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Untersuchung einer „Bravo Girl“

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Als ich heute Mittag wegen eines Nudelsoßen-und-Süßigkeiten-Einkaufs zur Kasse latschte, lief ich am Zeitschriftenstand vorbei und dachte: Diese Gelegenheit kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gibt es heute zum ersten Mal seit Dezember 2012 einen Eintrag, der sich komplett einer Jugendzeitschrift widmet – der Bravo Girl.

Die vorgestellten Stars

Ich konnte mal wieder feststellen, dass die heute von der Allgemeinheit verehrten Stars nicht die aus meiner Zeit sind. Auf Seite 4 wird Katy Perrys Schmuckkollektion vorgestellt. Ich kann diese Frau nicht riechen. Eine Frau, die ein wahnsinnig erfolgreiches Lied darüber herausgebracht hat, dass es ja so toll ist, dass sie als Frau Frauen küsst. Ja, ich gestehe, dass ich mir diese Single auch mal gekauft habe. Das war aber, bevor ich gemerkt habe, dass Katy Perry eine Aufmerksamkeitshure ist, die das alles nur behauptet hat, um einen Charterfolg abzugreifen, und in mehreren Interviews gesagt hat, dass sie nicht das geringste bisschen lesbisch oder bi ist.

Jungs

Für die typische Bravo-Girl-Leserin ist es unheimlich wichtig, zu erfahren, wie Jungs ticken (die meist als Boys bezeichnet werden). In der aktuellen Ausgabe findet sich auf Seite 15 ein Artikel eines männlichen Jungexemplars der Gattung Homo sapiens, der eine Freundin hat, die nicht will, dass er Jogginghosen trägt. Ich verstehe ja schon nicht, warum die Freundin sich so darüber aufregt, es wird dann aber noch abgedrehter, weil irgendwann rauskommt, dass seine Freundin grundsätzlich den BH auszieht, wenn sie nach Hause kommt. Ich hoffe, der Kerl haut bald irgendwann richtig auf den Tisch, so wie angekündigt. So kann das ja nicht weitergehen. Auf das BH-Problem geht auch die Bravo-Girl-Mitarbeiterin ein, die sich in einem Kommentar an Mädchen wie die oben genannte Freundin widmet.

Auch den BH kannst du mal weglassen. Ganz ehrlich: Er liebt ja schließlich dich, nicht deinen Kleiderschrank!

Mein erster Gedanke: Ich glaube, es herrscht sogar Freude darüber, wenn frau den BH weglässt…

Auf Seite 60 dürfen einige Jungen ihre Meinung zum Thema “Beziehung im Herbst” abgeben. Der fünfzehnjährige Lukas sagt zu seinem Beziehungsstatus:

Ich hab zwar keine Freundin, bin aber auch nicht wirklich single – es ist kompliziert! (lacht)

“Sie glaubt, ich liebe sie, aber in Wirklichkeit will ich nur ne günstige Gelegenheit zum Ficken!”

Mode

Wenn ein Teil hohe Qualität besitzt und fair produziert wurde, darf es auch ein wenig mehr kosten. Anzahl der Produkte der Modestrecken, die teuer sind und auf die meine Kriterien garantiert nicht zutreffen: 52.

Tests

Auf Seite 23 gibt es einen Test darüber, wer an erster Stelle steht – man selbst, Freunde oder der Schwarm. Ich möchte drei Punkte dazu anmerken.

1.) Frage 5 lautet:

Deine Klasse macht jetzt jeden Freitag eine Party. Bist du dabei?

Mir fehlt die Antwortmöglichkeit “Nein, weil man mich nicht einladen würde, aber es ist nicht schade drum, weils eh alles blöde Spacken sind”.

2.) Ich kriege das Ergebnis, ich sei mir selbst am wichtigsten. Ich will mir zwar selbst kein Ausbleiben von Egoismus bescheinigen, aber mir fällt mindestens eine Person ein, die mir wichtiger ist als ich selbst. Sie sitzt rechts neben mir und trägt einen zu meinem passenden Ring.

3.) Wieso gehen die Macher solcher Zeitschriften meistens davon aus, dass die Leserin noch keinen festen Freund hat? Die Leserschaft der Bravo Girl ist laut Wikipedia 12 bis 19 Jahre alt, laut diesem Artikel hier haben Mädchen ihren ersten festen Freund im Alter von 13 Jahren.

Auf den Seiten 70 bis 73 befindet sich ein Test mit dem Titel “Macht dein Style Jungs an?”. Die erste Frage geht darum, was man sich im Fernsehen am liebsten ansieht. Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte, weil ich seit über drei Jahren keinen Fernsehanschluss mehr habe und alle vorgestellten Sendungen als Müllfernsehen bezeichnen würde. Ich habe dann die Antwort angekreuzt, in der “Shopping queen” vorkam, weil ich das immerhin schon mal gesehen habe, auch wenn ichs kacke fand.

Frage 5 dreht sich um das coolste Topmodel. Irgendwas musste ich ja ankreuzen, also habe ich Erin Wasson genommen, obwohl ich alle zu dürr finde (und Heidi Klum überzeugt auch noch junge Frauen im Fernsehen davon, dass das cool ist).

Bei Frage 7 (“Deine Freundin hat ein neues cooles Kleid, was machst du?”) weiß ich gar nicht, was ich antworten soll, weil mir die Antwortmöglichkeit “Ich kaufe es einfach nach” fehlt. Es gibt nur “Ich frag sie, ob es okay ist, wenn ich es mir nachkaufe”. Ich frag sie doch nicht vorher um Erlaubnis!

Mein Testergebnis ist “Sweet Girl”, das zwar an sich relativ gut auf mich passt, in der Beschreibung steht aber auch, dass ich ein gutes Gefühl für Trends habe. Dabei gehen mir Trends am Arsch vorbei.

Ein anderes mögliches Testergebnis wäre “Style-Queen” gewesen, es schließt mit folgendem Satz:

Also schalt mal ‘nen Gang runter, bevor du mit deinem Style Mister Right verschreckst. Zwinkerndes Smiley

Wenn Mister Right ansatzweise brauchbar ist, wird er sich von so was Unwichtigem wie “Style” nicht abschrecken lassen.

Qualitativ hochwertiger Journalismus

Auf den Seiten 24 und 25 befindet sich ein Artikel darüber, dass Mädchen auch mal böse sein dürfen. In dem Abschnitt über Faulenzer steht folgender Satz:

Wissenschaftler raten Eltern dazu, ihren Kindern genügend Raum zum Faulenzen und Langweilen zu lassen.

Wäre es denn so ein großes Problem gewesen, wenigstens einen Wissenschaftler, der das behauptet, namentlich zu nennen?

Auf den Seiten 78 und 79 gibt es einen Bericht über eine Zwanzigjährige, die in einer Seehundstation arbeitet. Wobei Bilder 75 Prozent der Doppelseite ausmachen.

Moralisch fragwürdiges Verhalten

Im Artikel übers Böse-sein-Dürfen steht Folgendes:

Aber wenn das Outfit der Angeberin aus der Parallelklasse so was von daneben ist? Der Klassenschwarm sich sieben Mal am gleichen Wort verschluckt hat? Die Absage der Freundin auf deine Einladung echt bescheuert ist? Dann muss das raus! Lästern ist sooo lustig! Und wichtig für die Gemeinschaft: Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe – tschakka!

Es ist auch lustig, wenn sich ein Kerl in einer Videomissgeschicke-Sendung mit einem Fahrrad auf die Schnauze legt, dem Radfahrer tut das trotzdem total weh. Passt auch nicht so wirklich dazu, dass einer Dreizehnjährigen auf Seite 33 Tipps gegeben werden, wie sie einer gemobbten Mitschülerin helfen kann.

Die Sorgenecke

Auf Seite 32 beklagt sich eine Vierzehnjährige darüber, dass ihre Eltern sie wegen schlechterer Noten jeden Tag, sogar in den Ferien, total viel und total schwer lernen lassen. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich habe den Verdacht, dass dieses total schwere Üben daraus besteht, dass sie überhaupt irgendwas machen muss.

Auf Seite 33 macht sich eine Fünfzehnjährige Sorgen darüber, dass ihre Brüste nicht mehr wachsen. Das Team weist darauf hin, dass Brüste noch bis zum 20. Lebensjahr wachsen können. Das ist so nicht ganz richtig – meine sind z.B. noch gewachsen, als ich über die 20 hinaus war…

Weiter unten fragt eine ebenfalls Fünfzehnjährige, ob sie schwanger sein könnte, weil beim Sex mit ihrem Freund das Kondom abgerutscht ist. Unabhängig davon, ob ja oder nein – wenn Gefahr im Verzug ist, meldet man sich doch nicht beim Bravo-Girl-Team, sondern beim Gynäkologen!

Peinliche Erlebnisse

Auf Seite 61 erzählt eine Sechzehnjährige, dass sie ihre Gitarre vorm Schulgebäude noch mal auspackte, weil sich ihr Abholservice verspätete, ein vorbeigehender Fußgänger ihr ein Geldstück hinwarf und in dem Augenblick ihr Schwarm kam und sie auslachte. Dieser Vorgang wird mit “Wie peinlich ist das bitte?!” kommentiert. Ich würde sagen: Elena, du kannst froh sein, dass sich dein Schwarm enttarnt hat. Wenn er dich wirklich mögen würde, hätte er dich nicht ausgelacht.

Weiter unten berichtet ein Fünfzehnjähriger, dass er sich vor seiner großen Liebe darüber ausließ, wie blöd er weibliche Wesen mit roten Haaren und Sommersprossen findet. Pech für ihn: In dem Augenblick tauchten die Mutter und die Schwester der Angebeteten auf. Rothaarig, sommersprossig. Tja, Lästern ist wohl doch nicht immer so toll, was?

10 verrückte Jobs

Das ist mal ein wirklich cooler Artikel. Ich habe noch nicht gewusst, wie man Tatortreinigerin, Glasaugenmacherin oder Unterwasserschweißerin werden kann. Ufologin ist allerdings ein Job, für den man den typischen Bravo-Girl-Leserinnen erst mal beibringen müsste, dass Schule im Allgemeinen wichtiger ist, als zu wissen, wie man sich am besten schminkt oder stylt. Ohne Astrophysikstudium wird aus der coolen Ufo-Job-Chance nämlich nichts.

Die Überraschung des Tages

Die Youtuberin Bibi gibt auf Seite 64 bekannt, dass sie den Tipp fürs richtige Kämmen (erst Spitzen, dann nach oben hocharbeiten, sonst gibts Knoten) von ihrem Papa gelernt hat.

Wie man Freundschaften so richtig zum Blühen bringt

Empfohlen werden unter anderem ein Zauber mit grünen Knöpfen, einer grünen Schnur, einer Haarsträhne, Rosenöl und Rosen sowie einer mit Spielkarten. Srsly?

Bravo-Girl-Humor

Lebensende mit drei Buchstaben? – Ehe.

Der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes? – Durch die Brust mit einem scharfen Messer.

Wohin guckt ein Typ als Erstes, wenn er eine schöne Frau sieht? – Zu seiner Freundin, ob sie ihn beobachtet.

Soziales Gewissen

In dem 82 Seiten umfassenden Heft gibt es ganze zwei Seiten, die sich um etwas anderes als den üblichen Styling-Schule-Jungsscheiß drehen (der Seehund-Artikel).

Fazit

Die Schülerin “Bravo Girl” hat große Defizite in fast allen Fächern aufgezeigt und muss das Schuljahr daher wiederholen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Die Kette

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Es ist eine halbe Ewigkeit her. Ich sitze im Bus, mir gegenüber sitzt ein alter Mann und er schenkt mir eine Kette. Einfach so. Ich denke mir nicht viel dabei und lege sie zu Hause weg.

Eine halbe Ewigkeit später sitze ich am Laptop, lese den Wikipedia-Artikel über Gebetsketten, weil ich mir einen Rosenkranz kaufen möchte, und sehe dieses Bild.

„Tespih fcm“. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0-de über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tespih_fcm.jpg#mediaviewer/Datei:Tespih_fcm.jpg

„Tespih fcm“. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0-de über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tespih_fcm.jpg#mediaviewer/Datei:Tespih_fcm.jpg

 

Sie sieht fast genauso aus, nur in schwarz. Wo auch immer er ist: Danke an den Schenker.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Der Beweis, dass die Bravo keinen Wert auf Qualität legt

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Kurze Zwischenmeldung: Heute lag die aktuelle Ausgabe der Bravo am Empfang des Radiosenders, für den ich arbeite. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass es in der Zeitschrift eine kleine Notiz über den Sender gab. Der Name war allerdings falsch geschrieben, außerdem wurde osradio 104,8 als Privatsender bezeichnet. Dabei steht sogar auf Wikipedia, dass wir ein so genannter “nichtkommerzieller Bürgerrundfunksender” sind. Aber von den Bravo-Leuten kann man offenbar nicht einmal eine einfache Wiki-Recherche verlangen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Tja, so ist das

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Ich bin wieder zurück in Deutschland und erstatte nachfolgend Bericht darüber, was mir auf der Reise passiert ist.

Anreise

Losgeflogen bin ich, wie schon gesagt, von Düsseldorf aus. Der Flughafen ist so groß, dass man sich dort verlaufen könnte. Die Schwebebahn, die vom Bahnhof zum Terminal führte, gefiel mir überhaupt nicht. Ruckartig und wenn ich runterguckte, wurde mir fast schwindelig. Im Warteraum am Gate hatte irgendjemand eine Süddeutsche liegen lassen, die ich gelesen habe.

Im etwa 8324. Interview, das das ZEIT-Magazin mit dem Altkanzler und ZEIT-Mitherausgeber veröffentlichte, […]

Den Satz fand ich sehr lustig. Der Flug war angenehm und ich war erstaunt, dass es den Tomatensaft (ein Getränk, das ich auch außerhalb von Flugzeugen sehr gern trinke) gratis dazu gab. Bei Ryanair sind die Preise gesalzen. Aus Bilbao wurde ich dann von einer Mitreisenden abgeholt und zusammen sind wir mit dem Bus zum Zielort gefahren. Unterwegs habe ich einen Lidl gesehen. Die Globalisierung sorgt irgendwie dafür, dass man sich auf der ganzen Welt wie zu Hause fühlen kann, so mein Eindruck. Es war übrigens cool, den Flughafen von Bilbao, den ich mir vorher bei Wikipedia angeguckt habe, in echt zu sehen. Im Bus wurde “Avatar” angedreht, allerdings auf Spanisch, sodass ich ihn nicht verstand.

Unterkunft

Es war megalaut und teilweise ein Wunder, dass ich überhaupt schlafen konnte. Die berühmte Zeile von Frank Sinatra

I wanna wake up in a city that doesn’t sleep

hätte auch auf uns zutreffen können. In den Apartments gab es Fernsehen, ich hätte aber lieber Türen für BEIDE Zimmer gehabt. Essen mussten wir selbst besorgen. Einen Wecker haben wir nicht gebraucht, da die Straßenreinigung das freundlicherweise für uns erledigt hat. Die war übrigens so eifrig, dass wir eines Tages eine Wasserpfütze bei der Haustür hatten – und zwar drinnen.

Mitreisende

Zu den meisten von ihnen kann man nicht so viel sagen, nett waren sie alle. Aufgefallen ist mir jedoch das enorme Sprachgefälle im Camp. Alle Deutschen und die Österreicherin sprachen super Englisch, der Belgier und der Franzose auch ganz gut (wenn auch mit deutlichem Akzent) und die Russinnen schlecht bis gar nicht. Eine der Russinnen hat gesagt, sie nehme am Camp teil, um ihr Englisch zu verbessern. Das geht aber nicht so gut, wenn man es nie versucht (und auch fast nichts da ist, um darauf aufzubauen). Die beiden Russinnen, die nicht in meinem Apartment untergebracht waren, haben während des jüdischen Gottesdienstes pausenlos getuschelt und an ihren Smartphones herumgespielt, unterhielten sich grundsätzlich nur auf Russisch und hielten die ganze Truppe ständig auf, weil sie alle 20 Meter Fotos von sich machen mussten und ständig zu spät kamen. Der Küchendienst war mit ihnen auch nicht gerade einfach. Ich hoffe mal, dass das nur an den Sprachproblemen lag.

Das Land

In Sichtweite des Busbahnhofs von Bilbao (und auch an der Busroute) gab es viele schöne Berge, die laut meiner österreichischen Mitreisenden aber nur Hügel sind – Bäume obendrauf und eh nicht besonders hoch. Ich habe in meiner Freizeit im Apartment viel ferngesehen und dabei bemerkt, dass alle Nahrungswerbungen mit Gesundheitshinweisen à la “Treiben Sie Sport und achten Sie auf eine gesunde Ernährung” versehen sind. Als wäre Brioche mit Kippen zu vergleichen. Außerdem habe ich auf Canal+ eine coole Sendung entdeckt, die “Zapping de la semaine” (“Zapping der Woche”) heißt und in der interessante Momente aus den vergangenen sieben Fernsehtagen gezeigt werden. (War natürlich sehr olympialastig.) Mit der Gruppe waren wir häufig am Strand, an verschiedenen Orten. Am Strand in der Nähe unseres Aufenthaltsortes konnte man nicht schwimmen, die Wellen waren einfach zu hoch. Ich bin dort nur am Rand langgelaufen und mein Rock war hinterher trotzdem klitschnass. Es hat dort aber trotzdem Spaß gemacht. Die Stadt an sich war sehr schön und wir haben eine interessante Stadtführung (auf Englisch, Gott sei Dank von einem gebürtigen Engländer) erhalten. Der Strand von Acotz hat mir nicht so gut gefallen, da ich meine Füße am heißen Sand verbrannt habe und ich den Rest des Tages nur noch unter Schmerzen gehen konnte. Das Museo San Telmo in San Sebastián kann ich nur bedingt empfehlen (zumindest für die Leute, die weder Spanisch noch Baskisch können), allerdings sollte man sich die Ausstellung über Bildschirme unbedingt ansehen. Der Strand von Socoa war sehr schön und ich habe dort wahnwitzig viele Muscheln gesammelt. Hondarribia hingegen hat mir überhaupt nicht gefallen. Dauernd waren Kanonenschüsse zu hören, weil dort gerade irgendein Fest stattfand, und meine Pizza Bolognese bestand zu 90 Prozent aus Teig.

Die Arbeit

Knüppelhart. Steine freilegen auf einem Friedhof ohne Bäume und das bei bis zu vierzig Grad Hitze. Einer Teilnehmerin ist das Feuerzeug in der Hosentasche explodiert, das sagt wohl alles. Da wurde die Dusche danach zur echten Wohltat. Nur am allerersten Tag musste wegen Regenwetter abgebrochen werden. Man erfuhr jedoch auch viel Interessantes über das jüdische Leben in der Gegend. Beispielsweise sind viele der Grabsteine auf Spanisch oder Portugiesisch verfasst (und viele Tote haben Namen, die so klingen), da die Juden vertrieben wurden. Außerdem habe ich eines Tages einen jüdischen Grabstein entdeckt, der ein falsches jüdisches Sterbedatum trug (es stellte sich irgendwann heraus, dass es doch richtig war), was die Frau etwa 200 Jahre alt gemacht hätte. Der deutsche Betreuer sagte später dazu, dass so etwas oft passierte, weil die Steinmetze die Umrechnung nicht richtig hingekriegt haben.

Sonstige Vorkommnisse

Am Tag nach der Ankunft war mir so schlecht, dass ich nicht mit zum Strand fahren konnte. So was hatte ich vor sechs Jahren schon mal, am Tag nach dem Ankunftstag in der Bretagne. Lange Reisen sind nicht schön, aber dazu gleich noch mehr. Beim ersten Strandausflug, den ich mitmachen konnte, hat eine Teilnehmerin ihre teuren Schuhe einfach irgendwo am Strand liegen lassen und sich hinterher gewundert, dass sie sie nicht mehr wiederfand. Der bereits erwähnte Gottesdienst war sehr interessant, auch wenn ich nichts verstanden habe, da er auf Hebräisch war. Eine Sache kam mir allerdings bekannt vor: Alle geben sich die Hände und sagen zueinander “Schalom Sabbat”.

Rückreise

Die Rückreise erfolgte komplett mit dem Zug. Der TGV ist, soweit ich weiß, ein sehr schneller Zug und hält irgendeinen Geschwindigkeitsrekord, davon habe ich aber nichts gemerkt, als ich mit ihm fuhr. Die zweite Klasse war jedoch sehr komfortabel (Steckdosen und ausklappbare Tische überall). Da Paris nur Kopfbahnhöfe hat, musste ich mit der Métro zum Gare du Nord weiterfahren. Die Station des Bahnhofs Montparnasse ist riesig und hat diese coolen Laufbänder. Am Gare du Nord selbst hatte ich das Vergnügen, zu beobachten, wie ein Haufen Fans und noch mehr Sicherheitsleute an den Eurostargleisen auf das französische Olympiateam warteten. Im Thalys hatte ich eine Sitznachbarin, die allerdings so gut wie gar nicht auf ihrem Platz saß, sondern immer irgendwo anders war, Gott weiß, wo. Ich war sehr froh, wieder in Deutschland zu sein (unter anderem deswegen, weil mein Geld langsam zur Neige ging). Im ICE war es unglaublich ruhig, wahrscheinlich, weil die anderen Passagiere so fertig waren wie ich. Als Reiselektüre diente mir die französische Ausgabe der Neon, die ich am Abfahrtsbahnhof gekauft habe. Ich wollte eigentlich etwas Deutsches lesen, aber es gab nur zwei deutsche Zeitungen – die eine war die Bild, die andere war die Frankfurter Allgemeine vom Vortag. Das fiel also aus. Die französische Neon war aber auch schön.

So weit, so umfangreich. Der nächste Bücherorgienteil kommt demnächst.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin