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Monatsarchiv: März 2016

Löffellisten, Anrufe und Alarme

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Tagesordnungspunkt 1: Löffellisten

Ich muss noch etwas zum Thema „Löffellisten“ loswerden. Wenn man eine Löffelliste schreibt, sollte man sich natürlich schon bemühen, die Wünsche zu erfüllen. Und man sollte auch nicht davon abrücken, nur weil irgendwer die Wünsche nicht versteht. Das heißt aber nicht, dass man sein „richtiges“ Leben deswegen vernachlässigt. Auf meiner Liste steht z.B. „pilgern“, das heißt aber nicht, dass ich sofort nach Santiago de Compostela oder so herunterlatsche.

Bei Löffellistenwünschen muss man manchmal auch gucken, was dahintersteht. Bis vor einer Woche stand noch darauf, dass ich gern ein Mitglied der Band „Die Ärzte“ treffen möchte. So toll ich auch das an sich finde, ich war hinterher mindestens genauso glücklich, dass ich mich getraut habe, auf mein Idol zuzugehen und ihn anzusprechen. Ich bin nämlich nicht gerade mutig, was ich nicht toll finde. Noch ein Beispiel: Auf meiner Liste steht, dass ich gern selber lernen möchte, wie man zerrissene Kleidung näht. So toll das an sich wäre, es geht mir auch darum, dass ich generell lerne, Sachen selber zu machen und selbstständiger zu sein, sozusagen.

Tagesordnungspunkt 2: Der Fall Z.

Es gibt Neues im Fall Z. – vor ein paar Tagen hat wieder der Schornsteinfeger angerufen. Ich weiß jetzt, dass Herr Z. mit einer Frau zusammenlebt(e?) und wie diese heißt (hieß?). Ich habe dem Schornsteinfeger gesagt, dass er die Nummer löschen kann, weil Herr Z. das ja offensichtlich nicht vorhat. Aus welchem Grund auch immer. Ich bleib dran.

Tagesordnungspunkt 3: Kitschi wird durchsucht

Ich helfe zurzeit wieder als Vertretung bei einem Deutschkurs aus. Die Teilnehmer hatten zwar irgendwie mitgekriegt, dass morgen (also heute) ein Feiertag ist, sie wussten aber nicht, dass alle Geschäfte zu haben, und bis Samstag wollten sie nicht warten. Ich habe mich also breitschlagen lassen, mit ihnen in den Supermarkt zu gehen. Dabei kann ich ihnen ja auch viele Wörter und Derartiges erklären. Aber dann musste ich ihnen noch etwas ganz anderes erklären.

Ich ging gerade mit den für meinen Ehemann eingekauften Bratkartoffeln durch die Kasse, als es auf einmal wild piepte und mich alle anstarrten. Es piepte tatsächlich meinetwegen und ich wurde dann gebeten, mitzukommen, man müsse sich das einmal anschauen. Verwirrt drückte ich einem der Kursteilnehmer meine Bratkartoffeln in die Hand und ging mit.

Natürlich hatte ich nichts geklaut, verwundert stellten wir dann fest, was der Grund für die Alarmauslösung war – mein für die Uni per Fernleihe ausgeliehenes Buch! Mit dem Code, der drinliegt und den man nicht entfernen darf! Der Verkäufer meinte, so etwas sei ihm noch nie untergekommen. Die Kursteilnehmer guckten auch sehr verdattert. Ich war jedenfalls froh, als ich ihnen die Kartoffeln wieder abnehmen konnte.

Mit vorösterlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Leukämie ist ein mieses Arschloch

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Guido Westerwelle ist gestern gestorben. Ich war politisch gesehen nicht mit ihm einer Meinung, aber sein Tod ist trotzdem traurig. Noch dazu, wenn man weiß, wie es passiert ist. So etwas gönne ich keinem. Herr Westerwelle hatte akute Leukämie, die vor zwei Jahren diagnostiziert wurde, und wenn man nicht zufällig darüber gestolpert wäre, wäre er schon viel eher gestorben.

Er hat dem Spiegel ein längeres Interview gegeben letzten November. Es ist wirklich sehr interessant: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guido-westerwelle-im-spiegel-gespraech-und-dann-stirbste-a-1083100.html Er redet darüber, was er bereut, über seine Erfahrungen mit Homophobie, über Möllemanns Antisemitismus und vieles mehr.

Wie immer, wenn irgendwo irgendwas passiert, schaut man, ob man die Nachricht mit sich selber verbindet. Ich musste ziemlich schnell an meinen Großvater denken. Der leidet zwar an einer anderen Form der Leukämie und lebt nun schon über neun Jahre damit, aber es gibt Zeiten, wo es ihm auch richtig schlecht geht. Einmal hätte er fast eine Knochenmarkspende gebraucht. Als ich erfahren habe, dass er krank ist, habe ich mich direkt typisieren lassen (und ich kann euch nur empfehlen, das auch zu tun). Mein Großvater muss höllisch aufpassen. Krankheiten, die normale Menschen sehr einfach wegstecken würden, bringen ihn immer gleich ins Krankenhaus. Ich hoffe, dass er irgendwann nicht mehr leiden muss. Dass irgendwann niemand mehr daran leiden muss.

Grüße

Die Kitschautorin

Ich war schon wieder weg

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Und genau darüber berichte ich jetzt.

Zugfahrten

Es nervt mich jedes Mal wieder, dass Leute durch den ganzen Zug rennen und so alles blockieren. Vermutlich reservieren zu wenige Leute. Von meinem Platz habe ich auf der Hinfahrt jemanden verscheuchen müssen, der nicht wusste, dass man auch kurz vor der Abfahrt noch reservieren kann. Es gibt sicher auch Leute, die keine 4,50 bezahlen wollen, aber die müssen ja nicht den Gang verstopfen. Wenn man ohne Reservierung einen Platz will: entweder den Schaffner fragen, sich ins Restaurant setzen oder auf die bahncomfort-Plätze – die werden selten genutzt.

Die Unterkunft

Dass ich zu der Lesung (der da) konnte, kam relativ kurzfristig. Als ich über Facebook davon erfuhr, war sie schon ausverkauft. Litcologne bietet aber eine Tauschbörse an und so kam ich doch an eine Karte. Zweieinhalb Wochen vorher. Zu Messezeiten eine günstige Unterkunft in Köln zu finden, ist irre schwer. Mein Fehler war, dass ich das zweitgünstigste Angebot gegen das günstigste getauscht habe. Es sollte einen misstrauisch machen, wenn man zu Messezeiten mit nur zweieinhalb Wochen Vorlauf ein Doppelzimmer für knapp 40 Euro bekommt.

Die Einrichtung wäre mit „spartanisch“ unzureichend beschrieben, die Bedienung im Bistro tauchte einfach nicht auf (und die Rezeption wusste nicht, warum) und mein Bett war so unbequem, dass ich Rückenschmerzen habe. Dass ich quasi die ganze Zeit ein Kirchengebäude vor der Nase hatte, war auch nicht schön, auch wenn das Gästehaus der katholischen Kirche gehörte.

Die Kölner U-Bahn Stadtbahn

Die U-Bahnen in Hamburg und Berlin fand ich toll. In Köln fand ich sie zu laut. Außerdem scheint es dort völlig normal zu sein, dass die Bahn einfach mal im Tunnel stehenbleibt. Oh, und ich hab mich auf dem Weg zur Lesung drei Mal verfahren.

Die Lesung

Es war total witzig und wenn es in Zukunft Lesungen von „Lists of note“ gibt, solltet ihr unbedingt hingehen. Wer zu faul ist, zu googeln: Shaun Usher hat viele seiner Meinung nach bemerkenswerte Listen zusammengestellt. Es sind lustige dabei (Johnny Cash), bescheuerte auch (Frauen, die gegen das Flirten sind). Es gab auch traurige. Bibiana Beglau hat eine Liste vorgelesen, die aus dem Jahr 2001 stammte. Eine Frau wollte vor der Arbeit noch wählen und kam deswegen später, das hat ihr das Leben gerettet, sie arbeitete nämlich im World Trade Center. Die Liste bestand daraus, was sie nie wieder mit ihren Kollegen von damals tun wird.

Ich fand es gut, dass Gebärdensprachdolmetscherinnen anwesend waren. Nicht nur, weil Gehörlose so gut folgen konnten. Es verlieh einigen Listen auch eine gewisse Komik. Bibiana Beglau hat zum Beispiel eine Liste über nicht zu ändernde Körpermerkmale vorgelesen.

Ich werde nicht ändern:

  • meine Brüste, bei denen einer kleine ist als die andere
  • meine Hüften, die aussehen, als hätte man Hefeteig um eine Bierkiste gewickelt

Bela B (der sich von vielen Gesten sehr beeindruckt zeigte) bat um einen Sonder-Gehörlosen-Applaus für die Dolmetscherinnen. Das geht übrigens so:

Was sonst so passiert ist

Ich habe mir einen Löffellistenwunsch erfüllen können. Ich möchte dazu gar nicht so viel sagen, wer mich kennt, der kann sich eh denken, worum es geht. Ich sage nur so viel: Es kann sehr wichtig sein, richtig herum um ein Gebäude zu laufen.

Mit freundlichen Grüßen (und kauft Shaun Ushers Bücher)

Die Kitschautorin

Bevor hier alles noch ganz einschläft

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Zunächst mal das Unerfreulichere: Für die Leute, die es noch nicht wissen, ich muss noch mal eine Bachelorarbeit anfertigen. Die Gründe tun hier nichts zur Sache. Aber bis jetzt lässt es sich ganz gut an. Ich habe mit meinem Lieblingsdozenten of all time gesprochen und er hat mich sehr ermutigt. Auch meine Themenidee findet er gut. Es soll um Islamfeindlichkeit gehen. Das Schwierige: Ich darf nichts aus meiner alten Bachelorarbeit verwenden. Aber das kriege ich hin. Ich gehe gerade schon Literatur durch (wen’s interessiert: Yasemin Shooman) und habe so viele Anregungen bekommen. Am Mittwoch habe ich um halb neun morgens einen Termin mit meinem Dozenten, wo wir mein Konzept genauer besprechen und er mir dann auch hoffentlich eine(n) passende(n) Zweitgutachter(in) nennen kann, weil die alte die Uni verlassen hat. Der Termin ist nicht in seiner normalen Sprechstunde, ich finde es toll, dass er ihn für mich freigeschaufelt hat.

Da ich von irgendwas leben muss und der Fahrschule immer noch fröhlich Geld in den Rachen werfe, bin ich auf Jobsuche. Wobei man mittlerweile zu 90 Prozent sagen kann: war. Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet, ein Vorstellungsgespräch zu kriegen, und bekam dann lustigerweise eins an dem Tag, der nur alle vier Jahre existiert. Es ist mir auch noch nie passiert, dass mich ein Arbeitgeber ablehnt und ein paar Wochen später anruft, ob ich mal vorbeikommen wolle, es gebe die Option auf eine Teilzeitstelle.

In dem Bereich, in dem ich arbeiten will (Sozialarbeit), gibt es nicht so viele Möglichkeiten, wenn man kein Zeugnis vorweisen kann. (Was ich ja auch irgendwie blöd finde. Natürlich will man keine Neulinge, aber das wäre ich ja auch nicht und meine Noten waren bisher echt nicht schlecht.) Bei der Stelle, auf die ich mich ursprünglich beworben habe, wollte man den Wisch aber. Tja. Umso schöner, dass sich jetzt eine Beschäftigungsmöglichkeit bietet, bei der ich den nicht brauche. Etwas irritierend war nur, dass mein Einsatzort ein anderer sein wird als zunächst angegeben – und es gibt in dem Ort keinen Bahnhof. Aber was soll’s, das werde ich schon überbrücken können und es ist immer noch besser, als blöd und untätig zu Hause herumzuhocken. (Oder darauf zu warten, dass mein letzter Arbeitgeber mir mal einen vernünftigen Vertrag gibt. Ich weiß, die können gerade nicht mehr machen, und die wissen, dass ich nach Längerfristigem suche.)

Mein vermutlich zukünftiger Arbeitgeber möchte, dass ich vorher noch mal den Bürgermeister der Gemeinde treffe, von deren Seite aus geht alles in Ordnung. Klar, das ist ja auch verständlich, der Mann will auch gerne wissen, mit wem er da zusammenarbeitet. Wenn ich das jetzt nicht total vermassle, warum auch immer, sollte ich die Sache eigentlich im Sack haben.

Ich muss jetzt die Wohnung auf Vordermann bringen und duschen, gleich gibt’s nämlich noch Besuch – es geht toll weiter. 😀

Mit den Chinarestaurantbesuch ungeduldig erwartenden Grüßen

Die Kitschautorin