Ich werde auch noch zu einigen davon gehen. Gestern Abend war ich bei einer Unifilmvorführung, die im Rahmen von “Gay in May” stattfand, und habe mir folgenden Film angesehen:

Tomboy

Hauptperson ist ein zehnjähriges Mädchen, das sich am liebsten wie ein Junge gibt und kleidet. Nach einem Umzug nutzt sie ihre Chance und gibt sich gegenüber ihren neuen Freunden als Junge aus. Irgendwann fliegt das Ganze aus – mit bösen Folgen. Das, was ich da gesehen habe, hat mich wirklich erschüttert. Doch am Ende gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Auch diesen Film kann ich nur empfehlen. Man kann sich in die Charaktere richtig gut reinfühlen. Ein Film, bei dem man bis zum Ende des Abspanns sitzenbleibt, weil er den Zuschauer so mitnimmt.

Und, welche Comics und Filme habt ihr in letzter Zeit so konsumiert?^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

100 Artikel – 20 Jahre

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Das hier ist der hundertste Artikel in diesem Blog, wheee! Aus diesem besonderen Anlass hier eine Geschichte von mir, die ich zu meinen besten Werken zähle. Ich hoffe, sie gefällt euch. Viel Spaß beim Lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Zwanzig Jahre

 

Was für ein bescheuerter Geburtstag. Bestimmt hatten sich die Leute vom Kultusministerium verschworen, um ihr diesen besonderen Tag zu versauen. Annika dehnte und streckte sich und sah dabei aus dem Fenster. Diesen Platz würde sie während der nächsten vier Stunden nicht verlassen. Höchstens, um auf Klo zu gehen. Und selbst das wäre nicht immer möglich.

Sie war frühmorgens an einem Ort, den sie nicht mochte, und das an ihrem Geburtstag. An einem normalen Schultag hätte sie wahrscheinlich in der Schule angerufen und irgendeine Entschuldigung vorgebracht, aber heute war das schwer möglich.

Vor ihr lagen mehrere blütenweiße Bögen, einige liniert, einige nicht, und ein bisschen Recyclingpapier. Auf allen Blättern stand der Name der Schule. Und die unlinierten weißen Bögen würde Annika in den nächsten vier Stunden mit Leben füllen müssen. Mit etwas Sinnvollem, das idealerweise mit Geschichte zu tun hatte. Ausgerechnet Geschichte. Das blödeste Fach, das Annika nur gewählt hatte, weil irgendwas aus dem Fachbereich dabei sein musste. Es war so wahnsinnig lernaufwändig gewesen. Pausenlos hatte Annika am Schreibtisch gesessen und versucht, sich alle möglichen Daten einzuprägen, und es war schwierig gewesen, da die Themen sehr breit gefächert waren. Altes Rom, Nationalsozialismus, Renaissance. Und jetzt saß Annika auf diesem Stuhl und hatte einen Aufgabenvorschlag auszuwählen und wusste nicht weiter. Der eine hatte mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun und der andere mit Augustus.

Wie entschieden sich die anderen wohl? Ben starrte wie sie gedankenverloren herum, Maria blätterte gerade um, Vanessa wechselte eine Füllerpatrone aus. Füller. Damit hatte Annika noch nie schreiben können, ohne sich mit Tinte vollzukleckern. Und es war immer so verdammt schwer, die Tinte wieder abzukriegen.

Meine Güte, was war hier gerade los? Sollte sie nicht längst an der Arbeit sitzen? Einer der Prüfer schaute ihr in die Augen. Dieser Moment dauerte nur kurz, aber Annika erkannte genau, dass er ihr am liebsten zurufen würde: Fangen Sie endlich an! Vergeuden Sie nicht ihre Zeit! Er hatte Recht. Annika schnappte sich einen der Aufgabenvorschläge und etwas Konzeptpapier.

 

Als Frieda ein Kind gewesen war, war jeder ihrer Geburtstage gefeiert worden. Sie hatte viele Geschenke bekommen, ein Geburtstagslied und viel Kuchen. Ihre Mutter konnte guten Kuchen backen. Dieser Geburtstag hingegen war kein schöner Tag. Es war kalt, der Wind pfiff durch die Straßen, überall nur zerbombte Häuser.

Frieda stand auf der Straße, sah sich um. Sie erblickte einen Mann, der mit Krücken und Holzbein die Straße entlanghumpelte. Sie seufzte. Immerhin hatte er überlebt. Viele andere, die sie gekannt hatte, waren tot.

Hinter ihr lagen harte, entbehrungsreiche Wochen. Ihr Zuhause hatte sie verlassen müssen, es war nicht mehr deutsch. Ein Onkel in Berlin hatte sie aufgenommen, da ihm eins der wenigen unzerstörten Häuser gehörte. Essen war knapp, so wie alle Güter des täglichen Bedarfs. Ständig hatte man Hunger.

Wie sollte es nur weitergehen? Die Aufbauarbeiten hatten schon begonnen, aber so kaputt, wie alles war, würden sie ewig dauern. Friedas Vater war in russischer Gefangenschaft und ihre Mutter musste fünf Kinder versorgen. Als Älteste musste Frieda mithelfen. Es war hart. Sie fragte sich, wie es nur weitergehen sollte – ohne Essen, Vater, Geld oder ein stabiles politisches System. Sie sehnte sich nach der Zeit ihrer Kindheit zurück, als noch nicht alles in Trümmern lag. Als ihr Vater ihr noch Gutenachtgeschichten vorlas und die Mutter noch Geburtstagskuchen backte. Frieda seufzte und ging ins Haus zurück.

 

Annika hatte in der Schule drei Mal Nationalsozialismus behandeln müssen. Das erste Mal war in der achten Klasse im Religionsunterricht gewesen. Ihr Lehrer hatte etwas von einem Mönch erzählt, der einen Mann gerettet hatte, der mit ihm im KZ inhaftiert gewesen war, indem er sich für ihn geopfert hatte. Annika hatte diesen Mann bewundert. Das zweite Mal war in der zehnten Klasse gewesen, im Geschichtsunterricht. Die Lehrerin hatte einen Haufen Referate verteilt und einen Besuch der einige hundert Kilometer entfernten Gedenkstätte Bergen-Belsen angeregt. Dies war schließlich an der schlechten Bahnverbindung gescheitert. In der zwölften Klasse war es schließlich Halbjahresthema geworden. Da hatten schon einige gemurrt. „Muss das sein? Wir hatten das doch nun schon rauf und runter!“ Das Thema war ihren Mitschülern zu banal geworden, zu uninteressant. Annika hatte sich dafür noch relativ stark interessiert, sich aus der Bücherei Anne Franks Tagebuch und ‚Schindlers Liste‘ ausgeliehen und viele Filme zu dem Thema gesehen. In der Zeit nach dem Abi wollte sie nach Frankreich fahren und bei der Pflege eines jüdischen Friedhofs helfen. Sie fand es schade, dass sich so wenige Leute um die Vergangenheit kümmerten. Und dennoch gab es bei weitem Schöneres, als eine Abschlussprüfung darüber zu schreiben, wie Annika seufzend feststellte. Sie atmete tief durch und schrieb weiter.

 

In diesem denkwürdigen Winter, der schon lange her war und von dem Frieda damals noch nicht wusste, dass er ihr Leben verändern würde, hatte ihr Vater gejubelt. „Jetzt geht es endlich wieder aufwärts!“, hatte er lauthals am Küchentisch verkündet. Er hatte sich im Recht gesehen, da seine Brüder wieder Arbeit gefunden hatten. Frieda wurde zur Mitgliedschaft im BDM gezwungen. Sie ging dort ohne große Freude, aber auch ohne großen Widerwillen hin. Im Grunde lebten die meisten Menschen so ihr Leben. Aber sie hatte sich des Öfteren einige Dinge gefragt. Ob der Feind wirklich getötet werden müsse. Wenn sie es jedoch wagte, so etwas laut auszusprechen, wurde sie ausgeschimpft. Sie verstehe davon nichts. Wie sie so etwas nur sagen könne. Und dann wurde sie in schöner Regelmäßigkeit auf ihr Zimmer geschickt. Schön war das nicht. Und dann kam der Krieg. Ihr Vater wurde eingezogen, seitdem hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Es gab gelegentlich Briefe, irgendwann kam gar nichts mehr. Mit dem Krieg kamen die Zerstörung und der Hunger. Ihr Heimatland verwandelte sich zu großen Teilen in ein Trümmerfeld und sie verlor so viele Menschen. Ihren Vater. Ihre Großmutter, die von einer Bombe zerfetzt wurde. Aber es wurde allenthalben verkündet, dass der Krieg notwendig war. War es auch notwendig, dass ihr ihr Vater und ihre Großmutter genommen wurden? Aber so etwas durfte man ja nicht sagen.

 

Hier wurde der Grundstein für ihre Zukunft gelegt und dieser Gedanke machte Annika verdammt nervös. Sie hatte Seite um Seite vollgeschrieben, alles zum Thema Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus. Hoffentlich hatten ihre Lehrer nichts daran auszusetzen. Sie hatte Angst davor, die Blätter abzugeben, schaute alles zig Mal auf Rechtschreib- und sonstige Fehler durch, und als sie schließlich in Zeitlupe aufstand und mit den Blättern auf die Aufsicht zuging, zitterte sie am ganzen Körper. Ihr Geschichtslehrer nahm die Arbeit an, sortierte sie ein und nickte ihr lächelnd zu, als wolle er sagen: „Sie haben es geschafft!“ Aber er log. Drei Prüfungen hatte sie noch vor sich. Eine davon mündlich. Und an die wollte sie gar nicht erst denken. Nichtsdestotrotz fühlte Annika sich unglaublich erleichtert, als sie wieder vor der Tür zum Prüfungsraum stand. Sie hatte es überlebt. Federnden Ganges schritt sie durch die Schule, Richtung Fahrradständer. Und da sah sie etwas, was ihr gar nicht gefiel. Neben dem Fahrradständer machten Bastian und Julia einen auf oberglückliches Pärchen. Der leichte Wind trug einige Gesprächsfetzen zu Annika herüber. „Boah, war die Prüfung vielleicht anstrengend!“, stöhnte Bastian. „Ich finde, du hast das ganz toll gemacht!“ Nasereiben, Küsschen. Annika fand, dass Max Liebermann schon ganz Recht gehabt hatte: Manchmal konnte man gar nicht so viel fressen, wie man kotzen wollte. Auf einmal hörte sie von irgendwoher ein Lied von früher, obwohl eigentlich gar kein Lied zu hören war. Langsame Gitarrenklänge, ab und zu ein kräftiger Akkord. Und ein Sänger, der beklagte, dass Liebe wehtat. Ihre beste Freundin hatte es ihr vor über einem Jahr mal gezeigt, nachdem sie mit viel Herzschmerz erzählt hatte, dass Bastian jetzt mit Julia zusammen war. Danach hatte sie sich noch mieser gefühlt als vorher. Eine nahegelegene Kirchenglocke, die halb eins signalisierte, unterbrach Annikas Gedanken. Sie schloss ihr Fahrrad auf, stieg auf und fuhr los. Bastian rief ihr noch ein „Ciao, Annika“ hinterher, als ob er sich für sie interessierte. Von fern war ein Krankenwagen zu hören.

 

Es gab Augenblicke, in denen man sich fragte, wie das Leben nur weitergehen sollte. Diese Augenblicke hatte Frieda in den Jahren um 1945 sehr oft gehabt. Oft hatte sie ihre Mutter bewundert, die alles ganz allein geschafft hatte – Haushalt, Kinder, Leben… Sie war sehr streng erzogen worden. Natürlich hatte sie sich in einige Männer verliebt, aber zu mehr als gewöhnlichen Gesprächen mit einem Meter Mindestabstand war es nie gekommen, das hatte ihre Mutter schon zu unterbinden gewusst. Der erste Mann, den sie näher hatte kennen lernen dürfen, war der Sohn eines Freundes der Familie gewesen. Er hieß Walter. Sie hatte ihn immer nur unter Aufsicht der Eltern treffen dürfen, zum Kaffee. Als klar geworden war, dass etwas Ernstes daraus werden würde, war sofort eine Hochzeit anberaumt worden. Erst nach der kirchlichen Hochzeit hatte Frieda zu Walter ziehen dürfen. Der Pfarrer hatte davon erzählt, dass die Ehe heilig sei. Sie hatte neben ihrem Bräutigam gestanden und sich gefragt, ob es gut gehen würde. Es war gegangen, siebenundvierzig Jahre lang. Vier Kinder, sieben Enkelkinder. Obwohl es manchmal sehr schwierig gewesen war, hatte sie nicht im Traum daran gedacht, ihren Mann zu verlassen. Der Tod hatte allerdings daran gedacht. Er war ein grausamer Herr. Er hatte Frieda ihren geliebten Mann genommen, mit dem sie den größten Teil ihres Lebens verbracht hatte. Sie vermisste ihn sehr und dachte noch oft an ihn. Jetzt saß sie in der Küche auf dem Platz, auf dem er seine letzten Lebensjahre immer gesessen hatte, im Haus ihres jüngsten Sohnes. Vor ihr stand eine Tasse Tee. Frieda schaute nachdenklich aus dem Fenster. Wann würde sie Walter wiedersehen? Es würde sicher nicht mehr lange dauern, jedenfalls hoffte sie das. Er fehlte ihr. Seine Stimme, sein Geruch. „Walter“, flüsterte sie leise, „nimm mich zu dir…“

 

Während sie durch die Stadt radelte, stellte Annika sich vor, was sie zu Hause erwarten würde. Die Geschenke hatte sie heute Morgen schon gekriegt, zusammen mit der Ermahnung, bei der Prüfung auch ja alles zu geben. Ihre Eltern hatten damals darauf bestanden, dass Annika das Abitur machte. Ihre Oma war die gewesen, die immer auf gute Noten gepocht hatte und darauf, dass Annika unheimlich viel für die Schule machte. Wahrscheinlich würde sie ihr befehlen, nicht so viel zu jammern, wenn sie gleich von den Strapazen des bisherigen Tages erzählte, so stellte Annika sich das jedenfalls vor. Als sie mit dem Fahrrad in ihre Straße einbog, kam ihr ein Notarztwagen entgegen. Der war allerdings nicht im Einsatz. Das freute Annika sehr, denn sie erschrak immer fürchterlich ob der Lautstärke, die solche Wagen immer erzeugten. Sie lehnte ihr Rad an die Hauswand, schloss es ab und betrat das Haus. „Hallo, Leute, ich bin wieder da!“, rief sie. Niemand antwortete ihr. Das war ungewöhnlich, eigentlich müssten um die Uhrzeit alle wieder da sein. In der Küche war niemand, im Wohnzimmer nicht, auch alle anderen Räume im Erdgeschoss waren leer. Sie ging die Treppe hoch. Ein ungutes Gefühl beschlich sie. Im Zimmer ihrer Oma fand sie schließlich ihre Eltern und ihre Oma. Sie lag im Bett und schlief. Oder sah es nur so aus? Annika sah ihre Eltern an. „Was ist hier los?“ Ihr Vater teilte es ihr mit. „Oma ist gerade gestorben. Herzanfall. Der Notarzt konnte nichts mehr für sie tun.“ Annika starrte ihre Oma an, die im Bett lag und sich nicht mehr rührte, aber friedlich aussah. Ihre Eltern kamen auf Annika zu und nahmen sie in den Arm. „Wenigstens ist sie jetzt wieder bei Opa“, murmelte sie.

Aussehen

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Eigentlich sollte ich, während ich diesen Satz schreibe, in der Schule sitzen und auf das Eintreffen des Lehrers warten. Da ich mittlerweile aber nur noch flüstern kann, habe ich mich dazu entschieden, zu Hause zu bleiben und freue mich darüber, dass ich einen Laptop habe. Dadurch verfüge ich auch im Bett über Internet.

Gestern im Unterricht sagte einer der Lehrer (Engländer), dass man in seiner Heimat, wenn man bspw. bunte Haare oder andere Klamotten hat, durchaus angesprochen wird, Komplimente bekommt und gefragt wird, wo man XY her hat. In Deutschland sei es dagegen seiner Meinung nach so, dass man dann komisch angeguckt wird und es wird über einen getuschelt. Ein Mädchen aus meiner Klasse bestätigte diese These, indem sie sagte, wenn sie jemanden mit pinken Haaren sehe, denke sie, der habe einen an der Waffel. Normalerweise wundere ich mich ja über gar nichts mehr, aber…

Ich finde es toll, wenn jemand anders aussieht als alle anderen und ein bisschen mehr Individualität kann auf keinen Fall schaden. Das ist einer der Gründe, aus denen ich das Dorfleben nicht vermisse. Dort wurde man angeschielt, wenn man nur ein bisschen anders war als die anderen. Ich will das ganz bestimmt nicht wiederhaben.

In einem der Foren, in denen ich bin, gab es eine Diskussion darüber, ob Menschen im Alter noch attraktiv sein können. Die einen sagten, sie könnten keine Menschen attraktiv finden, die ihre Eltern oder Großeltern sein könnten. Die anderen (zu denen ich auch gehöre) sagten, dass das durchaus möglich sei. Ich meine, seht euch Clint Eastwood an!

Dieser Mann, der schon bald mein Uropa sein könnte, sieht mit fast 82 Jahren noch blendend aus. Wahrscheinlich sind die Leute, die denken, im Alter wird man zwangsweise hässlich, der Grund dafür, dass es in dieser Gesellschaft so einen verdammten Jugendwahn gibt. Ich hoffe, die Menschen sehen irgendwann ein, dass Alter auch schön sein kann. Oder pinke Haare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin