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Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 41

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https://www.welt.de/debatte/kommentare/article186559238/Hape-Kerkeling-Was-er-mit-der-Kita-Krise-zu-tun-hat.html?wtrid=onsite.onsitesearch

Man kann sicher darüber streiten, ob Kindergärten, Kindertagesstätten und Co. unabdingbar für das Wohl eines Kindes sind. Ich störe mich nur ein wenig am Ton dieses Artikels, der auf inadäquate Weise einen sehr guten Kinofilm, „Der Junge muss an die frische Luft“, mit der Realität der ErzieherInnen hierzulande verknüpft wird. Zwar äußert Frau Becker sich am Anfang positiv über die Ankündigung des Familienministeriums, 300 Millionen Euro für Kitas bereitzustellen, schränkt sich sogleich aber mit einem großen Aber ein. Es klingt, da kann ich mir nicht helfen, ein wenig so wie diese alten Menschen, die auf Familienfeiern immer verkündeten „wir hatten XY früher auch nicht und es hat uns nicht geschadet!“. Beim Schreiben dieses Blogartikels fällt mir gerade sogar auf, dass ich das im Bezug auf Kindergärten, Kindertagesstätten und Co. neulich tatsächlich gehört habe. (Von Menschen, die stockkonservativ sind und sich wünschen würden, alle würden so leben wie sie, aber das nur so nebenbei.)

Ich verstehe auch nicht, warum Hape Kerkeling dafür herhalten muss, denen, die Kindergärten etc. nicht so positiv gegenüberstehen, Vorschub zu leisten. Ich weiß nicht, ob er dafür so geeignet ist, immerhin hat sich dessen Mutter (wie im Welt-Artikel ganz richtig erwähnt wird) das Leben genommen, als er neun Jahre alt war. Dass er psychisch da einigermaßen heil herausgekommen ist, ist ein Wunder. So einen Menschen als Beispiel dafür zu nehmen, dass es gelernte Erzieher nicht unbedingt braucht, erscheint mir nicht richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Stöckchen oder nicht Stöckchen

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Vor einiger Zeit musste ich an das hier denken, und auch wenn mir das Stöckchen keiner zugeworfen hat, würde ich gern damit spielen.

12 Dinge, die dich ärgern

– Fremdenfeindlichkeit

– Homophobie

– Misogynie

– Krieg

– Leute, die, wenn sie einen Zug wegen einer Bombenentschärfung nicht nehmen können, sich lang und breit über die Unzuverlässigkeit der Bahn ärgern oder zig Mal erwähnen, dass sie schneller gewesen wären, wenn sie den Bus XY genommen hätten statt des Schienenersatzverkehrbusses

– wenn Züge zu spät kommen, weil die Bahn am falschen Ende spart und Gegengleise abbaut

– die Unfähigkeit der Betreuer in meinem bevorzugten Uni-Computerraum

– auf Gläubige herabblickende Menschen

– wenn mein Smartphone mitten in einer langweiligen Vorlesung leergeht

– die Engstirnigkeit gewisser alter Menschen

– das für mich zuständige Bafögamt

– Leute, die glauben, Depressionen könne man ganz einfach behandeln

11 Dinge, ohne die du nicht leben könntest

– Wasser

– Essen

– angemessene Temperaturen

– Mediziner

– Liebe

– Internet

– Bücher

– Schlaf

– Gott

– meinen schwarzen Kajal

– mein Smartphone

10 Dinge, auf die du dich freust

– endlich mit meinem Freund zusammenzuwohnen

– meine Bachelorarbeit

– das Abendessen

– die nächste Sitzung vom Gebärdensprachkurs

– den 4. Dezember

– den nächsten Gottesdienst mit meinem Lieblingspastor

– endlich diese Monty-Python-Sendung zu gucken, die ich vor vier Wochen aufnehmen ließ

– die Masterzeugnisverleihung eines gewissen Informatikers

– irgendwann mal Kinder zu haben

– den nächsten Urlaub

9 Dinge, die du täglich trägst

– einen BH

– eine Armbanduhr

– meine Brille

– einen Slip

– einen Titanring mit Diamant (mein Verlobungsring)

– mein Essen ins Zimmer

– Zweifel an der Zukunft

– meine Dreckwäsche irgendwohin

– einen Silberring (Geschenk von meiner Mutter)

8 Serien bzw. Filme, die du immer wieder schauen könntest

– “The King’s speech”

– “Ein Herz und eine Seele”

– “Die fabelhafte Welt der Amélie”

– “Hör mal, wer da hämmert”

– “Spongebob Schwammkopf”

– “Zwei glorreiche Halunken”

– “Der Vorname”

– “LOL – Laughing out loud”

7 Objekte, die du täglich anfasst

– Klopapier

– meinen Laptop

– die Fernbedienung meines DVD-Players

– meinen DVD-Player

– die Steckdosenleiste, an der mein Laptop, das dazugehörige Hub und mein DVD-Player hängen

– Besteck

– Gebäck

6 Dinge, die du jeden Tag tust

– aufs Klo gehen

– sprechen

– im Internet surfen

– lesen

– kochen

– an die Uni denken

5 Lebensmittel, ohne die du nicht leben könntest

– Nudeln

– Schokolade

– Erdbeeren

– Käse

– Tomaten

4 Menschen, mit denen du gerne mehr Zeit verbringen würdest

– die lustigen Leute von Alsterfilm

– meine beste Freundin

– mein bester Freund (der gleichzeitig auch mein zukünftiger Schwager ist, ist das nicht cool?)

– seine Freundin

3 deiner momentanen Lieblingslieder

– Muse – Hysteria

– Postmodern Jukebox feat. Robyn Adele Anderson – Talk dirty

– Pet Shop Boys – Go west

2 Menschen, die dein Leben sehr beeinflusst haben

– mein Vater

– seine Mutter

1 Mensch, mit dem du den Rest deines Lebens verbringen könntest

– mein Freund

So, fühlt euch frei, eure Meinung dazu oder eure eigenen Fragebogen-Füllungen in die Kommentare zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Religionsfeinde bitte weitergehen

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Ich habe gesagt, dass die Bibel miserabel geschrieben ist. Ich habe gesagt, dass ich nie wieder eine Kirche betrete, wenn’s nicht unbedingt sein muss. Ich habe gesagt, ich sei gottlos. Ich habe gesagt, ich sei Agnostikerin. Und mittlerweile denke ich nichts mehr davon. Wisst ihr, wie komisch man sich fühlt, wenn man auf einmal merkt, dass nichts mehr stimmt?

In den letzten Wochen hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich fragte mich, ob da nicht doch etwas ist. Und dann passierte etwas sehr Merkwürdiges. Auf einmal war da eine innere Stimme, die mir sagte, wohin es geht. Erst leise, dann immer lauter. Ich konnte nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken. Ich sah Kopftuchträgerinnen auf der Straße und dachte: “Die wissen etwas, was ich nicht weiß.” Ursprünglich wollte ich mich noch viel länger mit unterschiedlichen Religionen beschäftigen. Dann besuchte ich einen Gesprächsabend der Evangelischen Studierendengemeinde. Und auf einmal sagte mir die Stimme ganz deutlich, wohin ich gehen soll. Nachdem ich einen Online-Glaubenskurs der Evangelischen Kirche in Deutschland mitgemacht und mit dem Pastor der für mich zuständigen Gemeinde aufgenommen habe, bin ich mir sicher: Ich möchte mich evangelisch taufen lassen.

Nach meinem Outing habe ich gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Der Pastor, mit dem ich gesprochen habe, ist sehr offen und interessiert. Er beantwortet mir Glaubens- und Bibelfragen und hört mir zu. Auch die Gemeinde an sich scheint recht offen zu sein. Es gab dort bereits queere Gottesdienste. Mir wurde eine bestimmte Ausgabe der Bibel nahegelegt, genauer gesagt, des Neuen Testaments plus Psalmen. Sie ist sehr gut (beim Shop bestelle ich aber nicht mehr – lange Lieferzeit, keine Versandmail). Der Text ist sehr einfach gehalten und an den Seitenrändern stehen Worterklärungen. Es gibt sogar Themenseiten – so was habe ich immer gesucht. Wer mehr darüber wissen will: http://www.basisbibel.de/home/ Und was den Inhalt angeht: Mittlerweile habe ich festgestellt, dass in der Bibel zwar viel Mist steht, aber auch sehr viele schöne Geschichten – stellvertretend sei hier die Geschichte vom verlorenen Sohn genannt.

Nicht alle sind so offen, wenn man sich einer Religion zuwendet. Das stellte ich fest, als ich auf der Suche nach Taufpaten meine Großmutter anrief – eine der wenigen evangelischen Menschen, die ich kenne, und wir stehen uns an sich relativ nahe. Doch als ich sie fragte, ob sie meine Patin werden möchte, war sie nicht gerade begeistert. Der Tenor war: Sie würde es zwar machen, fragte mich aber, ob ich mich da nicht in was verrenne, und ich müsse dann ja auch Kirchensteuer bezahlen. Mein Opa tat das Ganze gleich als Quatsch ab. Ich hoffe, dass sie ihre Meinung irgendwann ändern. Vielleicht brauchen sie einfach nur etwas Zeit.

Ich bin schon gespannt, wie meine Eltern reagieren. Am Sonntag fliege ich wieder zu ihnen. Als ich Weihnachten 2011 das letzte Mal da war, hat mein Freund am Gottesdienst in der Deutschen Kirche teilgenommen. Dieses Mal komme ich einfach mit.

Viele sind der Meinung, dass man keine organisierte Religion braucht, und ich kann das sehr gut verstehen. Ich möchte aber am Gemeindeleben teilnehmen (Gottesdienste, Chor etc.) und das Ritual der Taufe ist mir sehr wichtig. Viele Menschen haben ja so ihre Probleme damit, der Kirche anzugehören, weil dort vieles einfach nicht stimmt. Ich bin aber der Meinung, dass man trotzdem einer Kirche angehören kann. Ich bin kein Andreas Englisch, der x Sachen nennt, die in der katholischen Kirche nicht stimmen, und dann trotzdem den Papst über den grünen Klee lobt. Aus dem Grund trete ich auch nicht der katholischen, sondern der evangelischen Kirche bei.

Und um das noch mal abschließend festzustellen: Ich trete der evangelischen Kirche nicht wegen einer kirchlichen Hochzeit bei und auch nicht, weil ich mir dadurch irgendwelche Vorteile bei der Jobsuche oder Ähnlichem verschaffen will. Ich tue das, weil ich glaube. Und aus diesem Grund macht es mir auch nichts aus, dass ich irgendwann mal Kirchensteuer bezahlen muss. Es geht an etwas, das ich glaube.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 8

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Irgendwie bekam ich Hannes an dem Tag gar nicht zu Gesicht. Na gut, das konnte vielleicht daran liegen, dass wir nicht die gleichen Studienfächer hatten oder dass er einfach keine Lust auf die Vorlesungen hatte. Verständlich. Hatte ich auch selten.

Ich hatte auch eigentlich keine Zeit, mich darüber zu wundern, denn als ich just aus dem riesigen Unigebäude gehen wollte, stand plötzlich Lea vor mir.

„Hey, was machst du denn hier?“, fragte ich erstaunt und umarmte meine Schwester.

„Ach, ich wollte dich einfach abholen“, antwortete sie.

„Dann bis später“, verabschiedete sich Anna, die bis dahin mit mir gegangen war.

„Bis später“, winkten wir ihr und liefen dann gemeinsam die Robert-Mayer-Straße entlang.

„Du hast mir ja gar nicht Bescheid gesagt, was ist denn los?“, erkundigte ich mich bei ihr.

„Na jaaa…“ Sie seufzte. „Ich wollte nur mal wissen, wie es dir geht.“

„Wie es mir geht? Und da kommst du extra vorbei, anstatt mir ‘ne SMS zu schreiben oder anzurufen?“

„Na ja, ich hab mich doch schon ziemlich lange nicht mehr bei dir gemeldet, oder?“

Wenn sie zwei Tage als lang bezeichnen wollte, dann hatte sie vermutlich Recht. Was war mit Lea?

„Komm, du bist doch nicht hergekommen, um zu fragen, wie’s mir geht. Das könntest du doch auch telefonisch machen. Also, was stimmt nicht mit dir?“

Jetzt blieb Lea stehen und ließ sich damit fast von einem Fußgänger anrempeln, der sie mürrisch anguckte. „Ich bin zu dir gekommen“, antwortete sie nun mit bewegter Stimme, „da ich heute zum Arzt wollte.“

Da war auch ich plötzlich aufgeregt. „Hast du dich jetzt endlich durchgerungen?“

„Ja, habe ich.“ Lea atmete tief durch. „Ich hab mir ein Ärztehaus in der Dominikanerstraße ausgesucht. Ich wollte nicht zu Hause zum Arzt gehen.“

„Das kann ich verstehen.“

Wir kamen an der U-Bahn-Station an.

„Wo willst du jetzt hin? Zu mir nach Hause oder irgendwen besuchen?“

„Na ja“, antwortete Lea, „ich wollte eigentlich direkt zum Arzt gehen. Gero kommt auch, der wartet an der Brücke auf mich.“ Gero, das war ihr Freund, den ich ziemlich selten zu Gesicht bekam; das war auch schon so gewesen, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt hatte.

Schweigend gingen wir zur Brücke. Und tatsächlich stand Gero am anderen Ende. Er schaute uns an und trug wie üblich seine schwarze Jacke und das Armycap.

„Hi, Mädels“, sagte er nur und küsste Lea auf den Mund. Das erste Mal, dass ich wieder was von ihm gehört hatte, seit ein paar Wochen. Obwohl ich ihn Samstag und Sonntag gehört hatte.

Zu dritt liefen wir die zwei Kilometer zum Arzt. Ja, zu Fuß, das konnte ich irgendwie selbst nicht glauben. Außerdem sprach keiner von uns ein Wort, bis wir angekommen waren.

In meinem Kopf lief ein sehr komischer Gedankenfilm ab, mit Hannes, Anna und Lea in den Hauptrollen und Gero als Nebendarsteller. Ich ließ den ganzen Tag Revue passieren. Erst die Sache mit Hannes und die Tatsache, dass wir heute Morgen nebeneinander aufgewacht waren. Und jetzt, wo meine Schwester neben mir lief, sorgte ich mich um sie.

Wenn sie wirklich Diabetes hatte, so, wie sie vermutete, dann wäre das doch nicht gefährlich, oder? Wir hatten das in der Schule behandelt und ich wusste, dass man das in den Griff kriegen konnte. Aber würde sich Leas Leben dadurch nicht grundsätzlich verändern? Würde das nicht ihren ganzen Lebensplan umschmeißen, wenn sie immer Broteinheiten zählen musste und sich ständig Insulin spritzen musste?

Ich war ziemlich besorgt, aber als wir vor dem Ärztehaus ankamen, nahm ich sie kurz beiseite.

„Hab keine Angst. Du bist bestimmt nicht krank und wenn doch, dann ist es zwar ernst, aber nicht todernst. Das kannst du… irgendwie in den Griff kriegen. Ich helf dir dabei.“

„Danke, Kleine“, antwortete Lea und umarmte mich. Dann gingen wir gemeinsam ins Ärztehaus.

Lea musste, was ziemlich ungewöhnlich ist, nicht besonders lange warten und kam fast sofort dran. Zusammen mit einigen älteren Damen saßen Gero und ich im Wartezimmer der Hausarztpraxis, die im Ärztehaus untergebracht war, und ich blätterte in irgendwelchen Illustrierten, die schon Wochen alt waren. Nachdem ich den xten Bericht über ein sich trennendes Schauspielerpärchen gelesen hatte, verlor ich die Lust und legte die Zeitungen beiseite.

Die alten Omas waren inzwischen weg. Ich starrte angestrengt auf das mir gegenüber an der Wand hängende impressionistische Gemälde. Mir fiel auf, dass dasselbe Bild früher auch in der Schule gehangen hatte, im Krankenzimmer. Mann, wie ich es dort gehasst hatte…

Plötzlich ertönte neben mir ein lautes Seufzen und ich sah, wie Gero sich das Gericht rieb.

„Oh, ich hoffe wirklich, dass sie nicht krank ist. Ich weiß, dass sie das nicht aushalten würde…“, murmelte Gero.

„Ja, sie war schon immer ziemlich empfindlich…“

Oh, ein Gespräch zwischen uns. Hatten wir uns überhaupt schon mal so richtig unterhalten?

„Das war sie schon früher, ja. Als ich sie angesprochen habe, dachte sie zuerst, ich wäre irgendso ein Irrer, und hat mich total ignoriert.“

„Wie lange ist es schon her, dass du Lea angesprochen hast?“

„Zwei Jahre müssten es jetzt sein.“ Gero nahm seinen Kopf zurück und dachte angestrengt nach. „Ja, letzte Woche waren es genau zwei Jahre.“ Er lachte. „Wir hatten diesen Unikurs zusammen. Es ging irgendwie um Shakespeare oder so was. Ich habe sie gefragt, ob ich ihr nachhelfen soll.“

„Und da hat sie Nein gesagt?“

„Ja, wahrscheinlich waren meine Worte etwas unglücklich gewählt. Obwohl ich gar nicht mehr genau weiß, was ich gesagt habe. Aber irgendwann ließ sie sich dann von mir zu einem gemeinsamen Kaffee im Studentencafé überreden. Und ungefähr einen Monat später waren wir dann zusammen. Ich könnte dir sogar noch den Tisch zeigen, an dem Lea und ich damals gesessen haben. Kennst du den Tisch hinten rechts in der Ecke, wo das Herz eingeritzt ist?“, fragte er.

Ich nickte. „Ich arbeite ja dort.“

„Oh, wirklich? Ich habe dich ja schon lange nicht mehr dort gesehen.“

„Ja, ich habe in der letzten Zeit viel um die Ohren gehabt wegen diesen Politikseminaren. Aber morgen will ich wieder hin. Da fällt diese eine Vorlesung aus, also habe ich den ganzen Tag Zeit.“

„Und du studierst also Politik?“

„Ja“, seufzte ich. „Ich hatte in der Schule Supernoten darin und fand es auch ganz interessant, aber so als Vollzeitstudium… ätzend.“

„Das ist nur am Anfang so. So ab dem zweiten Semester gewöhnt man sich daran.“

„Dann wird’s ja Zeit.“

Wir lachten beide.

Eine ganze Weile unterhielten wir uns noch. Als ich gerade anfangen wollte, die Geschichte mit Freddy in Paris zu erzählen, riss plötzlich jemand die Tür auf und ich sah, wie Lea auf einer Trage herausgebracht wurde.

Wurst mit Gesicht

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Ich esse gern Fleisch. Leider. Wenn ich könnte, wäre ich Vegetarierin. Ich hatte schon lange darüber nachgedacht, wie ich meinen Fleischkonsum etwas ethischer gestalten kann, als mir die Freundin meines besten Freundes (und zugleich zukünftigen Schwagers) etwas von “Meine kleine Farm” (http://www.meinekleinefarm.org/) erzählte.

Die Macher dieses Projekts haben sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu verantwortungsvollerem Fleischkonsum zu erziehen. In ihrem Shop bieten sie Fleisch von Schweinen an, die glücklich auf einer brandenburgischen Wiese herumlaufen, anständiges Futter kriegen und doppelt so lange leben wie ihre Massentierhaltungskollegen. Der CO2-Verbrauch soll auch nach dem Tod der Tiere möglichst gering gehalten werden – die Schweine werden von einer nahe gelegenen Schlachterei verarbeitet. Wer sich fragt, woher der Titel dieses Blogeintrages kommt: Jeder, der sich z.B. ein Glas Wurst bestellt, weiß hinterher genau, von welchem Schwein das Fleisch kommt.

Schwein 93

Schwein 91

Ich hatte Schwein 93 und 91!

Ich fand die Idee klasse und habe mir deswegen zum Test ein Glas Rot- und ein Glas Jagdwurst bestellt. Beides schmeckte richtig klasse. Man merkt die Liebe, die darin steckt. Die Rotwurst haben auch mein Freund und sein Vater probiert. Mein Freund attestierte dem Fleisch eine leckere würzige Note. Sein Vater sagte, der Geschmack erinnere ihn an früher, wo die Rotwurst noch selbst gemacht wurde. Wir stellen fest: drei zufriedene Tester. Ich werde definitiv noch mal was bestellen. Natürlich ist das Gesichtsfleisch teurer als das, was man so im Supermarkt oder Discounter bekommt, aber Qualität hat nun mal ihren Preis. Und so oft brauche ich Fleisch nun auch wieder nicht. Lieber selten, dafür richtig gut.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Einführungswoche

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Wie aufmerksame Leser bereits wissen, mache ich zurzeit ein Praktikum bei einem örtlichen Radiosender. Für diese Woche habe ich mich mit meinem Chef drauf geeinigt, dass ich zwei Tage beim Sender und zwei Tage in der Uni bin. Ich möchte jetzt von meinen Erfahrungen bei Letzterem berichten.

Erster Tagesordnungspunkt am Dienstag war die Sprechstunde mit einem Pädagogikdozenten.

1.) Ich hatte verpeilt, mir den Raum und das Gebäude aufzuschreiben, in dem besagte Sprechstunde statt fand.

2.) Ich ging auf gut Glück in ein Gebäude und fragte, wo die Sprechstunde sei. Mir wurde erklärt, wo die Pädagogen sitzen.

3.) In einem anderen Gebäude fragte ich noch mal nach, wohin ich muss. Die nette Psychologiestudentin erklärte mir, wo ich einen Computerraum finden konnte (auch sehr wichtig zu wissen, wirklich!). Dort ergoogelte ich mir, wohin ich musste.

4.) Dort angekommen, informierten mich die netten Leute von der Fachschaft Erziehungs- und Kulturwissenschaften darüber, dass ich zum Erstsemesterfrühstück in Gebäude XY müsse.

Das fängt ja nett an, dachte ich. Ich erfuhr dort aber schließlich alles, was ich rauszufinden beabsichtigt hatte, und kam sogar in den Genuss eines Schokokussbrötchens. (Klingt schräg, schmeckt aber super.)

Nach dem Erstsemesterfrühstück der Pädagogen ging ich schon wieder essen, und zwar diesmal in die Mensa, mit einigen Erstsemesterstudenten des Fachbereichs Sozialwissenschaften. Die Mensa wurde nicht zu Unrecht mehrmals ausgezeichnet. Danach fuhr ich kurz nach Hause, um für eine Informationsveranstaltung zum Studiengang Politik wiederzukommen. Die war aber nicht sehr informativ.

Heute schließlich war die zentrale Begrüßungsveranstaltung für Erstsemesterstudenten. Zwei Freunde von mir sind mitgekommen, weil man dort Unmengen an Gratiszeug abstauben kann. Ich möchte an dieser Stelle aufzählen, was ich bekommen habe:

– ein Heft über Unnützes Wissen

– einen Walnussknacker

– vier Kondome

– vier Aufkleber (davon drei vom Schwulenreferat der Uni. Mein Favorit: I ❤ Penis.)

– 16 Gutscheine

– zehn Gratispostkarten

– neun Tüten mit Gummibärchen

– vier Bonbons

– ein Tütchen mit Erdnüssen

– zwei Stück Traubenzucker

– vier Luftballons

– drei Post-it-Blöcke

– einen normalen Block

– elf Stifte

– zwei Lesezeichen

– eine Ausgabe des Neuen Testaments

– einen Taschenspiegel

– einen Radroutenplan

– eine Haarspülungsprobe

– Kekse von der Islamischen Hochschulgemeinde

– einen Bierdeckel von Amnesty International

– drei Schlüsselanhänger (einer dient als Zahnseidenspender, ein anderer als Flaschenöffner)

– ein Päckchen Kaugummi

– ein Brillenputztuch

– eine Plastikhülle für den Studentenausweis o.ä.

Ich würde mal sagen, es hat sich gelohnt, dahin zu gehen. Nächstes Jahr mache ich das wieder – wie meine anderen Freunde.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Berufliches und Privates

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Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich freie Mitarbeiterin bei einer Zeitung bin. Hier sind die Links zu den Artikeln, die bis jetzt veröffentlicht wurden:

http://www.spiesser.de/artikel/brief-die-franzoesische-sprache

http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/demografischer_wandel/streitgespr__ch_rentensystem/index.jsp

Aber auch privat habe ich etwas Neues geschrieben, das ich hinten anhängen möchte. Viel Spaß beim Lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ach, wie sollen wir die kleine Rose buchen

 

Er hatte noch nie allein eine Blumenhandlung besucht. Jetzt musste es aber sein. Ratlos streifte er durch den Laden und betrachtete die ausgestellten Blumen. Rot, Gelb, Blau, Orange, Weiß, ganz viel Grün. Er kam sich etwas verloren vor. Tobias hatte ihm gesagt, dass Frauen immer rote Rosen wollten. Damit würde er Vanessa auf jeden Fall kriegen. Aber wo standen die bloß? Endlich hatte er sie gefunden. Eine Mark stand auf dem Preisschild. Das war ein Drittel seines wöchentlichen Taschengeldes.

Er wollte eine besonders schöne Rose aus der Vase rupfen, als die Blumenverkäuferin auf ihn zugerannt kam und rief: „Na, na, na! Das lässt du aber schön bleiben! Die dürfen nur wir herausnehmen, hörst du?“ Verängstigt rannte er aus dem Laden.

Was sollte er denn jetzt tun? Er wollte ihr doch so eine schöne Blume schenken. Entmutigt schwang er sich auf sein Fahrrad und wollte nach Hause fahren. Vorbei an der Kirche, der Bank, der Apotheke und der Metzgerei. An einer Straßenecke blieb er plötzlich stehen. Ein Vorgarten war mit einem blühenden Rosenbusch geschmückt. Er überlegte kurz und rupfte eine ab. Dornen kratzten dabei über seine Haut.

Fünf Minuten später stand er vor ihrer Haustür. Er klingelte und ihre Mutter machte auf. Sie hatte genau solche Locken wie die Blumenverkäuferin.

„Ha-Hallo, äh, ist Vanessa da?“, fragte er etwas ängstlich. „Oh, hallo!“, antwortete die Mutter und lachte. „Das ist ja süß. Einen Augenblick ja?“ Sie drehte sich um und brüllte den Namen ihrer Tochter ins Haus hinein.

Eine halbe Ewigkeit später kam sie schließlich an. Sein Herz schlug wie noch nie in seinem Leben. „Äh, hi, ich hab hier was für dich!“ Er streckte ihr die Rose entgegen, sein Arm zitterte dabei. Die Sekunden, bis sie reagierte, schienen endlos. Und dann passierte etwas, das nicht hätte passieren dürfen. Sie brach in Lachen aus und zeigte mit dem Finger auf ihn. Die Zahnlücke, die er gerade noch so schön gefunden hatte, war dabei zu sehen. Sie lachte total irre und herablassend. Und auf einmal kam er sich so blöd vor wie noch nie in seinem Leben. Er ließ die Rose fallen, stieg auf sein Fahrrad und fuhr davon, so schnell er konnte. Er heulte schon ein paar Sekunden, nachdem er losgefahren war. Er wollte nie wieder irgendjemanden sehen.

Draußen war es warm, er war müde. Es lagen sechs tolle Wochen hinter ihm. Er hatte sie saufend, schwimmend und im Internet surfend verbracht. Jeden Tag hatte er seine Kumpels getroffen, solange er konnte. Solange es seine Eltern zuließen. In der Zeit hatte er den ganzen Stoff vergessen können, der ihm in den letzten zehn Schuljahren mühsam eingeprügelt worden war. Er hatte Freiheit, sechs Wochen lang. Seine Kumpels hatten noch ein paar Tage, mussten dann aber anfangen, zu arbeiten. Er dagegen stand jetzt mit einem Haufen anderer Leute in seinem Alter in einem großen grauen Betonklotz, der nach irgendeinem Dichter benannt war. Seine Eltern hatten gewollt, dass er Abitur machte. Also gut, war er jetzt halt hier. Im Augenblick stand ein Kerl mit Halbglatze vorne und teilte die Stundenpläne aus.

„Maximilian Schäfer?“

Er setzte sich in Bewegung und nahm dem Kerl mit Halbglatze einen bedruckten Zettel ab. Heute hatte er nur vier Stunden und davon war eine bereits vorbei, wegen der Organisation. Zufrieden grinste er. So musste es laufen.

Fünf Minuten später wusste jeder, wohin er musste, und die Schüler trotteten in ihre Räume. Er ließ sich auf einem uralten Holzstuhl nieder. In der Tischplatte hatten sich schon viele Schüler verewigt. Eine mittelalte Frau stellte sich als die Deutschlehrerin des Kurses vor. Als sie schon ein paar Minuten am Reden war, öffnete sich plötzlich die Tür und ein Mädchen huschte mit einem „Tschuldigung“ und einem Lächeln auf den Lippen herein. Schnell drückte sie sich auf den Platz neben ihm.

„Mal wieder zu spät, Fräulein Klein? Hoffentlich bessert es sich dieses Jahr.“ Die Lehrerin schüttelte den Kopf und wandte sich dann der Tafel zu.

„Hi“, sagte das Mädchen und lächelte ihn an. „Hallo“, sagte er und lächelte zurück. „Du bist wohl schon länger hier?“

„Ja, schon seit der fünften Klasse.“ Das Mädchen verdrehte die Augen. „Gott, ist das hier manchmal scheiße.“

„Sind ja tolle Aussichten“, bemerkte er und schnaubte amüsiert. „Ja, so ist es wohl“, meinte das Mädchen und lächelte ihn an.

So eine tolle Sitznachbarin hatte er noch nie gehabt, dachte er. Da packte sie ihre Sachen aus und öffnete ihren Kalender, um etwas hineinzuschreiben. Neugierig schielte er hinein und las ihren Namen. Auf einmal war er ganz woanders. Er war in einem Blumenladen. Er war vor einem Hauseingang. Er war in einer Grundschule, wo tuschelnde Mädchen mit dem Finger auf ihn zeigten. Er sah einen in schrecklichem Lachen fratzenhaft verzerrten Mund, in dem er eine Zahnlücke ausmachte, die ein schwarzes Loch darstellte, von dem er annahm, dass es ein unglaublich großes schwarzes Loch im Gehirn der Trägerin darstellte.

Nach der Stunde ging er zum Kerl mit Halbglatze und bat diesen darum, ihn in einen anderen Kurs zu versetzen.