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Bedeutungsschwanger, Teil 9

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Lea saß auf einem der Stühle im Waschraum und hielt sich den Bauch. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich besorgt.
Gequält lächelte meine Schwester und sagte: „Jaja, alles gut. Ich hab mich wohl nur übergessen. Ich geh jetzt nur einmal“, sie zeigte auf die Kabinentüren, „und dann geht es mir sofort wieder besser.“
„Na, wenn du meinst. Ich geh schon mal wieder, okay?“
„Ja, bis gleich.“
Wieder im Saal setzte ich mich zu Gero an den Tisch, wo sein Vater gerade einige interessante Geschichten erzählte, unter anderem, wie ihm Lea vorgestellt wurde.
„Ich weiß noch genau, wie du sie zum ersten Mal mit nach Haus gebracht hast“, meinte er. „Ihr habt zusammen mit uns Mittag gegessen und dann bist du ganz schnell mit ihr auf dein Zimmer gegangen. Konntest wohl gar nicht abwarten.“ Er boxte seinen Sohn leicht in die Rippen. „Und dann hast du dich hinterher noch so beschwert, dass deine Mutter so oft ins Zimmer gekommen ist, zum Gucken.“
„Ja, das stimmt.“ Gero lächelte. „Apropos, wo ist Lea eigentlich? Sie wollte doch nur kurz auf Toilette gehen.“
„Ja, da habe ich sie auch vorhin getroffen“, erklärte ich. „Sie hatte wohl irgendwie Bauchschmerzen. Aber eigentlich…“ Ich schaute auf die Uhr. „Ich schau wohl besser mal nach ihr.“
„Ja, bis gleich.“
Auf der Damentoilette fand ich sie dann. Wohl irgendwie Bauchschmerzen war für ihren Zustand noch viel zu wenig gesagt. Sie hing da auf der Toilette, mit heruntergeklapptem Deckel übrigens, und die Kabinentür war nicht mal zu. Sie stöhnte und hatte zugekniffene Augen.
„Großer Gott, Lea, was ist los?“, fragte ich.
„Ach, nichts“, bemühte sie sich, hervorzubringen, „geht schon gleich wieder.“
„Das nehm ich dir keine Sekunde ab.“
„Mir ist kalt!“
„Okay, dann müssen wir…“
„Oh, jetzt ist mir heiß!“
„Warte, dann gehen wir zum Waschbecken und…“
„Warte, jetzt ist mir weder heiß noch kalt!“, stöhnte Lea.
„Wie jetzt?“, antwortete ich verwirrt. Während ich noch darüber sinnierte, ob einem Menschen gleichzeitig heiß und kalt sein konnte, ließ sie einen Schrei los, der dermaßen laut war, dass er in punkto Dezibel sogar Paul als Baby übertraf.
Paul als Baby…
Oh. Mein. Gott.
„Du wartest hier“, befahl ich Lea, was ja besonders sinnig war, da sie sowieso nicht viel Anderes tun konnte, und rannte zu Mama. „Mama! Du musst sofort kommen! Lea ist soweit!“
Meine Mutter riss die Augen auf. „Du meinst, sie kriegt…?“
„Ja, genau!“
Sofort sprangen Mama, Papa, Gero und noch viele andere Gäste auf und rannten zur Damentoilette, um nach ihr zu sehen.

Lea lag auf dem Festtisch und schrie sich die Seele aus dem Leib. Zu zweit war sie aus der Toilette hierhin begleitet worden. Mama versuchte, ihr mit ihrem medizinischen Wissen beizustehen, bis der Notarzt kam, und gab ihr Tipps zur richtigen Körperhaltung und Atmung. Papa, der ja schon bei drei Geburten dabei gewesen war, sah ziemlich nervös aus und streichelte seiner ältesten Tochter die Stirn. Gero rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn immer zwischen dem Tisch und der Saaltüre hin und her und rief: „Wann kommt denn jetzt endlich der Notarzt!“ Worauf Oma entgegnete: „Jetzt sei doch nicht so unruhig, junger Mann! Die kommen schon, so schnell sie können.“ Aus dem Hintergrund raunten die Gäste diverse Sachen wie Oh mein Gott, gleich ist es soweit oder Jetzt werden wir Großeltern!.
Nach einer halben Ewigkeit betraten zwei bärtige Typen, von denen der eine beträchtliches Übergewicht hatte, den Saal. Sie schauten sich Leas Werte an. „Wir schaffen es nicht mehr ins Krankenhaus, das Baby muss hier zur Welt kommen!“, informierte der Notarzt. „Das Baby kommt jetzt!“
„Pressen!“, wurde Lea immer wieder befohlen, und sie kam dem Befehl nach, mit lauten Schreien. „Ich hab eine Schulter! So, und jetzt schön weiter pressen, dann flutscht das Kleine nur so raus! Pressen!“
Immer lauter, ein letzter Schrei und schon hörten wir alle, wie ein kleiner Schreihals sich ordentlich die Lungen füllte. Das Baby wurde in eine Decke gewickelt und der Notarzt gratulierte: „Es ist da, Sie haben ein Mädchen!“ Alle applaudierten und lagen sich in den Armen ob des kleinen Mädchens, das da gerade zur Welt gekommen war.

Die Kleine und ihre Mutter wurden ins Krankenhaus gefahren, um zu sehen, ob gesundheitlich alles in Ordnung war. Natürlich waren sowohl Lea als auch das Baby kerngesund.
„Oh, ich finde, die Kleine sieht genauso aus wie ich!“, freute sich Oma.
„Eigentlich finde ich eher, dass sie wie ich aussieht.“
„Oder wie Gero.“
„Oder wie Tante Marie?“
„Boah, das hat ja ewig gedauert, bis dieses Baby auf der Welt war“, meckerte Paul und bekam dafür von Mama einen kleinen Stups.
„Ich hoffe nur, ihr lasst die Kleine auch taufen“, bemerkte Oma. Worauf Lea nur genervt erwiderte: „Mann, Oma!“
„Wie soll das Baby denn heißen?“, fragten viele der Anwesenden. Und die Krankenschwester, die wenig später ins Zimmer kam. Lea lächelte und sagte: „Sara Elisabeth.“
Ich lächelte. Oma auch.

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Bedeutungsschwanger, Teil 6

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Lukas stand, wie ich vermutet hatte, in der Küche. Nun stand ihm aber der Mund offen und seine äußerst weibliche Begleitung fing an zu lachen.
Ich kam mir in diesem Augenblick so blöd vor wie noch nie in meinem Leben. Schön, der ausgestellte Unterteil des Kleides sah etwas komisch aus, aber… ich fand, ich war schön…
„Wollen nur hoffen, dass du nicht immer so rumläufst“, prustete die Frau, die da neben meinem Freund stand. Wer zur Hölle war das?
Lukas beantwortete sogleich meine Frage. „Sara, das ist Kiki, unsere neue Bassistin.“
Aus irgendeinem Grund war ich nicht sehr erfreut, behauptete aber das Gegenteil und checkte sie schon einmal per Augen ab.
Sie sah gut aus. Sie hatte lange, schwarze und zu einem Pferdeschwanz gebundene Haare, ein breites Lächeln mit unheimlich vielen weißen Zähnen und eine Figur wie eine Sanduhr.
Das trug natürlich nicht dazu bei, meine Laune zu heben. „Sehr schön, dich mal kennen zu lernen“, flötete ich mit einem Haifischlächeln, „ich geh mich nur eben schnell umziehen, bevor wir losfahren.“ Ich lachte auf und verzog mich wieder ins Bad.
In Windeseile zog ich das rote Kleid aus, verstaute es in der Tüte und zog meine normale Kleidung wieder an. Als ich in den Spiegel sah, fand ich allerdings, dass ich aussehtechnisch einfach gegen Kiki verlieren musste. Nicht willens, diesen Umstand anzuerkennen, arbeitete ich tonnenweise Haarspray in meine Mähne ein, schmierte etwas Abdeckung über Hautunreinheiten und verzierte meine Augen. Hätte ich mir auch sparen können.
„Kommst du, Sara?“
„Natürlich, Lukas!“, trällerte ich, verdrehte die Augen und verließ das Bad mit meiner Handtasche.
Wir fuhren in ihrem Auto zum Probenraum. In ihrem Auto. Die Fahrt war die Hölle. Die ganze Zeit erzählten sich Lukas und Kiki irgendwelche Anekdoten und Insider von früher, die ich nicht verstand und die mich beunruhigten. Um überhaupt irgendwas zum Gespräch beizutragen, sprach ich Kiki auf die ersten beiden Buchstaben ihres Autokennzeichens an, die weder auf Frankfurt noch auf unsere Heimat lauteten.
„Oh, das!“ Sie lachte. „Ich dachte schon, dass du danach fragst.“
Ach, echt?
„Das hat das Kennzeichen von dort, wo meine Oma wohnt. Die hat mir nämlich ihr Auto überlassen.“
„Aha.“
„Ach, du weißt doch noch, damals, wo wir deine Oma zum ersten Mal besucht haben?“, rief Lukas aus.
„Ja!“, antwortete Kiki nicht weniger laut. „Und dann hast du doch…!“ Gelächter. „Und dann hab ich…!“ Noch mehr Gelächter. Das ging einige Minuten so. Wenn wir nicht angekommen wären, hätten sie noch weiter gelacht. Kiki wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht und rief: „Hach, war das lustig!“
Ja, wahnsinnig lustig.
Die Bandmitglieder machten ihre typischen Männerumarmungen mit Patschehändchen auf den Rücken. Um Kiki kümmerten sie sich alle besonders. Ich bekam aufmerksame Blicke und Äußerungen wie „Du bist also die, nach der wir so lange gesucht haben!“ mit. Wie konnten sie auch anders. Klar. Ich lachte auf.
Ich setzte mich auf einen Stuhl und die Bandmitglieder positionierten sich um ihre Instrumente.
„Okay, wir probieren heute ein neues Stück aus“, kündigte Lukas an.
„Welches denn?“
„Ich dachte, wir nehmen Velvet in unser Programm auf“, informierte er mich. Ich freute mich darüber, dass die Students das Stück spielen wollten, denn es gehörte zu meinen Lieblingsliedern. Weniger erfreut war ich darüber, dass er es mit Kiki als Backgroundsängerin aufführte.
Und dann machte Kiki ihren Mund auf. Mir blieb der Mund offen stehen. Ich kam nicht umhin, den Gesang, der ihr entströmte… schön zu finden.
Sie brachte die Melodie so unheimlich schön herüber – ich dachte fast, jemand hätte das Radio angestellt. Bezüglich ihrer Fähigkeiten am Bass konnte ich nur das Gleiche behaupten.
Weil das Stück mehrmals geübt wurde, hatte ich noch mehr Gelegenheit, dies zu erfahren. Und danach standen ja noch viele andere Stücke auf dem Programm. Eigene und gecoverte. Sie meisterte sie alle brilliant.
Nach ungefähr einer Stunde machten die Students kurz Pause. Sie klopften sich alle auf den Rücken. Bei Kiki bekam es noch eine anerkennende Note.
Ich ging zu ihr hin.
„Wow, du hast wirklich toll gespielt!“
„Vielen Dank!“ Sie strahlte mich an. „Hab mir auch echt Mühe gegeben. Ist schließlich meine erste Probe.“
„Ja, beim ersten Mal strengt man sich immer besonders an, was?“
„Genau!“
„Bitte entschuldige mich, ich muss mal kurz für kleine Mädchen!“
„Klar, kein Problem!“
Ich suchte die nächstgelegene und dafür geeignete Örtlichkeit auf, riss die Hose runter, pinkelte und dachte nach.
Hatte ich vorhin übertrieben? Ich meine, wenn sich alte Bekannte wiedersahen, war es wohl ganz normal, dass man beisammen saß und sich über alte Zeiten amüsierte. Warum sollte das nicht auch bei Expartnern gehen? Und sie hatte ja wirklich große musikalische Talente. Warum sollte sie nicht mit Lukas in einer Band spielen? Da lief doch überhaupt nichts. Was dachte ich mir da nur wieder?
Ich lachte über meine eigene Dummheit, ging mir die Hände waschen und danach Richtung Probenraum.
Mir blieb das Herz stehen.
Schlagartig versuchte ich mir einzureden, man sehe gegen das Licht eh nichts und das sei nur eine Umarmung. Aber das war doch eh alles Selbstbetrug. Es war deutlich zu sehen, dass Kiki Lukas‘ Kopf in beiden Händen hielt und ihn küsste.
Absurderweise dachte ich daran, meine Handtasche mitzunehmen, bevor ich die Tür zuknallte und den Flur runterrannte.
„Sara! Bleib doch hier, ich liebe dich doch!“, rief Lukas hinter mir her. „Na toll, bist du froh, dass du alles kaputtgemacht hast?“, bildete ich mir noch ein, zu hören, aber da war ich schon fast weg.

Ich hatte das Glück, dass ich bei Nachhausekommen allein war. Ich blieb auch eine ganze Weile allein. Ich knallte mich auf die Küchenbank, als Unterlage für meinen Kopf diente die Handtasche. Einfach nur daliegen und auf die Decke starren. Hatte ich auch schon lang nicht mehr gemacht.
Die Tür klingelte, das war mir egal. Das Telefon klingelte, das war mir egal. Mein Handy war mir erst recht egal.
Blöde Schlampe. Blöder Idiot. Wieso hatte ich das nicht verhindert? Blöde Schlampe. Blöder Idiot.
Ganz ohne dass ich es merkte, wurde es dunkel. Genauso wie man lange nicht merkt, wie die eigenen Haare wachsen. Die Sonne sank, irgendwann taten es meine Augenlider ihr gleich. Jedenfalls schreckte ich hoch, als das Licht anging und Anna in der Tür stand.
„Was machst du denn hier?“
„Oh, äh…“ Ich sah mich um und rieb meine leicht feuchten Augen. „Es war so heiß in meinem Zimmer, da dachte ich, ich verzieh mich in die Küche.“
Mit hochgezogener Augenbraue entgegnete sie: „Wie wär’s erst mal mit Schuhe und Hose ausziehen? Und ich bin mir sicher, es gibt bessere Kühlungsmethoden, als die Wasserproduktion im Auge einzusetzen.“
Ich schluchzte los.
„Hey, was ist denn los? Das war doch nicht so gemeint. Was hast du denn?“ Anna setzte sich neben mich.
Zuerst kamen nur unzusammenhängende Leute aus mir raus.
„Was ist denn los? Erzähl’s mir doch.“ Anna streichelte mir die Wange.
„Dieser Idiot von Lukas und diese verdammte Schlampe von Kiki haben geknutscht!“
„Oh mein Gott! Wann ist das denn passiert?“
„Heute Nachmittag bei der Bandprobe. Ich hätt’s wissen müssen. Die haben sich ja schon so toll amüsiert heute!“, murmelte ich düster.
„Was meinst du damit?“, fragte Anna.
„Ha! Die haben sich so viel erzählt… so viel zusammen gelacht! Und dann…“ Ich schluchzte wieder. „Wieso tut er mir so was an?“
„Ich glaube nicht, dass er Gefühle für diese andere Frau hat.“
„Woher willst du das denn bitte wissen?“
„Ich bin mir sicher, dass er dich liebt. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass sie ihn überrumpelt haben könnte?“

„Wie meinst du das?“
„Ich will mal so fragen: Wie war denn seine Körpersprache bei dem Kuss?“
„Denkst du, ich hab darauf geachtet?“
„Sprich doch auf jeden Fall erst mal mit ihm. Ich bin mir sicher, ihr könnt das alles klären, vorausgesetzt, ihr sprecht miteinander.“
„Ich weiß noch nicht, ob ich das will.“ Ich entleerte meinen Nasenrotz lautstark in ein Taschentuch. „So, und jetzt geh ich richtig schlafen. Gute Nacht.“ Raus aus der Küche. Zimmertür zu. Welt aus.

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 28

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In Indonesien wurde eine junge Frau von einer Gruppe Männer vergewaltigt – als Bestrafung für die Affäre mit einem verheirateten Mann. Der Mann wurde geschlagen, die beiden mit Abwasser übergossen und zur nächsten Polizeistation gebracht. Und anstatt dass die Vergewaltiger ihre gerechte Strafe bekommen, muss die Frau als freundliche Draufgabe jetzt bis zu neun Stockschläge für den Ehebruch fürchten.

Was ist das für eine kranke Welt? Das kann man auch nicht mehr damit entschuldigen, dass in anderen Ländern andere Sitten gelten. Amnesty International hat für diese Frau eine Petition gestartet und ich würde mich freuen, wenn ihr sie auch unterschreibt: http://t.co/7MLzjPVoBu

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es weihnachtet sehr

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(Reaktion auf diesen Eintrag: http://nightfallrowen.wordpress.com/2013/12/15/rowen-beim-weihnachtsmarkt/)

Normalerweise kann man an Sonntagen ja nicht viel machen. In der Weihnachtszeit sieht das aber etwas anders aus und so nutzte ich meine freie Zeit, um zusammen mit Rowen und meinem Freund in die größte Stadt Niedersachsens zu fahren.

Auf dem Weihnachtsmarkt, der rund um die Marktkirche angesiedelt ist, aß ich ein leckeres fleisch-, knoblauchsoßen- und zwiebelgefülltes Brötchen. Danach gingen wir in die Marktkirche. Das Gebäude sieht schon von außen toll aus. Dazu kommt noch, dass die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Kirchen jeden Tag geöffnet ist. Also nichts wie rein.

Ich bin nicht so oft in großen Kirchen, von daher war ich ziemlich beeindruckt, als ich in der Marktkirche stand. Sie sieht insgesamt sehr schön aus. Hier ein Bild, das ich von den Kerzen gemacht habe (ein Brauch, den ich sehr gern mag):

Kerzen in der Marktkirche

Als Nächstes besichtigten wir die Gedenkstätte Aegidienkirche. Früher war das mal eine Kirche, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seitdem stehen die Überreste als Mahnmal da. Es war ziemlich bedrückend.

Gedenkstätte Aegidienkirche 7

Danach gingen wir zurück zum Weihnachtsmarkt, wo ich ein paar Vanillemandeln aß und meine Freunde ein wenig heißen Met tranken. Ich durfte davon probieren. Nicht zu empfehlen. Ach ja: Der Rechner, der auf Rowens letztem Bild zu sehen ist, ist meiner. Smiley mit geöffnetem Mund

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Level up

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Die erste Vorlesungswoche meines 2. Semesters an der Uni ist vorbei. Einige Ereignisse möchte ich jetzt mit euch teilen. Am Mittwochmorgen hatte ich einen Pressetermin in einer Schule. Da ich etwas zu früh vorm Klassenraum, in dem der Termin stattfinden sollte, erschien, setzte ich mich auf den Boden und blätterte in ein paar mitgebrachten Magazinen. Als ein zufällig vorbeigehender Lehrer merkte, dass ich auf dem Boden saß und von der Presse war, kontaktierte er sogleich den ebenfalls vorbeigehenden Schulleiter und der pflanzte mich und einen zu der Zeit gerade ankommenden Mitarbeiter der örtlichen Zeitung in einen leeren Klassenraum. War ganz nett. Am witzigsten war jedoch, dass der Lehrer mich für eine zu spät gekommene Schülerin hielt.

In der Uni selbst gab es auch einige ganz lustige Vorkommnisse. In einem Pädagogikseminar müssen alle eine Hausarbeit schreiben. Die Dozentin bat darum, alle Teile der Hausarbeit in einer einzigen Datei abzuliefern – und nicht etwa Deckblatt, Gliederung und Kapitel getrennt. Wer zur Hölle gibt ein Deckblatt als gesonderte Datei ab?

Einen Tag später nutzte eine studentische Initiative einige Veranstaltungen, um sich dort vorzustellen. Und da ich zwar sowohl die Veranstaltung “Einführung in die Wirtschafts- & Sozialstatistik” als auch die Veranstaltung “Einführung in die Internationalen Beziehungen” besuche, das aber nicht auf alle Teilnehmer zutrifft, kam ich gleich zwei Mal in den Genuss der Präsentation. Und deswegen hörte ich auch zwei Mal, wie eine Studentin ihrer Sitznachbarin gegenüber die falsche Betonung des Namens einer brasilianischen Stadt bemängelte, in dem sich ein Projekt dieser studentischen Initiative abspielte.

Es heißt Tô Ligado und nicht Tô Ligado!

Naja, nicht jeder kann Portugiesisch. In der Veranstaltung “Internationale Beziehungen” gab es noch ein Knallerzitat (diesmal aber positiv gemeint):

Theorien sind wie Brillenträger: Manche sind kurzsichtig.

Der Dozent teilte auch noch weitere Weisheiten mit dem Plenum. Er vertritt die Ansicht, dass Sozialwissenschaftler im Grunde alle Weltverbesserer seien, weil sie sich mit der Frage befassen würden, wie man diese Welt noch besser machen kann, und zur Auflockerung trug er uns ein kleines Gedicht zum Thema vor, das ihr unter folgendem Link findet:

http://www.lesekost.de/gedicht/HHLG26.htm

Ansonsten finde ich mich ganz gut zurecht und ich hoffe, das ist auch bei euch der Fall.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Gerade per Telefon erfahren: Mein vierzehnjähriger Bruder ist mittlerweile 1,80 m groß (ihm fehlen also noch acht Zentimeter, bis er meinen Dad auch noch überragt hat). Er wächst so schnell, dass er mittlerweile mehr Paar Schuhe im Schrank hat als jede shoppingsüchtige Frau, und er ist total dünn, weil er gar nicht so schnell essen kann, wie er wächst. o_O

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 19

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Die NEON berichtet in der Aprilausgabe auf Seite 30 (Rubrik “In was für einer Welt leben wir eigentlich?”) davon, dass viele US-amerikanische Städte Suppenküchen im Freien verbieten. Darunter sind Orlando und Philadelphia. Begründet wird das Verbot damit, dass Essensausgaben im Freien

unhygienisch und gefährlich

seien. Genauso wie die im Artikel zitierte Hilfsorganisation National Coalition for the Homeless sehe ich darin eher einen Versuch, die immer mehr werdenden Obdachlosen zu vertreiben. Sie sind kein schöner Anblick, und man will nichts für sie tun, also: Aus den Augen, aus dem Sinn. Ich finde diese Verbote unmenschlich und zudem unheimlich kurzsichtig. Wie wäre es denn damit, echte Lösungen zu entwickeln, anstatt die Obdachlosen einfach zu vertreiben?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Bücherorgie Teil 3

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Giles Foden – Der letzte König von Schottland

Der Roman ist fiktiv, basiert aber auf wahren Tatsachen. Es bleibt einem die Spucke weg angesichts der Gräueltaten, die im Buch beschrieben werden. Man wird hautnah in menschliche Abgründe mit hineingezogen. Ein tolles Buch – wenn man’s verdauen kann.

Ferdinand von Schirach – Schuld

Für die Kurzgeschichtensammlung gilt so ziemlich dasselbe wie für oben beschriebenen Roman. Der Autor ist ein auf Strafrecht spezialisierter Anwalt und hat viele seiner Erfahrungen in das Werk einfließen lassen. Niemand hat je die Frage nach Schuld und moralischer Verantwortung besser gestellt als in diesem Buch.

Oscar Wilde – Aphorismen

Selten habe ich bei einem Werk gleichzeitig so viel Zustimmung und so viel Ablehnung empfunden. Viele kleine kluge und unkluge Schnipsel sind in “Aphorismen” enthalten. Zwei Kostproben:

Vergnügen, Vergnügen! Was sonst sollte einen irgendwohin führen?

Frauen sollten mit Maßen denken, wie sie alles mit Maßen tun sollten.

Alles in allem habe ich das Teil aber gerne gelesen.

Ted Simon – Jupiters Träume

Das Buch habe ich mir für die Reise ins Baskenland aufgehoben. Und es eignet sich unheimlich gut als Reiselektüre. Das Buch macht Lust darauf, die Welt zu erkunden. Am besten auf einem Motorrad. Am Ende liest es sich zwar, als hätte Ted Simon irgendwann keine Lust mehr gehabt, aber das ist wohl nur verständlich. Ein tolles Buch.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurzer Gedanke

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Wieso ist es eigentlich so, dass Frauen immer erst dann für Männer interessant werden, wenn sie vergeben sind? Mein Freund behauptete, dass das unter anderem mit Erfahrung zu tun hat. Aber das kann doch nicht alles sein… Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Mit ratlosen Grüßen

Die Kitschautorin

Familie

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Da ich gestern wieder auf die Familie meines Freundes traf, gibt es heute Zitate zum Thema Familie.

Mit der Axt spaltet man Holz. Mit der Zunge eine ganze Familie. (Peter Amendt)

Familie ist quasi der genetische Zusammenschluß von Menschen, die sonst vielleicht gute Feinde geworden wären. (Frank-Markus Barwasser)

Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. (Bibel)

Jeder Autor schreibt immer auch ein Stück über sich selbst. Aber viele Teile in diesem Roman sind erfunden und haben nichts mit meiner Familie zu tun und dabei soll es auch bleiben. Der Leser soll und muss nicht wissen – das macht die Qualität eines Romans nicht aus – was autobiografisch ist und was nicht. Es ist ein Roman. (Michel Friedman)

Die Schwachen unserer Gesellschaft brauchen kein Geld, sondern Joghurt, Äpfel, Blumenkohl und weitere Lebensmittel, die Supermärkte sonst in den Müll schmeißen. Das scheint zumindest Familienministerin Kristina Schröder zu glauben. Die Tochter eines Oberamtsanwalts und einer Immobilienhändlern lächelt gütig, wenn sie als Schirmherrin der „Tafel“ Essensreste an Bedürftige verschenkt. Wenn sich Schröder dann aber bei Twitter einloggt, beweist sie, dass sie nicht nur moderne Technik, sondern auch die aktuelle Hassideologie beherrscht: „Eine Familie in Hartz IV, 2 Kinder, erhält inkl. Elterngeld 1885 € vom Staat. Netto! Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?“, fragt Schröder. Der überzeugten Perlenohrringträgerin gefällt es jedenfalls, Hartz-IV-Empfängern das Elterngeld zu streichen, sobald sie das erste von zwei geplanten Kindern in die Welt setzen. (Kathrin Hartmann)

So wie es dazu gehört, sich zu freuen, wenn ein Kind geboren wird, so selbstverständlich muss auch der Tod am Ende eines erfüllten Lebens für die Menschen stehen. Dass dies sowohl in den Familien mit ambulanter Unterstützung oder eben in den entsprechenden Hospizen möglich ist, ist mir ein ganz großes Anliegen. (Regine Hildebrandt)

Es ist für eine Frau zwischen 14 und 44 Jahren auf dieser Welt wahrscheinlicher, dass sie durch ihre eigene Familie ermordet wird, als dass sie an Malaria, an Krebs, im Krieg oder bei einem Autounfall umkommt. (Ayaan Hirsi Ali)

Die Deutschen romantisieren die Großfamilie ebenso wie sie früher den Harem romantisiert haben. Als ob dies eine heile Welt wäre, in der alle Generationen unter einem Dach leben, alle glücklich sind und sich gegenseitig respektieren. In Wahrheit sind die Strukturen völlig anders. (Necla Kelek)

Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern, damit die Menschen ihrem Willen zum Kind folgen können. Dazu gehört es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser zu organisieren. Das heißt mehr Unterstützung bei der Erziehung und Rückkehrgarantien zum Arbeitsplatz. (Paul Kirchhof)

Eine Gesellschaft, in der die Familien mit Kindern Gefahr laufen, unter die Armutsgrenze zu rutschen, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. (Franz König)

Familienbeziehungen gehören einer Sphäre an, in der die sonst üblichen Regeln des Urteils und des Handelns außer Kraft gesetzt sind. Sie sind ein Labyrinth von Spannungen, Streitereien und Versöhnungen, deren Logik widerspruchsvoll ist und deren Wertmaßstäbe´ und Kriterien oft so verborgen sind, wie der gekrümmte Raum eines in sich geschlossenen Universums. (Arthur Koestler)

Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben. (Karl Kraus)

Ich ärgere mich natürlich mehr über die Privaten, in dem Sinne, dass es schon noch das schlimmere Fernsehen ist. Was dort in Zusammenhang mit den ganzen Doku-Soaps geschieht, ist erschreckend. Einer Familie, die bei „Frauentausch“ mitgemacht hat, wurde die Wohnung vom Fernsehteam gezielt verdreckt, damit die Familie asozialer wirkt als sie in Wahrheit war. Und das vor den Augen dieser Familie. Wenn die Protagonisten etwas dagegen sagen, wird mit Vertragsstrafe gedroht. Mit dieser Form von Nötigung wird mittlerweile gearbeitet. Oder die ganzen schamlosen Call-In-Abzockereien bei Neun Live oder dem „Masterquiz“ auf SuperRTL, die für mich komplett abgeschafft gehören. Das sind alles Phänomene der Privatsender, wo es fast schon ins Kriminelle abgleitet. So schlimm sind die Öffentlich-Rechtlichen noch nicht, weil sie es noch nicht dürfen. Es gibt ja klare Vorschriften. Da ich für die Öffentlich-Rechtlichen Geld bezahle, habe ich aber auch einen ganz anderen Anspruch an das Programm. (Holger Kreymeier)

Wenn man über genügend Mittel verfügt, um ein verhältnismäßig angenehmes Leben zu führen, wie das bei mir zumindest im Moment der Fall ist, wäre es kokett zu sagen, ich mache mir nichts aus Geld. Ich bin froh, dass meine wirtschaftliche Lage so ist, wie sie ist. Ich bin allerdings nicht böse oder traurig, dass ich nicht noch mehr Geld habe und tausend Leibwächter und Hubschrauber und Learjets und den ganzen Kram. Andererseits möchte ich auch nicht in der Situation sein, eine Familie zu haben und nicht zu wissen, wie ich sie ernähren soll. Heutzutage kann man ja froh sein, wenn man Arbeit hat, egal, wie die aussieht. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. Auch, wenn man mal meckert über seinen Beruf. Das ist schon eine privilegierte Sache, dass man überhaupt etwas zu tun hat. (Heiner Lauterbach)

Sie konnten so viel in meinen Kopf reinhämmern, wie sie wollten, ich habe nie ihre Erwartungen erfüllt: heiraten, Kinder in die Welt setzen, einen netten Job machen. Allein der Gedanke daran machte mich krank. Ich sagte nur: „Fuck you, ihr wollt, dass ich jemand bin, der ich nicht sein will. Ich finde selbst meine Identität. Ich will sein, wie ich will.“ Ich bin das Schwarze Schaf der Familie. Bei meinem Bruder hatten sie mehr Erfolg. Er ist im Finanzbusiness. (Brian Molko)

Die ganze Familienideologie ist ein sehr regressives Konzept. Die großen Werke der Weltliteratur handeln nicht von Familienglück, sondern von Familienhorror. (Jack Nicholson)

Was ich für mich aus dem ganzen Rummel Positives ziehen kann, das sind die immer besseren Rollenangebote. Was die Bewunderung durch Fans angeht – da habe ich nicht viel von. Klar ist es schön, wenn andere dich fotografieren und Autogramme haben wollen. Aber ich kann nicht verstehen, wie manche Schauspieler das Blitzlichtgewitter richtig in sich aufsaugen. Das habe ich nie verstanden. Ich erfahre doch Liebe und Akzeptanz zu Hause, von meiner Familie, Menschen die mir nahe stehen – das ist mir wichtig. (John C. Reilly)

Das Weib wirkt in der Familie, für die Familie; es bringt ihr sein Bestes ganz zum Opfer dar; es erzieht die Kinder, es lebt das Lebens des Mannes mit; die Gütergemeinschaft der Ehe erstreckt sich auch auf die geistigen Besitztümer, aber vor der Welt kommen die eigensten Gedanken, die eigensten sittlichen Taten des Weibes meist nur dem Manne zu gut; auf seinem Namen häufen sich die Ehren, während man gar bald die Gattin vergißt, die ihm diese Ehren hat mitgewinnen helfen. (Wilhelm Heinrich Riehl)

Deutschland ist so lange kein kinderfreundliches Land, so lange junge Frauen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie versuchen, Familie und Beruf miteinander zu verbinden. (Jürgen Rüttgers)

An einer piefigen kleinen Strandbar tummeln sich allerlei Typen, die einige Wochen lang vor jedem Rasierer geflüchtet sind, und trinken Elefantenpipi aus einer Bierpulle, wobei sie von aufgekratzten Tussis begrabbelt werden. Soll einen das etwa davon überzeugen, dass man für ein paar Monate abseits von Körperhygiene und sexuellen Hemmungen doch gern eine Bierwampe in Kauf nimmt, die man dann wieder in einigen Jahren abtrainieren muss, um bei den Mädels anzukommen, die Alkoholatem für anziehend halten und davon rattig werden?
Das ist fast so große Augenwischerei wie bei Krombacher, wo jeder verkaufte Kasten Gerstensaft einen(!) Quadratmeter Regenwald retten soll und somit im letzten Jahr eine Fläche in der Größe eines mickrigen Dorfes als Lebensraum für einige Waldameisen sicherte. Dem gegenüber stand eine Werbekampagne, die jeden in der Illusion bestärkte, deutscher Alkoholismus würde die ökologische Katastrophe verhindern.
Noch berüchtigter ist ja schon die Kaffee-Werbung, in der ein Vater seiner missratenen Lendenfrucht alles verzeiht und sämtliche Erziehungsgrundsätze über Bord wirft, sobald ihm der Sohn fehlerfrei die Ursprungsländer seiner frisch aufgebrühten Kolonialware herbetet. Fast schon automatisch fragt man sich, ob die Mutter nun wegen ihrem koffeinsüchtigen Mann abgehauen ist oder ob sie sich voller Scham von der Autobahnbrücke stürzte, weil ihr Sohn noch dussliger ist als der Hund, welcher auch immer mal wieder durch die Kulisse streift und die hässlichen Möbel anpieselt.
Dabei ist doch glückliches Familienleben so einfach, wenn man den Werbespots von Knorr und anderen Büchsenfabrikanten glauben darf. Die Mutter sitzt den ganzen Tag zu Hause, und wenn Mann und Kinder nach Hause kommen, bereitet sie gekonnt eine extravagante Schlemmerei aus der Weißblechtrommel. Zärtlich säuselt dann der Mann seiner Angetrauten ins Ohr, dass seine Sekretärin zwar viel besser im Bett sei, aber die kleine Schlampe niemals in der Lage wäre, derart liebevoll eine Nudelsuppe aufzuwärmen. (Christian Schmidt)

Im Leben eines Mannes gibt es gewisse Dinge, die er unbedingt tun sollte. Ein Haus bauen, eine Familie gründen und einen Baum pflanzen. Bisher habe ich noch nichts davon geschafft. Bei manchen Leuten wünscht man sich aber, dass sie den Teil mit der Familie nie realisiert hätten. Um es mal unverblümt zu sagen: Viele Eltern haben eine gehörige Klatsche. (Christian Schmidt)

Meiner Meinung nach sind Stolz und Ehre allerdings wie Selbstbefriedigung und Stuhlgang. Man muss selbst damit klarkommen, ohne dass man Gerichte, Anwälte, Brüder oder Hieb- und Stichwaffen zu Hilfe ruft. Im besten Fall kann man einfach entscheiden, dass das Gegenüber nur niederes Gewürm ist und gar nicht die Relevanz hat, um das Selbstwertgefühl merklich anzukratzen. Ansonsten kann man einfach zurück beleidigen, dafür gibt’s sogar einen entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch. Und wenn das nicht hilft, bleiben von einem Tanzduell bis zu einer zünftigen Prügelei immer noch genügend Alternativen. Flennend zum Anwalt (oder seiner Familie) zu rennen und um Rache zu betteln, ist dagegen einfach nur peinlich und würdelos. Und da hätten wir doch noch einen Angriff auf die Menschenwürde gefunden – allerdings einen, der nicht verboten ist. (Christian Schmidt)

Und so schaue ich fassungslos die zahllosen Fernsehdokumentationen, in denen irgendwelche Familien ihre Sachen packen und in die Ferne ziehen, ohne Sprachkenntnisse und fundiertes Wissen über Kultur und Rechtslage des beglückten Gastlandes. Viele scheinen nicht einmal zu ahnen, dass es auch außerhalb Deutschlands so etwas wie Einwanderungsregelungen gibt und es keine Bombenidee ist, mit einem Touristenvisum und (höchstens) 3000 Euro in bar eine neue Existenz aufzubauen, insbesondere wenn man nicht mal einen Job in Aussicht hat. Und auch der Plan, mit einem gebrauchten Transporter problemlos eine florierende Speditionsfirma aufzubauen, wirkt längst nicht mehr so clever, sobald die grausame Realität ihre hässlichen Krallen ausfährt und zeigt, dass die einheimischen Spediteure nicht sonderlich scharf drauf sind, von deutschen Scheinasylanten und Wirtschaftsflüchtlingen Konkurrenz zu bekommen. (Christian Schmidt)

Warum machen Verwandte sowas? Warum sagen sie jüngeren Familienmitgliedern einfach plump ins Gesicht, was sie keinem Fremden sagen würden und was sie selbst nicht hören wollen? (Christian Schmidt)

Wenn man als Frau und Mutter auch heute, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, immer noch in der beruflichen Entwicklung gehandicapt ist, dann ist die Familienpolitik in diesem Land gründlich gescheitert. (Heidi Schüller)

Ich träume von einer Stadt, in der Kinder willkommen sind, in der sie faire Chancen haben und in der Familien und deren Kinder auch als Mieter und als Nutzer öffentlicher Plätze gerne gesehen sind. Ich träume von einer Stadt, in der man akzeptiert, dass Kinder Freiräume brauchen. (Wolfgang Schuster)

Ich bin sowieso der Meinung, dass Freundschaftsbeziehungen viel intensiver sein können als Familienbeziehungen. (Jaecki Schwarz)

Wir wollen nicht mehr nur wählen können zwischen der DDR als Unrechtsstaat und einer schalen Ostalgie. Gerade wir, die dritte Generation Ost, haben die Verantwortung, uns ein eigenes Bild von der Vergangenheit zu machen. Dazu brauchen wir die Erfahrungen unserer Eltern. Wir wollen wissen, was die DDR, die Mauer, mit uns und unseren Familien zu tun hat. […] Wir müssen einzeln und gemeinsam unsere Eltern, Lehrer und Politiker fragen, wie es war. Wir müssen auch die Stasiunterlagen-Behörde fragen, was in den Akten steht. […] Nur so können wir endlich verstehen, wie hoch der Preis war, sich in der Unfreiheit einzurichten. […] Und dann kann es gelingen, den größeren Diskurs über die deutsche Vergangenheit gerecht und gemeinsam zu führen. (Johannes Staemmler)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Sinnkrise

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Vieles, was ich tue, hat keinen Sinn.

Was soll das bedeuten? Es hat zwei Bedeutungen. Zum Einen bedeutet es, dass ich unheimlich viele Sachen tue, die keinen Sinn ergeben. Soll heißen, die unheimlich dämlich sind. Dazu gehört unter anderem, Sachen hier hochzustellen, die in diesem Blog nicht hätten stehen sollen. Die betreffenden Sachen sind nicht mehr hier enthalten. Ich war wütend, als ich das schrieb, und ich weiß, dass Schreiben ein unheimlich guter Weg ist, emotionales Gepäck loszuwerden. (Oder zumindest leichter erscheinen zu lassen.) Und ich wollte die Sachen mit anderen teilen. Dies hätte ich natürlich nicht online tun sollen. Ich möchte mich hiermit bei allen entschuldigen, denen diese Texte weh getan haben.

Der Eingangssatz hat aber noch mehr Bedeutungen als die, dass ich manchmal unheimlich blöde Fehler mache. Jeder kennt doch die Behauptung von deprimierten Menschen: „Hat doch eh alles keinen Sinn!“ Und da fällt mir grade etwas auf. Der Unterschied zwischen ‚deprimiert‘ und ‚depressiv‘ ist wohl der, dass ‚deprimiert‘ wohl nur etwas Vorübergehendes beschreibt. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, auf welcher Seite ich mich befinde.

Stimmungsschwankungen hat wahrscheinlich jeder. Mir sagt man nach, dass ich sie quasi dauerhaft hätte. Und dass ich viel zu empfindlich sei. Das stimmt wohl. Beides. Jeder schwankt in seiner Stimmung, jeder ist mal empfindlich. Nur bei mir ist das wohl nicht mehr normal.

Es geht immer vorbei. Es gibt bei mir noch Augenblicke, in denen ich das Leben wieder genieße und mir bewusst wird, wie viel ich doch habe. Hab ich ja eigentlich auch. Ich bin gesund (jedenfalls nicht unheilbar krank), habe einen tollen Freund, tolle Freunde und eine mich unterstützende Familie. Und dann kommt der nächste Absturz.

Dann kommt es vor, dass ich wegen so Kleinigkeiten weine wie dass das Internet zehn Sekunden lang nicht funktioniert. Und wenn ich mich wieder zusammengerissen habe, frage ich mich, was zur Hölle mit mir los ist.

Woher kommt das alles? Ich habe keine Ahnung. Früher war alles noch schlimmer. Bis ich ungefähr sechzehn war, habe ich jedenfalls nur in meinem Zimmer herumgehangen und gelesen, geschrieben oder ferngesehen. Dann habe ich ein paar Freunde und – was wohl am allerwichtigsten war – meinen Freund dazugewonnen. Das hat einiges verbessert. Aber nicht alles geheilt.

Das Glück ist immer da, wo du nicht bist / du willst immer das, was du nicht kriegst / und du beklagst dich, es ist nicht fair / schön ist nur das, was du verpasst / du brauchst irgendwas, was du nicht hast / du bist nie zufrieden, du willst immer mehr / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, vielleicht auch hier / es liegt an dir / du siehst die Anderen und dich packt die Wut / warum geht es dir schlecht und denen gut? / du fühlst dich einsam, du fühlst dich leer / du gehst an so vielen Dingen achtlos vorbei / für immer Sklave der Angst, nie wirklich frei / mach dir das Leben doch nicht so schwer / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, bestimmt auch hier / es liegt an dir / vielleicht wirst du’s begreifen, irgendwann / und wenn’s so weit ist, bitte denk daran: / Glück ist zerbrechlich, fass es vorsichtig an, wie Porzellan / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst so gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, bestimmt auch hier

(Farin Urlaub – Porzellan)

Es liegt an mir. Ich werde versuchen, das Positive im Leben zu sehen, mein Leben besser zu gestalten und zu sehen, dass es Glück auch hier gibt. Wobei ich einen großen Traum hab, der sich hier nie im Leben erfüllen wird.

Schon immer war es nämlich ein Traum von mir, ins Ausland zu gehen. Ich weiß noch überhaupt nicht, wohin es mich wie lange und wann führen wird. Und auf welche Weise. Meine Eltern und mein Bruder leben in Schweden. Schon eine ganze Weile. Meine ehemalige Nachhilfeschülerin leistet „einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Dar es Salaam in einem Kindergarten ab“. Ein Jahr lang. Eine ehemalige Mitabiturientin ist jetzt mit einer kleinen Unterbrechung seit zwanzig Monaten in Südafrika, war dort unter anderem als Freiwillige, hat das Land bereist. Eine Freundin von mir geht ein Jahr lang in Frankreich zur Schule und hat dort sogar schon das frz. Vorabi mitgeschrieben. Ein paar andere ehemalige Mitabiturienten machen eine ausgedehnte Radtour und sind bis nach Asien gekommen, waren dort sogar schon im Fernsehen… und ich könnte diese Liste ewig weiterführen.

http://tiziaintansania.blogspot.com/

http://phelina.wordpress.com/

http://sonia-en-france.npage.de/

http://my.opera.com/ecstaticray/blog/

Ich beneide obenzitierten Rockstar darum, dass er genug Geld hat, um die Welt zu bereisen und alles kennen zu lernen. Das würde ich auch gern tun. Jedenfalls möchte ich mal rauskommen und in einem anderen Land leben als hier. Ich finde diese Stadt ja ganz schön und das soll auch gern mein Wohnort bleiben, aber mal was anderes zu sehen, wäre echt spitze. Mein Freund hat mich gefragt, ob sich solche Auswanderungswünsche eigentlich vererben. So Unrecht hat er da gar nicht mal.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin