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Monatsarchiv: September 2010

Haltung bewahren

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Ich will hier mal was erzählen über meine Haltung.

Meine Haltung ist folgende: Ich bin gegen Atomkraft, weil sie meiner Meinung nach die Umwelt verpestet. Nazis haben meines Erachtens einen Riesenknack in der Birne, ich bin für die Verbesserung des Fernsehens, gegen ein Verbot von Ballerspielen und ganz bestimmt nicht konservativ. Studiengänge sind viel zu straff organisiert und die Bildzeitung würde ich nicht mal als Klopapierersatz kaufen, weil das meinen Hintern beleidigen würde.

Und ich bin der Meinung, dass es viel zu viel Homophobie auf der Welt gibt.

Warum, ist sicher verständlich – besonders, wenn man daran denkt, dass ich bisexuell bin. Selbst wenn ich es nicht wäre, würde ich gar nicht so viel fressen können, wie ich kotzen möchte, wenn ich Leute wie meinen Lehrer treffe.

Er macht Witze über unseren schwulen Außenminister, ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und heute bezeichnete er den auf Männer stehenden Dirk Bach als „Homo-Monster“. In meinen Augen ist er relativ homophob. (Falls das jemand anders sieht, bitte bei mir melden.) Und das ist eine der wenigen Sachen, die ich partout nicht abkann.

Ich hab mich im Unterricht echt zusammenreißen müssen, um nicht an die Decke zu gehen. Bin ich zu empfindlich? Springe ich zu schnell an? Wegen einer Sache, die mir wichtig ist? Weil ich selbst davon betroffen bin? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls macht mich die Sache unheimlich fertig und ich habe keine Ahnung, was ich unternehmen soll. Mein Lehrer zieht mich pausenlos auf…

Langsam werde ich paranoid. Ich habe schon so viele schlechte Erfahrungen damit gesammelt, dass ich nicht mehr aufhören kann, daran zu denken. Es ist ja fast so, als würde ich jetzt erst feststellen, dass ich bisexuell bin.

Ich bin auch niemand, der pausenlos mit dieser Tatsache hausieren geht – das dürfen wir Nicht-Heteros uns ja gerne mal vorwerfen lassen. Deswegen habe ich es nur meinem Freund und meinen Freunden erzählt, weil ich weiß, das die mich verstehen. Meine Eltern wissen es nicht. Meine mich mitversorgenden Großeltern wissen es nicht. Werde ich es ihnen je erzählen? Oder wirft das nur ein schlechtes Licht auf mich, weil ich dann ja wieder meinen Freund betrüge und so? Und abnormal bin?

Eine meiner Bekannten verwendet gerne ein Zitat: Versucht, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als ihr sie vorgefunden habt. Ich versuche jedenfalls, Intoleranz in die Schranken zu weisen. Und ich hoffe, das viele andere das auch tun.

bit.ly/9FAZrw

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/hass-aus-der-mitte-der-partei/

http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/tolerant-gegen-die-intoleranz/

http://www.noz.de/deutschland-und-welt/vermischtes/39880337/schwule-emanzipation-am-ende

http://www.sueddeutsche.de/politik/indien-homosexualität-nach-jahren-legal-1.80322

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Die Kitschautorin

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Lasst nichts gegen mich kommen

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Die Griechen glaubten, dass es eine Beleidigung der Götter sei, zu glauben, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne, und immer, wenn das jemand denkt, lassen sie es noch schlimmer kommen, als Beweis, dass es eben doch geht.

Als bekennende Pessimistin weiß ich das, und es ist mir normalerweise auch bewusst. Und doch habe ich diesen Fehler anscheinend wieder begangen.

Letztes Jahr kam ich frisch vom Gymnasium und dachte, es könne keine schlimmeren Zicken geben als die, mit denen ich Abitur gemacht habe. Denkste.

Im ja ach so tollen Fach Schreibtechnik kam die Frage auf, wie man Ortsteile in Adressen anzugeben hat. In diesem Zusammenhang wollte die Lehrerin wissen, wer in einem Ortsteil wohnt und wie dies angegeben wird. Ich verteidigte meine Variante damit, dass meine Oma (bei der ich ja wohne) die ordnungsgemäße Funktion der Zustellung bestätigte. Woraufhin meine Lehrerin entgegnete: „Ja, meine Oma schreibt aber auch noch die Postleitzahlen von vor 15 Jahren.“

Nun mag ja jeder von diesem Spruch halten, was er will. Ich fand ihn blöd. Noch dümmlicher fand ich allerdings das Gelächter des Hühnerstalls, der sich „meine Klassenkameradinnen“ schimpfen darf. Als ich sie direkt fragte, was daran so lustig sei, riefen sie sogleich: „Mein Gott, wir lachen über die Lehrerin und nicht über dich! Du musst nicht immer alles auf dich beziehen! Meine Fresse!“

Mal von der Frage abgesehen, ob ich jetzt zu empfindlich bin oder nicht: Wenn sich sogar die Lehrerin, die von ihren Schülern sicher einiges gewohnt ist, fragt, wie zickig die Mädels denn heute drauf sind, dann stellt sich doch die Frage, mit was für Leuten ich eigentlich zur Schule gehe. Aber was will man auch von Menschen erwarten, die sich jedes Wochenende einen ansaufen, ihr belangloses Leben aufbauschen, als sei es das interessanteste von der Welt, und auf die Frage, ob sie mal leiser sein könnten, stumpf mit „Nein“ antworten?

So langsam fühle ich mich wie Alex aus „Mein Leben & Ich“, die ihre Mitschüler ausnahmslos für Idioten hielt. Wenigstens kann ich in den Pausen auf einen MP3-Player zurückgreifen. Alex konnte das nicht.

Doch die ganze Sache hat auch was Gutes: Ich erinnere mich daran, dass es zutreffende Bibelzitate gibt. Stichwort: Den Balken im eigene Auge sieht man nicht. Gut, dass bald wieder Herbstferien sind.

In diesem Sinne:

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin