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Berufliches und Privates

Veröffentlicht am

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich freie Mitarbeiterin bei einer Zeitung bin. Hier sind die Links zu den Artikeln, die bis jetzt veröffentlicht wurden:

http://www.spiesser.de/artikel/brief-die-franzoesische-sprache

http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/demografischer_wandel/streitgespr__ch_rentensystem/index.jsp

Aber auch privat habe ich etwas Neues geschrieben, das ich hinten anhängen möchte. Viel Spaß beim Lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ach, wie sollen wir die kleine Rose buchen

 

Er hatte noch nie allein eine Blumenhandlung besucht. Jetzt musste es aber sein. Ratlos streifte er durch den Laden und betrachtete die ausgestellten Blumen. Rot, Gelb, Blau, Orange, Weiß, ganz viel Grün. Er kam sich etwas verloren vor. Tobias hatte ihm gesagt, dass Frauen immer rote Rosen wollten. Damit würde er Vanessa auf jeden Fall kriegen. Aber wo standen die bloß? Endlich hatte er sie gefunden. Eine Mark stand auf dem Preisschild. Das war ein Drittel seines wöchentlichen Taschengeldes.

Er wollte eine besonders schöne Rose aus der Vase rupfen, als die Blumenverkäuferin auf ihn zugerannt kam und rief: „Na, na, na! Das lässt du aber schön bleiben! Die dürfen nur wir herausnehmen, hörst du?“ Verängstigt rannte er aus dem Laden.

Was sollte er denn jetzt tun? Er wollte ihr doch so eine schöne Blume schenken. Entmutigt schwang er sich auf sein Fahrrad und wollte nach Hause fahren. Vorbei an der Kirche, der Bank, der Apotheke und der Metzgerei. An einer Straßenecke blieb er plötzlich stehen. Ein Vorgarten war mit einem blühenden Rosenbusch geschmückt. Er überlegte kurz und rupfte eine ab. Dornen kratzten dabei über seine Haut.

Fünf Minuten später stand er vor ihrer Haustür. Er klingelte und ihre Mutter machte auf. Sie hatte genau solche Locken wie die Blumenverkäuferin.

„Ha-Hallo, äh, ist Vanessa da?“, fragte er etwas ängstlich. „Oh, hallo!“, antwortete die Mutter und lachte. „Das ist ja süß. Einen Augenblick ja?“ Sie drehte sich um und brüllte den Namen ihrer Tochter ins Haus hinein.

Eine halbe Ewigkeit später kam sie schließlich an. Sein Herz schlug wie noch nie in seinem Leben. „Äh, hi, ich hab hier was für dich!“ Er streckte ihr die Rose entgegen, sein Arm zitterte dabei. Die Sekunden, bis sie reagierte, schienen endlos. Und dann passierte etwas, das nicht hätte passieren dürfen. Sie brach in Lachen aus und zeigte mit dem Finger auf ihn. Die Zahnlücke, die er gerade noch so schön gefunden hatte, war dabei zu sehen. Sie lachte total irre und herablassend. Und auf einmal kam er sich so blöd vor wie noch nie in seinem Leben. Er ließ die Rose fallen, stieg auf sein Fahrrad und fuhr davon, so schnell er konnte. Er heulte schon ein paar Sekunden, nachdem er losgefahren war. Er wollte nie wieder irgendjemanden sehen.

Draußen war es warm, er war müde. Es lagen sechs tolle Wochen hinter ihm. Er hatte sie saufend, schwimmend und im Internet surfend verbracht. Jeden Tag hatte er seine Kumpels getroffen, solange er konnte. Solange es seine Eltern zuließen. In der Zeit hatte er den ganzen Stoff vergessen können, der ihm in den letzten zehn Schuljahren mühsam eingeprügelt worden war. Er hatte Freiheit, sechs Wochen lang. Seine Kumpels hatten noch ein paar Tage, mussten dann aber anfangen, zu arbeiten. Er dagegen stand jetzt mit einem Haufen anderer Leute in seinem Alter in einem großen grauen Betonklotz, der nach irgendeinem Dichter benannt war. Seine Eltern hatten gewollt, dass er Abitur machte. Also gut, war er jetzt halt hier. Im Augenblick stand ein Kerl mit Halbglatze vorne und teilte die Stundenpläne aus.

„Maximilian Schäfer?“

Er setzte sich in Bewegung und nahm dem Kerl mit Halbglatze einen bedruckten Zettel ab. Heute hatte er nur vier Stunden und davon war eine bereits vorbei, wegen der Organisation. Zufrieden grinste er. So musste es laufen.

Fünf Minuten später wusste jeder, wohin er musste, und die Schüler trotteten in ihre Räume. Er ließ sich auf einem uralten Holzstuhl nieder. In der Tischplatte hatten sich schon viele Schüler verewigt. Eine mittelalte Frau stellte sich als die Deutschlehrerin des Kurses vor. Als sie schon ein paar Minuten am Reden war, öffnete sich plötzlich die Tür und ein Mädchen huschte mit einem „Tschuldigung“ und einem Lächeln auf den Lippen herein. Schnell drückte sie sich auf den Platz neben ihm.

„Mal wieder zu spät, Fräulein Klein? Hoffentlich bessert es sich dieses Jahr.“ Die Lehrerin schüttelte den Kopf und wandte sich dann der Tafel zu.

„Hi“, sagte das Mädchen und lächelte ihn an. „Hallo“, sagte er und lächelte zurück. „Du bist wohl schon länger hier?“

„Ja, schon seit der fünften Klasse.“ Das Mädchen verdrehte die Augen. „Gott, ist das hier manchmal scheiße.“

„Sind ja tolle Aussichten“, bemerkte er und schnaubte amüsiert. „Ja, so ist es wohl“, meinte das Mädchen und lächelte ihn an.

So eine tolle Sitznachbarin hatte er noch nie gehabt, dachte er. Da packte sie ihre Sachen aus und öffnete ihren Kalender, um etwas hineinzuschreiben. Neugierig schielte er hinein und las ihren Namen. Auf einmal war er ganz woanders. Er war in einem Blumenladen. Er war vor einem Hauseingang. Er war in einer Grundschule, wo tuschelnde Mädchen mit dem Finger auf ihn zeigten. Er sah einen in schrecklichem Lachen fratzenhaft verzerrten Mund, in dem er eine Zahnlücke ausmachte, die ein schwarzes Loch darstellte, von dem er annahm, dass es ein unglaublich großes schwarzes Loch im Gehirn der Trägerin darstellte.

Nach der Stunde ging er zum Kerl mit Halbglatze und bat diesen darum, ihn in einen anderen Kurs zu versetzen.

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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