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Sektweiber

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Ich dachte immer, es gibt nichts Fiesereres, als an einem Samstagabend mit nem Kopf so breit wie ne Tür vom Blockseminar zum Bahnhof zu laufen und dort auf ne Horde Junggesellenabschiede zu treffen. Tja, denkste.

Kennt ihr diese Frauengruppen, die man (meistens freitagmorgens) an Bahnhöfen oder in Zügen antrifft und Sekt trinken? Normalerweise sind die nur nervig, ich durfte diese Woche aber gleich zwei Gruppen treffen, die darüber hinaus auch noch fremdenfeindlich waren.

Eine Gruppe echauffierte sich über „Zigeuner“, mit allen Vorurteilen, die man so kennt gegenüber dieser Gruppe. Besonders drollig fand ich eine Frau, die sich darüber wunderte, dass „einer von denen“ eine brandneue Lederjacke, die vor einem Dönerladen während der dortigen Bestellung „kurz abgelegt wurde“, klauen wollte. Is klar, Ali.

Heute Morgen traf ich nun erneut auf eine sekttrinkende Frauengruppe. Sie erörterte die Fahrkartenmodalitäten. „Ach, wir machen das einfach wie die Ausländer. Die sagen auch immer ’no ticket, no money‘ und fertig.“

Was freue ich mich, wenn ich irgendwann die Pendelei los bin und so was nicht mehr hören muss…

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Aussehen

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Heute wird’s hier im Blog etwas oberflächlich. Und dann auch wieder nicht.

Tagesordnungspunkt 1: Meine Haarfarbe

Es ist jetzt fast acht Jahre her, dass ich anfing, mir meine Haare knallrot zu färben. Gestern stand wieder eine Erneuerung meiner Haare an, und ich habe mich wieder für Knallrot entschieden. Meine Naturhaarfarbe mag ich nicht, und für andere Färbeoptionen fühle ich mich nicht bereit. Mir gefällt dieses Rot. Rot ist meine Lieblingsfarbe und dieser Rotton, den ich habe, ist auf eine bestimmte Weise, die mir gefällt, auffällig. Und auch, wenn es komisch klingt: Ich bin noch nicht dazu bereit, eine Haarfarbe zu haben wie alle anderen. Sicher werde ich irgendwann zu anderen Haarfarben übergehen, aber erst, wenn das Bedürfnis nach einem bestimmten Aussehen nicht mehr da ist. Wenn ich Kinder habe oder Falten (oder beides).

Tagesordnungspunkt 2: Plus-Size-Models

Heute Morgen surfte ich wie üblich auf meinem Smartphone durch Spiegel Online und da stieß mir dieser Artikel ganz besonders ins Auge. Ich sah mir die Fotos an und dachte mir: Was ist das für eine kranke Scheiße?

Ashley Graham hat einen BMI von 25. Sie ist nicht dick. Auch die anderen in der Fotostrecke gezeigten Models sehen großenteils eher human als „plus“ aus. Und sie gefallen mir viel besser als die „normalen“ Models, die von irgendwelchen Leuten aus der Modeindustrie als Ideal verkauft werden.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

En trevlig resa

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Wie jedes Jahr wollen mein Mann und ich auch dieses Jahr gern über die Feiertage meine Eltern besuchen.

Problem 1: Mein Mann hat seit seiner Geschäftsreise nach Italien, die etwas turbulent verlief, nicht mehr so viel Bock auf Fliegen.

Problem 2: Streiks bei einer gewissen Fluggesellschaft.

Wir überlegten uns also Alternativmöglichkeiten. Theoretisch ist es möglich, mit vier Mal Umsteigen eine Zugreise zu meinen Eltern zu gestalten.

Problem 3: Ist von Deutschland aus schwierig zu buchen.

Gut, es gibt ja nicht nur Zug. Ich erinnerte mich daran, dass meine Mutter mir mal von einer Fähre nach Malmö berichtet hatte.

Problem 4: Wie kommt man vom Malmöer Hafen zu meinen Eltern? (Ich habe gerade einmal nachgesehen. Das sind über 600 Kilometer.)

Mein Mann und ich berieten uns, entschieden uns, noch nichts zu buchen, und ich rief meine Eltern an. Mein Vater meinte, eine Zugreise sei wirklich nicht ratsam, der Weg über Kopenhagen sei auch ein großer Umweg. Von der Fähre nach Malmö hatte er noch nie gehört. Aber ob wir nicht die Trelleborg-Fähre nehmen wollen, da käme man dann auch gut vom Hafen zum Bahnhof und wie das in Malmö aussehe, wisse er nicht. Ich schlug meinem Mann vor, die Fähre zu nehmen, die in Trelleborg anlegt.

Problem 5: Monsieur und ich wären 24 Stunden unterwegs. Ein Weg, wohlgemerkt. Und das so gut wie ohne Entertainment-Möglichkeiten.

Ungefähr eine Viertelstunde, nachdem ich das Telefonat mit meinem Vater beendet hatte, rief meine Mutter an. Es gebe so eine tolle Fähre von Kiel nach Göteborg, mit ganz vielen Restaurants, Bars und Geschäften an Bord (und WLAN!), und von Göteborg käme man doch schneller Richtung Stockholm. Gut, akzeptiert. Monsieur und ich waren vorher im Reisebüro und haben gebucht. Das Ganze ist zwar ein bisschen teurer als die übliche Flugreise, aber wenn man dafür so eine Art schwimmendes Hotel bekommt… Außerdem war ich seit 2007 nicht mehr mit einer Ostseefähre unterwegs. Mal sehen, wie es wird. Will keep you posted.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Adoptiere einen Tag

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Zwar habe ich es immer noch nicht geschafft, meinen Namen auf ein Buch zu bekommen, dafür aber immerhin wieder in ein Buch. Wollt ihr wissen, wie? Ich sage es euch.

Vor drei Millionen Jahren habe ich hier über das Projekt „Wurst mit Gesicht“ berichtet. Irgendwann landete bei einer meiner dortigen Bestellungen ein Zettel im Briefkasten. Der Mann, der schon das Wurstprojekt leitet, hat ein neues Projekt gestartet – „Adopt a day“. 365 Menschen sollten je einen Tag des Jahres 2014 beschreiben, den jeweilig tagesaktuellen Nachrichten gegenübergestellt. Die Idee klang ganz interessant, ich entschied mich also dafür, einen Tag zu adoptieren. Mein Wunschtag – der Tag, an dem ich getauft wurde – war leider nicht mehr frei, aber ich bekam einen anderen zugewiesen, den 29. April, also kurz nach der Taufe. Der Vorschlag hinter diesem Tag: mein Leben als frischgetaufte Christin zu beschreiben. Natürlich kam es ganz anders.

Der Autor hatte das Buch erstellt, weil er sich fragte, wie wichtig die großen Schlagzeilen für das Leben des Einzelnen sind. Ich habe mal versucht, das Ganze auszuwerten, und kam bei 365 Tagen auf 15,5, bei denen die von Dennis Buchmann ausgewählten Headlines irgendwie im Text vorkamen. Und es war nur deswegen so viel, weil in diesem Jahr eine Fußball-WM stattfand. (Wer sich fragt, wie ich auf den halben Tag kam: Bei einem Tag ging es um Fleischkonsum und eine Schlagzeile drehte sich um den Streit der Grünen über Fleischkonsum. Mein eigener Tag ist für die These, dass Nachrichten und das echte Leben nicht so ganz viel miteinander zu tun haben, ein prima Beweis. Headlines des Tages: Alstom-Übernahme, Snowden, Sparpaket in Frankreich und irgendein Russen-Radar. Nichts davon kommt in meinem Text vor.

Der Herausgeber der Chronik hat hinter den Schlagzeilen nicht angegeben, woher er diese hat. Es gab aber eine, da konnte ich mir schon denken, woher er sie hat („Hoffnung für festgefahrenes Kreuzfahrtschiff – Schumi bricht das Eis!“).

In dem Buch stehen viele traurige Geschichten. Unfälle, Krebs, Familienstreits in der Weihnachtszeit. Es gibt aber auch viele schöne. Neue Babys, bestandene Prüfungen, Treffen mit der großen Liebe. Ich kann die Lektüre dieses Werkes nur empfehlen. Wer es bestellen möchte, kann das hier tun: http://www.adoptaday.net/

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin (aber echt mal)

Weltschmerz, lachhaft, Widerruf

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(Vielen Dank an dvda für den Titel.🙂 )

„Und was machst du zurzeit so?“
„Och, es läuft ganz gut, ich hab vor kurzem endlich mein Ref angefangen.“
„Dann viel Erfolg.“
„Danke. Und was machst du zurzeit so?“
„Naja, ich muss morgen zum Arzt…“
„Dann hoffe ich mal, dass du nicht so lange warten musst. Ich bin ja jetzt privatversichert, da geht’s.“
„Privatversichert?“
„Als Beamtin auf Widerruf geht das.“
Nina seufzte laut. Ihre Oma hatte ihr neulich schon wieder in den Ohren gelegen. Nimm dir mal ein Beispiel an deiner Freundin!
„Oh, ich glaube, jemand hat gerade an meiner Tür geklingelt. Ich gehe mal eben hin.“
„Alles klar, bis dann!“
„Bis dann“, sagte Nina in einem möglichst neutralen Ton und legte auf.
Natürlich war niemand da, der an der Tür geklingelt hatte. Wer sollte auch an einer Tür einer Wohnung klingeln, die ab morgen leer stehen würde? Das Einzige, was sich noch in der Wohnung befand, waren eine Matratze, eine Kiste mit Habseligkeiten und die Noch-Mieterin selbst. Das heißt, eine Hälfte der Noch-Mieter. Aber Johannes war schon lange weg. Und er würde auch niemals wiederkommen. Er hatte alle seine Sachen abholen lassen, während Nina bei der Arbeit gewesen war. So schlau war er.
Nina war nicht so schlau gewesen. In einer Beziehung alleine sein, das konnte jeder. Trost bei jemandem suchen, das war normal. Sich von dem Trostspender küssen lassen, während der Partner gerade den Raum betrat, das war nicht normal.
Sie seufzte und schaute aus dem dunklen Fenster. Mit Kerstin hatte sie sich immer gut verstanden. Früher hatten sie sogar häufiger etwas zusammen unternommen… und dann zog Kerstin in eine andere Stadt und man hatte immer weniger Kontakt. Bei guten Freunden war das egal. Aber Nina merkte irgendwann, dass es ihr nicht guttat, wenn sie eine Freundin hatte, die geradewegs an ihr vorbeizischte. Leben mit langjährigem Partner, Studium beendet und baldige Verbeamtung. Und sie? Sie hatte ein Studium, das nicht voranging, einen Job, den sie hasste, und eine Beziehung, die sie in den Sand gesetzt hatte.
Wenn sie mal ehrlich war, hatte sie Kerstin auch nur deswegen angerufen, weil ihr langweilig war. Und weil der Computer schon in ihrem neuen Zimmer stand. Sonst hätte sie im Internet gesurft.
Vielleicht würde sie sich ja besser fühlen, wenn morgen ihr Vater kam und mit ihr die letzten Sachen holte. So aber war alles trostlos und leer. Die leere Vierzimmerwohnung, die sie früher mit Johannes bewohnt hatte. Ihr Herz sowieso. Alles war so schwarz wie die Nacht vor ihrem Fenster.
Ihr kam eine Szene aus der Serie in den Sinn, die sie und Johannes früher oft zusammen geguckt hatten. Die weibliche Hauptperson war aus ihrem Job gefeuert worden. Nachdem sie sich über die lachhafte Abfindung beklagt hatte, war sie von ihrem Ehemann in den Arm genommen und getröstet worden. Wie oft hatte Nina sich und Johannes mit den beiden verglichen? Wie oft hatte er sie in den Arm genommen, als sie traurig gewesen war?
Traurig guckte sie zu Boden und wollte fast weinen, da kam ihr ein trotziger Gedanke. Du weißt doch genau, dass er irgendwann gar keinen Bock mehr hatte, dich zu trösten. Da soll sich der Kerl mal nicht wundern, wenn du irgendwann in Christians Armen gelandet bist. Schön, Johannes hätte euch nicht unbedingt dabei sehen müssen. Aber hey, wenn alles in Ordnung gewesen wäre, wäre das nicht passiert.
Sie hob den Kopf.
Ich hab ihm sicher irre wehgetan.
Sie senkte den Kopf wieder.
Wie oft hat er dir wehgetan?
Sie schaute aus dem Fenster.
Spielt das eine Rolle?
Sie stand auf und ging durch die leere Wohnung. Dort hatten sie sich zusammen über Rechnungen gestritten. Dort hatten sie Sex auf seinem Sofa gehabt, bis sie einen Beinkrampf bekam. Dort hatte er sie in den Arm genommen nach ihrer verhauenen Prüfung. Und dort hatte er sie angeschrien, weil sie seine Pommes ein paar Minuten zu lang im Ofen gehabt hatte.
Nina seufzte laut. Was Weltschmerz anging, war sie schon immer gut gewesen. Nicht, dass das gut war. Eigentlich brachte es entsetzlich wenig. Aber hey, vielleicht konnte sie so immer noch Schriftstellerin werden.
Ihre Eltern wären natürlich dagegen, die würden lieber sehen, dass sie endlich ihr Studium beendete. Dafür hatte sie ja jetzt genug Zeit.
Sie konnte kaum erwarten, dass ihr neues Leben endlich anfing. Aber wer weiß, vielleicht erwartete sie in ihrem neuen WG-Zimmer drei Kilometer weiter ja letztlich auch nur die gleiche Lebensscheiße wie immer. Sie legte sich auf die Matratze in der fast leeren Wohnung und wartete darauf, dass die Sonne aufging und ihr Vater sie abholte.

Butterkeks, Doppelkupplungsgetriebe, Apostasie

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(Vielen Dank an Klopfer für diesen tollen Titel. Ernsthaft, wtf? :D)

Freitag, 13 Uhr. Endlich hatte sie es geschafft. Eine Arbeitswoche war vorbei. Und die war diesmal so anstrengend gewesen wie noch nie. Den blöden Antrag zur Projektverlängerung fertigschreiben, unzählige Fälle bearbeiten und gerade noch die Sitzung mit ihren Vorgesetzten. Wer würde es ihr da übelnehmen, wenn sie etwas Entspannung brauchte?
Gerade so unauffällig, wie es möglich war, räumte sie die Hinterlassenschaften der Sitzung weg, damit sie sich endlich davonmachen konnte. Die Butterkekse in den Schrank, die Gläser in die Spülmaschine und ihre Akten in die Tasche. Sie überlegte kurz, ob die Spülmaschine so voll war, dass sie sie anstellen musste, und entschied sich dann dagegen. Und außerdem musste sie ja einen Zug kriegen. Schnell schloss sie ihr Büro ab und huschte davon.
Ungeduldig wartete sie auf den Bus, der sie zum Bahnhof brachte. Natürlich hätte sie auch ein Taxi nehmen können, aber an diesem Wochenende würde sie noch genug Geld ausgeben, da musste das nicht auch noch sein. So gab es halt zwanzig Minuten Fahrt und drei merkwürdige Gespräche mit Fahrgästen extra, bevor sie sich und ihren Rollkoffer zu Gleis 11 dirigieren konnte.
Unten angekommen konnte sie sich direkt wieder ärgern. Schaffte es die Deutsche Bahn eigentlich nie, ihre Züge mal pünktlich ankommen zu lassen? Gerade jetzt, wo es so wichtig war! Sie wartete eine gefühlte Ewigkeit, bis der Zug in die große Stadt endlich einfuhr und sie sich auf den blauartigen Sitzpolstern niederlassen konnte.
Und während der Zug davonfuhr, konnte sie all die Gedanken der letzten Woche langsam hinter sich lassen und darauf konzentrieren, was noch vor ihr lag. Sie wollte einen Freund besuchen, den sie länger nicht gesehen hatte. Seit sie berufstätig war, schafften sie es kaum noch, sich zu sehen, aber wenn, war es immer toll. Sie genoss seine Gesellschaft, die eine der wenigen Sachen war, die ihr Leben noch in irgendeiner Weise interessant machten.
Sie schrieb ihm kurz, dass sie im Zug saß und in gut vier Stunden ankäme, und ließ sich dann wieder in den Sitz sinken. Abgesehen vom Fahrkartenkontrolleur sprach sie mit niemandem und niemand mit ihr. Sie hatte es so an sich, sich abzuschirmen. Mit niemandem zu kommunizieren, mit dem es nicht unbedingt nötig war. Die meisten Menschen waren es eh nicht wert, dachte sie im Grunde. Sie war sich selbst der nächste Gesprächspartner, abgesehen von einigen wenigen Freunden vielleicht.
Ohne dass sie es wirklich registrierte, sank die Sonne immer weiter nach unten. Als sie schließlich den Zug verließ, war sie gar nicht mehr zu sehen. Sie schritt durch das Glasgebäude, in ihrer altgewohnten Ich-habe-zu-tun-bitte-sprechen-Sie-mich-nicht-an-Haltung, und setzte sich in die S-Bahn. Sie betrachtete all die Menschen, die dort saßen, ohne ihnen in die Augen zu sehen. Mit ihrem anthrazitfarbenen Hosenanzug stach sie schon etwas heraus, aber es gab andere Menschen, die mehr herausstachen als sie.
Schließlich kam ihre Station. Ihr Handy vibrierte zwei Mal, aber sie ging erst einige Meter, bevor sie dazu kam, nachzusehen, wer da etwas von ihr wollte.
Tut mir echt voll leid, aber ich muss noch was ganz Dringendes erledigen. Machts dir was aus, wenn wir uns ne halbe Stunde später treffen? Bis später, D.
Das konnte doch nicht wahr sein, oder? Das war doch nicht wahr, oder? Sie hatte eine total harte Arbeitswoche hinter sich, fuhr vier Stunden, um ihn zu sehen, und dann das? Was bildete der sich eigentlich ein?
Sie war so sauer, dass sie ignorierte, eigentlich noch zwei Straßen weiter zu müssen, und ging kurzerhand durch die nächstbeste Tür. Was zufällig die Tür einer Kneipe war.
Das Interieur war nicht gerade einladend, aber das war ihr dann auch egal. Sie sank auf einen Hocker am Tresen. „Na, auf Geschäftsreise?“, fragte sie der Wirt, und sie watschte ihn sogleich ab. „Das geht Sie nichts an. Ich hätte gerne ein großes Helles mit Schuss, bitte.“
Der Wirt zuckte mit den Augenbrauen und erledigte ihre Bestellung. Sie lehnte sich missmutig über den Tresen und wünschte, sie wäre zu Hause geblieben. Der Liebesfilm, den sie vor drei Wochen aufgenommen hatte, wäre eine viel angenehmere Gesellschaft gewesen als ein Typ, der sie einfach versetzte.
„Alles Idioten hier“, rief ein Typ in der Ecke laut, wofür er vom Wirt gemaßregelt wurde, mit recht unfreundlichen Worten. Irgendwie hatte der Besoffene da hinten Recht, dachte sie und musterte die anderen Gäste.
Da ging die Tür auf. Ein Kerl mit langen Haaren und Bart kam herein, bestellte ein Bier und setzte sich auf den Hocker neben sie. Ernsthaft? Neben sie? Wo noch so viele andere Plätze frei waren? Sie starrte auf das dunkle Holz des Tresens und hoffte, dass der Typ sie  nicht ansprechen würde.
„Was guckst du denn so missmutig?“
Tja, die Hoffnung war soeben gestorben. „Alles in Ordnung“, brummte sie. „Was macht so ’ne schöne Frau wie du an so ’nem Ort?“
„Sich die Birne wegsaufen“, antwortete sie, ohne hinzusehen, und holte ihr Handy aus der Tasche. Da war ja noch eine Nachricht.
Hallo, wie geht es dir? Papa und ich gehen gleich essen. Ruf doch mal wieder an! Grüße, Mama.
Das würde sie vielleicht sogar tun, wenn sie nur wüsste, was sie sagen sollte. So aufregend war ihr Leben nicht. Viel arbeiten, gelegentlich Freunde treffen. Sie schnaubte. Wenn die nicht gerade Anderes vorhatten.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, wollte ihr Sitznachbar wissen. „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du dich ewig auf ein Treffen mit deinem Kumpel freust und dann versetzt er dich einfach?“, rief sie und war im nächsten Augenblick selber erstaunt über diesen Ausbruch.
„Wohl nicht besonders gut“, entgegnete der Typ. Der Wirt stellte die Biere vor die beiden. Sie nahm sogleich einen großen Schluck. „Was hat er denn gesagt?“
Sie schnaubte wieder. „Er muss was total Wichtiges erledigen und ob es mir was ausmachen würde, wenn wir uns ’ne halbe Stunde später treffen. So ein Scheiß!“
„Moment, hast du nicht gerade gesagt, er hat dich versetzt?“, erkundigte sich der Typ verwirrt.
„Ja, und?“, war die Antwort.
Der Kerl lachte auf. „Mädel, ich hab keine Ahnung, was bei dir schiefgelaufen ist, aber bei dir muss was mächtig schiefgelaufen sein.“ Er trank von seinem Bier.
„Moment mal, was bil…“, wollte sie zu einer Riesenverteidigung ansetzen, als er sie unterbrach. „Schon klar, du bist wohl am liebsten allein und musst das auch jedem zeigen. Schon klar.“ Und er trank wieder.
Sie klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch, der auf dem Trockenen lag. Erst viel später fiel ihr eine Antwort ein. „Bist du Jesus oder so? Glaubst du, in Menschen hineinsehen zu können?“
„Nein“, lachte er, „auch wenn ichs lange versucht hab. Ich hab mich sogar für Theologie eingeschrieben.“
„Theologie, Hilfe“, stöhnte sie. „Warum studiert man so was?“
„Damals hielt ich es jedenfalls für ’ne gute Idee. Nach 13 Semestern hab ich es sogar geschafft, mich für die Abschlussarbeit anzumelden.“
„Wow, total schnell“, meinte sie und zuckte mit den Augenbrauen.
„Hat am Ende aber nichts gebracht. Ich musste einsehen, dass Apostasie in den abrahamitischen Religionen nicht so das affengeile Thema ist.“
„Und stattdessen nervst du jetzt Frauen in Kneipen“, lachte sie auf und stierte wieder auf ihr Handy.
„Ich nerve niemanden, der nicht dazu einlädt“, sagte er, zwinkerte ihr zu und trank dann weiter von seinem Bier.
Sie sah auf ihre Armbanduhr und erschrak. In einem Zug trank sie den Rest ihres Bieres aus, unterdrückte einen riesigen Rülpser, so gut es ging, und knallte dem Wirt ihr Geld auf den Tresen. Dann eilte sie aus der Kneipe.
Eine Straße weiter sah sie aus dem Augenwinkel eine große Werbetafel für den neuesten koreanischen Kleinwagen mit Hybridantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Na, das wäre ja was für ihren Vater, der war total autoverrückt. Sie nahm sich vor, bald ihre Mutter zu fragen, ob er immer noch Autozeitschriften auf dem Klo las. Aber erst morgen. Erst musste sie zu ihrem Kumpel und ihm von dem Irren aus der Kneipe erzählen.

Träume und eine Idee

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Ich hatte in der Nacht zu Dienstag einen Traum. Ich flog in die USA. Während des Fluges hatte ich irre Schiss, lernte im Flugzeug aber dann einen tollen Typen kennen, der mir die Angst nahm. Wir beschlossen, drüben in den USA ein bisschen was zusammen zu unternehmen. Ich schlief während des Fluges ein, hatte keine Ahnung, wo wir dann gelandet waren, und lief ein wenig herum. Als ich ein Schild mit deutscher Sprache sah, merkte ich, dass wir nie in den USA angekommen waren. In dem Augenblick bekam ich eine SMS von dem Kerl aus dem Flugzeug. Wir hätten wegen Wetter oder so umdrehen müssen, aber ich hätte es nicht mitbekommen, weil ich geschlafen hätte. Ich war erst irre traurig – und dann dachte ich: Wenn Trump bald Präsident wird, ist es wohl eh besser, wenn ich nicht in den USA bin.

Tja. Vielleicht gebe ich doch wirklich Japan den Vorzug. Ich weiß es nicht.

Apropos „nicht wissen“: Ich habe heute lange darüber nachgedacht, wie ich meine zahllosen Blogfans noch weiter beglücken kann. Und ich hatte dann eine Idee. In der Grundschule hatten wir mal eine coole Aufgabe für eine Kurzgeschichte: Die Lehrerin gab uns drei Worte, mit denen wir dann eine Geschichte schreiben mussten. Und genau das will ich auch mal versuchen. Bitte schreibt mir in den Kommentaren drei Wörter, aus denen ich dann was machen werde. Ich bin gespannt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Während ich das hier schreibe, gab es auf Twitter eine Meldung: Donald Trump will bis zu drei Millionen Ausländer abschieben oder einsperren lassen. Holleradulijöh.