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Monatsarchiv: Oktober 2014

Merkwürdige Studenten und Großväter

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Tagesordnungspunkt 1: Merkwürdige Studenten, 1. Akt

Ab morgen werde ich ein Tutorium leiten. Freitag bekam ich eine Mail von einem Studenten, es täte ihm leid, dass er Donnerstag nicht gekommen sei und ob er trotzdem noch am Tutorium teilnehmen könne. Panisch darüber, dass ich möglicherweise irgendwas übersehen haben könnte, befragte ich den Obertutor (einen der beiden Tutoren, die die restlichen Tutoren anleiten) dazu… Ergebnis: Es geht tatsächlich erst morgen los. Ich habe mich sehr über diese Sache gewundert. Aber mir ist so was sicher auch schon mal passiert…

Tagesordnungspunkt 2: Mein Großvater

Vorgestern machte ich einen Kurzbesuch bei meinen Großeltern väterlicherseits. Ich las die örtliche Zeitung, in der ein Bericht über das neue jüdische Museum in Warschau stand, und sagte zu meinem Freund, dass ich gerne mal dahin fahren würde. Mein Großvater entgegnete: “Was willst du denn da – bei den Juden?” Ich erwarte ja nicht von jedem, dass er sich fürs Judentum interessiert, aber der Kommentar war schon bemerkenswert. Illustriert auch sehr schön, dass sich meine Großeltern nicht besonders für mein Leben interessieren – außer sie können darüber meckern.

Tagesordnungspunkt 3: Merkwürdige Studenten, 2. Akt

Vorhin bekam ich eine Mail von einer Studentin, die fragte, ob das Tutorium stattfindet (natürlich findet es statt… wurde ja auch nur ca. dreihundert Mal angekündigt), und eine Mail von einem Studenten, der mir Bescheid sagte, er habe bis viertel vor zehn eine Veranstaltung am Campus Westerberg und er käme eventuell einige Minuten später. Boah, wie gewissenhaft manche Studenten doch sind… aber erfahrungsgemäß legt sich das nach einigen Semestern.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 34

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Die Meldung, die ich heute besprechen will, stand u.a. auch in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ich habe sie in der heutigen Ausgabe der taz entdeckt. Eine 25 Jahre alte Berufsschülerin aus Einbeck legte, um sieben Tage die Schule zu schwänzen, ein angebliches Klinikattest vor. In die Vorlage aus dem Internet, die sie benutzt hatte, hatte sie so viele Rechtschreibfehler eingebaut, dass das der Schule einfach auffallen musste – Ergebnis: Anzeige wegen Urkundenfälschung. Die taz kommentierte das so:

Und die Moral von der Geschicht? Fälsche ohne Duden nicht!

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Im Schwimmbad

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Mein Freund wohnt in der alten Heimat. (Und ich werde bald übergangsweise zu ihm ziehen, aber das ist ein anderes Thema.) In dieser alten Heimat besuchten wir am Sonntag das Schwimmbad. Nach mehr oder weniger erfolgreicher sportlicher Betätigung aßen wir im Badrestaurant. Dann sprach mich der Kellner an. “Bist du denn nicht die Kitschautorin? Warst du nicht auf der Grundschule in 10-km-entfernt-Dorf?”

“Ähm… ja! Wer bist du denn?”

Er nannte seinen Namen und da fiel mir alles wieder ein. Wir waren tatsächlich dreieinhalb Jahre in einer Klasse und hatten in dieser Schwimmhalle sogar zusammen Unterricht. Aufmerksame Leser wissen, dass ich dort nicht Schwimmen gelernt habe. Er hat sich natürlich getraut, vom Sprungbrett zu springen. In Musik hatte er immer eine Zwei. (Vor einigen Monaten habe ich übrigens auf der Internetseite der Lokalzeitung gelesen, dass er in der Abizeit experimentelle Musik gemacht hat… okay.) Er hat mich gefragt, was ich jetzt mache, und nachdem ich geantwortet hatte, erzählte er, dass er in der Stadt, aus der Alphaville kommen, Biologie studiert, aber keinen Job gefunden hat, und deswegen sei er jetzt erst mal im Schwimmbadrestaurant.

Er hat sich erstaunt gezeigt, dass ich ihn nicht wiedererkannte. Dabei ist es über 13 Jahre her, dass ich ihn zuletzt gesehen habe. Ich habe in der Zeit das Abitur, eine Ausbildung und den Großteil eines Bachelorstudiums hinter mich gebracht, bin weggezogen und einige Köpfe gewachsen, habe mich verlobt und meine Haarfarbe von dunkelblond auf Kaschmirrot geändert. (Nicht in genau dieser Reihenfolge.) Und das ist nur eine kleine Auswahl von den Dingen, die sich seitdem geändert haben.

Vielleicht sehe ich ihn ja bei meinem nächsten Besuch im Schwimmbadrestaurant wieder. Ich würde mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Warum ich meine Bachelorarbeit in Pädagogik und nicht in Politik schreiben werde

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In Pädagogik haben wir eine Fachstudienberatung. Sie kann an vier Tagen in der Woche für vier Stunden besucht werden. Wenn man dahingeht, weil man bspw. wissen möchte, welche Kurse man noch braucht, sagen es einem die netten Studenten – und auch außerhalb der Beratung wimmelt es nur so vor hilfsbereiten Menschen. Die Dozenten geben sich Mühe, die Veranstaltungen interessant zu halten.

In Politik gibt es eine Fachstudienberatung, von der ich erst im vierten Semester erfahren habe. Wenn ich vorher wissen wollte, was mir an Kursen noch fehlt, musste ich zum Prüfungsamt, die für mich zuständige Frau ist aber jetzt im Vorruhestand. Ich habe einige Tage gebraucht, um herauszufinden, wer sich jetzt um mich kümmert. Sprechstunde der Beratung für meinen Studiengang (zur Erinnerung: 2-Fächer-Bachelor Politik) ist am Dienstag von zehn Uhr dreißig bis zwölf Uhr dreißig. Ich habe am Dienstag dahingemailt, welche Kurse ich noch brauche, weil die Uni am Montag wieder losgeht, und bekam heute zur Antwort, ich fände das alles doch im Uniportal und im Modulhandbuch – es folgte eine samt Anrede aus einer Mail an eine andere Studentin herauskopierte Anleitung. Der Berater ist der Mann, der an meinen Werken der Veranstaltung “Techniken wissenschaftlichen Arbeitens” lauter nichtige Sachen kritisiert hatte (ich hätte in einer Arbeit über den Wahl-o-mat nicht genug Offline-Quellen verwendet etc.). Und das Studium ist zwar interessant, aber die Dozenten schaffen es häufig genug, selbst interessante Themen sehr schnarchig zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Gott und moralische Werte

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Vor einem Jahr habe ich bei der Einführungswoche ein Gratisbuch mit dem Titel “Glaube im Kreuzverhör” abgestaubt. Und auch wenn ich mittlerweile den Weg zum christlichen Glauben gefunden habe, gibt es darin einige Stellen, die ich einfach nicht verstehe. Der Autor, Lee Strobel, trifft sich u.a. mit William Lane Craig, der fünf Begründungen für den christlichen Glauben liefert, und Begründung Nummer drei ist, gelinde gesagt, fragwürdig:

“Nein, ich habe nicht gesagt, dass man an Gott glauben muss, um ein moralisch integres Leben zu führen. Die Frage ist vielmehr: ‘Wenn es Gott nicht gibt, gibt es dann objektive moralische Werte?’, und die Antwort lautet: ‘Nein.’” […] “Wenn es Gott nicht gibt, sind moralische Werte lediglich ein Produkt soziobiologischer Evolution. […] Aus atheistischer Sicht gibt es Taten, wie beispielsweise Vergewaltigung, die – gelinde gesagt – sozial nicht gerade vorteilhaft sein mögen und deshalb im Laufe der Entwicklung der Menschheit tabuisiert wurden. Das beweist aber noch längst nicht, dass Vergewaltigung wirklich falsch ist. Es ist sogar vorstellbar, dass Vergewaltigung als etwas für die Arterhaltung Vorteilhaftes entstanden sein könnte. Ohne Gott gibt es daher kein absolutes Richtig oder Falsch, das sich unserem Gewissen aufdrängt.”

Dieser Umkehrschluss hat Lücken, in denen zehn Nilpferde Platz finden. Auch wenn Herr Craig beteuert, man müsse nicht an Gott glauben, um ein moralisch integeres Leben zu führen, legen seine Ausführungen diesen Schluss nahe. Es kann auch dann objektive moralische Werte geben, wenn Menschen nicht an einen Gott glauben, und sie sind nicht bloß evolutionsbegründet.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Eine kleine Geschichte

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Eine neunzehnjährige Verkäuferin und ein achtzehnjähriger Landmaschinenmechaniker verlieben sich ineinander. Sie ziehen zusammen. Zwei Jahre später muss er seinen Wehrdienst antreten. Es ist Oktober 1990. Die neuen Uniformen lassen auf sich warten, deswegen muss er anfangs in Jogginghosen herumlaufen.

Die beiden vermissen sich sehr und schreiben sich zahlreiche Briefe. Ungefähr neun Monate, nachdem er seinen Wehrdienst angetreten hat, bringt sie eine Tochter zur Welt. Irgendwann ist der Wehrdienst vorbei. Er muss sich eine Arbeit suchen. Aufgrund der Wende findet er schließlich im anderen Teil Deutschlands eine Stelle. Zunächst arbeitet er in seinem erlernten Beruf, später als Tiefbauarbeiter.

Einige Monate später zieht sie mit der mittlerweile einjährigen Tochter hinterher. Der Anfang ist nicht leicht, obwohl sie eine Arbeit im örtlichen Supermarkt findet, damals noch der einzige des Ortes. Es gibt in dem kleinen niedersächsischen Dorf nicht so viele Ostdeutsche und als Neulinge werden die drei neugierig beäugt. Doch schließlich leben sie sich ein. 1998 kommt ein Sohn zur Welt. Die Tochter macht 2009 nach zwölf Jahren Abitur, wird Übersetzerin und studiert später Politik und Erziehungswissenschaft. Ihren Verlobten trifft sie im Gymnasium. Sie wird sich später sehr freuen, dass ihre Eltern nach Niedersachsen ziehen konnten, sonst wäre das alles nicht passiert.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 33

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http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/510639/osnabrucks-studenten-haben-mehr-vom-semesterticket

Ich habe auf noz.de selten so einen schlechten Artikel gelesen. Das neue Semesterticket hat genau eine gute Änderung an sich – die neue Linie zwischen dem Campus Westerberg und dem Hauptbahnhof. Alles andere dürfte den meisten Nutzern überhaupt nichts bringen. Einige wenige können mit dem neuen Ticket jetzt vielleicht bis in ihr ostniedersächsisches Heimatdorf fahren, aber wäre eine Erweiterung gen Süden aufgrund der Grenzlage nicht viel sinnvoller gewesen? Man kommt in NRW maximal bis Paderborn. Ich bin enttäuscht vom AStA und ich bin enttäuscht von der NOZ sowie Herrn Stricker, weil sie einen derart unkritischen Beitrag durchgehen ließen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin